> 316

Teufel mag das

bann fehlt dem

nnb ihn beruhigen."

Ja, das faiin ich aber ich glaube nicht, das; ich es tun werde," sagte der Doktor und setzte eine ungeheuer pfiffige Miene ans.Es wird ihm wohl am besten sei», wenn wir ihn so lange wie möglich in dem Glauben erhalten."

Eine halbe Stunde später wusste die ganze Stadt, sowohl daß der Agent einen Anfall gehabt hatte. Wie auch daß ein merk­würdiger Vogelzug vom Norden hergekommeu war.

Tie Einwohner von Hkjöping standen den ganzen Tag da und reckten sich die Hälse aus nach all der sremden Farbenpracht, und der Redakteur kam zur Mittagszeit ins Hotel und ratschlagte mit deut Referendar, der für hervorragend ornithologisch veranlagt galt, damit der Artikel über den Vogelzug für die Abendnummer so wissenschaftlich >vie möglich werden konnte. Auf diese Weise gelang es der Hkjöpingcr Zeitung auch noch an demselben Abend feststellen zu können, daß sich in dem Vogelzug unter andcrm Mandelkrähen, Goldpirole und Rosenstare befunden hatten.

'Ter Artikel wurde in allen Zeitungen des Landes zitiert, und zwei Tage später traf ei» Assistent vom Zoologischen Museum mit Extrapost in der Stadt ein, um die Verhältnisse zu untersuchen. Aber da war der Vogelzug längst weiter gezogen. In der Nacht, nachdem er gekommen war, fiel nämlich ein starker Regen frei nord­östlichem Winde, und danngehen die Zugvögel immer nach dem Süden", erklärte der Assistent.

Ter Agent erholte sich wieder. Aber obwohl er erfuhr, daß auch, andere als errot gesehen" hatten, befolgte, er doch von nun an den Rat des Doktors nnb trank nur am Abend.

Der Referndar kehrte im Frühling in die Hauptstadt zurück, Und der Drogist ließ später bei einer besonderen Gelegenheit es war auf dem Ball nach dem Vogelschießen - einige verblümte Aeußerungen fallen, daß die Anilinfarben, die der Referendar seinerzeit bei ihm gekalift hatte, möglicherweise in erster gewißen Verbindung mit dem sonderbaren Vogelzug stehen könnten. Aber diese Hypothese wurde abgewiesen, wie sie es verdiente, und noch lange nachher wurde in Hkjöping die Zeitbevechnung auf die Weife geführt, daß es regelmäßig hieß:Es war in dem Jahre vor, oder es war zwei Jahre nach dem merkwürdigen Vogelzug.

Ja, das ist er!" _

Und da ist einer, der ift rot. Wie zum

Nein. Was berat?" , _

Daß es mit dem Agenten so wett zu ist!

Ist das wirklich wahr?"

Ja, er ließ mW vor einer halben Stunde rufen. Jetzt wäre es so weit, er hege selbst keinen Ziveisel mehr. Gerade als er aufgestanden war nnb aus dem Fenster h'iuausgesehen, hatte er was Rotes und was Gelbes und was Grünes erblickt «ogel nannte er cS! rund herum auf dem Dach und int wm wohin er auch sah ja, nette Singvögel das ! Aber ich habe es ihm ja schon vor zehn Jahren gesagt!" .

Wird er es überstehen?" fragte der Referendar. ,

Es kann sein! Ich hab ihm vorläufig zur Ader gelaisen. Da kam, weiß Gott, Blut! Und nun liegt er mit Eis auf dem Kopf und soll vorläufig von Hafersuppe und dünnem Tee leben. Aber was in aller Welt ist denn das?" rief der Doktor aus und zeigte auf ein Dach. ,

Das? Das ist ja ein Bogel!" antwortete der Referendar.

So, also Sie sehen ihn auch!" sagte der Doktor beruhigt. Aber er ist ja grillt!"

zugehen!" .

Es wird über Nacht wohl ein großer Zug von Norden her gekommen fein," meinte der Referendar.

Ja, das ist wohl au zu ne Innen - - aber

Agenten wohl eigentlich nichts!"

Nein, vermutlich nicht; bann können Sie gleich hingehen

Vermietest

* Ein gra u samesP a s s i o n s s P i e l" in M e x i k o. In Mexiko sind jetzt die ersten Berichte über die btesjährtgen Passions'spiele der T u x p a n - I n d i a n e r eingetroffen und haben die mexikanische Regierung sofort, veranlaßt, gegen die blutigen Ausschreitungen eines wilden religiösen Fanatismus nut allen Mitteln einzuschreiten. Der Kampf gegen diese indianischen Pas- siousspicle wird schon seit 'Jähren geführt, aber bisher ist es nie gelungen, die grausamen Ausschreitungen mißverstandenen^.neli- gionseifers völlig zu verhindern. Die Ereignisse, dieses Wahres haben nun zu einem radikalen Verbot aller Passionsspiele in Mexiko geführt. Sie waren seit Jahrhutiderten bei, dem halvztvittsicrtcn Jndiatterstamm Sitte, und alle Versuche, die grausame Realistik des Spieles abzuschwächen, scheiterten an dem Fanatismus des Stammes. Denn der Ehrgeiz dieser Indianer gipfelt darin, alle Einzelheiten des Evangeliums natitrgetreu Wiederaufleben zu lassen. In diesem Jahre hatte ein Stammesmitglied namens Zambrano die Darstellung des Heilands übernommen. Schon am Grün­donnerstag bei der Geißelung kam es zii grauenvollen Szenen; als am Karfreitag Zambrano den Krenzgang antrat, war er durch die Mißhandlungen in einem Zustand so hochgradiger Er­

