Ausgabe 
1.4.1911
 
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Da war's wie ein Rauschen durchs Zimmer gegangen, so als ob raschelnde Vorhänge vom kühlen Nachtwind empor­gehoben würden; dann war es gewesen, als ob einer mit Sanz leisem Hauch ein flackerndes Lichtchen zum Verlöschen ringt.

Kein Seufzer, kein Ton int ganzen Raum, nur em Rascheln, irgend etwas ganz Geheimnisvolles, das im Nu wieder verschwindet und doch fühlte Frau von Hilbach, dah ein kalter Schauer durch ihre Glieder ging.

Was da oben das Zimmer erfüllt hatte, das war etwas 'Großes, Gewaltiges gewesen, etwas, was Menschen nicht begreifen können.

Sie griff an ihre Stirn und besann sich. Hier saß sie MN Bett eines Schwerkranken und hatte an Leben und Zu­kunft gedacht, das war nicht recht. Sie beugte sich über den Kranken, wollte ihn etwas fragen, aber sie schrak

»eftiae Schmerzend allen Gelenken und'schleppte sich abends i rück. Er hatte sich verändert Mas Lächeln um seinen E mdmüde n«ck Lau e Mund, dieses rührend schmerzliche Lächeln war geschwunden,

»st todmuve nqcy fagtc sie am letzten die Augen waren starr, das Gesicht war grunlich-weiß

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fi-rau %on Hilbach hatte sie in ihr Federbett eingepackt, I Mannes und dann ging ste zur Kosh, 5ie den Kopf aus ^d da blieb sie eine ganze Woche liegen. Wenn aber die Seite geneigt hatte und die zuerst nicht glauben wollte,- Menschen wie hie Kosh eine ganze Woche in ihrem Bett daß es so schnell gegangen sei.

lieaeit bleiben dann haben sie Ursache dazu, dann sind Dte Frau Bauunternehmer schlief noch, beim, der frn'rtF lind die Koski war krank. I Arzt hatte ihr am Abend ein Schlaspulver gegeoen; am

sie wirklich krank, und die Kofh war^lranr. sie endlich wach wurde, konnte sie nicht recht begreifen.

Sie war aber wie ein tapferer Soldat, die Kosh, sie Sie ließ sich aber zum Bett führen undweu^auclb aber raffte sich wieder aus, weil ein anderer sie brauchte. Die | nach einer halben «stunde schlief sie wieder. Der Arzt, den schmerzenden Gelenke hatte sie mit Watte umwickelt, und I die Kost) herbeigeholt hatte, bat Frau von Hilbach, sie ruhen wenn Frau von Hilbach müde war, saß sie manche Stunde I zu lassen, denn sie sei sehr erschöpft. ..

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»'« f« bet der s°-tg-M°n Weg- t>b--°nft--»gt P«

Das ist ein schweres Jahr!" seufzte die Kosh manch- I nicht zu schämen, wenn man weint.

mal, wenn sie mit Frau von Hilbach allein im Wohn- INu hat man gedacht, mit der Küstern sjst glücklich zimmer von Bauunternehmers saß. I eine Witwe aus dem Hause und gleich ist wieder eme andere

Da können Sie später Ihrem Doktor von erzählen, I drin. Was die Baunnternehmern betrifft, da hab ich kerne wenn Sie in Ruhe sind. So was ist in der Erinnerung I Angst für der ihre Zukunft---"

immer schöner, wie in der Gegenwart!" I Kosh," sagte Frau von Hilbach und machte eine Be-

Fran von Hilbach seufzte. Sie war müd und litt UN- Regung nach dem Bett hin, m dem die Frau Bauunter­säglich mit diesen beiden Menschen, die ihr lieb geworden nef)mei. schlief, die die Kosh zum Schweigen veranlassen waren. Auch mit ihrer Kosh litt sie, denn sie sah ihr wohl roIlte.

an, wieviel Mühe es sie kostete, sich aufrecht zu halten. Der $ machte die,der hat der Doktor eine doppelte kleine Erwin saß still in einer Ecke. Er war es jetzt schon Portion Schlafpulver gegeben, die schläft bis in den hellen gewohnt, dah die Menschen um ihn herum keine Zelt sür ^ag hinein. Schad't nichts, sie kann ja nichts dafür! ihn hatten; er fragte auch nicht mehr, warum sie weinten 1 grgenTl jemand boshaft wär, könnt er was drin finden, oder lachten, er war ein kleiner fertiger Mensch sür sich I toemt eine so fest schläft, während ihr Mann stirbt. Aber geworden, der abseits von seiner Umgebung lebte, der sich die hat wahrhaftig ihre Pflicht getan. Ne, um die ist seine eigene Welt für sich geschaffen hatte. , , I mir nicht bang, wenn die auch vom Bauunternehmer so

