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geftaft't; aber tote fein Untertitel „Allgemeiner deutscher BerbatW ptr Erziehungs- und Unterrichtsnteftn'' besagt, will er sich durchaus nicht auf die Reform dieses einen Grzichungsfaftors be- schvänken. Ter Bund wurde im Oktober 1908 gegründet und iit mm nwch iy3 jähriger ftiKer Arbeit zum ersten Male an die breitere Dcffentlichkeft getreten. Bei eirtem von ihn« am 19. Marz rn Berlin veranstalteten Vortragsabend Wurden einer zahlreichen Zu- Hörerschaft die Aüifgaben und Ziele des Bundes klar gelegt Es sprachen: Uriiversftätsvvoftsfor Dr. E. R e u ma v. n (Halle), Anfts- gerichtsrat T-r. Köhne (Berlin), Universitätspoofessor Dr. W. Stern (Breslau), Realgymuasialdirektor Prof. WetekaMp (Schönebergs und JrrenauMÜsdirektor Prof. Dr. Weygandt (Hamburg).' Die Rednerliste und die int geschäftsführenden Ausschuß des Bundes vertretenen Personen zeigen, daß es dem Bundü in der kurzen Zeit seines Bestehens gdämglen ist, die Wrtrütev der verschiedensten Beruft für seine Bestrebungen zu interessieren; and dies darf wohl als günstiges Auspizium für seine Zukunft betrachtet werden. .Ich. habe diesem Aussatze zum größten Steil die in den Borträgen vom 19. Msärz enthaltenen Gedanken zu! Grunde gelegt.
Was der Bund will, ist nichts wesentlich jtetteg: fast alle! seiner Teilaufgabeir sind hier und da schon einmal in Angriff genommen wvrdM. Während aber bisher fast jede einzelne Re- formbestrebung zur Gründung eines eigenen Vereines führte, will der Bund alle Sonderinteressen in sich mlsnehmen, das Gegensätzliche mildern, das Gemeinsame betonen uni> so mit vereinten! Kräften das allgemeine Ideal einer zeitgemäßen Anziehung seiner Verwirklichung näher bringen. Besonderen Wert legt er dabei auch auf ein Zusammengehen der Eltern- und Lehrerschaft, d. h. überhaupt aller an der Erziehungsarbeit beteiligten Personen. Dabei will der Bund die Reform bewußt in erster Linie auf die Ergebnisse der Jugendforschung stellen. Bei den Laien, die er- zteherisch tätig sind — Eltern, Vormündern, Waifenräten usw. — Will er durch Vorträge, Kongresse, insbesondere aber durchs die Herausgabe billiger populärer Schriften in weitesten Kreisen auf- klürend Witten; er wird sich auch an! der Herausgabe der Zeitschrift für JngendwoWahrt, Jugendbildung und Jugendkunde „Ter SäeMann" (Verlag von B. G. Teubner, Leipzig-Berlin) beteiligen und sie seinen Mitgliedern zu einem ermäßigten Abonns- mentspreift zugänglich machen. Ter Bund tritt ferner dafür ein, daß die beruflich als Erzieher tätigen Pädagogen (und Richter) eilte gründliche jugendkundliche Vorbildung erhalten. Womöglich auf der Universität, die wenigstens den Seminarlehreril zugänglich gemacht werden sollte. (Eine besondere Kommission des Bundes beschäftigt sich Mit der Frage der Lehrerbildung.) Um ftstzu- stÄlen, was bisher durch Zeitschriften, Vorlesungen, Vereine, Institute und dergleichen für die Jugendku.nde geschieht, beabsichtigt die Kommission für Jugendkunde i Herausgabe eines Handbuches für Jugendkunde. Ter erzieherisch tätige Laie muß auch mit den Kulturidvaten erfüllt Werden, die wir in «die Heranwachsende Generation gefegt zu wissen wünschen. So hat die Hamburger Ortsgruppe des Bundes eine Arbeitsgruppe für Heimatkunde gebildet, die soeben eine für diesen Zweck bestimmte Keine Schrift „Fragen an die Heimat" herausgegeben hat.
Zu den Aufgaben des Bundes wird es gehören müssen, dis psychologischen Resultate zu beschaffen und zu sichern, die einer Erziehungsreftrm zu Grunde zu fegen sind. Taher wird in ibeti Kommission für Jugendkunde die Errichtung eines Institutes für Jugendkuude erwogen, zu dessen Aufgaben unter vielen anderen die gehören würde, Jntelligenzprüftmgsmethoden zu finden, aus Grund derer die Einteilung der Schulkinder in Gifte-, Normal-, Förder- und Hilfsklassen zu erfolgen hätte. Nun ist freilich vom psychvl'ogisckMr Ergebnis noch immer ein weiter Weg zur Umsetzung dieses Resultates in die Praxis. Bevor der Bund also die allgemeine Einführung einer Reform befürworten kann, Werden zunächst praktische Versuche über ihren Wert veranstaltet Werden müssen. Um hierzu Gelegenheit zu haben, tritt er für „Versuchsschulen" ein. Eine Kommission für Versuchs- schufen ist soeben mit der Herstellung einer Tenkschrift beschäftigt, die demnächst den maßgebenden Behörden zugehen soll.