regung, daß die härtesten körperlichen Schmerzen auf völlige Empfindungslosigkeit bei ihm stießen. Die fanatischen Indianer schnürten Zambrano ans Kreuz, die Leberriemen schnitten ihm ins Fleisch nnb das Blut rann; der exaltierte Christusdarsteller aber war damit nicht befriedigt, er verlangte nach dem Häuptling und behauptete, die Zeremonie würde unvollkommen ausgeführt. Der Heiland wurde nicht ans Kreuz gebunden: er wurde genagelt. Auch ich tvill genagelt werben." Die Nettesten bes Stammes traten zur Beratung zusammen, man fürchtete Schwierigkeiten mit der Regierung und beschloß, es mit der üblichen Weise ge­nügen zu lassen. Ein unzufriedenes Murmeln der Zuschauer begrüßte diese Entscheidung; Zambrano selbst aber geriet in höchste Erregung.Als man den Heiland kreuzigte, fragte man nicht nach seinen Gefühlen. Gleich ihm will ich gekreuzigt sein. Nehmt Nägel und schlagt mich ans Kreuz." Es bedurfte keiner zweiten Aufforderung. Vier große eiserne Nägel und ein Hammer waren int Nu herbeigeschafft, und sofort meldeten sich Freiwillige zu dem grausigen Werk. Als die Kreuziger sich dem auf das Kreuz gebundenen Zambrano näherten, zog ein Schimmer der Befriedigung über seine Mienen. Mit wuchtigen Schlägen trieb man die ungefügen rostigen Nägel durch Hände und Fiiße. Das Opfer wurde kreidebleich, aber feilt Ton kam über seine Lippen, In warmen Strömen rieselte das Blut, aber die gräßlichen Schmer­zen entlockten ihm keinen Laut. Der grauenvolle Anblick übte auf die Menge eine die Leidenschaft zum Höchsten aufpettscheiide Wir­kung. Seile wurden herbcigeschafft, man richtete das Kreuz auf und mit einem starken Stoß senkte man es dann in ein bereit- gemachtes Loch. Die Erschütterung ließ Zambrano krampfhaft zusammenzucken. Die Erregung der Menge kannte keine Grenzen. Ihre Phantasie ließ sic völlig in den Rollen römischer Soldaten und höhnender Juden ausgehen, sic umtauztcn mit wildem Ge­schrei das Kreuz, und die Tatsache, daß der Sterbende ihr «tain- mesgenosse und Freund war, der hundertmal mit ihnen Tisch und Zett geteilt hatte, schwand völlig aus dem verwirrten Bewußt­sein. Erregungszitterude Finger hefteten hastig die Fnschrrsl über das Haupt des Gekreuzigten und höhnende Rufe erklangen; Wenn du Gottes Sohn bist, so hilf dir selber." ö-rauen Hub, Kinder schrien und spotteten:Anderen hat er geholfen und rann sich 'selber nicht helscit." Zambrano nahm alles ohne Klage hm; als feine Kräfte schwanden und er den essiggetränkten schwamm an den Lipven gespürt hatte, rief er mit ersterbender stimme bic letzten Worte des Heilands und verlor dann das Bewußtsein. Unter dem Kreuze würfelte man um die Kleider, die Zeremonien nahmen lange Zeit in Anspruch; als man Zambrano schließlich, vom Kreuze nahm, war er bewußtlos und glich einem -Loten., Hande und Füße waren furchtbar aiigcschwollen, die Entzündung hatte sich über die Glieder' gebreitet, aber die Fanatiker achteten dessen nicht und bestatteten ihn schließlich in einer Sohle am Fuße des Hügels. Erst jetzt lauchten ihnen Bedenken auf und sie fürchteten, zu Weit gegangen zu sein. Eilig schritt man zur Zu­wendung von Wiederbelebungs'mitteln, aber die primitive HetV fünft der unwissenden Indianer .kam zu spat; unter gratzkicyen Schmerzen starb das Opfer des religiösen Wahnwitzes etneii snrchtt baren Tod. ... Es ist nicht das erste Mal daß « M spiele der mexikanischen Indianer ein .tragisches Ende ftnbere Erst vor wenigen Jahren trieb wahnwitziger Uebercifer die Augc- hörigen eines anderen Stammes in der Gegend von Las Jnuiuu zu gleichen Ausschreitungen. Das Opfer lener Passionsspiele, das sich freiwillig angeboten hatte, hieß Jesus Gonzales. Auch er verlangte ans Kreuz genagelt zu werden, und nach der Kreuzigung erreichte die Erregung der Zuschauer eine solche Glut, das; mau den Unglücklichen noch am Kreuze steinigte, ihm den spcer tief in bte Seite stieß und nur einen Toten vom Kreuze abnühMM! konnte.

Rösselsprung.

ans

ket

gen

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: Wenn du eine Rose schaust, Sag' ich laß sie grüßen.

nicht

und

won- auch

weichen

MccreS-

aus

grw

fest

flut

len

Glüch

nicht

bloß

den

will

der

ewi-

Sciu-

nen

sie

reiche

int

so

auf

das

der

ruht

Erde

alten

beit

Wellen-

wogen-

Redaktion: I B.: E. Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stentdruckerei, R. Lange, Gießern

Ul W in lu l>c

fh ei

XU

vc la di hi

G S t)'

K P

d

S

d li

il U

fr

9