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Ponistm meldet: „Nur wenige Worte! Ich bin seit gestern mit Johannes hier — ich sah ihn gestern — Von meinem Jammer lassen Sie mich schweigen, aber einige zärtliche Blicke empfing ich — sie nehme ich durch mein ganzes Leben hindurch! Einmal umfaßte er mich auch, er kannte mich! Bitten Sie zu Gott um ein sanftes Ende für ihn — es kann nicht lange mehr dauern, wie Richarz sagt. Ich oerlasse ihn nicht mehr! Ach Joachim, welcher Schmerz, welcher Jammer, so Ihn wieder zu sehen! Aber der Blick — um alles in der Welt mißte ich ihn nicht mehr^"
Kurz nach dem Tode Schumanns trifft Joachim in Eu- denich bei Bonn ein. „Am letzten Tage soll er ganz sanft allmählich eingeschlafen sein. Sanft und mild sah sein Anlitz aus; ich habe einen ernsten, aber ruhigen Eindruck noch von dem geliebten Meister, dessen Leben rein wie wenig andere war." Joachim wird von Frau Schumann beauftragt, den Freunden die traurige Nachricht mitzuteilen; er schreibt an Liszt: „Daß Tu, der in frühen Tagen schon in künstlerischer und freundlicher Beziehung zu dem entschlummerten Meister gestanden, die Kunde besonders teilnehmend hören würdest, war einer meiner ersten Gedanken — denn mag auch Schicksal: äußere wie innere Erfahrung die Wege von Ench beiden gerade verschieden im Leben gestaltet haben, ja mögt Ihr das gegenseitig ausgesprochen haben, mir ist doch gewiß, daß Niemand den vollen Wert des leider uns entrückten Mannes reiner zu verstehen, schöner zu empfinden Macht Willen hat, als Du in diesem ersten Moment". Liszt antwortet aus Weimar: „Sursum Corda — Dies gebietet die ernste Trauer, das mahnende Stillschweigen, Robert Schumann's Grab! Ueberbringe seiner Frau den Ausdruck meiner innigsten Teilnahme an dem großen Verluste der sie am herbsten betroffen hat; — meine wahrhaftige Verehrung und Ergebenheit für sie wünschte ich überzeugender als durch Worte beweisen zu können. Dir aber danke ich herzlich und insbesondere, daß Du mich nicht verkennst und die Ueberzengnng festhälst, daß Niemand mehr durchdrungen von dem vollen Wert des entrückten Meisters fein kann, und mit reinerer Empfindung und begeistertem Verständnis seinem Genius huldigt als Dein in herzlicher Verehrung getreuer F. Liszt."
Vsxmrsehtes.
— Chri st i a n G o t t h e l f S a l z m a n n. Der Pfarrerssohn, der 1744 in Rohrborn bei Sömmerda geboren wurde, sollte wieder ein Pfarrer werden, und so studierte Christian Gotthels Salzmann in Jena Theologie, wurde Dorfpfarrer und später erst Diakonus, dann Pastor zu Erfurt. Aber er wollte nicht nur von der Kanzel herab leiten, in ihm steckte der geborene Erzieher, und die Rousseauschen Ideen, von Basedow in Deutschland verbreitet,, ergriffen ihn mächtig. Er trat als pädagogischer Schriftsteller nuf, und Basedow berief ihn als Lehrer an die von ihm in Dessau ins Leben gerufene Erziehungsanstalt, das Philanthropin. Hier schrieb er seinen pädagogischen Roman „Karl von Karlsberg oder über das menschliche Elend": aber er blieb nicht lange da, es ging ihm doch zu rousseauischgenial zu. Er wollte in den brausenden Wein der Rousseauschen Idee etwas Wasser schütten, hausbackener