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«Hört. Sie .waren Teife, ganz leise gewesen und Unter Uns klatschten .die Wellen an den Fels, wie bte bösen! Zungen, bte sich! geregt hätten, falls ein Mitmenschenange uns beide gnf der Bank erblickt. Ja, ich hatte plötzlich geflüstert, während vorhin die Worte meiner Liebe laut als frohes .Bekenntnis geklungen.
Aber ein Segen ist in allem. Sollte ich! nun die Wogen überschreien? Nein, ich legte meinen Mund dicht an das Ohr des Mädchens. Mußte ich nicht? Konnte ich anders? Aber sollte sch die albernen Fragen wiederholen? Nein, mir war in diesem Augenblick das Wort versagt. Ich drückte die Lippen leicht an die rosige, kleine Muschel, die sich hell.abhob von dem rabenschwarzen Haar. Ich küßte die zarte .Rundung. Dann zog ich die Finger, die ich noch in der Hand hielt, an die Lippen, küßte sie, und küßte sie wiederum.
Ich ließ gb und blickte Maria in die Augen. Sie weinte nicht mehr, nur am unteren Lid, dicht bei mir, hing eine winzige schillernde Kugel, in der sich Meer und Himmel zu spiegeln schienen. Durste ich sie lassen? Mußte sie nicht fort? Mein Mund sank nieder aus die langbewimperten Lider. Maria schloß die Augen, und ihr Haupt siel leise zurück.
Da schien ihr die Sonne gerade ins Gesicht, und erleuchtete strahlend die Wangen, die ich. noch! nie so in der Nähe gesehen. Meine Lippen suchten den weichen Flaum. Mir war es, als hätte ich! noch nie, seitdem mein Herz geschlagen für eine runde Wange und einen roten Mund, solche Herrlichkeit erblickt.
Rot, ja rot, war dieser Münd und klein dazu, Und fein gezeichnet diese Lippen. — Als ich sie dicht bei mir fühlte und sie tut Schatten, den mein Kopf auf sie warf, immer noch erglühen sah — konnte ich anders tun, als ich getan? Und was tat ich? Ich senkte daraus meine Lippen, jbie breiten, die groben, daß sie das Mündchen ganz bedeckten) perschlossen, daß nicht ein Ton, kein Wort ihm entfiel.
Nicht sprechen sollte sie. Ich schlang den Arm um Marias Nacken, ich küßte die Hände, bte Wangen, die Augen, das Haar, die Stirn und den Mund, und dann legte ich die Lippen dicht an ihr Ohr und flüsterte ihr das Geständnis zu, jenes höchste und tiefste, seligste, das Menschen einander sagen können:
— Ich habe dich lieb I
Wir hielten uns umschlungen Und ließen nicht wehr Voneinander. Da fühlte ich auch, wie in meinen Armen das Mädchen -erwachte. Unmerklich stieg der Druck der Kinger um meinen Nacken, nnmerklich stärker ging der ME. Ich spürte, wie die Wangen sich färbten. ' Eine köstliche Warme kam mir entgegen, und mir schien, als ich den Mund auf den ihren schmiegte, als bewegten sich Mnz leise ihre Lippen.
Ich nahm den Kopf von ihr und fragte:
s— Hast du mich lieb?
Sie senkte die Stirn. Ich fragte abermals t
!— Hast du mich lieb, Maria?
Wenig mehr sank das Haupt und hob sich wieder.
Aber ich ließ sie nicht los und bat:
*- Sage es mir!
schüttelte den Kopf. Ich konnte ihr nicht in die men, und mit sanfter Kraft drängte ich ihre Stirn .A. Abstoß dte Lider, als könnte sie mich dabei ntcht anblicken. Doch zum drittelt Mal klang, meine gyTOijie.
Sie Augen j zurück.
— Maria, hast du mich: lieb ?
Da klang verstohlen:
H Du weißt es.
Ich aber bat und flehte:
~ Sage es mir! Maria, sage es mir !
St e faßte sich ein Herz, nahm einen Anlauf, schwieg Versuchte von neuem und schließlich bat sie errötend ' ''
— Step mich nicht an!
Uh sch^ die Augen und wartete. Da klang eine KroTraS. **’ **"*- «"*
— .Ich habe dich lieb.
. ?stch aber überkam ein Jubel, eine unsägliche Wonne tote ich sie nocy nie gespürt, als sollte ich laut ausschreien als mußte ich die Arme werfen, sprinaen und't^en Mtr war zu Sinn wie, —: wie sage ich °es dockt? __
aat jenen seltenen Tagen, die in einem Menschenleben
säenden Marksteinen stehn. Die nur einmal sind
und so nie wiederkommen können. Die Uns reich machen in Sekunden und wären sie auch lange erwartet. Die uns das Leben erscheinen lassen als des Lebens wert. Die uns in traurigen Zeiten aufrichten, aufschnellen lassen, Kraft und Gesundheit wiederbringend. Die aus Demütigung und Not der Seele uns mit einem Schlage wieder zu Herren machen über uns selbst.
