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|We nun eine Füllung von Stachelbeeren erhält. Reste von Garien-- erdbeeren und i>i,c erst nach und nach reifenden Walderdbeere»^ Mel en eine große Rolle für die Küche, auch in bezug aus das Eium-achen für dm Winter. Nach russischer Art bereitete Pasten find seit einigen Jahre» wieder sehr <m der Tagesordnung.
Durch ben warmen Mai, der uns in diesem Jahre beschieden Ivar, kam alles Obst und Gemüse, je nach Lage der Städte, acht bis vierzehn Tage früher auf den Lebensmittelmarkt. Auch die Glaskirschen und feinaromatischen Natten, sowie die Sauerkirschen. Namentlich werden ja in Menge» Kirschsaft »nb allerlei gute Konserve» von Kirschen bereitet. Eine echte Julifrucht ist die Himbeere, deren Aroma sehr geliebt wird. Selbst in guten Kimbeerjahreu pflegt ber" Preis dafür nicht wohlfeil zu sei», denn cs werden so viel Beeren gebraucht, daß die Vorräte auf ben Märkten stets geräumt werben.
Sind alle diese Beeren und Früchte sowohl aus Wäldern, luie auch aus kultivierten Gartenanlagen »ns zugefuhrt worden, so liefert allein, die Heide »ich der Wald die echten dentschen Heidel- beeren (Blaubeeren, Besinge, auch Bickbeeren genannt). Die Küche liebt eine kalte Heibelbeersuppe als Erfrischung an heißen Tagen, die man durch Einlegen vvn Klößen, Milchreis oder Milchgries sättigender gestalten kann. Das Ausland sendet die ersten Pflaumen, Birnen »nb Aepfel, gelegentlich gibt es auch deutsche Frühapfel, und Frühbirnm; man sieht schon-Melonen, Weintrauben- Pfirsiche und Aprikosen. An Gemüsen bietet der Juli zunächst schöne Schoten (Erbsen) nebst den dazugehörigen Mohrrüben oder Karotten; außerdem sind alle Arten Bohnen: grüne Bahnen, Schneidebohnen, Haricots (besonders für Salatzwecke), Wachs- Lohnen und, San- oder Puffbohuen für die Küche beliebt. Gurken, die schon dicker und reifer werde», mehr für Gurkengemüse, als für Salat sich eignen, sind oft recht wohlfeil und werden gern für „gefüllte Gurken" verwendet. Vielfach noch wenig bekannt in der Küche ist ein pikantes Gurkeu-Ragout, das besonders gut zu Hammelfleisch oder Hammelbraten paßt. Die geschälten, von Kernen und Mark befreiten, in kurze Stücke geschnittenen Gurken werden in zerlassene Butter gelegt, dazu fügt mau einen Löffel Zucker, etwas Salz und Pfeffer, sowie 1—iy» Obertassen milden Estragoucssig, deckt die Kasserolle zu, läßt die Gurke» über gelindem Feuer gar dämpfen, verkocht die Brühe mit etwas in Butter brauugebunstetem Mehl, schureckt »ach Zucker und Essig nb und würzt nach Bedarf mit etwas Zitronensaft nach.
• Tie alten Kartoffeln sind vom Markt verschwunden, und viele verschiedene Arten „neuer" sind au ihre -stelle getreten: längliche weiße, runde, weiße, auch runde blaue, mehlige und glatte. In dieser Zeit eignen sich die Kartoffeln -am allerbesten zu Bratkartoffeln, da sie noch nicht so mehlig sind und alles Fett einziehen, .fondern weil das Fett richtig die Kartoffeln goldgelb röstet.
Wild ist noch selten und hoch int Preise, von Wildgcflügel sind nur Enten vorhanden. Sobald die Ernte beendigt ist und das hohe Korn dem Wild keine Deckung mehr bietet, wird der Markt reicher beschickt werden. Junge Gänse und Enten sind auf stein, Geflügelmarkt sehr begehrt, und langsam wächst sich mit fortschreitender Getreideernte die Weidegaus nun zur Stoppelgans aus.
