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1877", kndi s» scheint es Win, als wäre ein ganz u'ntzewöHMchier Vogelzug in jenem! ZWre Mer K'aS dänische Land UngegangE ahne jedoch anderswo Sparen $u hinterlassen als gerade in der gennmiien Stadt.

Da ich durch einen Zufall in die Lage versetzt bin, einige Mfklärungen Wer diesen nach Verschiedenen Richtungen hin wirklich sehr eigentümlichen Vogelzug zu geben, und da diese Aufklärungen, auK für Nichtfachleute, ein gewisses Interesse haben dürften, fo will ich Mitteilen, was ich in Erfahrung ge­bracht habe.

Hkjöping ifi eilte der allerkleinsten Provinzstädte Seelands und Dänemarks, eine von den wenigen, deren Einwohnerzahl nicht vvrwärtsfchreitet, .sondern die, wie die letzte Volkszählung ergab, im Gegenteil ein wenig abgenommen hat, eine natürliche Folge davon, daß der bisherige Pfarrer, der acht Kinder hatte, versetzt wurde, und daß sein Nachfolger int Amt unvermählt war.

Nach Hkjöping kam in dem obengenannten Jahre ein neu­gebackener Referendar ans Amtsgericht. Er stammte aus der Hauptstadt und brachte einen großen Fonds von Lebenslust und Hnnivr mit, den er in de ne letzten Examensjahr aufgefpei.chert> Hütte; aber er bemerkte bald-, daß in Hkjöping kein Platz für Lebensmut und keine Berwendüng für Humor war man schätzte keins von beiden nach Verdienst.

Er versuchte, Som'merbälle imWäldchen" zu veranstalten; aber das mißlang völlig, da man in Hkjöping nur nach dem Vogelschießen und an Königs Geburtstag tanzte. Man fand auch reute Veranlassung, mit der Tradition zu brechen, weil ein Kopenhagener sich wichtig Machen und Reformen einführen wollte.

Er schlug die Gründung einer lokalen, geheimen Gesellschaft unter dem NamenPing" vor, einer Gesellschaft, deren Mit­glieder sich auf Ehrenwort verpflichten sollten, jedesMal zehn Oere zu bezahlen, wenn sie ein unartiges Wort gebraucht, und . Munzig Oere, luritit sie etwas Unartiges gedacht hatten; die . Strafgelder sollten dann dazu verwendet werden, zwischen Weih­nachten und Neujahr einen riesigenSchwof" imHotel zum Prinzen" abzuhalten. Aber es meldeten sich keine anderen! Mitglieder als der Wirt zumPrinzen", ganz einfach aus dem . Grunde, weil die Bewohner von Hkjöping nichts Unartiges sagten ! und nur artig dachten.

Da gab der Referendar seine Wirksamkeit für das allgemeine Beste auf und beschränkte sich darauf, wenn ihm das Leben zu Unerträglich wurde, kleine private Gemütlichkeiten zu arrangieren. _ So hatte er ein paarmal einige schneidige Jungen veranlaßt, Mrmenfchttder zu vertauschen, und ein andermal machte er ganz «n geheimen beim Drogisten große Einkäufe in Anilinfarben, was unter anderem zur Folge hatte, daß die schwarze Katze des Schusters mit nächsten Tage mit feuerroten Querstreifeu an den Hausern entlang schlich und des Apothekers weißer Pudel, der gerade geschoren war, ein kornblumenblaues Hinterteil bekam, so daß er einem verirrten Mandrill glich.

. Mer selbst diesen kleinen unschuldigen Zerstreuungen wurde em Ziel gesteckt, indem der Amtsrichter, der absolut keine Ader für das Gemütliche hatte, sich aufs bestimmteste das Vertauschen der Firmenschilder wie auch die Schöpfung von Fabeltieren verbat.

Der Referendar resignierte.

Er besorgte seine nicht gerade überwältigenden Amtsgeschäfte, schoß des Sonntags mit seiner Salonpistole Ratten auf dem Hinterhof, und las gute und schlechte Romane, wenn er aus- uahmsweise einmal allein zn Hause war in seinen beiden Zim­mern bet der Witwe Petersen imSpatzenhaus".

