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Ihres Vaters Tochter.

Noman von Sulu von Strauß und Torney.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

1 Ich konute ihn plötzlich nicht mehr anhören, es war Mir, als ob ich ersticken sollte, trotzdem beide Fensterflügel weit offen waren. Ich stand auf.

Wenn wir Seppl jetzt nicht bald herausbringen, wird es zu kalt für ihn."

Er blieb vor mir stehen imb sah mich ernsthaft an.

Kind, Sie brauchen nicht Angst zu haben und davon- zulaufen. Sie sollen mir jetzt kein Wort über die Ge­schichte sagen. Ich versteh ja, daß das in Ihrem armen kleinen Kopf eine böse Konfusion angerichtet hat. Aber eins sollen Sie mir noch versprechen."

Was denn?"

Ich hätte ihm alles versprochen, nur um endlich los­zukommen. Er quälte mich jetzt, ohne selbst zu wissen, wie sehr.

Sehen Sie, das Leben spielt oft wunderlich mit uns. Als über diese ganzen Geschichten längst Gras gewachsen war und über die alte Freundschaft auch ich dacht's wenigstens da hat der Peter Florenz durch einen ge­meinsamen Bekannten von mir und meinem Aufenthalt gehört. Er war damals ja längst schon der Mann des Tages, aber doch ein einsamer Mann, der Heinen lieben Menschen hatte als sein kleines Mädel. Und die war ihm' ja das Liebste und Erste auf der Welt, schrieb er mir, aber doch damals noch zu jung, nm ihn zu verstehen, der konnte er nur geben. Da ist ihm wohl der Wunsch gekommen, die alten Fäden wieder anzuknüpfen, die doch immer am festesten haften, und dein Jugendkameraden die §anb zu geben. Er hat mir geschrieben und hat mit mir auch offen über die Geschichte gesprochen, die uns damals auseinander­brachte. Ich habe "ihm auch geantwortet. Mir war ja ein Stein von der Seele. Ich hatte das nie recht verwunden, daß ich meinen besten Freund, der mir so hoch stand, nicht mehr achten konnte und verlieren mußte. In den Briefen hab ich ihn wiedergefunden. Ich schlug ihm damals auch vor, uns einmal zn treffen, aber das wollte er nicht. Man soll keinen als müden abgetanen Mensche,: mit weißen Haaren Wiedersehen, den utau jung und voll Zukunft ge­kannt hat. Lieber die alte Erinnerung behalten. Er war eben immer Lebenskünstler. Aber die alten Freunde sind wir seitdem im Herzen wieder gelvesen, wenn auch die Briefschreiberei int späteren Alter nicht mehr recht will, ich bin ja auch nie ein Held darin gewesen.. Aber na was ich sagen wollte die paar ersten von seinen Briefen schicke ich Ihnen, wenn ich heimkomme. Die sollen Sie lesen, Kind. Wollen Sie mir's versprechen?"

Er hielt mir die Hand hin, ich schlug ein, hastig und ohne Besinnen; dann lief ich wie gejagt aus der Tür.

3. Mai.

Ich versuche, meine Gedanken zu ordnen, aber sie fliege« noch durcheinander tote ausgescheuchte Vögel.

Und warum denn eigentlich? Was hat er mir gesagt, das ich nicht schon wußte? Ich kenne ja die Geschichte. Ein platter alltäglicher Ehebruchsroman, der nur dadurch für mich Interesse hat, daß die handelnden Personen mit zufällig nahesteheu. Die vielen Worte, die der Professor verschwendet, ändern nichts an den Tatsachen. Es ist aue$ beim alten.

Und doch etwas Neues, aber etwas, das er mir nicht gesagt hat. Etwas, das mich quält und verfolgt.

Der Vergleich! Dieser schreckliche Vergleich!

Es ist ja ein unsinniger Einfall! Entwürdigend für uns beide!

Ith brauche ja nur ganz objektiv zu sein, die Einzel­heiten sich Punkt für Punkt Fegenüberzustellen:

Peter Florenz Weddigen, der Mann, der leichtfertig mit der Heiligkeit seiner Ehe spielt, der einer Frau, die ihu anbetet, die Treue bricht um einer hergelaufenen Person willen.

Der und Georg, der in.seinem' eigenen Haus Geduldete, Besitzlose!

Meine Mutter, dieses junge hilflose Weib, ganz Arg­losigkeit, Hingabe

Und Tilla van Straaten, die die Freiherrnkrone ihres Mannes nur als Dekoration ihres Geldbeutels wollte!

Ein kokettes, verworfenes Geschöpf, das mit intriganter Schlauheit die Schwäche des Mannes ausbeutet

Und ich, Agnes Weddigen!

Es ilst ja kein Mort weiter wert. Die Tollheit des Vergleichs wird beim oberflächlichsten Blick klar!

5. Mai. ;

Gott sei Dank, der Professor ist heute früh abgereislt Seit gestern kann ich ihn nicht mehr ertragen. Mich pei­nigte dieser taute kräftige Baß, den ich durch das ganze Haus hörte, und dieses derbe rotbärtige Gesicht mit den blauen hellen Augen, die trotz aller Gutmütigkeit so un­bequem beobachtend über den Tisch sehen. Ich mußte mich Kusammennehmen, um ihnen nicht geradezu feindlich zu begegnen. Es ist nicht wahr! hätte ich ihm aut liebsten ins Gesicht werfen mögen. Ich bin nicht wie die! Ich habe keine Schuld auf mir! Ich habe nichts .gestohlen'!

Aber er hat mir ja gar nichts vorgeworfen. Er ahitt ja nicht einmal, ivas er angerichtet hat, diese tollen Ideen hat mein Gehirn allein ausgebrütet!

Nun ist das Hans still. Seppl hat seinen Baler ziem­lich gefühllos abreisen sehen, der Junge hängt mit der eigen­sinnigen Leidenschaft des kranken Kindes an mir und ließe am liebsten den ganzen Dag meine Hand nicht ans seiner.

Mir wird warm und gut zu Sinn, wenn das kleine Seelchen mir gus den Augen entaegenfliegt. Es kommt mir