Ausgabe 
14.10.1908
 
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Redaktion: E. Anderson. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu UntverfltätS»Buch» und Steindruckeret, R. Lange, Gieße«.

Rätsel.

Wir sollen es an jedem uns'rer Tage

Bis, wenn ein Zeichen rnan in diesem Wort Versetzet, wir es müssen, ohne Frage, Dann könnens andre, sällt der Ansang iort.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Von dem weißen Leichentuch Löst Natur die starren Glieder;

Gab es Frost und Schnee genug Wirds auch Blumen geben wieder.

Sollte nur aus starren See'n Mild die Ostersonne scheinen? Sollte nicht das Ausersteh'n Auch das Grab des Herzens meinen?

Oellerinann.

nicht gekannt, jetzt aber tatlchen sie gleich dutzendweise auf. Die Karikaturenverkäufer ititb die Zeitungsjungen, die über Nacht atls dem Boden gewachsen zu sein scheinen und eine lebhafte, ganz ungewohnte Note in das Kaleidoskop des Kottstantinopeler Straßenlebens bringen, machen glänzende Geschäfte. Es hartdelt sich, so schreibt ein Berichterstatter der Agentur Reuter, um Karikaturen, die tu ziemlich plumper und primitiver Form die Beamten und Würden­träger des so jäh gestürztenaneien regime darstellen. Eitle dieser Karikaturen zeigt Izzet Pascha, deil bekanntelr Sekretär des Sultans, der in den Provinzender wahre Sultan" genannt wurde, weil seine Macht imb sein Ein­fluß schier grenze,llos waren. Die Karikatur stellt ihn in westeuropäischer Kleibung bar; er ist glatt rasiert wie ein Eilglänber imb eilt beflügelten Schrittes zu bem kleinen englischen Dampfer, mit bem er aus Konstantinopel geflohen ist.' Eine anbere Karikatur zeigt benselben Izzet Pascha als Ratte mit einem Menschenkopf; er trägt eine Kiste, auf ber bie Zahl 4,000,000 geschrieben steht; bas soll natürlich heißen, baß er bie vier Millionen gestohlen hat. Neben ihm steht Selim Melhameh Pascha mit bem Esels­kopf; er liest bem.Freunde einen Brief vor, wahrscheinlich ben Bericht eines Spions. Auf einem britten Bilbe sieht man Zekki Pascha, den Exgroßmeister der Artillerie; er ist dargestellt als ein riesiges Untier, bas in seinen Klauen bie Medizinische Akademie, die Polytechnische Hochschule, die Ingenieurschule, die Armenier, die türkischen Literaten, die Studenten der Theologie und außerdem noch ein Sack mit ber Aufschrift7,500,000" hält; ber Exministcr soll sich nach der Meinung der Karikaturisten und anderer Leute auf Kosten der Steuerzahler fast 8 Millionengespart" haben. Am meisten belacht aber wurde eine Karikatur, die einen Straßenkehrer zeigt, wie er mit einem langen Lumpensammlerhaken Spitzelleichen einsammelt und sie in seine Bütte wirft. ...

*Otto Lob. Die deutsche Studentenschaft hat einen schmerzlichen Verlust erlitten: Einer ihrer fruchtbarsten neuern Liedersänger, der Komponist Otto Lob, ist kürzlich im Alter von 74 Jahren in einem Sanatorium zu Neckargemünd bei Heidelberg gestorben., Ter froh­gemute, unermüdlich tätige Musiker war ein Kind des Rheinlands. Zu Lindlar geboren, widmete er sich anfangs dem Lehrerberuf und wirkte längere Zeit an der Andreas- schule und an der Domschule zu Köln. Sein Schicksal führte ihn dann nach Amerika. Lange Jahre lebte er in Chicago, wo er als Dirigent angesehener deutscher Gesangvereine tätig war. Der furchtbare Brand der Stadt brachte ihn um Hab und Gut, so daß er nochmals von vorne anfangen mußte. Nachdem seine Verhältnisse sich wieder günstig gestaltet hatten, verließ er die neue Welt, um fortan in Heidelberg ganz seiner Muse zu leben. Die Preisaus­schreiben des Kommersbuch- Verlags von Moritz Schauen­burg in Lahr, die auf die Gewinnung neuer, guter Studentenlieder hinzielten, machten ihn mit einemSchlage weitern Kreisen bekannt. Schauenburg hatte zunächst ein 'Ausschreiben für die besten Texte erlassen, wobei Frida Schanz mit ihrem Rheinliebe (Wie glüht er im Glase!) und ber jetzt in Bonn lebenbe Prof. Otto Kamp mit seinem zur Berühmtheit gelangten Gebichte von ber Filia hospitalis (O wonnevolle Jugenbzeit) erste Preis­träger würben. Lob nahm sich bei1 Filia hospitalis an itub schuf eine Melobie bazu, bie heute auf allen beut- schen Hochschulen mit Begeisterung gesungen wirb. Ferner setzte er bas Rangsche Gebicht Aura academica (Freunde, trinkt in vollen Zügen), weiterhin Ich war zu Heidelberg Student, Zieht der Bursch die Straß' entlang, Viel volle Becher klingen, Bierlein rinn und andere echt studentische Gebichte in Musik. Eine seiner letzten Gaben war bas wunbervolle, neuerbings viel gesungene Lieb: Stubent sein, wenn bie Veilchen blühn. Ebenso bereicherte er ben deutschen Männergesang um manche wertvolle Gabe.

