Ausgabe 
30.3.1907
 
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einer heidnischen Göttin Ostara (Eostre) benannt, sondern nach der Morgenröte oder nach dem Aufgang Vöstara) des Jahres, dem Frühling." Aclicre Germanisten und Mythvlogen, tote die Ge­hrüder I. und W. Grimm, Wackernagel, Simrock, Wols n. a., ztoeiseln dagegen an einer Göttin Ostara. nicht. Die gaitze Frage dreht sich um die Glaubwürdigkeit des erwähnten Beda Benerabilis, die nach Oberles Meinung doch ziemlich imanfechtbar ist: denn die Christianisierung Englands begann Ende des sechsten Jahrhundert und war Ende des siebenten Jahrhunderts fast vollendet. Nun ist Beda 672 geboren: er steht also der Zeit, da die Angelsachsen noch Heiden umreit, verhältnismäßig nahe und könnte gewiß mit zuverlässiger Ge­nauigkeit über die Religion derselben sich unterrichten lassen. Uebrigens ist toahrscheinlich, das; die Germanen ohne eine be-- stimmte Gottheit zu Ehren des Frühlings oder des mit der Sonne von Osten kommenden, neu erwachten Lebens der Natur ein Fest sollten gehalten haben. Ein Naturvolk begeht für ab­strakte Naturerscheinungen kein religiöses Fest, sondern nur ftir eine bestimmte Gottheit." Diese war Ostara, doch ist «es nicht unwahrscheinlich, daß das Fest, welches unsere Altvordern beim Wiedererwachen der Natur feierten, nicht bloß ihr, sondern auch Donar gegolten hat. Vielleicht soll die Figur des rothrarigert Judas, den man am Rhein am Karsamstag verbrennt, den Donner­gott selbst vorstellen, welchen, tote bekannt, die Mythe mit rotem Ha'ar und Bart ausstattet. Wenigstens lassen die Lieder, welche die Knaben in Köln beim Einsammeln des Holzes, Strohes und dergl. vortrugen, vermuten, das; dort eine ähnliche Sitte herrschte wie noch jetzt in Bräunroda am Harz, sowie bei Kammin in Pommern, wo man vor dem Anzünden der Osterfeuer Eich­hörnchen jagt, «die ihrer Farbe wegen gleich dem Fuchs und dem Rotkehlchen dem Donar zugehörten. Wahrscheinlich mußten sie ursprünglich als -Opfer dienen, die mlan ins Feuer warf, um dadurch vom Gewittergotte Segen für die Felder zu erflehen.

Mag nun das Frühlingsfest, welches die alten Germanen feierten, der Ostera oder dem Donnergotte gegolten haben, so steht so viel fest, daß viele unserer Osterbräuche M dieses alt­heidnische Fest erinnern. Die Sammlungen der Nahrungsmittel für das Heerlager an der Mahlstätte, die Wanderung dahin, die ausgelassene Freude daselbst, Tausch und Spiel, die Teil­nahme der Seelen int ausgedehntesten Maste, ihre Hülfeleistung und endlich wieder ihre Baunung: das alles hat sich im Oster- brauche treu erhalten.

Ein Sammeln von Nahrungsmitteln ist in ganz Deutsch­land verbreitet, mag der Brauch auch örtlich bis zum Kinder­betteln herabgesunkcn sein. Eier, Brot und Honigkuchen spielen immer die Hauptrolle. In Borarlberg ziehen am Vorabend des Osterfestes Männer, von Kinder mit Fackeln begleitet, von Haus zu Haus, und begleiten mit Schalmeien und Zithern die Auf- erstehungslieder, welche aus hunderten von Kehlen der die Spieler umgebenden Volksmasse erschallen. Ostereier oder Brot und Wein belohnen das Spiel und werden in großen Körben gesammelt, welche Knaben tragen.

