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in dem Ker! steckt was, unb unter mir gibt er sein
heißt er?"
nicht
sollen
losen Fremden,
(Fortsetzung folgt.)
Wie
Fra
Diavolo."
hm," sagte Wilhelm, „weißt du, der Name gefällt nur
der Stalljunge mit dem Rappen. „Welch ein Staatsgeschöpf!"
„Hm, hm," sagte itoillKlm, „weitzt du, oer mame gemui um - . beit Teufel hätte ich ungern zum besten Freund."
Cr sagte das scherzend, aber in seinen Augen lag ein sinnen-
Hessische Lattdesartsfteliurrg Darmstadt 185)8.
infolge der günstigen Witterung und infolge des emsigen und einigen Hand- in Handarbeitens aller Zweige konnten die Bauarbeiten an den Ausstellnngsgebäuden so weit gefördert werden, das; die Hoffnung besteht, daß am Tage der Erolfnung \ — bem 23 Mai — eine fertige Ausstellung den Besuchern schon vom ersten Tage ab gezeigt werden kann. ,
Am weitesten vorgeschritten ist das mapwe Itadtijche Anv- Üellunqshaus mit dem gewaltig ausragenden Hochzeitsturm, dem Geschenk der Residenz an den Landesherrn, nut dem sie selbst sich ein Wahrzeichen für ewige Zetten geschahen haben dürfte Längst ist das gitterdichte Baugerüst des Hochzettsturmes gefallen und frei ragt das mächtige.monumentale Bauwerk Prof I M. Olbrichs in seiner charattertstychen Gestalt, gekrönt von dem in allen Farben schimmernden Kupferdach m btc Wolken unb schaut in die Lande, bis über die Grenzen des Reickes Katzenelnbogen hinaus den Ausblick ermöglichend, das bisher allein beherrscht wurde vom hohen Monument Ludewigs i., läßt bei klarem Wetter den Rhein in weitem Lauf Nlbern schun- mernd sehen unb die hohen Berge des Odenwaldes und des Vogelsgebirges als gleichgroße Brüder begrüßen. So schemr dieser einzigartige Turm alles um sich her zu beherrschen, dap man fast befürchten könnte, cr erdrücke seine Umgebung, bis man näher schreitend, sieh überzeugt, daß dies keineswegs der ,rau ist, daß seine Zugehörigkeit vielmehr gerade durch seine Gtgenarr
Knechte zogen die Mütze Ta stand
der Ernst. . . . I ‘
„Tn meinst, auf dem Teufel rette man direkt tu btc Holle — I 1 wo soll er auch anders hin —" versetzte Loysen ebenso.
Wilhelm aber sagte nichts mehr hinzu, sonbern ließ das I Pferd absatteln unb in eine Box führen, woselbst Fra Tiavolo : schnaufte unb fauchte unb bas Logis mit weit vorgestrecktem Halse untersuchte.
Tie Freunde gingen uu.it nach dem Hanse und wieder stieg Wilheltn die etwas erhöhte Anfahrt unter den Platanen rüstig heran, führte Loysen in die wohlbekannte ebenerdige Hausflur mit den Erntekränzen, der schwarz- und rotgetäfelten Diele und der in die obere Etage führenden alten, gewttndetteu Treppe. I Sein Zimmer lag rechts von der Haustür, lvar ein großes, I helles Eckzimmer mit drei Fenstern, anS denen man sowohl durch I die Platanenstämme auf beit Hof, wie seitwärts in eine Garten- I Partie blicken konnte. Auch in diesem Raunt war alles unver- I ändert — er tolar teils Krankenzimmer, teils Arbeitszimmer, I und hatte dabei so einen Anstrich von Künstlerheim. Ein mach- I tiger, mit Wirtschaftsbüchern unb Papieren bedeckter Schreibtisch I zeigte, daß der Gutsherr hier seine Geschäfte erledigte, ein ver- I stellbarer Kraulenstuhl unb eine lange Ruhebank mit Kopslehne, | daß cr hier an Schmerzcnstage» der Ruhe pflege — alles übrige I war licht unb sarbensreundlich. Bunte, feingemnstertc Mull- I Vorhänge hingen vor den Fenstern, die voll blühender Blume» 1 standen. Eine ganze Stubenecke war mit sehr sorgsam gepflegten I Palmen ausgefüllt, bereit Blätter wie grün lackiert glänzten. 1 Tische mit Albums unb Zeichnungen, Wochenschriften unb Büchern I belegt, stauben um die Ruhebank. Tie helltapezierten Wände | waren mit Bildern in anspruchslosen Rahmen bedeckt, selbstge- | malte Landschaften in Del- und Wasserfarben, ohne großen künst- I lerischen Wert, aber voll von sinnreichen Gedanken, unb in I zarten, wohltuenden Farben ausgeführt.
