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fertige Freundschaftsdienste geleistet; aber wir Haden natür­lich and} unsere Geheimnisse voreinander gehabt, wie?

Du hast allerdings ein Geheimnis vor mir gehabt, Percival. Du haft hier in Blackwater Park so ein Skelett im Schranke, das während dieser letzten paar Dage schon anderen, außer dir, ins Gesicht gesehen hat..

Der andere schwieg.

Ist es meine Schuld, fuhr Fosco eindringlich fort, daß dein Skelett mich angeraut hat? Warum bekenne ich meine Neugier? Du armer, oberflächlicher Engländer ! nur, um meine Selbstbeherrschung zu zeigen. Ick) könnte, wenn ick) es wollte, dein Geheimnis aus dir herausziehen, wie ich diesen Finger durch meine Handfläche hinziehe das weißt du auch recht gut! Sage mir also einfach, ob du meiner Hilfe bedarfst?

Ja, und zwar sehr, antwortete Sir Percival.

Und du kannst sie von mir fordern, ohne dich und dein Geheimnis bloßzustellen.

Ich kann es wenigstens versuchen.

8$erfucl)c ciljo. '

Nun, die Sache steht so: ich sagte dir heute, daß ich mein Möglichstes getan, um Anna Catherick zu finden, und daß es mir nicht gelungen.

Ja, ganz recht.

Fosco! ich bin verloren, wenn ich sie nicht finde, er­klärte nun Sir Percival mit erregter Stimme. Und nun­mehr setzte er seine Befürchtungen auseinander.

Anna Catherick wisse um das Geheimnis, das ihr ihre Mutter mitgeteilt habe. Bon der Mutter zwar sei nichts mehr zu befürchten. Sie werde in ihrem eigenen Interesse SMeigen, wie sie auch nach Annas Ber>pwin.den jenen rief an Laura nach seinem Diktat geschrieben habe.

Aber auch Laura sowohl wie Hartright wissen, wie er überzeugt sei, genug, um ihn zu verderben, denn Hartright sei ihr bei ihrer Flucht aus der Irrenanstalt behilflich ge­wesen, und er befürchte darum die Rückkehr desverfluchten Vagabunden". 1

Die letzte Frage Foscos bezog sich auf das Aeußere Anna Cathericks.

Wie sie aussieht? erwiderte Sir Percival. ^Nun, das will ich dir mit zwei Worten beschreiben. Sie ist ein krankes Ebenbild meiner Frau.

Der Stuhl knarrte und der Pfeiler bebte abermals. Der Graf war diesmal aufgesprungen vor Erstaunen.

Was! ! ! rief er ans. 1

Denke dir meine Frau nach einer schweren Krankheit mit einem Anfluge von Geistesverwirrung, und du hast Anna Catherick, antwortete Sir Percival.

Sind sie miteinander verwandt?

Nicht im geringsten.

Und doch einander so ähnlich? >

Ja. Worüber lachst du? rief Sir Percival aus.

Bielleicht über meiue eigenen Gedanken, mein bester Freund. Beruhige dich, Percival. Schlafe, mein Sohn, schlafe den Sck)laf des Gerechten und sieh, was ich für dich tun werde, wenn das Tageslicht kommt, unt uns Leiden zu helfen. Ich habe meine Pläne und Projekte hier jn meinem großen Kopfe. Du sollst diese Wechsel bezahlen und Anna Catherick finden, mein heiliges Ehrenwort darauf, daß du es sollst! Bin ich nun ein Freund, den man im besten Winkel des Herzens tragen sollte', oder nicht? Ver­diene ich jene Geldvorschüsse, an die du mich auf so zart­fühlende Weise vorhin erinnertest? Was du auch tun mögest, verletze nie wieder meine Gefühle. Erkenne sie an, Percival, und ahme sie nach, wenn du kannst! Ich vergebe dir noch­mals! Gib mir noch einmal die Hand. Gute Nacht!

Ich hörte eine Türe gehen.

Als ich mich zu rühren versuchte, war die Anstrengung so schmerzhaft, daß ich genötigt war, es aufzugeben. Ich versuchte es zum zweitenmal, und es gelang mir, mich auf dem nassen Dache auf meine Knie zu erheben.

Als ich an die Wand kroch und mich an derselben auf­richtete, schaute ich zurück, und sah, wie sich das Fenster in des Grafen Ankleidezimmer erhelle. Mein sinkender Mut flackerte wieder in mir auf und fesselte meine Blicke an sein Fenster, während ich mich Schritt für Schritt an der Mauer wieder zurückschlich.

Die Uhr im Türme schlug das Viertel nach ein Uhr, als ich meine Hände auf die Fensterschwelle meines Zimmers legte. Ich hatte nichts gesehen oder gehört, das mich ver­

muten ließ, daß irgend jemand meinen. Rüc^ug entdeckt hätte.