Gekhrten-Anekdoten.
Im Verlage von Hermann Sack in Berlin-Schöneberg ist soeben von der von Dr. W. Ahrens herausgegebenen Samm- luug „Gelehrten-ÄucbdotAt" ein zweiter Teil erschienen. Wir entnehmen der vergnüglichen Schrift folgende Proben:
Johann Christoph Koch, der 1759 bis 1808 Professor jnris in Gießen war, kündigte seinen Zuhörern eine neue Schrift ton Senckenberg au mist ben Worten: „Die Gießer Tutten- Umb Käsekrämer haben wieder neues Papier bekommen; da sind die meditationes, sie sind von Senckenberg,"
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Ter Senior der Gießener medizinischen. Fakultät und der Universität überhaupt, der „alte Nebel" (Ernst Ludwig Wilhelm, 1772 bis 1854), war nicht nur berühmt als Sammleri Won Antiquitäten und Siegeln, sondern auch wegen seines Ab- sckMiis gegen den Gebrauch von Wasser »nb Seife. Einst sollte! ein Mastenball gegeben werden, und Rebel hatte es sich in den Kopf gesetzt, ebenfalls dort zu erscheinen. Aber welche Maske wählen? Er konnte zu.keinem Entschlüsse kommen und befragte daher rue Herren, die sich allabendlich int sogenannten „Fett- ttubchen" des Kasinos zufammenfanden.'— „Wasche Dich," sagte Hofgenchtsrat Pilger, „kein Mensch wird Dich erkennen." „ , Reise zur Natursorscherversammlung in Heidelberg fl829) legte Nebel mit seinem Kollegen Vogt zu Fuß zurück. Dabei kehrten Oc. unterwegs u. n. bei Vogts Schwiegervater ein. Auch Vogts -söhne, darunter der später so bekannte Zoologe Karl, waren zu gleicher Zeit dorthin dirigiert ivorden. Die Fran des Hauses machte sich daran, die Ranzen ihrer Enkel auszupachen, und riet alsbald: „Karl, ich hatte nicht gedacht, daß Du eilt solcher Schweinepelz wärst. Wie kann man ein Hemde so lange krage», bis es ga»z schwarz- geworden ist! Pfui, schäme dich!" So scheltend, zerrte sie an einem- schauderhaft mißhandelten Stück Weißzeug. „Erlauben Sie, Fran Hofrätin", sagte Rebel, der nicht weit darvn «in Tisch saß, „das ist ja wohl mein Ranzen,
den Sie-da auspacken!" Und so war es. Verlegene Eu-tschul- diguugeu waren natürlich die Folge. Nebel aber erhob _ feilt Glas und sagte: „Auf Ihr Wohl, Frau Hofrätin! Ich fühle mich hier wie zu Hause! Ich glaubte »teilte Frau zu hören!"
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In Heidelberg sollte in einer Kirche Gasbeleuchtung eingeführt werden. Dem Gas erwuchs jedoch ein heftiger Gegner in — Gaß (Wilhelm, 1813 bis 1889), dem Theologieprofefsvr, der sich dieser Neuerung entschieden widersetzte. Da war deust eines Tages in einer Heidelberger Zeitung zu lesen;
Gaß will Gas in der Kirche nicht.
Ei freilich! — Gas ist kein Kirchenlicht,
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In den kleineren Hörsäl-en der Universität B. wurden Nernstst lampen zur Beleuchtung eingeführt. Da erblickte man denn; alsbald auf einer Bank, kunstvoll eingraviert, folgenden Schüttelreim:
„Ob du auch iw ft beim Schein des Nernstlichts, Es hilft dir nichts, mein Sohn, du lernst nichts."
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Friedrich Vischer, der berühmte Tübinger Aesthetiker, wurde bekanntlich von der Regierung gemaßregelt, nämlich zwei Jahre vom Amte suspendiert. An demselben Tage, an dem das betreffende! Reskript des Ministeriums bei ihm einging, wurde ihm ein Sohn geboren. Bischer ging in die Vorlesung und bega»»:! „Meine Herren! Ich habe heute bekommen einen kleine» Vischer und einen großen Wischer."
