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mail an seine Verfolgung denken konnte. Nicht tuet bester ging es einem anderen Londoner Diamantenhcindler, der ein Jahr später von zwei fremden Besuchern seines Geschäftes plötzlich angefallen und überwältigt tourbe; die Gauner verschwanden mit reicher Beute.
Aber die Juwelendieb'e verlassen sich nicht immer auf bte Kraft ihrer Fäuste; in der englischen Hauptstadt erregte es nicht wenig Aufsehen, als vor etwa 15 Jahren ein bekannter holländischer Juwelier im Hatton Garden-Distrikt, wo sich die meisten dieser Juwelenräubereien abspielen, von zwei Männern plötzlich durch Chloroform betäubt würbe. Die Diebe verschwanden mit reichlicher Beute, und erst später konnte man feststellen, daß die beiden sich schon Monate vorher in der Nachbarschaft des Juweliers ein Geschäft gemietet hatten, um zwangs- los mit ihrem „Kollegen" Fühlung zu nehmen und ihir dann im geeigneten Augenblick zu überwältigen.
Vermachtes.
* Das verweigerte Te d e um. Bei der Geburt des Königs von Rom (20. März 1811) wurde auf Beiehl Napoleons in allen Kirchen Frankreichs ein feierliches Te deum gesungen. Dieser Befehl gelangte auch nach Rom, der damaligen Hauptstadt eines französischen Departements, und berief die Gläubigen dieser heiligen Stadt zur Feier des freudigen Ereignisses. Die Kardinäle, Priester, Bischöfe und Sakristane hatten alles zur Festlichkeit bereitet, die Kirche des heiligen Peter war geschmückt und das römische Volk strömte herbei, um das Te deum zu hören. Aber als es eben beginnen sollte, bemerkte man, daß Sänger und Jnstrumentisten aus den Appell nicht antworteten. Sie waren auf ihrem Posten nicht zugegen, ja selbst der Kapellmeister Zingarelli fehlte, und es stellte sich heraus, daß dieser die Musiker fortgeschickt und seine Noten eingeschlossen hatte. Nicolo Zingarelli (1752—1837) war nun freilich nicht irgend ein Musiker, sondern einer der bedeutendsten Tonkünstler seiner Zeit und hervorgegangen aus der alten echten neapolitanischen Kunstschule. Man ließ ihn rufen, aber er äußerte nüi Entschiedenheit, daß er den neuen König von Rom nicht anerkenne ; den Römern sei durch seine Geburt durchaus kein Geschenk des Himmels zuteil geworden. Vergebens stellte man ihm vor, daß er sich gegen den mächtigen Napoleon nicht auflehuen möge, er blieb bei seiner Weigerung und erklärte, sich lieber den Damnen abhauen zu lassen, als den 'Taktstock in die Hand zu nehmen und seine Kapelle an solcher Gotteslästerung teilnehmen zu lassen. Natürlich mußte die Affäre nach Paris gemeldet werden und Napoleon befahl, daß Zingarelli nach Paris gebracht werde. Da der Künstler sich bereit erklärte, sich in Paris stellen zu wollen, ließ man ihn ohne Bewachung dorthin gehen, und so stellte er sich lm Oktober zur Verfügung des Kaisers. Inzwischen war Napoleons Zorn wohl verraucht, er wünschte wohl auch jedes unliebsaw.e Aussehen zu verineiden, das eine etwaige Bestrafung des berühmten Mannes machen mußte, unb die Anwesenheit Zmgarellis brachte ihn nun wohl gar in die Verlegenheit, was er mit ihm dort machen solle. So ließ denn der Kaiser bei ihm anfragen, ob er bereit sei, eine Messe für ihn zu komponieren. Zingarelli willigte gern ein und das schnell geschaffene Werk fand den größten Beifall aller Musikkenner. Zingarelli erhielt ein ansehnliches Honorar und man bedeutete ihm, daß er zurückkehren dürfe nach Rom. So endete diese Reise, für deren Ausgang alle seine Freunde in großer Angst gewesen, für ihn mit einer hohen Ehrung und großem Erfolg.
