.* Erne teure Hinrichtung. Wilden beuchs „Rabenstein e r i n", so plaudert das Wiener „Fremdenblatt", b-eson- sonders die Hinrichtungsszene, ist eine der kostspieligsten Sachen, die in jüngerer Zeit im Wiener Burgtheater da waren. So viel Geld für Verbandmateriale, Halbtote, Tote und deren Wegschaffung ist schon lange nicht in einem Stück ausgegeben worden. Denn nicht nnr die vollkommen Erschlagenen verursachten Aus- lagen für den Abtransport, auch die Schwerverwundeten, wie z. B. Jung-Welser im ersten Akt. Vier Mann müssen ihn auf der Bahre in die Waldburg bringen und dann wieder abtragen: das kostet per Knecht und Transport je zwei Kronen. Jawohl, das viele Blut geht ins Geld! Zum Glück läßt Wildenbruch nicht alle Personen auf offener Szene sterben oder verhauen, sonst könnten Hofbühnen mit kleinerem Budget die Sache einfach nicht mehr bestreiten. Und erst die Hinrichtung, 51t der es nicht einmal kommt! Tie kostet eilt Heidengeld. Denn in Augsburg waren die Justifikatiouen öffentlich. Wie sich das zil Tarstellungszwecken in Geld ausdrückt, kann man atts folgendem^ Kostenzettel ersehen:
Kostenzcttel
für die Hinrichtung in „Die Rabcnsteinerin": l (IV. Akt. — Verwandlung.)
Die vier Solodamen in der Hauslaube (Loggia) . K 60,— § 60 engagierte Statisten und Statistinnen (Patrizier
von Augsburg) ä 2 Kronen...... . „ 120,— ä
210 speziell ausgenommen? Statisten und Slalistinnen
(Volk von Augsburg) a 1,20 Kronen „ 288,— |
Der Freimann (Spielhonorar) .... . . . . „ 30,— g
Stimme K 488,— |
Also rnnd 500 Kronen werden im Wiener Burgtheater nach altem Augsburger Recht ausgegeben. Wahrhaftig, eine teure Justiz, die da Wildenbruch einführt.
Die allgemeine Teuerung hat den Nacht' ,v ä ch t e r einer württembergischen Dorfgemeinde veranlaßt, seinen Wächterruf in folgender zeitgemäßen Weise zu „modernisieren" :
Loset, was i eu will saga,
Der Zucker und Kaffee hat ausg'schlnga, Der Ztgorl goht in d' Höh', Jext kriegat die alte Weiber loin Kaffee mch'.
* Eine Zwittergeburt sondergleichen kam in einem elsässischen Dorfe zur Welt. Eine iverivolle, kaum vierjährige Kuh mußte ivegen Gebiirtswehen notgeschlachiet werden. Dabei kamen Zwillinge an den Tag. Das eine Geschöpf war schwach normal ausgebildet, dagegen glich das andere eher einer Schildkröte als einem Kalbe. '®ie Ohren sitzen hinter dem Halse, also nicht am Kopfe, das Maul ist schmal und ähnelt etwa dem eine Schweines. Die Beine sind verhältnismäßig kurz und haben Achnlichkeit mit denen eines Dachses oder einer jungen Fischotter. Auch in geschlechtlicher Beziehung bestehen noch Ziveifel. Trotzdem die Kuh erst im sechsten Monate trächtig war, hatte diese Mißgeburt doch ein Gewicht von stark 25 Pfund.
Kunst.
— Denkmäler-Gedanken veröffentlicht der Gießener Ehrendoktor Ave narius im 1. Novemberheft des Kun st - warts. Er sagt u. a.: Ist ein gefeierter Fürst gestorben, so tritt man schon raunend in Denkmalssacheu zusammen, während die Zeitungen noch von seinen letzten Stunden erzählen. Auch in Baden ist es jetzt ebenso, und auch die öffentlichen Aufrufe smd schon erschienen. Kommt es denn beim Erreichen von Malen fiir die „Ewigkeit" vor allem auf den Geschwindschritt an? .Ein „Denkmal", das bedeutet, scheints, all den Ausrufern gauz als Verstände, sichs von selbst: ein Standbild. Und zwar ein Reiter- stand bild. Muß es ein Standbild sein, ists dann nicht wenigstens an der Zeit, mit dem lächerlichen Brauche zu brechen, der die Bedeutung eines Mannes dadurch auszndrückeu glaubt, daß. er je nachdem zum Kopfe auch noch Rumpf und Beine, richtiger Rock und Hosen, aber als höchste Ehrung noch ein Pferd Hmzutut? War der Groß Herzog als Reiter groß oder rn anderer Beziehung? Aber warum müssen es überhaupt Stand- bilder sein? Zumal General-Standbilder, als wäre unser Uni- sorm-Denkmälerwesen durch die tausendfältige Wiederholung nicht nachgerade zu einem Riesen-Spielsoldaten-Backen immer aus ber« T» en Preßform geworden, so daß von einem wirklichen Per- sonltchkeit-Geben innerhalb ihres Schemas kaum noch die Rede rst. «turn gibt man den Bildhauerir nicht Gelegenheit zu Heien Schopsiingen? Den Bildhauern und den Architekten? Ein Relief, ent Mofaikgemälde am Sockel könnte das Werk dem Toten widmen und sein Ebenbild zeigen, vielleicht bei einer wichtigen
Tat. Brunnen, Brücken, Erholuugshallen, wie gut ließen sie sich formen zu Denkmälern zugleich fürs Auge und von der schönsten Art fürs Herz von der meist erfreuenden, zu Denkmälern, die dem Beschauer zugleich irgend etwas Freundliches bieten, einen Trunk, einen Schatten, einen Ruheplatz, als weile der selber noch gütig waltend hier, dessen Bild sie schmückt. Aber es gibt ja noch tausend Möglichkeiten, sobald wir uns einmal von der albernen Zwangsvorstellung freimachcn, Denkmäler müßten so sein, wie sie in den letzten Jahrzehnten Deutschland bepflanzt haben. Unser großartig fachmännischer Kunstbetrieb hat uns gauz das Bewußtsein davon aus deut Kopfe gekünstelt, daß Kunst doch eigentlich von einem menschlichen Können auf jedwederler Art gestalteter Ausdimck eines Innenlebens sein kann, mit Meißel und Maurerkelle, mit Pinsel oder Stift, mit Schreib- oder mit jeder Art von Werte schaffender oder Werte erhaltender Kraft. Also kann man auf hunderttausenderlei Weise das Gedächtnis eines Großen ehren: weshalb tut man's immer wieder nur auf die eine?