Bei den Deutschböhmen sammeln am Gründonnerstag, Grün- dvrstche, dieGrüichorstche-Jungen" Brot ein. Mit dem Gruße: Gelobet sei Christus zum Gründorstche!" treten sie ins Haus und fingen ihr Lied:

Heite kum 'ch fun Gründorstche, Oes ha ne grüne, ös ha rut.

Gat mer ü husbacken Brut."

Früher brachte man nach Montanus die eingesammelten Eier als Opfer in die Kirche auf den Altar. Damit war der Sinn des Brauches imtf das treueste erhalten und wiedergegeben. Die ganze Gabensammlung bei den Festzeiten war ja nur das Offertorium" desOpfermahles"; so ging dann auch das Er­gebnis logischerweise auf die Kirche über. Diesen Brauch hat auch die Kirche noch nicht ganz abgeschasst.Noch jetzt holt man auf dem Lande die Ostereier als Abgabe sür Pfarrer und Küster an einigen Orten wirkliche Hühnereier, in anderen Gemeinden als Abgabe in Geld, aber unter diesem Namen."

In weltabgeschiedenen Gegenden haben sich vielfach auch noch Bräuche erhalten, die an die Wanderung zur Mahlstätte erinnern, und an einigen Orten ist es historischen Zeugnissen gemäß wirk­lich iwch dieselbe altheidnische Mahlstätte der Vorzeit, nach der die wandernden Menschen hinströmen: in anderen Fällen ist ein Friedhof und in den meisten überhaupt nur ein Belustigungs- Platz das Ziel. In Oesterreichisch-Schlesien wandert schon in der Osternacht alles nach den Anhöhen. Oben zündet man Feuer an, lagert «um dasselbe und erwartet bei Esten und Trinten, Ge- sprächen und Gesang den Ostermorgen. Hier finden wir also neben der Wanderung auch noch das Mahl.

Die Errichtung eines Mahles am Osterfeste ist dagegen ziem- uch zuruckgetreten, wahrscheinlich deshalb, weil das nahe Pfingst­fest diese Sitte an sich gerissen hat. Demroch fehlt sie auch Ostern mcht ganz Montanus erwähntOsterbäume", die man toie Christ- baunte mtt Lichtern schmückte und umtanzte, doch scheint man dafür lebende Baume vorgezogen zu haben, was eben nur wieder die Sitte bestätigt, die Feier auf Mahlstätten zu verlegen.

Spuren der alten gemeinsamen Mahlzeit findet man häufig.

In der Nähe von Olmütz wanderten am Gründonnerstag Hunderte von Armen auf einen Berg, wo Gaben unter sie verteilt wurden. Diese Sitte iist ein Rest der Entschädigung der Armen. DaS gemeitisame Verspeisen der eingesammelten Gaben durch die Bur­schen im Wirtshause ist ein Rudiment der alten Mahlzeit im Haine, ebenso die Speisenwcihe am Ostersonntage, die in katholischen Ländern vielfach herrschte. Kuchen, Fleisch, Eier, Salz Brot und andere Eßwaren wurden in der Kirche niedergestellt, um von den Priestern geweiht zu werden. Dann trug ntian sie nach Hause, und nun erhielt jedes Familienglied einen Teil dieser geweihten Speiseil. «So verschwand das Mahl aus der Kirche und damit auch seine Genieinsamkeit. Dennwie Augustinus in der Dar­bringung von Speisen zum gemeinsamen Genüsse in der Kirche nur noch eine Zerenwnie gesehen wissen wollte, welche deil Segen der Kirche auf die Speisen ziehen solle, so müssen wir auch umgekehrt in Idrr auf solche Weise ausgeführten Speisenweihe das Rudiment der älteren Darbringung erkennen."