Seine Lieder zeichnen sich hauptsächlich dadurch aus, daß sie keine Kunstlieder sondern im besten Sinne des Wortes Volkslieder sind. Kommerslieder wie die Filia hospitalis und Aura academica bedürfen keiner kunstgeübten Sänger; wer sie in froher Burschenrunde einmal gehört hat, wird sie sofort mitsingen können und sie nicht wieder vergessen. Besonder« Ansehens erfreut der verstorbene Künstler sich bei demAennchen" in Godesberg, der bekannten Bonner Studentenwirtin. So oft bei ihr ein Lied von Lob erschien, wurde es mit Jubel ausgenommen und sofort auf die Lie­derliste der nächsten Kneipe gesetzt. Bald darauf konnte man die Lobsche Weise in allen Bonner Studentenhäusern hören. So hat sich Lob um die deutsche Studentenschaft und um ihr fröhliches, ungebundenes Treiben hochverdient gemacht, und sie hat allen Grund, ihm nachzutrauern. Wenn der Name des Koniponisten mit der Zeit auch ver­gessen werden sollte, seine Lieder werden singen und klingen, solange deutsche Burschen bei schäumenden Bechern ihrewonnevolle Jugenbzeit" verherrlichen.

*53oit ber Weisheit unb Güte des lieben Gottes spricht der Lehrer zu den kleinen Schülern in seiner Klasse:Wenn Gott nach seinem unerforschlichen Ratschluß auch wohl guten frommen Menschen einmal etwas nimmt, so erseht er in seiner Gute ihnen solchen Verlust meist durch eine desto reichere Gabe anderer Art. Den Blinden zum Beispiel gibt er einen sehr verfeinerten Tast- und Gehörssinn und eine schöne Gemütsruhe; den Tauben eine verschärfte Sehkraft und Beobachtungsgabe, wodurch jener Mangel fast ausgeglichen wird. Kennt em er von Euch aus eigener Erfahrung einen ähnlichen Fall und Beweis für des lieben Gottes Weisheit und Güte? Der kleine Josef hebt den Finger in die Höhe.Tn weißt einen? nun, so erzähle mal."Ja, der liebe Gott hat meinen Vatta das linke Bein viel zu kurz gemacht. Dafür hat er ihm ein langes, langes rechtes gegeben." L. P.

* Die Zerstreutheit Pablo Sarasates. Hebet die Zerstreutheit des kürzlich verstorbenen Violinvirtuosen Pablo de Sarasate erzählt Pierre Lalo, der ein Freund des großen Geigers war, imTcmps" in amüsanter Weise: Es gab feinen zerstreuteren Menschen, als Sarasate. Er hatte weder Kenntnis der Zeit, noch des Ortes, der Sachen oder der Personen, um die es sich handelte. Einmal fuhr er aufs Land, wo er einen Monat zu seiner Erholung zubringen sollte. Erst an Ort und Stelle an ge­kommen, bemerkte er, daß er vergessen hatte, überhaupt .Reye-- gepäck mitzunehmen. Ein andermal nahin er in Berlin drei Kon- zertantviige für denselben Wend an. Eines dieser Konzerte war sogar bei Hof. Und als dev Augenblick des Konzertes gekommen war und et bereits eine Stunde überlegt hatte, wie er denn auf drei Seiten auf einmal spielen könnte, legte er sich ruhig schlafen, ohne irgendwo abzusagen. Nichtsdestoweniger wurde ihm das von keiner Seite übel ausgenommen. Bei den Berliner Künstlern war er über alles beliebt. Max Bruch schrieb eigens für ihn ein Könzert, und Joachim war einer seiner liebsten Freunde.

* Das Dienstmädchen. Köchin:Ich komme auf Ihr Inserat wegen einer Köchin, gnädige Frau." Dame:Zeug­nisse gut?"Ich keime Ihre letzten drei Mädchen, und die haben Ihnen alle ein gutes Zeugnis ausgestellt, sonst wäre ich nicht hergekommen." , , , .

* Heber tönt.War die Blechmusik gestern abend nicht gräßlich?"Ich weiß nicht, ich saß neben einem Tisch voll Damen." __________