Bon den Forderungen der Fachwissenschaften beschäftigt sich der Bund gegenwärtig mit denjenigen der Mathematik und der Naturwissenschaften. Eine Kommission für die Reform des mathe- NMtischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts, die mit dem von der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Aerzte eingesetzten Deutschen Ausschuß für mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht zusammen arbeitet, bemüht sich gegenwärtig durch eine Umfrage an sämtliche Seminare, Mfttelschufen und Volksschulen Deutschlands die Grundlagen für eveiftuelte Reformvorschläge' zu beschaffen. ,
So ist die Tätigkeit des „Bundes für Schulreform" trotz seiner JNgend eine bereits sehr mannigsialtige. Aber um( gedeihlich Weiter arbeiten, um seine weitgesteckten Ziele der Verwirklichung! Näherbringen zu können, bedarf es der Unterstützung und Mit- ärbeit Weitester Kreise unseres Bolles'. Ten bisher bestehenden! -Ortsgruppen in Hamburg (Vorsitzender des Bundes Prof. Dr. Gordsen) und Groß-Berlin (Vorsitzender der Ortsgruppe Dr. Otto LiWtann) fioHten sich bald in allen anderen großen Städten Döuhsch-
lands Weitete Ortsgruppen zugeselfeü. Bei der Wichtigkeit der Sache wird dieser Appell au den idealen Sinn aller Deutschen hoffentlich nicht nngÄMt verhalfen!
Vermachtes.
* Das Eldorado der Süßigkeiten. Kürzlich Ward in einer französischen Revue behauptet, man sähe niemals eine Amerikanerin ihre Einkäufe besorgen, ohne daß sie dabei eine Tüte voll „sweeties" in der Hand halte. Denn bas „American girl" Wisse unglaubliche Mengen Süßigkeiten zu vertilgen und halte von früh bis abends, von Neujahr bis Silvester, immer irgend ein Gntschen im lieblichen Munde. Das mag allerdings recht wohl möglich fein, seit in Amerika der „Kaugummi" so beliebt geworden ist. Dieser „chewing-gum", auch „chicle" genannt, Wird aus dem Safte des in Zentralamerika einheimischen Zapote-Baumes (Achras Sapoia) hergestellt Und ist allerdings eine Art „nnabnntzbares" Zuckerchen, das inan stnndenlang im Munde behalten kann. Daß aber auch in den vorhergehenden Behauptungen von dem ungeheuren Süßigkeitenverbraiuch der Amerikaner nicht viel Uebertreibnng steckt, geht aus einigen statistischen Zahlen hervor, die das „Technical World Magazine" soeben veröffentlicht. Diese süßen Ziffern .verraten nämlich, daß die Vereinigten Staaten in der Tat, Erstaunliches leisten. Das Steigen die-es Verbrauchs im Laufe der letzten Jahrzehnte steht in reinem Verhältnis zu der Zunahme der Bevölkerung. Während man im.Jahre 1850 nur für 3 040 671 Dollars verbrauchte, sollte sich diese Ziffer im Laufs der nächsten zwanzig Jahre schon verfünffachen, Im Jahr« 1880 betrug die für Zucker werk verausgabt« Summe bereits 33 714 770 Dollars, im Jahre 1905 schon 87 087 253 Doll, und 1907 gar 101578 000 Doll. Dabei darf man nicht vergessen, daß für die Statistik nur die im Fabrikbetrieb hergeftollte War« in Betracht kam. Man nimmt an, daß die obigen Ziffern eine nicht unbeträchte liche Erhöhung erfahren würden, wenn man alles das mit einberechnen tonnte, was die Besitzer kleiner Läden selbst Herstellen und verkaufen. Der Statistik nach kommen auf den Kopf der Bevölkerung der Bereinigten Staaten jährlich 4 Pfund Naschwerk. In Wirklichkeit dürften es mehr ein. Süßigkeiten, auch die feineren, sind in Amerika nicht euer. Der Fabrikant kann es zu sehr mäßigem Preise geben, denn Zucker, Mandeln, Schokolade u[to. kommen ihn selber ,ft>hr billig zu stehen. Außerdem stellen ihm ferne Maschinen riesige Mengen von Ware in kürzester Zeit fertig- In einer einzigen Stunde werden z. B. von einem Apparat 150 Kilo „Fondants" geformt. Maillard, ein .eirtzgewawi Werter Franzose, wurde aus diesem Wege 65facher Millionär. Uebrigens war es die von ihm' gegründete Airmas, die auf die Weltausstellung von Chicago zwei riesige Schokoladenfiguren sandte. Die eine Statue stellte Columbus dar und wog 800 Kilo. Die andere — Venus von Milo — war 100 Kilo leichter. Zu der allzu großen Hitzq begann diese Göttin der Liebe zu schmelzen. Nach Aus^ besserung des Schadens setzte man ihr deshalb einen elektrischen Ventilator, der Abmhlung halber, zu Füßen.
* I m Kinematographen-Theater. „Sie, sag'n S' amal, Herr Nachbars i bin jetzt scho seft heut früh da und hab's schon siebenmal g'sehg'n, wann berf ma denn eigentlich wieder 'naus?" ___________
vücherttfch.
— A. Theinert, „Hinaus!" Bunte Bilder für Freunde der freien Natur (Lahr, Baden, Moritz Schauenburg). Hinans- zuwandern ist zwar eine gern geübte Gewohnheit unseres Volkes, Aber führerlos gehen die meisten an tausend Merkwürdigkeilen achtlos vorüber, die dem Sehenden willkommene Gelegenheit zu immer neuen Beobachtungen bieten. Ein Leitfaden ist dies Buch, das in anmutiger Form und lecchr unterhaltendem Tone geschrien ben ist, '
Bersteck-Rätfel.
Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in Solgenbeit Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Rheinland — Sauerteig — Gigerlstock — Schwalbennest -- Augustus Nibelungenlied — Zigarrenkiste — Unbesonnenheit — Serbien — Halstragen — Zweibrücken — Fremdherrschaft — Redefreiheit.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung der Altägyptischen Hieroglyphen in vor. Nunttuer: Es irrt der Mensch, s o lang er st r e b t.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei. R. Lange, Gießen-