In einet Ecke stattb eine Staffelei, niedrig gestellt, an.welcher I Wilhelm, wenn er Zeit itnb Lust harte, sitzend arbeitete ans j purer Freude am Festhalten all der Landschaftsbilder, die ihm seine ’ lebhafte Phantasie vorspiegelte.
Loysen sah sich rings nm. Ter Raum war so traulich unb er begrüßte jedes bekannte Stück freudig. Darüber vergaß er beinahe die Gegenwart seines Freundes, der immer noch in gehobener Stimmung geschäftig hin- und herhumpelte, hier eilte Kiste Zigarren, dort Streichhölzer und Aschenbecher herbeiholend. Plötzlich ging es ganz unvermittelt wie int Krampf durch seine ganze Gestalt, cr wurde totenblaß, biß die Zähne zusammen und lieh sich mit leisem Stöhnen in einen Sessel gleite»: Erschrocken sprang Loysen herzu, doch der andere wehrte ihn mit einer Hand- beweguug ab unb lag dann mit geschlossenen Augen seine Schmerzen bekämpfenb, bis endlich wieder Farbe tu das blasse Antlitz trat unb er, aufblickend, mit ruhigem Lächeln sagte:
„Ich sehe, btt feierst Erinnerungen und findest hier alte Bekannte wieder."
„Wilheltn, ich fürchte, du hast den langen Gang büßen müssen." „ !
„Dias kommt vor, das kommt vor —" versetzte der schon wieder fröhlich — „gut, daß s i e nicht dabei lvar. Setze dich, mein Lieber — rauchst btt? Hier ist alles dazu. Ja. Jetzt hast bit meine Edel gesehen und ich sah dir's an, daß sie dir wohlgesiel. Solch ein gutes Lächeln wiar in deinem Gesicht . . . und dabei kennst du sie nicht einmal. Ich sage dir, Helmuth, Wir leben sehr glücklich miteinander. Das Kind habe ich mir so recht nach
meinem Herzen erziehen dürfen. Welchen Reichtum hat Gott meinem Leben in ihr geschenkt! Tn weißt, daß sie unsere gute Mutter nie gekannt hat, denn diese starb bei ihrer Geburt,. und unser guter Baier ging wenige Jahre später heim. So blieben wir beide allein, unb wenn mir etwas durch Schmerzen, Einsamkeit und Trauer hindurch half, so war es der Gedanke, daß ich dem hilflosen, kleinen Wesen durch Liebe ersetzen müsse, ivas sie verlor. Großmutter sprach oft von einer Pension, aber ich konnte mich nie entschließen, das Kind fortzuschicken, und ich denke, daran tat ich recht. Losgelöst vom Heimatsboden wäre sie nie geworden, was sie ist, so ein glücklicher, zielbewnßter Mensch, so fähig hier, auch ohne mich, das Leben zn tragen und zu halten mit ihrer jungen Kraft.", . .