Der Verfasser des bekannten, in zahlreichen Auflagen erschienenen „Struwwelpeter", Heinrich Hoffmann (1809 bis 1894), war Irrenarzt in Frankfurt n. M., zeitweilig auch Lehrer der Anatomie am dortigen Senckeubergischeu Institut. — Ms junger praktischer Arzt hatte Hoffmann nm die Tochter eines hochangesehenen Frankfurter Patriziers (Donner) augehaiten; dieser maß bett jungen Mann mit strengen Blicken unb fragte; „11 nb was haben Sie für Aussichten für die Zukunft?" . Hoffmann mochte eine so prosaische Frage nicht erwartet "haben, stutzte daher eine» Augenblick, rief dann aber munter: „Ich spiele ein .Achtelchen!"
Er hgtte gesiegt: ber Gestrenge brach- in schallenbes Gelächter aus und gab seine väterliche Zustimmung.
Als. Heinrich Heilte sich in Göttingen zum juristischen Doktorexamen bei dem Dekan der Fakultät, dem von ihm sehr verehrten Gustav Hugo, dem „Geheimen Justizrat Cujacius" ber „Harzreise", meldete, wollte er sogleich die Prüfungsgebühren (27 Louisdor) ablade». Hugo wollte das Geld aber noch nicht annehmen und sagte : „Wir müssen Sie ja erst prüfen." — „Prüfet alles; — das Beste behaltet,"- war Heines schlagfertige Antwort,
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Bluntschli ging int Herbst 1861 als Professor nach Heidelberg unb wurde schon tut Dezember desselben Jahres, bei Wieder- zusammentritt ber Stände, von der badischen Regierung zum Mitglied ber Ersten Kammer ernannt. Nach seinen Züricher Aichezedentieu, auf die hier einzugehen zn weit führen würde, faiit man ihm vielfach mit starker Animosität entgegen. In einem Hotel, in dem die Mitglieder ber Ersten Kammer ihre Abende zn verbringen pflegten, sprach ein Freiherr von St. in abfällig eilt Tone von dem neuen Kollegen. Da schellte der ritterliche Graf! Berlichingen bei» Hausknecht und, als dieser erschien, sagte er: „Hausknecht, werfen .Sie den Herrn von St. hinaus, er schimpft über Abwesende."
Seitdem hatte Bluntschli nicht mehr unter den bestehenden, Vorurteilen zn leiden und spielte sogar recht bald eine sehr hervorragende Rolle in ber Kammer.
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Napoleon III. schrieb ein Werk über Cäsar und hatte hierfür von viele» Forschern ilntersnchnngen anstelle» lassen. Auch Mommsen hatte er, um sich von ihm beraten zu lassen, nach.Paris eingeladen, unb dieser war ber Einladung gefolgt. Ms das Werk daun erschienen war, fragte ein Herr den großen Historiker, nach diesem Buch; er wolle es seinem Sohn schenken,^vb es dafür wohl zu empfehlen sei. „Wie alt ist beim Ihr so hu c ' — „Vierzehn Jahre!" — „Dann ja! ein Jahr älter, wäre er dem Buche entwachsen," $
Als ber wunderliche Theologe Schöberl ein (1813 bis .1881) sein Heidelberger Lehramt aiitrat (1850), wurde im „Museum" darüber gesprochen, ob der neue Professor nicht ein „Kopfhanger, sei. „So ein Kopf, wann ich W, den ließ ich auch hangen, sagte ber Mediziner Karl Pfeiner, ber mit Gervmus und Hanßcr bas liberale Triumvirat ber Universität bildete.
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Der Hallenser Historiker Friedrich Wiedeburg (1681 bis 1758) soll sehr eitel auf seine Schönheit gewesen sem^ Man.erzählte, daß er einmal mit seinem Diener auf der »traue folgenoW Gespräch geführt habe:


