Mittag den 20. September
<909 - Ht. W
•' g4s j
W
E
■uFT
Nun machte ich noch verschiedene Versuche, zu reden, aber plötzlich preßte er meine Hand-, als wollte er stS ^crbTütfcTt'
— Ich bitte dich bloß um eins, beschäftige Ziesow und laß mich jetzt allein. Laß mich hier stehen.
— Nein, das sollst du gerade nicht. .
— Doch, ich bitte dich darum! Mr daß mich Zresow nicht sieht. . . r „ , .
Ich zuckte die Achseln. Ich dachte, es ser besser, fernen Willen zu tun und wandte mich, deshalb zum gehen. Aber ehe ich ihn verließ, nahm mich Fritz nod). einmal beim* Aermel und raunte mir zu:
— Glaubst du bestimmt itiM daß Zresow schon etwas gemerkt hat? , ,, c o ,
— Keine Spur! Was denkst du denn! Und was konnte er denn merken? Es ist doch gar nichts zu merken! ,
— Zu merken? Nun, daß ich zu zeitig schreße, daß mrr der Schuß ins Gras losgeht, daß ich die Pistole fallen! lasse. ' Um Gottes willen, ich weiß ja nicht, was rch tun werde! Wenn's Äloß voübei wäre! Herr Gott, macht nur schnell. Nicht wahr? Das versprichst du mir.,, Keine großen La der eien und keine Reden, so schnell als möglich stellt ihr uns auf und dann los.
Das versprach ich und fügte hinzu:
— Na, nun müssen sie aber gleich kommen.
Ziesow nahm einen listigen Ausdruck an:
— Es wäre doch eigentlich famos, wenn dre Kerls die Zeit versäumten. Ich. bin entschlossen, — was MerneN Sie dazu — wir warten bis Viertel? Wenn Sie nicht kommen — länger sind wir nicht verpflichtet zu warten -d steigen wir einfach in unfern Fiaker und fahren nach Haus. Aber dann soll die ganze Bande der Teufel holen. Ich kann Ihnen sagen, Ich rühre dann kein Glied mehr darum. Dann nehmen wir unfern Grafen mit und fahren mit ihm nach Haus. Das wäre noch das Allerschlauste. Grund genug haben wir dazu. Wir sagen, wir haben eine Viertelstunde gewartet, der Gegner ist nicht gekommen. Wir lehnen also jede weitere Verhandlung ab. Mit solchen Leuten schießen wir uns nicht.
Nun blickte er nach der Uhr:
— Eins! Eine Minute noch!
Ziesow hatte laut gesprochen. Fritz blickte zu un» herüber, und es war mir, als sehe ich in seinen Zügen etwaH wie eine letzte Hoffnung aufleuchten. Aber sie wurde zu Nichte, denn ein paar Augenblicke später — es war genau nach unfern Uhren die richtige Zeit — horten Wir m der! Ferne einen Wagen rollen.
Ich sah, wie Fritz hinaus hiorchte, sah, tote der freudige Ausdruck seiner Züge schwand, wie er die Lippen zusammen- kniff und dann plötzlich mit einem Ruck stchs aufrichtete, seinen Ueberzieher wieder schloß, den Stock energisch ut die Hand nahm, durch das Gras saufen ließ und auf uM zugrngne^ ^^bnblick später traten eine Anzahl Herren MS
Nerven.
Novelle von Georg Freiherr von O.mpkeda.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß)
Ich brach ab, da ich. sah', wie ihm das Gespräch schwer wurde. Ich machte den Versuch, auf etwas andres itoer^u- leiten und sagte in gleichgültigem Ton: , .
Ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß tn her Nacht so viel Daü fällt, denn Regen kann o-cw ja nicht sein.
Er antwortete nicht. ,. . M
— Nun ja, allerdings, die Donau ist wohl hier Nicht weit, oder was ist das Wasser dort drüben? Vielleicht der Donaukanal? Ich finde mich nicht zurecht. Ich habe nur vor Jahren mal 'n Rennen in der Freudenau gesehen.
Er schwieg noch immer.
I— Ganz nasse Stiefel hab' ich bekommen.
In diesem Augenblick schnappte Ziesows Reisetasche zu, und Fritz fuhr bei dem Geräusch zusammen Ich ließ ihn stehen und ging dem andern entgegen., ^ch bat Ziesow, xr möchte mit mir drüben bleiben, wir wollten unten Freund einen Augenblick allem lassen, er hat.e den Wunsch geäußert. Der aber meinte: „ .
ch- Es ist doch viel besser, wir sprechen mit ihm, daß die Zeit hingeht! Aufgeregt wird er ja sein, angenehm ist so etwas nicht. Und . . . wenn wir auch hoffen müssen, daß es glatt abläuft. . . man weiß nie . . . Ach Gott, wjr wollen jetzt nicht davon reden . . .
Ziesow sah nach der Uhr:
h- In fünf Minuten müssen sie da fern.
Er blickte immer nach denr Zeiger und rundete an.
Während der Zeit beobachtete ich Fritz drüben. Er hatte seinen Stock genommen und schlug mit nervöser Hand oen höher stehenden Halmen die Köpfe ab.
— &ici! •
Dann hörte ich seinen Schlüsselbund, oder was es war, Wimpern. Er spielte mit der Uhrkette, Wpfte am. Schnurrbart, setzte sich den Hut auf die Seite, ruckte ihn wieder gerade, bohrte mit dem! Stock in der Erde, suchte etwas in den Taschen, knöpfte den Ueberzieher auf, um ihn im selben Augenblick wieder zuzuknöpfen, blickte nach der Uhr H alles Zeichen seiner inneren Erregung.
i I
Er drehte nervös seinen Stock in der Hand herum. Ich hatte eine kleine Feldflasche mit Kognak mit und- em Gläschen. Das zog ich hervor und bot ihm am
Da sprach! ter zum erstenmal wieder. Er dankte. Er fei nicht im Stande etwas Mer die. Lippen M bringen. Ich bat:
k- Einen Schluck!
h Wein, nein, ich! kann Nicht, eS ist besser, mcht.