„Was meinst du damit?"—
„Ich meine, daß ich heute sterben kann und das Gut in den befteii Händen weiß, denn tatsächlich ist sie es, welche Rothaide
v... .......sagte Wilhelm, „du weißt es,
Helimtth, wenn mich je mein Gebrechen jammert,-so ist's, weil es mich von der Benutzung des Pferdes ausschließt — unb id} liebe diese Kreatur Gottes —" seine Hand glitt über den spiegeliwen Hals des Rappen, während sein Blick den kraftvollen, geschmeidigen
Bau wohlgefällig musterte. ■ _ .
(Jr ist, nächst dir, mein bester <yreunb, tagte Loysen, „ich sage 'dir, in dem Kerl steckt was, und unter mir gibt er sein bestes."
„Rein, ein Bursche hält es." . ,
Tu' mir die Liebe! Nein, daS geht nicht, du bleibst soch gemütlich, alter Freund! Komm, das werden wir gleich besorgen.'
Wilhelm sprach eifrig und ging voraus, trat ans dem Garten in beu Hof, wo sein Stock hart auf den, nach dem Pfer^statl führenden gepflasterten Steig klopfte. !--------
unb Mägde grüßten, unb er nickte allen freundlich zu.
wertet werben? Soll es mit.passieren, tote, ui)mn innerer «tiqi ober unserem Felde angerusen werbe: Hier ist kem Weg\- • Nein Wilhelm, das ist einfach unmöglich, ^d) bitte dich, la» mich mal 'rau. Ich bin doch nicht nmsoust zeitlebens uni dir zusammen und in Rothaide gewesen, was ihr könnt, kann ich auch. Warte noch ein Jahr und bann sage mir, ob du noch verpachten willst > — So sprach sie. Ich habe nie wieder aus Verpachten gedacht, und was du Gutes bei uns siehst, draußen aus den Feldern unb drinnen im Hof, das ist ihr Werk unb bem steht sie vor
.„Bewunderungswürdig," sagte Loysen. Weiter kam er uicht, denn' die Besprochene öffnete die Tür .
verwaltet."
„Wie ist das möglich!" — , = .
„Tas will ich dir erzählen. Nach dem Tooe memcw Vaters, der mir den.alten getreuen Meinert als Stütze hinterließ, habe ich redlich versucht, meine Pflicht zu tun und Rothaide uns Kindern zu erhalten. Ich liebte cs, und deshalb gelootc ich mir, es nie zu verpachten. Es war aber ein schwierig Ting. Wochen- laug fesselte mich mein Leiden ans Bett, und weuil ich aufpaiw, kam ich nicht weit. Meinen ist pflichttreu, aber cr hatte mc selbständig gewirtschaftet- Manches Hebel wurde mir verschwiegen, weil der Doktor jede Aufregung verboten Hatter Dazu tarnen schlechte Jahre. Einmal zerstörten Unwetter die Saaten unb ein- mal vernichteten Neberschwemmungeu die Ernten, eine seuche räumte in der Schafherde ans - das bare Geld wurde knapp, das Gut ging in jeder Beziehung zurück. Die Sorge klopfte an die Tür. Nicht, daß ich dazu neige ihr anfzutuil, = Wilhelm lächelte - „du kennst mich! — aber ich sah em, daß so nicht weiter ging, und faßte schweren Herzens den Entschluß, mich »ach einem Pächter ümzusehen. Natürlich teilte ich der Großmutter und Edel diese Absicht mit. Letztere war. damals sechzehn ^ahr und voll von Lebenskraft, die Betätigung sucht, der Tat machte mir ihr Wesen damals einige Sorge. Ich glaubte, ich hatte sie zu lange in der Schulstube gehalten, aus Furcht etwas an ihrer Ausbildung zu versäumen. Nun glich sie Jungem, gärendem Most, von dem man noch nicht weiß, welchen Wein er geben wird. Bei -meiner Mitteilung geriet sie ganz außer sich. Zum erstenmal'lehnte sie sich gegen mich auf. Was? tief sie, wir iiijuf unserem eigenen Grund unv Boden zu r^cht- :, soll Rothaide durch habgierige Aussauger ent- Soll es mir passieren, daß ich auf unserer Wiese


