seine mathematische Ausbildung erhalten hatte durch C l e b s ch und dessen Mitarbeiter und im Begriffe war, die Lehramtsprüfung abzulegen. Oberstudienrat Wagner setzte es dann auch durch, daß Rausch mein Nachfolger wurde.
Es ist allbekannt, daß am hiesigen Gymnasium von da weiter der Unterricht in der Mathematik und in den Na- turwissenschasteu sich stetig gehoben hat, auch durch Vermehrung der Lehrkräfte, der Lehrmittel, der einzelnen gesondert unterrichteten Schülerklassen und der Lehrstunden insbesondere für Naturwissenschaften. Einem Gymnasium einen noch größeren Zeitaufwand für Mathematik und Naturwissenschaften zumuten zu wollen, wäre unbillig. Es Würde dadurch irr der ihm eigenen Durchbildung seiner Schüler empfindlich geschädigt werden. Ob demgegenüber durch eine größere Summe naturwissenschaftlicher Kenntnisse eine höhere Befähigung zum Studium z. B. der Chemie erreicht sein würde, möchte ich verneinen. Ein schnelleres Fortschreiten in den ersten Semestern verbürgt noch lange nicht die endgültige Gewinnung einer höheren wissenschaftlichen und praktischen Leistungsfähigkeit. Probe :t::b Gegenprobe lassen sich leider an der nämlichen Persönlichkeit nicht machen. Ich würde sonst schon längst diesen einfachen und beweisenden Versuch veranlaßt haben — zur Ueber- zeugung Anderer.
Gießen, 12. Oktober 1907.
Alex. Naumann.
Tür unsere Kinder.
Echtes Kinderleben zu fördern, ist Tendenz des neuen Jahrhunderts. Mit Erfolg leistet das „Ter Hauslehrer", die erste Wochenschrift für d en geistigen Verkehr mit Kindern (heraus- tzegeben von Berthold Otto, Verlag des Hauslehrers, Großlichterfelde), die genau so alt ist wie das Jahrhundert. Tie vorliegende Nummer 41 enthält einen politischen Artikel über den verstorbenen Großherzog von Baden — die Geschichte, die dieser Fürst durchlebt hat, wird so dargestellt, wie sie ihm selber erscheinen mußte, Nicht lote sie dem von außen schauenden Historiker erscheint,' ein botanischer Artikel von Lichtenberger folgt, in dem wir von Struktur der Erdbeeren, Himbeeren, Birnen, Aepfel, Kirschen und Pflaumen unterhalten und unmerklich belehrt werden; Max Päpke setzt seine Artikelreihe über Mittelhochdeutfch fort üt einer Betrachtung der starken Verba; Else Fintelmann schildert die verbissene Meerhexe im Aquarium — alles in der Hauslehrerschreibweise,, die alle Phrasen abweist und nur eigenes Schauen und echtes Empfinden gelten läßt. — Tie Beilage „Geschichten in Altersmundart" gibt unvermischte Kindersprache; Helene Pannwitz erzählt das Märchen vom schwarzen Haus; zwei Münchener Lehrer erzählen in der Sprechweise bayrischer Kinder. — Besonderes Interesse bietet diesmal auch die Beilage: „Anleitungen für Eltern und Lehrer,, in der diesmal der Hilfsschulunterricht behandelt ist. Katharina Otto gibt einige theoretische Ausführungen darüber, und einige praktische Beispiele aus dem Seelenleben dieser Kinder, die lesenswert sind.
