Ausgabe 
1.2.1908
 
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Somstag den Februar

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Kchnuih von Loysen.

Roman von Ursula Zöge vo'n Manteuffel.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

- , Er wollte den Freund, dessen erregbare Nerven er kannte, nicht erschrecken, deshalb ging er leise zurück und kaue dann mit knirschenden Schritten, sporenklirrend, zwischen den stonifcrcn auf die Halle zu, so daß er schon aus einiger Entfernung gehört werden wußte. Daun trat er aus den Taunenzwcigen auf den sonnigen Platz vor der Halle, blieb stehen, salutierte und ries fröhlich:

Servus, alter Freund."

Ter lehnte sich schon, Ivie ungläubig aufhorchcnd, vor.

Was?" rief er,ja, träume ich, oder wach' ich? Bist du cS wirklich, lieber Mensch? Aber das ist ja eine köstliche Ncber- raschung!.....Tausendmal willkommen!"

Und mit einer mühsamen, aber energischen Bewegung erhob er sich, griff nach dem neben ihm lehnenden Stock und kam dem Gast entgegen, wobei er stark hinkte, aber fest auftrat. Die Freunde umarmten sich, Vorwürfe über langes Fernbleiben be­kam Loyscn nicht zu Höven, obwohl er sie reichlich verdient hatte, nur frohes Fragen nach Ergehen, Glückwünsche zum Avancement. Tann saßen sic in der Halle auf einem Sofa und sprachen an­geregt, als hätten |ie. sich gestern erst gesehen. Wilhelm hatte eine fast kindlich lebendige Art zu sprechen, so voll von warmer Teilnahme, auch Loyscn war froh bewegt, und beide litt cs nicht lange auf demselben Fleck.

Sie schritten bald in den Garten hinaus und gingen die altgewohnten Wege- ab.- Loysen freute sich über die sichtlich ge­besserte Gesundheit seines Freundes. Ja, cs war ihm eine große Ueberraschung, ihn'so beweglich und rüstig! zu sehen. Dazwischen warf er einen Blick nach dein Wohnhause "hin, welches auch ans dieser Seite mit Kletterrosen, Klematis und wildem Wein bewachsen war und eine von einem Rosentor überdachte Gartentür hatte. Er kannte doch noch von frithcr her alle Fenster und sah dorthin, wo er meinte, einen blonden Kopf sehen zu müssen. Aber hinter .den weißen und bunten Mullgardinen blieb alles still. Statt dessen hörte man von der W-iesenseite einen Hellen Anruf, gleich darauf sprang eilt gelber Schäferhund bellend herbei und Wilhelm sagte, stehen bleibend:

Jetzt kommt Ede Kraut!"

Loyscn sah der Kommenden entgegen und sagte sich mit innerer Aufregung: das ist sie also! Das ist sie!

Es war doch ein bedeutungsvoller Augenblick, dieses erste Be­gegnen mit ihr, die er vielleicht, noch ehe der Sommer vorüber war, sein Weib neunen durfte.

Sie kam ohne Hut oder Schirm von der Wiese daher, bog in den Weg rin, auf welchem die beiden standen, blieb auch stehen, hielt sich die Hand schützend über die Augen und sah herüber und Loyscn sah, halb ungläubig, aber nicht ohne Befriedigung, ein lichtes Rot ihr Gesicht überfließen- dann kam sie heran und begrüßte ihn, das heißt, sie reichte ihm die .Hand und sah dabei Wilhelm an, dessen Gesicht noch die erste Freude des unver­hofften Wiedersehens widerspiegelte.

Wie lange gehst du hier schon so herum?" fragte sic schnell.

Ach, laß mich doch, Kind . . . sich lieber, welch ersehnter Gast mir gekommen ist!"

Sic wandte sich zu Loysen.

Wie glücklich er nun wieder ist!" sagte sie. mit lächeluder Verlegenheit,schön, daß Sie ihm diese lleberraschung bereitet haben. Gestern war er gar nicht sehr wohl" sie trat dicht an den Bruder und befestigte ein Beikchensträußchcn in seinen« Knopfloch.

Nicht mir, dem lieben Gast gib sie!" sagte Wilhelm heiter, er zog das Stränßchen heraus und steckte cs Loysen an die Uniform, da sehen sic schön und festlich aus und duften ihm einen Will­komm zu. Ja, lieber Helmuth, laß mich's dir sagen, ich habe nie einen lieberen Giaft gehabt, wie dich, denn du kamst so gern. Mein Leben ist naturgemäß ein einsames gewesen, wenige be­suchten mich, und wer da kam, der kam aus Mitleid nur du nicht, und das tat so wohl."

Loysen antwortete zerstreut mit einem Händedruck, die Gegen­wart des Mädchens nahnt- seine Aufmerksamkeit in Anspruch. Sie stand vor den beiden Männern, die Hand auf den Kopf des zottigen Hundes gelegt, der aus wachsamen Augen aufschaute und bei der spielenden Berührung wedelte. Als ihre Veilchen so ohne weiteres an die helle Uniform des Gekommenen wanderten, hatte sich ihrer, wieder eine leichte Verlegenheit bemächtigt, nicht ganz frei von Unbehagen. Nun sah sie auf den Hund herab und sprach leise mit ihm, und sah in dieser Stellung sehr anmutig aus.

Sic mochte, so rechnete er sich aus, jetzt zweiundzwanzig Jahre sein, hatte den Wuchs einer jungen Edeltanne und, wie cr vorhin bemerkt, den federnden Schritt, der eine gestählte, gesunde Konstitution beweist. Ihr rosiges Gesicht war länglich und rassig, ohne schön zu sein, ihr Haar hatte die'Farbe reifer Kornähren, und sie trug die glatten, gelben Flechten schlicht nm den Kopf gelegt. Ihr Anzug bestand aus einer weißen Kaschmirblusc und einem roten Rock, der straff von den schlanken Hüften herabficl. Mit dieser Haartracht und dieser Kleidung kam sie der Mode des Tages nach und sah doch aus wie das Bild eines ideaien Landmädchens. Ihr ganzes Wesen atmete Natürlichkeit und Heiterkeit, momentan durch die unerwartete Ankunft des ihr fast fremden Mannes etwas eingedäninit.

Es ist Vesperstündc," sagte sie zum Bruder,ich wollte dich eigentlich abholen. ES ist doch wohl besser, du sitzt nicht länger in der Halle, die Luft ist frisch."

«Das schadet nichts" versetzte Wilhelm vergnügtich diu eiltLuftikus" und verbringe sogar im Winter manche Stunde in meinem Sonnenwinkel. Aber du hast recht, gehen wir nnn ins Haus Liebling, sage Großmamachen, der Kaffee sei ein guter Trank, aber zwischen Männern dürfe auch eine Flascbe unscvcs alten Rüdesheimer oder Marcobrunner stehen!"

Wie froh er ist!" sagte sie wieder, und sah jetzt Loyscn aus klarem-Auge schier dankbar an,ja, ich werde-es bestellen. Bitte, stehe nicht langer."

Sic ging voraus und lief leichtfüßig ius Haus.

Kamst du geritten?" fragte. Wilhelm.Ja? Ist dein Pferd abgesattelt?"