zu Werke gehen und schuf mit Unterstützung des hochgebildeten Herzogs Ernst II. von Gotha auf bem1 von ihm erworbenen Landgut Schnepfenthal die gleichnamige, berühmte Bildungsstätte. Am 7. März 1784 war es, daß er dort anlangte, und dieser Tag wird als Gründungstag gefeiert. Von Einfang an nur für Söhne wohlhabender Eltern bestimmt, hat sie an ihren Zöglingen Vortreffliches geleistet: in Heer und Verwaltung, Großhandel und Diplomatie, Industrie uud Kunst gibt es viele Schnepfenthaler. Merkwürdig ist, daß Schnepfenthal zur Wiege des Turnens geworden ist. Der erste Turnplatz befand sich hier, und die damals alltags, heute Sonntags in rote Fracks gekleideten Zöglinge Schnepfenthals waren die ersten Turner Deutschlands. Als Salzmann am 31. Oktober 1811, also vor 100 Jahren> starb, ließ er die Anstalt in guten Händen. Sechs der ersten Lehrer, die drei Brüder.Ausfeld, Lenz, Weißenborn und Märkler waren seine Schwiegersöhne und Nachfolger geworden, und noch heute stehen zwei Ausfeld, Vater und Sohn, an der Spitze des Instituts. Vieles ist ja anders geworden im Lauf der Zeit, aber noch heute tummelt sich die etwa 70köpfige Schar barhäuptig in Wald und Feld, treibt allerlei Handarbeit und wird so vor der Einseitigkeit einer nur geistigen Ausbildung bewahrt. D. D. II. H. steht über den Türen der Schnepfenthalschen Häuser, das soll heißen: Denke, Dulde und Handle, und in diesem Sinne,werden die Zöglinge erzogen. Die Schüler und der Direktor und seine Gattin duzen sich: diese Sitte soll den Familiencharakter der Anstalt hervorheben. Dem Begründer wurde 1894 in seiner Vaterstadt ein Denknral errichtet, ein dauerndes hat sich der Kinder- und Menschenfreund in seinem Lebenswerk gesetzt.
DK. Der K in em a to g r a ph als Erzieher spielt in den Vereinigten Staaten eine Rolle von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Ein amerikanischer Fachmann auf diesem Gebiete äußerte,sich dem Berichterstatter der Londoner Tageszeitung gegenüber wie folgt: „Die größte Ueberraschung, die ich in England Klebte, lag in der Tatsache, daß in England keine Zensier des Kmematographen existiert. Dabei ist nicht außer Acht zu lassen.
daß ein einziger Filni von zumindest 18 Millionen Mensche« in England und im ÄuslaNde gesehen wird. Das Kinematographeni theater, oder wie immer sie auch dasselbe nennen mögen, kann in gutem oder üblem Sinne großen Einfluß ausüben. Der Kin«- matograph in England befindet sich noch in seinem Kindheits- stadium. Die erzieherischen und Reklamemöglichkeiten, die sich mit demselben verbinden, sind noch nicht zur Genüge erfaßt worden. In Kanada z. B. wird der Kinematograph in den Schulen in ausgedehntem Maße verwendet. Der Anschauungsunterricht erfährt durch ihn eine lebhafte Unterstützung. Ein in allen Schulen Kanadas verbreiteter Film stellt die Art und Weise vor, wie durch die Milch Tuberkulose übertragen wird. Der Film führt aber auch in anschaulichen Bildern die hygienischen Maßnahmen vor, die zur Vorbeugung der Verbreitung der Krankheit dienen. Amerikanische Eisenbahngesellschaften haben den Kinematographen als Reklamemittel in ausgedehntem Maße in ihren Dienst gestellt. .
