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tilgen: Eva Delbrücks Hand — inid wandte sich rasch um. Eva lachte.
„Dii stiertest ein Loch in die Lust," sagte sie.
„Ich guckte nach dein Ballon." ,
„Tas ist begreiflich," warf Lili Menkens ent, die mit Ellen Meier neben Eva stand. „Weißt du, wer in per Ballondroschlc sitzt?"
„Ich ahne nicht."
„Ter Einsiedler von Wörrcshovp."
„Wer?" fragte Ellen Meier mit ihrem fußen Mppen- lächekn.
' „Mels Kruse." -ri
„Ach der," sagte Traute, „der Maler . . . Ich daaste wunder wer."
„Erlaube gütigst," fuhr Eva auf, „das sagst bn so weg- wersend". Niels Kruse ist eine Persönlichkeit."
„Meinethalben," entgegnete Traute, „ich habe ihn nie gesehen." „ , „„ .....
„Das ist nur wenigen sterblichen vergönnt, weshalb ist er auch so interessant."
„Und nun sitzt er in dem Ballon?"
„Jawohl. Stand ja in der Morgenzeitung. Niels Kruse und Pastor Moebius wollen mit dem Ballon des Herrn Kynr eine Himmelfahrt antreten."
„Möcbins muß auch immer dabei sein." . . . Traute starrte nach dem Ballon. . . „Sie scheinen aber nicht wieder herunter zu können."
Ellen Meier, die nicht, ganz leicht von Begriffen war, fragte, ob Niels Kruse der mit dein Christus topf sei, der die Märchenbilder male.
„Derselbigtc," erwiderte Eva Delbrück. „Er spielt ftch auf den Sonderling auf. Aber wir locken den Len aus feiner Höhle. Traute, wo gehst du hin?"
„Ich will nach Hause."
„Wir kommen ein Stückchen mit."
Sie schritt mit Traute voran. Ellen Meier und Lili. Menkens folgten. „Ein niedliches Viergespann," sagte Konsul Friederici zu Herrn von Zvedvn, die eben in das Klubhaus der Ressource traten. War es auch wirklich. Eva Delbrück eine entzückende Brünette mit frechem Näschen in einem Gesicht, dessen goldig warmer Teint an sizilischc Frauen erinnerte; Lili Menkens ein Rotkopf mit Wangen aus Milch und Blut; Ellen Meier eine allerliebste Puppe mit schwerem, kastanienbraunem Geflecht über der Stirn .und merkwürdigen Schlehenaugen, die tauschten. Sie sahen gescheit aus;' aber Esten war ein kleines Schäfchen.
Eva hatte Traute nntergefaßt. „Du machst doch das Maifest wieder mit?" fragte sie.
„Versteht sich. Was tyirv's diesmal?"
„Noch unbestimmt. Jedenfalls eine große Sache mit künstlerischem Schmiß. Niels Kruse muß es arran
gieren."
„Ich denke, der kouimt nicht aus seinem Bau heraus?"
„Das ist es eben. Wir haben eilten großen tteberfall geplant. Paul Evcrstedt hat die Sache in die .Hand genommen. Am Donnerstag findet Bersamlung der Verschworenen statt. Bist du dabei?"
„Bei so etwas immer. Ist die Versammlung bei euch?"
„Ja. Aber sprich noch -nicht davon. Es brauchend nicht alle zu wissen. . Namentlich die von der Harmonie nicht. Du weißt doch, da herrscht jetzt Disharmonie? Riesenkrach, infolgedessen Spaltung in zwei feindliche Lager. Der eine Teil schlägt sich zu uns. Wir gründen nämlich einen neuen Orden."
„Was du sagst! Einen Orden?"
Eva nickte eifrig. „Nach Art der mittelalterlichen
Blumenorden —" .
„Und Minnehöfe." sein."
„Nu nee. Das Flirten wird wohl die Hauptsache
„Biu ich auch wieder dabei."
„Kamt ich mir denken. Eberstedt ist der Macher."
„Der tritt ja auf cimnal so aus seiner Reserve heraus!"
„Nicht währ? Er mischt sich unter das Volk. Er steigt zu uns hernieder" . . . Eva blieb stehen. Man wär jetzt au der Hauptpost, bereit breite Säulenfront den Westen des Steinplatzes begrenzte. . . „Du hast da einen Brief in der Hand," fuhr Eva fort, „willst du ihn nicht in den Kasten stecken?" . , ,
„Ach richtig," rief Traute. Noch einen Augenblick hielt sie den Brief au Mister Brigham unschlüssig in der Rechten; dann glitt er in den Schlund des Postkastens.
Lili und Ellen waren näher getreten. „Ich muß jetzt nach Hause," sagte Lili; „es ist ja schon sechse durch. Wenn Papa aus dem Bureau kommt und ich bin nicht day'etm, schimpft er."
„Ach, die Väter!" rief Eva. „Ich wollte so gern eine Erhöhung meines Taschengeldes haben — man kommt ja nie aus. Glaubst du, daß' ich es durchsetzen kann?"
„Mit meinem Papa habe ich gestern den ganzen^ Tag! lang kein Wort gesprochen," erzählte Ellen Meier. „Wegen jeder Schueiderrechnung gibt es Zank."
„Von meinem red ich schon gar nicht," sagte Trante. Sie gab den Freundinnen die Hand.
„Donnerstag fünf Uhr!" rief Eva ihr nach.
Traute nickte. Ueberall brannten nun die elektrischen Ballons. Ter ganze Stadtteil mit feinen glänzenden Läden war in ein Meer von Licht getaucht. , '
Traute warf noch einen langen Blick in diese strahlende Blendung, machte dann kehrt und schritt langsam in die dunkleren Straßen hinein.
(Fortsetzung folgt.)
Die ttüche im Wi.
Von A. B n r g,
Jur heißen Hochsomwerzcit wird jede Hausfrau. ihre größte Aufmerksam leit daraus richten, daß sie mir Waren bester nutz irischester Beschaffenheit kaust, das; sie sie vor dem Verderben so gut als möglich schützt und daß sie es vermeidet „stiebriggebliebencs" nach einigen Stunden oder gar nach einem Tage zu einem Restc- gcrlcht zu verarbeiten. Jedes verdorbene, also in Zersetzung Übergegangene oder übergehende Nahrungsmittel ist giftig, d. h. es enthält, je nach seiner Beschaffenheit, Gifte, die dem Menschen, wenn er derartige Speisen genießt, ernstlichen Schaden für Ge- simdheit und Leben zufiigen können. Es gibt Fleisch, Wurst-, Pilz-, Käse- und MUck-aift, die sich durch den Einfluß der Warm« entwickeln. Vergiftungen z. B. durch Schlagsahne sind vor einigen Jahren auf einem norddeutschen Jahrmarkt vorgekommen und haben zahlreiche Leute in ernste Lebensgefahr gebracht. Solche Zersetzungen sind um. so unheimlicher, weil sie sich nicht immev sofort durch den Duft verraten. Tie Hitze des Tages entwickeln die Fäulnisbakterien sehr schnell, sie vermehren sich rasch uich zersetzen die Nahrungsmittel. Es ist deshalb niemals statiyaft, daß eine Hausfrau Fleisch, das nicht mehr ganz frisch riecht, durch scharf gewürzte Saucen etwa zu Ragouts umgestaltet, denn die pikanten und würzigen Zutaten verdecken erstens den Geschmack kaum und zweitens heben sie die Schädlichkeit beim Genust nicht auf Muckgiftc können sich nicht nur in der Milch und Sahne, sondern mich in Käse, Eiscreme, Vanilleeis befinden, sobald nicht ganz einwandsfreie Milch verwendet ist.
Namentlich schädlich kann zu alter Kiste werden, wahrend frischer Käse und gut aufbewahrte Leibkäse, z. B. Holländer, Emmenthäler, Edamer selten dem Verderben anheimfallen.
Besonders schnell und leicht zersetzt sich Fischfleisch, man darf gekochte.Fischreste int Sommer nicht vom Mittag bis zum Abend- nusbewahren, um etwa einen Fischsalat davon zuzubereiten.
Von Gemüsen fallen Pilze, ihres hohen Wassergehaltes wegen, I sehr schnell der Zersetzung anheim, manchmal schon im Walde. Ta Pilzgift eins der gefährlichsten ist und sich so schnell selbst in ganz unschädlichen Pilzen, z. B. Pfefferlingen, Steinpilzen, Champignons, bildet, so ist cs eine unabweisbare Pflicht der Hausfrau, jeden Pilz daraufhin zn prüfen, ob er anch nicht die kleinste an- gefanltc Stelle zeigt. In den seltensten Fällen dürften, wo mau von Pilzvergiftungen hört, wirklich giftige Pilze zwischen den guten gewesen sein, meist waren es in der Zersetzung begriffene eßbare Pilze.
Wenn Pilze schnell in rohem Zustande dem Zerietznngsprazeßi anheimsalle«, so ist dies bei gekochtem Kohlrabi der Fall. Kein anderes Gemüse verdirbt so schnell, ost Auge und Rase uubemertbar.
Schließlich sei noch darauf hingewiesen, alles Obst, das man sich nicht selbst gepflückt hat, vor dem Verspeisen einer gründlichen Wäsche durch Ueberspülen mit kaltem Wasser zn unterziehen und die Früchte dann im Sieb trocknen zn lassen. Tas ist eine ebenso wichtige hygienische Forderung wie auch die, gebrauchtes Küchen- nnd Eßgeschirr sofort zn säubern und nicht stundenlang mit den Speiseresten umhcrstehen zn lassen. Derartiges Geschirr bildet den Nährboden für kleine Zersetznngsgebilde, die durch die Lust, durch Messer ober Löffel oder Hände auf andere, in der Küche befindliche Stoffe übertragen werden.
Bekanntlich ist Jnli ein reicher Spender. Die Johannisbeeren tragen während des ganzen Monats ihre feinsäuerlichen Früchte,- die so köstliche, kalte Saftflammeris ergeben, ebenso reifen voll Anfang des Monats an die Stachelbeeren, die merkwürdigerweise in der deutschen Küche nicht so geschätzt werden wie in der englischen, die über eine staunenswerte Fülle schöner StachelbeeiB gerichte gebietet,. Obenan steht da natürlich die geliebte Pastete^


