Ausgabe 
1.6.1910
 
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Ihres Vaters Tochter.

Roman von Lu tu von Strauß und Torney., (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

9. Juli.

Neulich, wie Seppl im Bett liegt, die Faust über den Kopf geworfen, und- in seinem tiefen Kinderschlaf atmet, bleibt die Zenz vor ihm stehen und.schüttelt den Kops.

,Menn der Bub schläft, ist das just, als wenn ich das. Margrets da seh, seine Mutter selig. Auch so a weißes Gestchtl; nur die Augen, wann er aufmacht, die sind net so wie ihre."

Seppls Mutter! Ich habe noch nie an sie gedacht. Aber jetzt auf einmal, wie ich den Jungen ansehe, kommt mir ein großes Mitleid. Nicht mit ihm, trotzdem er keine Mutter hat. Mitleid mit der fremden Frau, die unter der Erde liegt, die nur die Mutterqual um ihr Kind hat erfahren dürfen und nichts von Mutterfreude!

Ich. habe ja immer geglaubt, eins ohne das andere Ware nicht möglich. Ich habe nie gewußt, daß man etwas Kleines, nur weil man's hütet und hegt, so lieb haben kann!

Sie hat aus der Welt gehen und diesen ganzen Reich­tum fremden .Händen lassen müssen. Seppl weiß kaum Mehr, als daß die Rkutter ein Engerl ist. Den Professor habe ich nie von ihr sprechen hören.

Ich versuche vor dem schlafenden Jungen mir ein Frauengesicht vorzustellen, ähnlich wie er, schmal, mit blonden Haaren und sehr blaß. Und das neben dem Professor!

S-ie haben Seppls Blut ter gut gekannt, Zenz, gelt?" -Sie sieht mich ganz beleidigt an.

Gekannt? "äluf dem Arm getragen hab ich das Mar- gretl, als es noch net so groß gewesen ist wie der Bub da! So a Madie wie das, so a bravs! Und hat einen heiraten müssen, der net den rechten Glauben hat! Arg kränkt hat mich's immer. Und die lieben Heiligen auch. Drum hat's auch so früh sterben müssen."

Ihr altes Bauerngesicht ist härt und bekümmert.

/Mer der Herr Professor ist doch so gut, Zenz."

, ja, arg gut ist er schon. Kein böses Wörtl und! rein grantigs Gsicht hat das Margretl von ihm gesehen, »er den rechten Glauben hat er hält net. Und das hat's Margretl auch fräntt, grad weil's ihn so lieb gehabt hat. //Zenz, hat's immer gesagt,wenn er nur irgendwas glau- Leten^ Zenz/^ " W "*$** Rechts. Ich muß für ihn jehe auf einmal deutlich alles vor mir: die blasse ZE mit den vorwurfsvollen Augen und der bigotten Beschränktheit in ledern Wort. Und jeden Mittag bei Tisch

ihr gegenüber der rotköpfige Riese mit dem freien, Herz« haften Lachen und der unverwüstlichen Geduld in beit Augech die er jetzt auch noch für Seppls Krankenlaunen hat. Wunder« liches Zweigespann! Wie er nur an sie gekommen war? Und was sie ihm wohl war?

Hat der Professor seine Frau sehr lieb gehabt?" denke ich plötzlich laut und wundere mich dann selbst über meins Frage. Zenz reißt erstaunt die Augen auf.

Warum denn net? Sie ist doch halt seine Frau ge­wesen!"

Ach so. Das ist Grund genug. Damit jst für Zenz alles erledigt.

Für den Professor denn auch? War der auch mit so wenig zufrieden? Oder war seine Ehe eine Enttäuschung?

Aber er könnte nicht so an dem Jungen hängen, wenn ihm die Mutter nichts gewesen wäre!

Das Problem läßt mich nicht so schnell los. Den Pra« fessor ist mir so frentd und neu von dem Standpunkt aus.

Zenz," frage ich noch einmal,wie hat der Herr Pro­fessor seine Frau denn eigentlich kennen gelernt? Wie kam das?"

Aber das alte Gesicht hat auf einmal hundert mürrische Falten.

I weiß net. Die Geschichten sind lang her, die kann eins net immer behalten. Dem Buben fein Bad, wenn's Fräule mal nachschaun will. Das muß bald heiß sein."

Das hast du für deinen Borwitz! Kümmere dich um deine eigene Sache!

Professor Bernhardts Frau, Professor Beruhärdis Ehe was geht dich das an, Agnes Meddigen?

11. Juli.

Die Zenz schwankt mir gegenüber zwischen Eifersucht und Dankbarkeit. Wenn Seppl, der im Bewußtsein seinev Macht sich schon als Haustyrann aufspielt, uns alle den Morgen lang herumkommandiert, knurrt sie in ihre Mützen­schleife herein.

Tu nur net so, als wenn du hier daheim bist, Bub­nichtsnutziger! Wann das Fräule mal heiraten tut, bist doch überhin!"

Er sieht mich ernsthaft an und überlegt den Fall gründlich.

Heiraten? Was ist denn dps?"

Ich bin einen Augenblick in Verlegenheit.

-.Das (ft, wenn zwei Menschen sich so lieb haben, daß sie ihr Leben lang beisammen bleiben wollen, Seppl."

Er härt zu: und auf einmal hat er eine Erleuchtung.

Bloß das? Wir zwei haben uns doch lieb, Aga, gelt?

Wir bleiben doch beisammen! Schaugst, Zenz, die Aga ist jq schon geheiratet, die braucht keinen net, sie hat mich ja! Gelt?"

Gelt? Ja, mein Bübchen, mein liebes! Ich hab dich ja!" t

Der Medizinalrat fing gestern plötzlich vvn Oeynhausen an. Es ist jetzt Zeit, sagt er. Er will dem Professor