Mir war es wie an jenem Morgen, da ich vernahm) ich junger, jüngster Fant: „Du bist Leutnant geworden/« Mir war es wie damals, als ich ntetit erstes Rennen gewann. Mir war es wie einmal, ajls ich nach langem, höff- nungslosem Krankenlager vom Arzte hörte: „Sie werden gesund!"
Ja, ich war wieder jung und gesund, die graüien Jahre der Einsamkeit lagen nun hinter mir, hier an meinem Halse hing ein Menschenkind, das eben zu mir Armen gesprochen;
— Ich habe dich lieb!
Ich war nicht mehr allein! O Jubel! O Glück! ö Wonne! Ich hatte eilt Wesen, ihm zu dienen, ihm zu helfen, es zu lieben! Ja, zu lieben mit aller Kraft undi Seligkeit meines Herzens, das einst so stürmisch, so wetterwendisch gepocht und fortan nur noch einer gehörte, diesem liebreizenden, holden Geschöpf, das da atmete in meinen Armen, das da zitternd lag an meiner Brust, auf dessen Lippen meine Lippen ruhten, als wollten sie ihm meine Seele einhauchen, tief, tief hinein bis in das klopfende Herz. Meine Seele, nur mit ihrem Guten und Reinen, mit Mut und Kraft, mit Glück und Seligkeit. Die Schlacken der Erbennot blieben draußen. Davon sollte sie bewahrt sein burch mich, die sich mir schenkte, die sich mir gab Maria!
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Und doch mußten wir aus dem reinen Himmel unseres Glückes einmal zur Erde zurück. Als wir uns aus den Armen ließen, weil die Glocke des Hotels zum Frühstück! rief, kam die Forderung des Tages, kam wieder solches), das die Dichter unterschlagen, das doch wirklich ist, sein muß und ewig bleiben wird, weil wir eben Menschen sind: Ich hatte gekniet vorhin, und zwei große Flecken feuchten Sandes waren wie die Kniekappen bei einem meiner Gäule am Beinkleide hängen geblieben.
Maria bemerkte es, als wir uns erhoben hatten. Sie stand wie benommen und verstört vor mir und mit purpurnen Wangen; während sie sich ordnend ans Haar griffe sagte sie mit einem Blick zu Boden:
— Sie sind ganz schmutzig geworden!
Das war so kornisch, daß ich nicht anders konnte und zu lachen begann. Sie lächelte. Ich lachte noch mehr. Da begann auch sie zu lachen. Sie lachte, wie ich es noch nie von ihr gehört, obwohl doch oft der Schalk ihr im Nacken gesessen, sie lachte hell und hoch, so herzlich) daß meine Heiterkeit sich an ihr fortwährend neu entzündete. Es klang nie grell und schrill und so natürlich, so einfach, fo wahr. Nach! den Tränen eben noch schien alles gus- gelöst, was an Sonne und Frohsinn in ihrem Wesen lag. Ich nahm ihre beiden Hände, und wir blickten uns an:
1— Nun wollen wir es den Eltern sagen!
Dann kletterten wir über den Abbruch. Sie huschte fast leichtsinnig hinüber, daß idj nicht schnell genug zugreifen konnte, sie zu stützen. Als wir auf dem Wege zum Hotel standen, nahmen wir eine würdige Haltung an, gingen ein Stück getrennt voneinander, und förmlich grüßte ich Maria an der Treppe, beitu die Schwestern ans Münster kamen eben bett Gang herab, int Gänsemarsch, etwas verlegen an uns vorbeihuschend, wie immer.
Ich lief in mein Zimmer, schleuderte meinen Hut aufs Bett, wusch mir die Hände, fuhr mir mit dem feuchtest Schwamm über das Gesicht; dann rannte ich hin und her, und meine Gedanken sprachen: „Gott, bist du glücklich!" Mit dem Jubel im Herzen blieb ich am Fenster stehen und blickte nach der Landzunge hinüber, wo wir eben noch ge- 'essen hatten. Sie sah nicht anders aus als sonst, es war nichts daran zu erblicken, aber mir schien es, als chärs das Meer noch nie so blau gewesen, die Brandungsstreifen! nie so .weiß. Mir war es, als ginge von dien» Kap ein trahiendes Licht aus, den sonnigen Tag noch übrrhellenh.
(Fortsetzung folgt.)