Nur ein ganz kleines Restchen von diesem «alten Mahle, das auch christliche Gemeinden, wie wir wissen, noch in Kirchen und auf Kirchhöfen einst gefeiert hatten, war auch jetzt noch dem Ostertage in der Kirche haften geblieben die lebhafte und lustige Unterhaltung, derrisus paschalis". Es war nämlich int Mittelalter sam Osterfeste Sitte, das Volk in der Kirche durch Possen und Schwänke zu ergötzen, und der Prediger suchte von der Kanzel herab sein Bestes dazu beantragen, indem er statt der ernsten Predigt die krausesten Ostermärlein zum Besten gab.

Bon jeher waren am Osterfeste Spiele der verschiedensten Art üblich. Am gebräuchlichsten waren und sind heute noch die Eier­spiele. Früher war es audj Sitte, die Leidensgeschichte in der. Osterzeit dramatisch darzustelleu. Manche dieserOster spiele", die zuerst in lateinischer Sprache geschrieben wurden, sind uns erhalten geblieben, doch sind die Aufführungen derselben gegen­wärtig fast überall verschwunden.

Die Beweise, daß in der Osterzeit die Geister unter den Menschen sind, nm mit ihnen zu feiern und durch sie erfreut zu werden, sind in vielen Borstellungsrudimenten erhalten. Man darf jn der Osterwoche nicht Wäsche waschen, nicht Gewaschenes ins Freie hängen, nicht Dünger fahren, man darf nicht weben, schmieden oder zimmern; nur der Gründonnerstag durchbricht mit seinem Pskanzensegen die Arbeitsverbote. All der mannig­fache Zauber- und Wahrsagespuk der Osterzeit und insbesondere der Osternächte beruht wieder nur auf dieser Vorstellung. Das Osterwasser und seine'besondere Art und Kraft gehört in diesen Kreis. Auch das tiefe Schweigen, das man in der Osternacht, sobald man außer dem Hause ist, beobachten muß, scheint sich auf die alles erfüllenden Geister zu beziehen.

Gar mannigfach sind die Vorkehrungen, die man zur Ver­treibung der Geister trifft. Am verbreitetsten sind, die Oster­feuer. Man entzündet sie meist auf Bergen und Hügeln, und die Knaben sammeltt dafür ganz wie zu Johanni die alten Besen int Dorfe, denn in solchen stecken gerne Hexen. So toeit der Rauch dieses Feuers zieht, ist das Feld vor Schaden sicher.. Die Kohlen desselben gelten als Schutzmittel gegen das Ein­schlagen des. Blitzes, gegen Hagel und Viehschäden.

Spuren des zur Vertreibung der bösen Geister unternom­menen feierlichen Jagens finden wir in dem oben erwähnten- Jagen der Eichhörnchen. Auch das Osterschießen, das Durch­fegen des ganzen Hauses in der Stillen Woche und dasRatschen" der böhmischen Schuljugend an den drei letzten Tagen der Karwoche erinnern an die Vertreibung der Geister, die in der Osterzeit ihr Wesen treiben. Mit dem Karsamstag kehren die- Glocken, deren Läuten nach altem Volksglauben gleichfalls die bosen Geister verscheucht, wieder von ihrer Romfahrt zurück/, und zum Gloria ertönen sie wieder, denn die Glockentrauer ist beendet, und das Osterfest naht, das die ganze Welt mit Freuds erfüllt:

Nach allem, was dich schwer getroffen, §icht mit dem linden Frühlingsweh'n ns müde Herz ein frisches Hoffen

Und ein beglückend Anfersteh'n."

Magisches Dreieck.

(Nachdruck verboten.)

--- In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaaaaacllmrrrry derart

---- einzulragen, daß die einander entsprechenden ivagerechten und senkrechten Reihen gleich­lautend Folgendes bedeuten:

1, Weiblichen Vornamen.

2. Alkes Musikinstrument.

3. Teil des Menschen.

4. Aegyptische Gottheit.

5. Einen Buchstaben.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Nadel, Tadel, Adel, Leda.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- «nd Eteindruckerei, R» Lange, Gieße»