,£), ich störe wohl! Nein, ich habe sonst keinen Wunsch, höchstens den, daß Sie einen recht angenehmen Mieter für meine Wohnung bekommen."

Frau von Hilbach erwiderte nichts, aber die Kost) er­innerte au die zerbrochene Scheibe. Daraus hatte die Specht gewartet, dem: es war, als huschte etwas wie Freude über chr Gesicht.

Wegen der Scheibe muß ich Sie bitten, mich zu ver­klagen! Gutwillig ersetze ich sie nicht, nun, und wo wir doch einmal aus diese Dinge zu sprechen kommen ah,

es klopft!"

Herein!" rief die Kosh, und die Hänflein kam im Vonutagsstaat in einem blauen Tuchkostüm mit goldenen Litzen und Knöpfen verziert, ins Zimmer. Auf dem Kopf trug sie einen großen Hut mit blauen Federn; in der einen Hand hielt sie ihr Gesangbuch, in der andern das Porte- momtaie. Sie sah sehr schön und elegant aus, und die Kosy starrte sie einen Augenblick tote verblüfft au.

..Guten Morgen," sagte die Häuflein,ich wünsche ein zMmiches Neujahr!"

Frau von Hilbach bat sie, aus dem Sofa Platz zu nehmen, aber die Hänflein dankte kühl:Ich wollte nur meine Miete bringen," und sie zählte den Betrag auf.

»Meinen Brief haben Sie ja bekommen, Frau von r»ach. Ich will noch einmal mündlich wiederholen, daß zum 1. April die Wohnung gekündigt habe!" Die Kosh wurde kreidebleich.

,/O," sagte die Specht,liebe Frau Hänflein, Frau Von Hilbach hat unsere Briefe noch gar nicht geöffnet!" tob ihr Gesicht strahlte bei diesen Worten.

Das war wieder so echt, so ganz Frau von Hilbach, bie las einfach ihre Briese nicht.

So?" wunderte sich die Hänflein, und die Kosy kramte unter den Briefen und gab ihrer Herrin den zweiten, ter fünf Pfennig Porto trug.

Frau von Hilbach las und sagte leise:Es ist gut, ßtatu Häuflein!"

Die Kosy aber konnte ihrer Erregung nicht Herr werden. Die Hänflein kündigte und hatte doch den bril- lanten Sommer hinter sich! Herr im Himmel, was sollte denn da werden? Die Natusius zog, die Specht zog, die Wohnung der Lengerich stand leer, und nun kündigte die Häuflein den großen, linken Flügel! Das war ja ent- fetzlich l Was sollte denn da werden? Vier Wohnungen megte man doch nicht so einfach besetzt, und die paar Möbel, die Frau von Hilbach aus dem Boden hatte, reich­ten eben, um die Wohnung der Natusius für den Sommer suszumöblieren.

Ist das Ihr Ernst?" fragte sie fassungslos. Die Häuflein sah sie hochmütig au.

Söffen Sie doch, Kosy!" bat Frau von Hilbach, und die Specht begann wieder wegen der Fensterscheibe.

Also ich muß Sie bitten, mich zu verklagen! Gut­willig zahle ich nicht. Man wird ja dann Gelegenheit Nehmen, die Wohnung richtig zu besichtigen, und--"

Ich bitte, Frau Oberlehrer," unterbrach sie Frau von Hilbach und griff an ihre Stirn, die sie schmerzte.Wir wollen uns nicht auf unangenehme Erörterungen ein» lofjen. Wollen Sie nicht zahlen, so verzichte ich!"

Nee aber, Frau von Hilbach," fing die Kosy an, aber He schwieg, als sie den verweisenden Ausdruck im Gesicht ihrer Herrin sah.

Also ich wiederhole noch einmal meine Kündigung!" fagte die Häuflein.Frau Oberlehrer, Sie sind mein Zeuge!" Dann verabredeten sie sich zum gemeinsamen Kirchgang, verneigten sich gegen Frau von Hilbach und gingen.

Die Kosy sank auf einen Stuhl und schlug die Hände Vors Gesicht.

Herr, du mein Gott!" jammerte sie, und sie wollte Jerade anfangen, ihren erregten Gedanken Worte zu ver­leihen, als Frau von Hilbach ihr die Hand auf die Schul­ts; legte.

Gute, alte Kosy," sagte sie,ich weiß alles, was M« jetzt sagen wollen. Aber was nützen Worte? Es ist schlimm, ich weiß es wohl, aber bitte, heut machen Sie mir das Herz nicht schwer, Kosy, heute nicht! Ich kann es sicht hären. Morgen wollen wir davon reden, nur jetzt muß ich Ruhe haben!"