* Kostbare Knöpfe. In der Mode der letzten Jahrhunderts spielte der Knopf keineswegs die bescheidene Rolle, auf die er heutzutage beschränkt ist. Eine Knopfausstellung, die im Jahre 1845 zu Gand ab gehalten wurde, legte davon beredtes Zeugnis ab; damals wurden die verschiedensten Knopfarten, die ich den letzten Jahrhunderten Mode waren, in einer Vollständigkeit ausgezeigt, die heute wohl nicht mehr erreicht würde; denn die großen und preziösen Knopfsammlungen, die den Stolz verschiedener großer Damen und Herren der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildeten, sind längst in alle Winde zerstreut. Die Vorliebe für kunstvoll und kostbar gefertigte Knöpfe war im 18. Jahrhundert sehr groß. Graf Artois, der nachmalige Karl X., ließ sich winzige golbene Uhren anfertigen und trug diese als Knöpfe — natürlich nicht an seinen Alltagsanzügen. Zur selben Zeit tarnen große aus edlen Steinen gearbeitete Knöpfe auf, die mit Blumen, Stilleben, Landschaften unb Porträts aufs jartefte bemalt waren. War daS Grundmäterial, aus dem di« Knöpfe bestanden, nicht an und für sich schon kostbar, so erhielt Einlagen von Diamanten, Saphiren, Perlen oder Goldplättchen, die zierliche Figuren darstellten. Ja, eine Zeitlang erschienen ftgar, wie Bau,chanmo-nt in feinen memoires secretes erzählte, «anz besonders große Knöpfe, die mit richtigen Minaturen ge- Mnuckt waren unb je nach der Kunst des Meisters teuer bezahlt würden. Esgab für ein unb denselben Anzug ganze Knopfferien, M eins Reihe von römischen Cäsaren, von antiken Statuen °J)eT me ^Wchl fcer Metamorphosen Ovids illustrierten. i'Dte Erftndung und Fabrikation neuer kröpft," sagt Bauchau- P'ti ur dml genannten Werk, „ist heutzutage feine Kleinigkeit, sondern setzt eine Phantasie und Erfindungsgabe voraus, die ein
Prüfstein sowohl für den Künstler wie für den Käufer ist ßng in Gesellschaften ein unerschöpfliches Gesprächsthema abgibt. Dar- naudery, der Hofknopfmacher, war zu dieser Zeit ein gesuchtes Mann und verkaufte den Elegants des ftanzösifchen Hofes di« bizarrsten und kostbarsten Knöpft, solche, die aus feingefaßten Kameen bestanden unb andere, die merkwürdig zugeschnittene Edelsteine waren. Sehr verbreitet war auch bte Mode, auf den Knöpfen Ansichten einzelner Gebäude und Straßen in Miniaturmalerei «u geben; so trugen manche Knöpfe die Bilder befl Louvre, des Königsschlosses zu Madrid oder Ansichten antiker! Tempel Vnb Triumphbögen. Auch bi« Ereignisse der großen Revolution waren später an beit Knöpfen abzulesen; sie schmückten sich mit den Porträts der Marat, Danton, Robespierre, trugen revolutionäre Inschriften ober entsprechende Zitate aus antiken Schriftstellern. Unterm Kaiserreich lebte der wirklich kostbar« Knopf wieder auf, um schließlich, im Biedermeier-Zeitalter bet Nlichten Bürgerlichkeit zu verfallen. Den größten Luxus mit Knöpfen bet bekannt ist, hat übrigens schon Ludwig XIV. getrieben; bi« Rechnungen vom 20. Mai 1684 verzeichnen die Tatsache, daß der König einen Diamanten von 52 Karat in zwei Hälften zerteilen unb sie zu zwei einzig bastehenben Knöpfet umarbeiten ließ. Am 26. Juli desselben Jahres ließ sich Ludwig XIV. 75 kleine Diamanten zu Knöpfen verarbeiten, die zusammen die Kleinigkeit von 600 000 Franken kosteten. Auch bi« Damen trugen damals Knöpft, die ganze Vermögen repräsentierten; , bei der Hochzeit des Dauphins mit der bayrischen Prinzessin Mari« Christine erhielt jede Ehrendame eine Anzahl von Diamant- rnöpfen zum Geschenk.