Daß da dicht neben ihm in der nächsten Zeit einer otel Geld hinterlassen kriegt, daß sie keinen Finger zu sterben würde, das wußte er, das hatte die Kosh ihm ge- I Miren braucht, die macht darum keine Dummheiten. Ich sagt, und er dachte jetzt viel darüber nach, wie das wohl glaub, die heiratet wieder, die ist auch so hübsch vernünftig, wäre, wenn einer stürbe. Er lauschte oft, wenn er im I r0 ejne haben die Männer gern, besonders wenn sie Geld Nebenzimmer ein Geräusch hörte und war enttäuscht, daß I hat. Unser Bauunternehmer wird sich das bei Lebzeiten ein Tag nach dem andern verging, ohne ein Ereignis zu I wohl gedacht haben, und wird's ihr gönnen nach all den bringen. , I schweren Zeiten mit ihm. Ich bin nur neugierig, wo sie ihn

Nicht nur der kleine Erwin, sie alle warteten mit | begraben läßt, ich denk mir doch jedenfalls in Leipzig, einer gewissen Ungeduld und Unruhe auf das Ereignis, das tn yeinex Vaterstadt!" eintreffen sollte und mußte, und das sich immer wieder I g^au von Hilbach antwortete nichts, sie hörte noch das verzögerte. , , nr , . . , I geheimnisvolle Rauschen im Zimmer, sie hätte gern noch

Die Kosh hielt tn ihrer naiven Art wieder lange lange still neben dem bleichen Mann gesessen und

Unterredungen mit dem lieben Gott, stellte ihm vor, daß bätte nachgedacht über Dinge, die nichts zu tun haben mit es jetzt in jeder Beziehung gut pafch, wenn der Herr was uns auf Erden erfüllt und beschäftigt. Aber Bauunternehmer doch einmal das Zeitliche fcgnen mußte. ? f e§ um her Kost) Mund zuckte. Die wollt« Sie dankte auch dem da oben, der sie alle so wunderbar I sureckieu und da ihr dies derbe, gesunde Geschöpf der durch die vielen Wirrnisse dieses Jahres hmdurchgefuhrt I ^pueste 'Kamerad in ihrem schweren Schicksal geworden hatte, daß er den Bauunternehmer nicht in der Hochsaison 'tie6 fie sich von ihr herunterholen aus ihrer Welt der zu sich gerufen hatte; und wie denn alle ihre Gebete bisher ä' e un!) börte ihr zu.

Erfüllung gefunden hatten, so ging es auch diesmal, und I iFortietzuna sollt

zwar kam der Tod in einer wundervollen, stillen Herbste (Fortsetzung folgt,

nacht, in der die Fenster weit geöffnet waren und eine tost- I

liche Luft von außen ins Zimmer strömte. iw» ^6»« «(hlfldhffdliffe itt der dSUtickeN Marine.

Gerade in dieser Nacht hatten sie ihn am wenigsten 9roöen . ? \

erwartet, denn der Bauunternehmer hatte so still und Aus Mer aktiven Geschwadern bestand nach 1870 tue deutsche ohne Schmerzen in feinen Kissen gelegen und Milch und 1 Flotte, die aber ihrer Große sowie ihrem Gesechrnwert gemäß v-tn° bA»!aef<Muät Di- »rau B°uun,--u-hm-r w« ta ««fto uto« eu«to «nk

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Kranken und ließ ihre Gedanken ms Weite schweifen. | Verhältnissen zur See bei den einzelnen Staaten herbeiführtö und Deutschland vom 7. und 5. Platz auf die 2. Stelle rückte. Dies war der Bau einer neuen SchiffSart der großen Schlacht^ schiffe der Dreadnoughts und ihre Einführung in die deutsche Marine.

Den Anstoß zum Bau dieser Schiffe erhielt Eiigland durch den russisch-javanischen Krieg. Die in diesem Kriege geschla­genen Seeschlachten brachten einen großen Umschwung in der Taktik. Die Japaner, die nach dem Grundsatz, auf große Enck fernungen sich die Uebermacht zu sichern, kämpften, hatten mit ihrem Prinzip große Erfolge erzielt, das viel zu ihren Siegen beitrug. Die Engländer, die diese Erfahrungen sofort auf ihren Kriegsschiffbau übertrugen, bauten ein Schiff, das auf große Entfernung die denkbar größte artilleristische Wirkung besaß und durch überlegene Geschwindigkeit sich den Gegner immer in der für sie günstigsten Entfernung halten konnte. Bei diesem Bau {djaU teten sie ganz die mittlere Artillerie aus, die bis dahin die aus-, schlaggebende Waffe gewesen war und behielten nur,-noch die leidsten Geschütze zur Abwehr von Torpedobooten. Der Sprung von