Diesen idyllischen Namtzw hatte das Häuschen an der Haupt- straße erhalten, weil die ganze Fassade mit dichtem, dickem Efeu überwachsen war, der Hunderten von Spatzen nächtlichen Unter- schlnps gewahrte. War aber das Haus von außen gemütlich, so waren es die Zimmer wahrlich nicht. Roßhaarbezug auf dem Sofa, und den Vier Stühlen, kalke, weiße Gardinen im Sommer und im Winter; das einzige Prachtstück imWohnzimmer" war ein leerer Meßmgbauer, in dem einstmals ein längst verstorbener Papagei gehaust hatte.

Kein Wunder, daß der Referendar sehr wenig daheim war Und schließlich den größten Teil des Nachmittags und den ganzen Abend imPrinzen" zubrachte. Hier traf er doch wenigstens Menschen, lernte bis zur Vollendung Billard und Sechsundsechzig spielen und amüsierte sich damit, andere Stammgäste zn studieren.

Unter diesen nahmen unbestritten der Kreisphysikus und der Agent den ersten Platz ein.

<^r^^sPW^is war der.Thpus eines Medikus von der «s.üwß und robust, mürrisch und zuweilen großmäulig.

a ml ^"uern und fing in der Regel damit an, ohne Ansehen der Person tebeiit Patienten den Buckel voll zu ff.?', "idem er es beinahe für eine ihm angetane persönliche Beleidigung hielt, wenn sich jemmtb herausnahm, krank zu sein; war er aber erst mit dem Ansschelteu fertig, so war er sowohl vrgfaltig als auch uneigennützig und auf seine Weise, kraft der langiahrigen Erfahrung, nicht ohne Tüchtigkeit.

Der Agent war der größte Mann des Städtchens. Er handelte mit Kvrn und Holz, mit Futterstoffen und Kohlen, hatte zwei Schoner auf See und besaß ein großes, altes Geschäftshaus' Ms dem Hotel gerade gegenüberlagt Den ganzen Tag! war er tätig, handelte nut den Bauern und trank mit den Bauern i Portwein, nie etwas anderes; aber am Abend saß er imPrinzen",

spielte Sechsundsechzig mit dem Kreisphysikus und trank Ruin, Grog, nie etwas anderes.

Zu einer gewissen Zeit des Abends fing der Doktor regel­mäßig an, eine Diskussion mit dem Agenten über Genuß und! Mißbrauch vom Alkohol einzuleiteu. Der Doktor, der selber! utchts gegen ein paar Gläser steifen Grogs einzuwendeu hatte, stellte nämlich als unumstößliches Prinzip auf, daß alles Trinken zu einer anderen Tageszeit als am Wend absolut verwerflich sei, und daß der Agent deswegen früher oder später das bekommen! Würbe, was er auf seine schlichte Weise als dengroßen Trall" bezeichnete. Der Agent wies es von sich, bald halb beleidigt, bald! ans gemütliche Weise, ilnd diese ständige Diskussion', die mit einer gewissen zynischen Offenheit von beiden Seiten geführt wurde, amüsierte den Resereudar so sehr, daß er stets durch eine nicht hiugeworfene Bemerkung dafür sorgte, die fachliche Alkohol- Erörterung aufs Tapet zu bringen, sobald sie einmal auszubleibeii drohte.

. . An einem Herbstabelrd waren die beiden Scchsuudscchzig- spteler besonders eifrig. Der Doktor behauptete ganz bestimmt, letzt könne derTrall" unmöglich mehr lange auf sich warten lassen, das ganze Aeußere des Agenteu bestätige die Diagnose..

Unsinn!" sagte der Agent.Ich bin vollblütig das habe ich von meinem Vater. Sie müssen mich übrigens auch an entern der nächsten Tage zur Ader lassen."

Zur Ader lassen!" rief der Doktor.Was meinen Sie, daß es nützen kann, wenn ich mit Meinenr Schnäpper komme unds ein Loch in Sie schlage: da Kommt, hol mich der Teufel, doch rem Blut, sondern bloß purer Portwein!"