aus der Feder Leo Bergs den Aufsatz: „Ibsens ethischer Jndividnalismus und die Entwicklung seines Dramas."- Er betrachtet den norwegischen Dichter von einem neuen und eigenartigen Gesichtspunkte aus: in seinem religiösethischen Ringen mit sich selbst, das er in seinen dramatischen Schöpfungen zum Ausdruck zu bringen sucht. —i Nach Form und Inhalt gleich ausgezeichnet ist die Lebensbeschreibung der „Dianne de Poytiers" von De tick Zilcken. Man empfindet den frühen Tod der reichbegabten Verfasserin als um so schmerzlicheren Verlust,- wenn man sieht, wie sie es hier verstanden hat, nicht nur das Lebensbild dieser Maitresse Heinrichs II. von Frankreich klar und fesselnd zu zeichnen, ihre ganze Erscheinung plastisch hervortreten zu lassen, sondern auch das gesamte Milieu des französischen Königshofes unter Franz I. und seinem Sohne mit der großartigen Künst- pflege einerseits, der Maitressenwirtfchaft und den damit zusammenhängende:: Jntrigenkämpfen der Parteien andererseits in unübertrefflicher Weise zu schildern. — An die neuerdings hervortretenden Bestrebungen zur städtebaulichen Entwickelung knüpft Dr. Hans Schmidrunz unter dem Titel: „Groß-Berlin und Jnnenknnst" Betracht tungen über den Einfluß des Wohnungsäußeren auf die innere Wohnungsausstattuug, auf die Jnuenkunst. — Nicht minder beherzigenswert ist, was Prof. Th. Achelis aus- führt „zur Psychologie und Kritik des Radikalismus". — Die Veröffentlichung der Antworten, die auf die Rundfrage der Redaktion von „Nord und Süd" über die „Vorstrafen" eingegangen sind, wird mit dem Artikel: „Die Bedeutung der Vorstrafen im Strafprozeß" von Prof. Hans Groß fortgesetzt.
Goldene Worte.
Der Schein der Konsequenz ist das unsterbliche Verdienst der Beschränktheit. ~ v. Treitfchke.
Das nur ist die wahre Ehre Au! des Lebens wirrer Bahn, Die der Mensch sich ielber geben, Und auch selber nehmen kann. W. v. Glarus.
-i-
ES zeigt uns die ganze Geschichte der organischen Welt, daß neben dein überwiegenden Fortschritt zum Vollkoininenen jederzeit auch einzelne Rückschritte zn niederen Zuständen Vorkommen.
E. Haeckel.
Tn wirst es nie zu Tüchl'gem bringen
Bei deines Grames Träumerei'«: Die Tränen lassen nichts gelingen, Wer schaffen ivill, muß fröhlich sein.
Th. Fontane.
Krerrzrittsel.
— Ein neues Drama von Felix Philippi. Alle Theaterstücke Felix Philippis haben den unbestreitbaren Vorzug der Bühnenwirksamkeit; das ist nun schon oft genug erprobt. Es kann daher nicht wundernehmen, daß auch sein neuestes Werk, das vieraktige Drama: „Der Herzog von Rivoli", mit dessen Veröffentlichung im Oktoberheft von „Nord und Süd" (S. Schottlaenders Verlagsanstalt, G. m. b. H., Berlin W. 35) begonnen wird, schon bei der Lektüre, die Gewähr des theatralische!: Erfolges in sich trägt. Was umsomehr anzuerkeunen ist, als uns hier nicht die unmittelbar interessierende Mitwelt vorgeführt wird, sondern die Szene in eines der kleinen italienischen Fürstentümer vor ein Paar Jahrhunderten zurückversetzt ist. Die Handlung ist ganz einfach und klar; aber sie wird :nit Lebendigkeit und Kraft, bei aller sorgfältigen Durchbildung des Details, aufgerollt. Ebenso einfach und wahrscheinlich bewegen sich die handelnden Personen des Stückes, an Aller Spitze die Figur des Feldherrn Antonio. — Dasselbe Oktoberheft Bringt
In die Felder nebenstehen- der Figur sind die Buchstaben a a a a b b b b bcceee eeeeehhhhllloo pppprrrrrrrssss u n derart einzutragen, daß die wagrechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes ergeben:
1. Eine Arzneipflanze.
3. Ein Seeschiff.
3. Ein Städtchen.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer! Nie kanipilos wird dir ganz DaS- Schöne im Leben geglückt sein, Selbst Diamantenglanz Will seiner Hülle entrückt sein, Und windest du einen Kranz Jede Blume dazu will gepflückt sein.
Redaktion: P. Witt ko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sehen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


