Änrr Wasserverdrängung ton liNgefähr 12 000—13 000 Tonnen, tn deren Grenzen sich die damaligen Linienschiffe hielten, auf 18 000—22000 Tdnnen und darüber brachte natürlich große Schwierigkeiten für den Schiffbau. Die Aufstellung der 10 12 schweren Geschütze von 28—30 Zentimeter großem Kaliber, tue tn ö bezw. in 6 Doppeltürmen aufgestellt wurden, war eine große (Streitfrage, die nun auch bei allen Nationen anders gelöst wurde. England stellte seine Geschütze tn der Mtttelschiffs- linie des Schiffes auf und erhielt somit ein großes Breitsettfener. Deutschland dagegen baute seine schwere Artillerie so ein, daß sie 4 Strich, also 45 Grad voraus die größte Feuerwirkung erzielte. Während England, wie schon erwähnt, kerne mittlere Artillerie einbaute, so versahen wir unsere Kasematten Mit 15 Zentimeter-Geschützen, die in der Schlacht durch ihre Masi en- wirkung besonders gegen leichte Ausbauten und ichwache Panzerung unter dem Gegner Verwirrung anrichten und Brande und giftige Gase erzeugen sollen. Was nun die Maschinen dieser großen Schlachtschiffe anbetrifft, so blieb man noch vorläufig bei den altbewährten Kolbenmaschineii und machte weitere Versuche mit den schon gutentwickelten Motoren bei kleineren Schiffen. Doch neuerdings sollen auch diese Motoren' Anwendung finden, die den Vorteil einer bedeutenden Raumersparnis mit sich bringen, den Aktionsradius verdoppeln, 36 000 Pferdekräfte verzeichnen Und die Schornsteine verschwinden und die Rauchentwicklung beseitigen lassen. Das harrt jedoch noch seiner Verwirklichung und dürfte in den nächsten Jahren noch nicht zur Anwendung gelangen. Den Kolbenmaschinen auf den Schlachtschiffen gab man nur eine größere Leistungsfähigkeit, indem man sie für mehr Pferdestärken baute und dementsprechend die Kesselanlage vergrößerte. Ferner wurde die Dampfstrecke verlängert unb der mitzusührende Kohlenvorrat vergrößert. Mit Der Steigerung der Artillerie nahm natürlich auch die Stärke der Panzerung zu, so wie sich Angriffswaffe und Verteidigung die Wage halten müssen. Diese bedeutend größeren Gewichte, die tn den Schiffskörper eingebaut iverden mußten, bedingten die Steigerung der Wasserverdrängung fast um das Doppelte. Ferner wurden alle Errungenschaften der modernen Technik auf diesen Schiften verwendet, und der größte Teil der Antriebskräfte durch riesige Tubodynamos erzeugt. — Unter Dreadnoughts versteht man allo Linienschiffe und Linienschiffskreuzer, die eine Verdrängung von 18 000 Tonnen und darüber sowie eine Ausrüstung mit mindestens 8 Geschützen von 28 Zentimeter Kaliber und darüber haben.
Als Gefechtseinheit ist das Linienschiff, also jetzt an erster Stelle der Dreadnoughttyp, von allen Nationen ausnahmslos anerkannt worden. Es ist gewissermaßen mit der Infanterie des Leeres zu vergleichen und gibt in der Seeschlacht fast allein den Ausschlag. Zum Aufklärungsdienst, den bei dem Heer die Kavallerie versieht, werden bei der Marine die Kreuzer verwandt. Hauptsächlich sind es die kleinen Kreuzer, die — weit vorgeschoben — diesen Dienst versehen. Zu ihrer Sicherung sind die großen Kreuzer vorhanden, die den Aufklärungsdienst verstärken und 'oie Fühlung mit dem Gros halten. Sie waren ms fetzt ihrer Verwendung entsprechend verhältnismäßig schwach bewaffnet und gepanzert, und mürbe in erster Linie Wert auf eine große Geschwindigkeit gelegt. Nun will man aber für sie eine vielseitigere Verwendung haben, um sie auch als Geschwader an Day Gros zur Unterstützung in der Tagschlacht angliedern zu können. Um deshalb Den großen Kreuzer einigermaßen dem Linienschiffe an die Seie stellen zu Dürfen, ha man ihntt ebenfalls vergrößert und mit 8 Geschützen ausgerüstet. Der immer »och vorhandene Unterschied in Der Artillerie soll durch überlegene Geschwindigkeit ausgeglichen werden. Die nach diesen Grundsätzen gebauten Kreuzer sind den Dreadnoughts säst gleich zu achten unb werden tn den Laienkreisen zu ihnen gezählt. Der deutsche Vertreter dieses Typs ist der Linienschifsskreuzer „v. d. Tann , der zurzeit als schnellstes großes Kriegsschiff der Welt die englifchen tn den Schatten stellt.