* Ein Land, in b e m es nur alle zwölf Jahre regnet. Ein interessantes Problem für die Meteorologen bildet das Land, in dem es nur alle zwölf Jahre regnet. Das ist keineswegs eine Legende, dies regenarme Gebiet ist das füdafrikaniiche Betschuanenland. Der italienifche Missionar Pater Porte, der dort für die Verbreitung des Christentums wirkt, macht über diese ungewöhnliche meteorologische Erscheinung in einem Briefe an den „Osservatore romano" einige interesfante Angaben. „Es ist wirklich seltsam, überall in den Nachbarländern regnet es, nur nicht hier bei uns. In Transvaal und im Basutoland ist der Mais und das Kaffernkorn bereits drei Fuß hoch; hier war es nicht einmal möglich, zu fäen. Livingstone schilderte bereits vor 55 Jahren das Land als unfruchtbar, und wer 60 Jahre später hierher kommt, wird wiederum staunen müssen. Livingstones Experimente und Beobachtungen haben gezeigt, daß im Betschuanenland nur alle zwölf Jahre ein richtiger Regen niedergeht; dann herrscht im Lande eitel Freude, in den Dörfern werden Erntefeste gefeiert und alles jubelt. Die Wirklichkeit bestätigt diese Angaben des Forschers, und unsere Auszeichnungen zeigen, daß tatsächlich nur alle 12 Jahre Regen eintritt. Der VorstellungSkreis der Eingeborenen ist auch nur von den« einen Problem beherrscht: Regen zu erlangen. Ihre Religion besteht nur aus abergläubischen Bräuchen, durch die sie Regen herbeilocken wollen, und dazu gehört auch die strenge Vorschrift, die es den Negern verbietet, zu arbeiten."
humoristisches.
„* F r ü h fing s a n f a u g. „Ach, nun kommt wieder bte schlimm« Zeit, wo es gleich wteber Tag ist, wenn man 7mat ’ij bißchen länger am Stammtisch gesessen hat."
* Im Kaffeekränzchen. „Ja, ja, Frau Kalkulator, jo machens die Männer! Die Stiefel ziehen sie schon auf bet Treppe aus und schleichen auf Strümpfen durch die Stube, wenn sie spät nach Hause kommen!" — „Ach, das ist noch gar nichts I Weiner kommt oft überhaupt nicht nach Hause!"
* Unter Kameraden. „Was versteht matt eigentlich Mittet Vermmftsche?" — „Sehr einfach. . . wenn Braut M vernünftig is, Jelb zu haben."
* Von der Schmiere. Schauspieler: „Was, Sie wollen Heldendarsteller sein unb getrauen sich nicht, den Direktor u« Vorschuß anzugehen?"
* Leicht geholfen. — „Eduard, es ist jetzt zur Reget geworben, daß der Hahn kräht, wenn du mch Hause kommst!^ -n „So stich das Vieh doch ab!"
Charade.
Steigt leuchtend die Rakete aus. Bleibt Eins nicht aus, verlaß dich draus. Zwei-Drei lebt froh in Busch und Wald, Ist bunt und zierlich von Gestalt. Das Ganze ist ein Bild des Fleißes, — Wer's nicht erraten kann, den beiß eS!
Auslösung in nächster Nummer»
Auflösung der Schach-Ausgabe Weiß
1. Tdl-hl
2. Dg6 —bl
8. D gibt Matt.
in voriger Nummeif Schwarz Lb6-e8.
beliebig.
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch«, «niverfitstS-Buch- und Steindruckerei, R, Lange,