Unsinn!" wiederholte der Agent.Ich weiß doch ganz genau, daß es gewisse Anzeichen für die Krankheit gibt, von der Sie reden" der Agent nannte sie grundsätzlich nicht Beim! Namengewisse Zeichen, die vorausgeheu. Aber ich sehe weder Fliegen noch sonst was Schwarzes! Sie geben!"

Was Schwarzes!" wiederholte der Doktor.Es braucht! gar glicht schwarz zu sein. Im vorigen Jahre wurde ich zu! Gutsbesitzer Madsens Kuhhirten gerufen ; dieser sah lauter weiße Kälber. Spielen Sie jetzt aus!"

Sah er wirklich gvetße Kälber?"

Ja, weiß Golt, das tat er, und die ganze Zucht ist rot-i scheckig!"

i ,Das ist ja des Deubels! Na ja, ich sehe übrigens weder! weis; noch rot. _ Aber ich werde schon zu'Ihnen schicken, wenn ich was ^Apartes sehen sollte. Können Sie den König stechen ?" t Jetzt nahm das Spiel die beiden Herren so stark in An­spruch, daß die Diskussion ein Ende hatte. Int ganzenPrinzen" war kein Mensch, mit dem der Referendar eine Partie Billard hätte spielen können, und so ging er denn in seiner Verzweiflung! verhältnismäßig früh am Abend nach Hanse.

Es war Mondschein, und die ausgestorbene Straße nahm! sich förmlich schön aus. Aber dem Referendar ging der Sinn süx das Idyllische ab; er wurde immer wütender, wenn er an feilt) Exil in diesem Krähwinkel dachte. Nicht mal einen Lomber konnte man zustande bringen, nicht einen Whist ja, einen Whist! mit drei Blinden und vier Glas Grog, wie der Doktor zu sagen pslegte, aber . . . Nein, es war hier nicht zum Aushalten!

Irgend etwas mußte man aber doch anstisten. Den Nacht­wächter betrunken machen? Neiu, Jespersen erhielt nie zn viel! Oder einen kleinen Kanonenschlag gegen die Tür des Amtsrichters donnern? Aber das kam' ja sofort heraus!

Der Referendar stand jetzt unter demSpatzenhaus", und als er an die Türklinke faßte, piepste es wie gewöhnlich rings umher aus dem Efeu. Plötzlich klärte sich fein Gesicht auf; er sah aus wie eilt Mann, dem! ein Einfall gekommen ist. Was sich eigentlich an jenem Abend zugetragen hat, darüber ist niemals völlige Klarheit gefontmen. Madame Petersen, die Wirtin des Referendars, erwachte von einem unaufhörlichen Gepiepse und! Geschrei an der ganzen Fassade entlang, und es war ihr auch', als wenn jemand da draußen umherschlich!; da aber Ajax, de« Hofhund, nicht anschlug, beruhigte sie sich damit, daß es ja keine Einbrecher sein könnten, und sie war.eben int! Begriff/ wieder einzuschlafen, als sie von neuem durch ein lautes Ge­zwitscher oben in dem Zimmer des Referendars geweckt wurde es klang geradeso, als wenn es aus der Ecke käme, tit bed Papchens .leerer Bauer stand. Sollte er vergessen haben, die Fenster zu schließen? Nein, sie hörte den Referendar ja deutlich da oben rumoren; folglich konnte nichts passiert sein. Aber sonderbar war es nun doch, und die brave Madame Petersen! entschlummerte mit dem Vorsatz, gleich morgen früh in dem! Wohnzimmer des Referendars nachzusehen.

Die Uhr war auch eben erst sieben, als sie auf Socken! hmauslchlich. Nein, da war nichts zu entdecken. Papchens Bauer war leer wie immer, aber das Schlafzimmer des Referendars war cbensalls leer. Dieser war ganz gegen seine Gewohuheilj heute morgen schon früh auf den Beinen.

r ,, Der _ Referendar ging gerade die Straße hinauf mit der selbstzufriedenen Miene, die ein Mann unwillkürlich aufsetzt, wenn er ausnahmsweise einmal früh aus den Federn gekommen ist und daher meint, daß er etwas Besonderes ausgerichtet hat als er den Doktor aus dem! Hause des Agenten herauskommen sah.

1 Der Doktor schüttelte bedenklich den Kopf.Haben Sie cs schon gehört?" fragte er den Referendar.