Für derr Weihnachtstisch.
— Selbftbeschäftiguug der Kinder ist mit Fug und Recht, heutzutage die Losung. Das Kind soll sich mittels eigener spielender Tätigkeit zur ernsten Tätigkeit vorbereiten. Ein nettes Hilfsmittel hierzu bildet die in dem Spielverlag Otto Maier in Ravensburg erschienene Sammlung „Scher enar- beite n". Auf hellen Kartons sind allerlei Zeichnungen ausgeführt, die zuerst ausgeschnitten werden müssen. Diese Ausschnitte werden dann nach beigegebener Erklärung gefaltet und zusammengesteckt. Zu nicht geringer Ueüerraschung bilden sich aus diesen zusammengestcckten Stücken hübsche Figuren. Die erste Serie der Sammlung ist ein russisches Dreigespann, eine Troika/ ein Schlitten mit 3 Pferden, Pferdegeschirren, Kutscher, Passagiere. 2. Serie: ein Geschützzug mit Feldgeschütz und Besatzung, und als 3. Serie eine Menagerie mit allerlei wilden Tieren.
--- Wie man ein S ch a t t en th e a t er Herstellen kann, ist in dem int Verlag von Otto Maier in Ravensburg erschienenen Büchlein „Schattentheater" von P. Widmaper gezeigt. Wir erhalten auf 16 Tafeln Figuren zum Ausschneiden eingerichtet^ zum Teil beweglich. Diese Figuren geben Vorstellungen, die nach den Herzen der Kinder sind, so z. B. Indianer bekämpft eine Schlange, Kasperl und der Teufel, Chinakrieger geht auf die chinesische Mauer los, Osterei, aus welchem ein Hase schlüpft u. n. Außer diesen Figuren enthalten die Hefte eine Anleitung, luie man die Figuren fürs Schattentheater benützt, sowie eine solche, wie man ein Schattentheater dazu errichten kann. Das 2. Heft von Schattenfiguren eignet sich besonders ats Weihnachtc- gescheuk.
— Eine große Anzahl zum Ausschneiden geeigneter Schatte n f ig u r e n kann mau sich um 1 Mk. erwerben durch die im Verlag von Otto Maier in Ravensburg erschienenen Äus- schneidebilder von F. P. Messerschmidt in München. Es ist ein Verdienst, daß dieser Künstler der Jugend eine solch hübsche Gabe darbietet, gibt es für sie doch kaum ein größeres Vergnügen als das Schattenspiel. Diese Figuren sind umso amüsanter, als sie die Typen, welche die Landstraße bevölkern, darstellend
Goldene Worte.
Denke dir die Menschen, wie sie sein iollien, wenn du aus fie zu wirken hast; aber denke sie dir, wie sie sind, weint du iür sie zu handeln verjucht wirst. Schiller.
In dem Kinde ist die Anlage und Bestimmung, in uns ist die Ersi'illnng dargestellt, welche immer unendlich weit hinter jener zurückbleibt. Das Kind ist uns daher eine Vergegenwärtigung des Ideals, nicht zwar des ersülllen, aber des ausgegebenen.
--------------- Schiller.
Rätsel.
Sicherlich kennst du den Namen des Helden aus hehrem Geschlechte, Den einst Homeros besang als Schützer des heimischen Herdes: Zeichne den Namen des Jünglings, doch lösche die leisten zwei Silben, Borge stait ihrer ein Drittel vom Namen des trefflichen Mannes, Der zu Athen als ein Feldherr und weiser Gelehrter berühmt war, Teilst du.bett Flamen des klugen und tapfren Griechen verständig Und verbindest ein Drittel von diesem mit jenem zum Ganzen. Siehe, dann hast du sogleich ein herrliches Wunder der Neuzeit.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nunnner:
S S H a c a r h i Sard inien Schilling Hai n 1 eite
i i i ent n g e
Stoftttfon: P. Witiko. — Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'schon Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