Durch den Bau der großen Schlachtschiffe ist, wie schön erwähnt, eine neue Zeit für die Technik irn Kriegsschiffbau und für die Taktik in der Seeschlacht gekommen. Die Machtverhaltmsse zur See bei den Nationen mögen einige Zahlen erläutern: England steht mit 27 Dreadnoughts (11 fertig, 16 im Ban) 40 alteren Linienschiffen an erster Stelle, an zweiter Stelle Teuft ch- lanb mit 17 (5 fertig, 12 im Sau), 22 älteren Linienschiffen, bann erst folgen die Vereinigten Staaten mit 4 fertig, 6 tm Dan, Frankreich mit 8 im Bau, Japan, Rußland, Italien mit 4 und Oesterreich mit 2 Dreadnoughts im Bau. Mit einem Gesamtgehalt von rund 700 000 Tonnen übertrifft heute unsere Flotte die amerikanische um etwas und die sranzöfische um mehr Äs 100 000 Tonnen. ,
Hauptsächlich sind es die großen Schlachtschiffe, auf die es Heute ankommt. Von ihnen haben wir, wie aus den Zahlen ersichtlich ist, eine bedeutend größere Zahl fertig oder im Bau als die Vereinigten Staaten und Frankreich. — Ferner darf man auch nicht außer acht lassen, daß England die jahrhundertlange Praxis im Schiffbau auf ihrer Seite und unbegrenzte Geldmittel zur Verfügung hat. Trotzdem entstand dort, als man unsere Emsigkeit im Banen großer Schiffe und die Opferwittig- feit des deutschen Volkes sah, ein Hetzen der deutschfeindlichen Parteien, und diese suchten die entstehende .deutsche Seemacht
der ihrigen weit überlegen einzuschätzen, was natürlich aller Grundlagen entbehrte. Tatsache ist aber, daß Der Unterschied in den Machtverhältnissen zwischen den beiden Nationen ein bedeutend geringerer geworden ist, den man einzig und allein der rechte Zeitigen Erbauung der großen Schlachtschiffe in Deutschland zu- chreiben muß, da Der Wert der Schiffstypen vorhergehender Jahrgänge stark gesunken ist. England strebt natürlich immer noch den „two powerstandart" aufrecht zu erhalten, wozu es durch seine geographische Lage gezwungen ist. Denn die Vorherrschaft zur See ist für sie Lebensbedingung geworden. Doch möge der kriegerische Ausgleich zwischen Deutschland und Eng- land noch weit in Der Zukunft liegen, zum Segen und Nutzen! beider Völker; wenn aber einst Diese Stunde schlagen wird, werden die deutschen Geschvader gedichtet und kampfbereit sein dank der Fürsorge des Reiches und der Opferwilligkeit des deut- chen Volkes. Und gerade dieses letztere darf man nicht unter* 'chätzen, denn feit dem Jahre 1901 sind bis zum Ende des ^ahreS 1911 3222 Millionen Mark für die Marine aufZeivendet worden. Beim Anblick dieser Zahlen ist es ein Trost, daß mit diesem Jahr der Höhepunkt der Ausgaben erreicht ist, und andrerseits, daß die gewaltigen Summen nicht vergebens von der Nation geopfert wurden; denn nur eine Flotte und eine Armee n imponierender Stärke sichern uns den Frieden. Doch ixe Kraft des Heeres ist an die Scholle gebunden, nur bie Seemacht reicht mit ihrer Kraft an die entlegensten Küsten, Dem Handel neue Wege zu bahnen und seine Vertreter gegen Unrecht und Gewalt zu schützen. «■ »•
Berühmte Iurvelendiebstähle.
Die Diebe, die kürzlich an Boro eines deutschen Ozeandampfers das kostbare P e r l e n h a l s b a n D einer amerikanischen Reisenden kahlen, haben verhältnismäßig leichte Arbeit .gehabt, da Dies Amerikanerin ihren wertvollen Schmuck offen tn ihrer Kabine liegen ließ und nicht einmal Die Tür abschloß.