Dis Kosy schluchzte auf.Wenn das unser Doktor Mßte," murmelte sie,und gerade wie er mich heute

morgen fragte, ob wir nun wirklich keine Sorgen für die nächste Zeit hätten, hab ich ihm vorgerechnet, daß wir glatt durchkommen, besser als andere Jahre, und nun

Lassen Sie, Kosy," bat Frau von Hilbach noch ein­mal,heute können wir ja doch nichts tun; morgen will ich mit Ihnen überlegen, ich verspreche es Ihnen!" und dabei sah sie die Kosy flehend an.

Ach, meine arme Gnädige!" antwortete die,ich weiß ja, warum Sie so reden können, aus eigener Erfahrung weiß ich all das. Hunger und Durst, das ist Kinderspiel gegen so einen Kummer, wie Sie ihn jetzt' fühlen. Ich will mir gern die Finger blutig arbeiten und von Kaffee und Kartoffeln leben, jahraus, jahrein, aber eine unglück­liche Liebe möchte ich nicht noch einmal durchmachen, das ist schlimmer als die schlimmste Krankheit, und dafür gibt es auch kein Mittel, höchstens die Zeit, Frau von Hilbach. Aber Sie lieben ja nicht einmal unglücklich oder umsonst: Ihr Doktor kommt ja wieder. Was ich durchgemacht hab, das kann ich keinem Menschen beschreiben, das ver­steht auch keiner, und dabei war ich verheiratet und hatte Pflichten und lief doch herum, als trüge ich ein Messer im Herzen. Ach, Frau von Hilbach, nee, damit will ich Ihnen heute nicht kommen, er liegt ja nun auch schon lang unter der Erde-- Aber daß die Hänflein

zieht---"

Frau von Hilbach saß an ihrem Fensterplatz und stützte den Kopf in die Hand.

Kosy, wann gehst du denn nchch Naumburg, meine Eisenbahn laufen?" quälte Erwin.

Morgen, Jungchen, morgen! Ich dachte, Frau von Hilbach, dann könnte ich gleich die Annonce im Kreisblatt aufgeben, was meinen Sie?"

Es klopfte schon wieder.

Die Frau Pastorin läßt fragen," meldete Frau Häuf­leins Köchin,ob Frau von Hilbach mal zu ihr heraus- kommen wollte. Sie hat sich gestern abend beim Punsch bei der Frau Hänflein ein bißchen übernommen und liegt noch im Bett."

Ja, ich komme!" sagte Frau von Hilbach, und das Mädchen ging.

Die steckt auch mit denen unter einer Decke in letzter Zeit!" brummte die Kosy beklommen.Gott, Frau von Hilbach, wenn wir do'ch verkaufen könnten und nach Berlin ziehen. So eine Dame wie Sie, die ein paar fremd- landifche Sprachen spricht und überhaupt so viel weiß, die kommt in Berlin durch. Da wett ich drauf--"

Still Kosy," bat Frau von Hilbach, strich der Men übers Haar und ging hinaus.

Aber kommen Sie bald wieder, Frau von Hilbach," rief ihr die Kosy nach.Wenn Sie Kopfschmerzen haben, können Sie das viele Geschwatze nicht vertragen."

(Fortsetzung folgt.)

Die verschwundene Braut.

Eine Detektivgeschichte von Conan Doyle.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten)

Es ist ivirklich recht gnädig von Seiner Lordschaft, daß er meinem Kopf die Ehre erweist, ihn mit dem {einigen auf eine Stufe zu stellen," meinte Sherlock Holmes lachend.Aus dieses lange Kreuzverhör hin habe ich aber eine kleine Er­frischung und eine Zigarre verdient. Ich war mit meinen Schluß­folgerungen übrigens bereits im reinen, ehe unser Besuch erschien."

Mein lieber Holmes!"

Unter meinen Aufzeichnungen befinden sich mehrere ähn­liche , Fälle, aber wie schon erwähnt, ist es noch bei feinem! so flink gegangen. Das Verhör machte meine Vermutung nur zur Gewißheit. Ein Indizienbeweis ist gelegentlich außerordent­lich überzeugend, namentlich wenn auch das übrige so genast dazu paßt."

Aber ich habe doch alles mit angehört, so gut wie du."

Allerdings, aber ohne die Kenntnis der früheren Fälle/ die mir so sehr zu statten kommt. Da war ein Fall vor einigest Jahren, wo doch da kommt ja Lestrade! Hallo Lestrade, guten Abend! Dort drüben steht Ihr Stamm glas und hier ist die Zigarrenkiste."

Der keine Herr erschien in einer hellen Jacke und hellem Halstuch, was ihm ein ganz seemännisches Aussehen gab, ist der Hand trug er eine schwarze Reisetasche. Nach kurzem Gruße ließ er sich nieder und steckte sich die angebotene Zigarre an.

Was ist beim los?" fragte Holmes mit einem Zwinkern seiner Augen.Sie sehen ja recht mißmutig aus."

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