— Mark Twains Freund und Reisebegleiter JosefVerey lebt gegenwärtig in einem Londoner Obdachlosenheim. Durch unglückliche Spekulation ist der Mann in Not geraten. Seine beträchtlichen Ersparnisse hat er vollständig eingebüßt. In Madrid bekleidete Josef Verey seine letzte Stellung als Fasanenzüchter für den Haushalt König Alfonsos. Mit 200 Fasaneneiern verließ er seinerzeit London, um in der Casa Real del Campo in Gesellschaft eines königlichen Forstaufsehers die Ausürütung j)er Fasaneneiern dur ch spanische Hennen zu überwachen. Während seines Aufenthalts in Madrid in der Casa Real bei Campo, bie einen Flügel bes königlchen Palastes bildet, wurde Verey wiederholt von König Alfonso und der Königinmutter besucht und verstand es, die .Herrschaften durch witzig pointierte Erzählungen über Mark Twain stundenlang zu unter» halten. Als aber Vereys Züchtertätigkeit in Madrid zu Ende war, befand er sich im Besitz eines auf Pergament geschriebenen Zeugnisses, das das königliche Monogramm, das königliche Siegel und Wappen Spaniens aufwies, seine finanzielle Lage war aber durchaus nicht beneidenswert. Nach London zurückgekehrt, versiegten seine Einnahmen bald, so daß er in Elend geriet. — Jedermann, der es wünscht, erzählt Verey die köstlichsten Anekdoten über Mark Twain. Wohlweislich bemerkt er aber, daß Mark Twain selbst gesprächsweise niemals. Witze machte, sondern zur Schweigsamkeit geneigt war.
kf. W i e viel (Europäer leben in China? Durch die Revolution in den chinesischen Hu-Provinzen sind chnch Europäer in Gefahr gebracht. Wie viele Europäer gibt es nun überhaupt in ganz China? Ein amerikanischer Konsulatsbericht beziffert die Zahl aller in China sich aushaltender Ausländer ans 141 872. Davon aber sind nur die Halste Europäer, denn es halten sich in China 65 438 Japaner, 2256 Koreaner und 3176 Amerikaner auf. Dazu kommen noch 141 Fremde, die in China leben und verschiedenen Staaten angehören. Hiernach stellt sich die Liste der Europäer in China folgendermaßen: Es leben dort 49 395 Russen und 10 140 Engländer. An dritter Stelle kommen die Deutsche n, die mit 4106 vertreten sind, Portugiesen leben in China 3377, Franzosen 1925, Spanier 400, Italiener 274, Dänen 260, Oest erreich e r 255, Belgier 225, Norweger 188 und Schweden 166. Nach dieser Ausstellung beläuft sich also die Gesamtzahl der in China ansässigen Europäer auf rund 70 700.
*■ Ungenügend. Der Herr Professor hat Tage, ast denen er etwas schwerhörig ist, will es aber seine Schüler nicht merken lassen und sucht ihre Reden zu erraten. Neulich kommt einer zü spät, stellt sich in einiger Entfernung auf, macht einen Diener und sagt: „Herr Professor, Sie können mir den Buckel hernnter- rutschen. — Professor: „Aber das kann ich doch nicht als Entschuldigung gelten lassen!"
* Galgenhumor. Patient (vor der Operation): „Na, hoffentlich werden Sie sich in mir zurechtsinden, Herr Professor!"
* Eine Schlaue. Herrin (ihr Dienstmädchen beim Lesen überraschend): „Wie, Elise, Sie brennen zwei Stearinlichter in Ihrem Schlafzimmer; das möchte ich mir denn doch verbitten!" — Mädchen: „Aber, gnädige Frau, das ist hoch nur eines. Ich habe es ja voneinander geschnitten!"
* Umschwung. Studiosus Pump: „Ein ganzes Dutzend Mahnbriefe auf einmal! Die Kerle scheinen es schon wieder ausbaldowert zu haben, daß mein Onkel sich auf dem Wege der Besserung befindet!"
Dechiffkir-Aufgabe.
Czr rkmc chd vdhrdm.
Chd ctqbg hqqsgtl ytq vzgqgdgs qdhrdm.
Chd adh cdl hqqsgtl adgzqqdm,
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Auslösung tn nächster Nummer.
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer?
Kiger — Ottilie — »akete — JOiobem — PaCTas — Oriatti — Levante;
Nordpol, Eismeer.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lang«, Gießem