Es ist verhältnismäßig selten, daß Den internationalen Gaunern ihr Handwerk so leicht gemacht wird, ja in den meisten Fällen müsseii die Einbrecher mit Schwierigkeiten rechnen, die zu überwinden ost jahrelange sorgsame Vorbereituugeii erforDert. Die großen Juweliere, die in ihren Geschäftsräumen oft für viele Millionen Mark Edelsteine verwahren, pflegen , ihre befonoeren Vorsichtsmaßregeln gegen die Einbrecher und Diebe nut größter Umsicht zu treffen. Der Laie hat gewöhnlich ferne Vorstellung von den Schätzen, die ein Juwelierladen birgt; erst nirzttch erfrärte einer der größten Londoner Juweliere, daß. Diamanttiaren sich gegenwärtig bei der eleganten Frauenwelt einer oqoiiDeren Vorliebe erfreuen, wodurch er gezwungen sei, durchschnitUich lou solcher kostbaren Schmuckstücke zur Auswahl .ständig un Laden zu halten. Wenn mgn bedenkt. Daß solche Diademe meist schon an sich ein Vermögen darstelleu und ut den billigsten Fallen 10 000 Mark, gewöhnlich aber 100 000 unb mehr kosten, so wird man begreifen, welche magnetische Anziehungskraft die großen Juwelenläden immer auf die Einbrecher ausgeubt Huben. Oft gehen bann Den Einbrüchen monatelange stille Beobamtungen unb Bestechungen voraus, ehe Der verwegene Gauner fernen Streich auszuführen wagt. Eines der kühnsten Stucke Dieser Art versetzte damals ganz LonDon in Aufregung: tn den siebziger Solfren würbe der große Sicherheitsschrank in Dem Jüwelierlaben von Williams u Söhne geöffnet, und Die Einbrecher verschwanden mit einer Beute, bereu Wert weit über eine halb e M 11 Ito n hinaus- ging. Die Tat würbe zwischen Sonnabend und Montag aus- aeftihrt, und Die Untersuchungen ergaben spater, daß es den Einbrechern gelungen war, sich auf rätselhafte Art Gipsabdrucke von den Stahlschrankschlüsseln zu verschaffen, mit Denen sie Dann verhältnismäßig Mühelos ihren Zweck erreichten.
Ein anderer berühmter Einbruch, von dem eine englische Wochenschrift erzählt, ereignete sich in Dem Hatton-GardemPosiamt im Jahre 1881. Es handelte sich Daher um. einen besonders ver- chlagen durchgeführten Postdiebstahl. An einem Novemberabend, es war schon dunkel, waren bie Beamten am Werke, tm Ab* sertiaunasfaal die Einschreibfenbungen zu prüfen und in versiegelte Säcke zu packen. Plötzlich erlosch ba§ Licht, und tn der nun herrschenden Verwirrung Drangen die Trebe unbemerkt ein, gingen auf die zum VersauD bereit Hangenden Sacke zu, packten die Beute unD verschwanden. Vor der Tur hielt ein leichtes Gefährt, das bie Beute aufnahm und eiligst davon Mr. 3>ic Untersuchungen ergaben, daß an jenem Tage außer Den Geldsendungen rin ganzer Vorrat geschliffener und ungeschliffener Diamanten eingeschrieben aufgegeben worden war' allein die entwendeten Edelsteine stellten einen Wert von mehr als 600 000 Mark dar. Kein Mensch hatte das. Gefafrct vor dem Postamt gesehen, Die internationale Polizei wurde alarmiert, es kam auch zu verschiedenen Verhaftungen, aber Die wirklichen Täter sind nie entdeckt worden.
Ein anderer aufregender Fall, bei dem es zu Gewalttaten kam ereignete sich im Jahre 1883. Diesmal war der Dieb itt das Privatkontor des Juweliers Alexander tn London em- rtphrnnaen hntftc cuteu @ci(f Tnit diamanten, UND bei -Ö’C sitz er sich ihm entgegenstellen wollte, schoß der Verbrecher Detrt Juwelier eine Kugel in die rechte Hand. Dann sprang er aus dem Laden in eine bereitstehende Droschke nnb verschwand, ehe