Den 6. Juli. Acht Uhr. Die Sonne steht hell am klaren Himmel. Ich bin keinen Augerchlick im Bette gewesen, habe nicht ein einziges Mal meine müden matten Augen geschlossen. Durch dasselbe Fenster, durch das ich gestern abend auf die Finsternis hinausschaute, blicke ich jetzt in die helle Stille des Morgens.

Kann ich mich entsinnen, wann das ^Gefühl der starren Kälte der glühenden Hitze wich? >

Es muß vor Sonnenaufgang gewesen sein, ja, ich hörte es drei Uhr schlagen. Ich erinnere mich dieser Zeit nach der plötzlichen Helle und Klarheit, nach der fieber­haften Aufregung all' meiner Kräfte, welche > ihr kamen. Ich entsinne mich des Impulses, der mich trieb, ihre Worte, so lange meine Zeit noch mir gehörte, und sie noch frisch in meinem Gedächtnisse waren, schriftlich und genau so aufzubewahren, tote sie gesprochen wurden.

Wozu sitze ich noch immer hier? Wozu ermüde ich meine heißen Augen und meinen glühenden Kopf, indem ich noch immer weiter schreibe? Warum lege ich mich nicht nieder und ruhe aus und suche im Schlafe das Feuer zu löschen, das mich verzehrt?

Ich wage nicht, es zu versuchen. Eine nie gefühlte Furcht hat 'mich ergriffen. Ich ängstige mich um diese Glut, die mir die Haut austrocknet, und um das Klopfen und Hämmern in meinem Kopfe. Wie kann ich wissen, wenn ich mich niederlege, ob ich die Kraft und die Be­sinnung haben werde, wieder aitfzustehen?

0, der Regen, der Regen der grausame Regen, der mich in der Nacht erstarren ließ!

Neun Uhr. Schlug es neun soeben oder acht? Neun, gewiß? Ich schaudere wieder, schaudere am, ganzen Körper in der Sommerluft. Habe ich hier gesessen nnd geschlafen? Ich weiß nicht, was ich gemacht habe.

0, mein Gott! werde ich krank?

Krank, zu einer solchen Zeit!

Mein Kopf ich fürchte so sehr für meinen Kopf. Ich kann schreiben, aber die Zeilen verschwimmen alle in­einander. Ich sehe die Wörter. Laura ich kann Laura schreiben und es lesen. Acht oder neun, was war cs?

So kalt, so kalt o, dieser Regen gestern abend! Und die Schläge der Uhr; die Schläge, die ich nicht zählen kann, sie schlagen fortwährend in meinem Kvpse

An dieser Stelle fängt das ins Tagebuch Eingetragene an unleserlich zu werden. Die zwei oder drei noch folgen­den Zeilen enthalten bloße Bruchstücke vou Wörtern.

(Fortsetzung folgt.)

Vie Mche im November.

Von A. Burg.

Menn es natürlich auch kein Trost ist, so ist es doch wenig­stens eine angemessene Reminiszenz in diesen Tagen, daß sich ältere" Hausfrauen sehr wohl noch erinnern können: es war alles schon einmal da. Zumal in Berlin erschien zu der so­genannten Gründerzeit eine Teuerung und beglückte die Haus­frauen gleich mehrere Jahre lang, etwa bis 1878/?9. Von Anfang der achtziger Jahre an waren dann alle Lebensmittel wieder be­deutend billiger, so daß Damen, die einige Jahre fern von Berlin gelebt hatten, im Jahre 1883 wahrhaft erstaunt sein mußten über die Wohlfeilheit früher so teurer Erzeugnisse. So kostete in den Jahren 18711879 1/2 kg eßbare, gute Butter im Winter 1,80 Mark, im Sommer 1,60 Mark; V2 kg harte Schlackwurst 1,802/20 Mark; 1/2 kg Rindfleisch 80 bis 90 Pfg.; 1/2 kg Kaffee 1,60 Mark; Hz kg Kochzucker 40 bis 50 Pfg. Ebenso waren Gemüsekonserven teuer, denn eine Einkilo­dose Brechbohnen kostete 60 Pfg. Diesen Preisen gegenüber waren die während der achtziger und neunziger Jahre üblichen 1,201,30 Mark für 1/2 kg Eßbutter, 90 Pfg. bis 1,10 Mark für 1/2 kg Kaffee, 2025 Pfg. »für 1/2 kg Zucker wirklich gering. Seit den neunziger Jahren dann sind wir ja an steigende Preise gewöhnt, von denen allmählich das flache Land und die Kleinstädte betroffen wurden. . .

Die Hausfrauen werden sich also bis zu wieder einer Wen­dung zum Besseren in Geduld fügen und durch kluges Ein­teilen, Resteverwertung usw. sich diese sorgenvolle Zeit erleich­tern müssen. Sind die Kartoffeln teuer nun, so setzen wir sie ein- bis zweimal in der Woche von dem täglichen Menü herunter und lassen (das kann nicht oft genug gesagt werden) z. B. Nudeln, Reis, Makkaroni, wie auch Hirse oder Buchweizen­grütze ihre Stelle ausfüllen. Umso mehr, als die trefflichen Grützen