Ausgabe 
1.11.1911
 
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M - Nr. (7|

Mtwoch den November

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Die weiße Frau.

Roman von W. Collins..

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Was! Hast du gar kein Geld bei deinem Bankier?

Ein paar hundert Pfund, für die ich gerade so viele Tausend brauche.

Hast du keine einzige andere Sicherheit zu bieten, auf die du borgen könntest?

Nicht die Spur.

Was hast du in Wirklichkeit mit deiner Frau be­kommen?

Nichts als die Zinsen von ihren Awanzigtausend Pfund i kaum genug für unsere täglichen Ausgaben.

Was hast du noch von ihr zu erwarten?

Dreitausend Pfund jährliche Renten, wenn ihr Onkel stirbt.

Ein hübsches Vermögen, Percival. Was für eine Art voir Mensch ist dieser Onkel? Alt?

Er ist ein kläglicher, egoistischer Narr und langweilt alle Leute, die ihn: zu nahe kommen, mit seinem Gesund­heitszustände zu Tode.

Die Art Leute leben lange, Percival, und wenn man es am wenigsten erivartet, heiratet er aus reiner Bosheit. Ich gebe dir nicht viel für deine -Aussicht auf die Drei­tausend des Jahres, mein Freund. Bringt deine Frau dir sonst nichts mit?

Nichts.

Durchaus Lichts?

Durchaus nichts ausgenommen falls sie stirbt

Aha! falls sie stirbt also?

Es trat nochmals eine Pause ein. Der Graf trat von der .Veranda auf den Kiesweg hinaus. Ich konnte dies nach seiner Stimme beurteilen. Da ist endlich der Regen, hörte ich ihn sagen. Der Zustand meines Mantels bewies mir,' das; es bereits eine kleine Weile ziemlich heftig ge­regnet haben mußte.

Der Graf kehrte unter die Veranda zurück.

Nun, Percival, sagte er, und was bekommst -du, falls Lady My-de stirbt?

Wenn sie keine Kinder hinterläßt, ihre zwanzigtausend Pfund.

Bar ausgezahlt, die zwanzigtausend Pfund?

Bar ausgezahlt!

Sie schwiegen abermals. Dann fragte der Gras: Machst du dir viel aus deiner Frau Percival?

Fosco! Die Frage scheint mir sehr offen.

Ich bin ein offener Mann und wiederhole sie.

Was, zum Henker, siehst du mich so an?

Du willst mir nicht antworten? Nun denn, wir wollen Mlnehmen, deine Frau stürbe, ehe der Sommer vorüber ist

- Laß das, Fosco!

Nehmen wir an, deine Frau stürbe

Laß das, sage ich dir!

In dem Falle würdest du zwanzigtausend Pfund ge- totnnert; und verlieren würdest du-

Die Aussicht auf dreitausend Pfund jährliche Renten.

Die entfernte Aussicht, Percival nur die ent­fernte Aussicht. Und du brauchst sofort Geld. Der Gewinn rst in deiner Lage gewiß der Verlust zweifelhaft.

Sprich für dich sowohl, als für mich. Ein Teil des Geldes, das ich brauche, wurde für dich geborgt. Und wenn du doch von Gewinn sprichst, so würde der Tod meiner Frau der deinigen zehntausend Pfund in die Tasche spielen. So pfiffig du auch bist, so scheinst du doch bet dieser Gelegenheit das Legat der Gräfin Fosco vergessen zu haben. Sieh mich nicht so an! Ich verbitte es mir! Es überläuft mir die Haut wahrhaftig ganz eisig bei deinen Blicken und Reden!

Die Haut? Bedeutet Haut etwa im Englischen: Ge­wissen? Ich spreche von dem Tode deiner Frau, wie von einer Möglichkeit. Und warum wohl nicht? Die achtungs­werten Advokaten, die eure Urkunden und Testamente kritzeln und kratzen, sehen doch dem Tode lebender Leute gerade ins Gesicht. Machen die euch die Haut schaudern? Warum sollte ich sie dir also schaudern machen? Ich habe es mir heute abend zur Aufgabe gemacht, mir deine Lage so auseinanderzusetzen, daß ich kein Versehen machen kann, und jetzt bin ich damit zu Ende. Dies ist deine Lage: falls deine Frau am Leben bleibt, so bezahlst du jene Wechsel mit ihrer Unterschrift. Stirbt sie, so bezahlst du sie mit ihrem Tode.

Während er sprach, erlosch das Licht im Zimmer der Gräfin, und die ganze zweite Etage des Hauses lag jetzt in Dunkelheit da.

Was du da zusammen faselst! brummte Sir Percival; wenn man dich anhört, sollte man denken, daß wir die Unterschrift meiner Frau bereits in der Tasche hätten.

Du hast die Sache in meine Hände gegeben, entgeg-, nete der Graf, ich habe mehr als zwei Monate vor mir, um mich umschauen zu können. Sprich für jetzt nicht weiter darüber. Sobald die Wechsel fällig werden, wirst du sehen, ob meinGefasel" zu etwas nütze ist, oder nicht. Und jetzt, Percival, da die Geldgeschäfte für heute abend ab­gemacht sind, stelle ich dir meine Aufmerksamkeit zu Diensten, falls du mich über jene zweite Schwierigkeit zurate zu ziehen wünschest, die dich seit kurzem so ungünstig ver­ändert hat, daß ich dich kaum wieder erkenne.

Nun ja, Fosco, sagte Sir Percival zögernd. Wir beide kennen uns seit langer Zeit: und wenn du mir schon ehe­dem ein paarmal aus der Klemme geholfen hast, so habe ich meinerseits mein Möglichstes getan, um dir Gegen­dienste zu leisten, soweit Geld mich dazu instand setzte. Wir haben einander, soviel wir Männer nur können, gegen»