Ausgabe 
28.12.1907
 
Einzelbild herunterladen

768

* DerChampion - Geizhals". Aus Newyork wird uns berichtet: Benjamin Radleigh ist gestvrbeit, AmerikasChampion-Geizhals"; am Montag hat der Tod den neunzigjährigen Hagestolz in der Nähe Bostons von der Kostspieligkeit des Daseins erlöst. Sein hinterlassenes Vermögen wird auf mehr als sechs Millionen geschätzt; nicht die Not und Sparsamkeit waren es, die Benjamin Radleigh antrieben, die Muße seiner alten Tage mit dein Sammeln von Knöpfen, Schuhbändern, Aeiderresten,Schnür­stücken und alten Trambahnbilletts nutzbringend auszu- füllen. In den neunzig Jahren soll er nur euren Tag nichts getan haben und er selbst hat sich diesen Leichtsinn nie verziehen. Mit Stolz erzählte er, daß er nie in seinem Leben ein Thetearbillet gekauft oder einen Schnaps selbst bezahlt habe, aber Einladungen war er stets zugänglich. Für die Eisenbahn hat er int ganzen nicht einen Dollar ausgegeben, und seine Halsbinde, die er natürlich nur bei besonderen Anlässen anlegte, hatte ein Alter üon einigen Jahren. Radleigh ist durch seinen Geiz buchstäblich be- rühmt getoorden. Aufsätze über ihn wurden geschrieben und viele Leute besuchten seine kleine Heimatsstadt, um der«, wunderlichen Kauz und seine Heimat zu sehen. Er hat den Barbier abgefchafft, um die Kosten zu sparen, und ein sechsfacher Millionär sich das Rauchen abge­wöhnt, weil er früher wöchentlich vierzig Pfennig für Tabak ausgab. Einmal ging das Gerücht, Radleigh habe einige Dollar für eine wohltätige Stiftung gespendet; aber Rad­leigh hielt streng auf seinen Ruf und trat solch infamer Verleumdung sofort energisch entgegen.

D e r O ch s e m i t d e m H o l z s u ß. Ans Chicago tvivb be­richtet: Vor einigen Wochen hatte ein Farmer einen Transport Ochsen gekanfl, den er mtf den Wiesen seiner Farm fettsnttcrn wollte. Ani dem Transport brach sich das schönste Tier ein Bein und sollte geschlachtet werden. Der findige Farmer machte jedoch einen letzten Versuch. Er riet den Tierarzt der nächsten Stadt herbei und wußte diesen dazu zu bewegen, das verletzte Bein des Ochsen zu amputieren, und ihm dasüc ein hölzernes Bein anznsetzen. Nach vielem lieber­legen entschloß sich der Tierarzt zu dieser Operation. Durch starke Decken in der Schwebe gehalten, wurde das Tier operiert, und erst nach einigen Wochen setzte man das Holzbein an. Anfänglich hinkte der Ochse jämmerlich, aber bald gewöhnte er sich an das neue Glied und läuft jetzt munter unter seinen Gewährten umher, von denen er der fetteste zu werden verspricht.

Tabaksterrer-Hhnrue.

Die Zigarrenbanderolensteucr

Macht das edle Kraut dem Raucher teuer.

Und Zigarrensteuerbanderolenlisten,

Die im Deutschen Reiche wir bisher vermißten, Bon Zigarrenbanderolensteuerlistenführern Werden sie fortan verwaltet, richt'gen Tabakspürcrn; Aber auch Zigarrenbandcrolenlistenstihrcrstcllvertreter Werden in die Mühe dieses Amts sich teilen früher [ober später.

Und wenn es nun wirklich gescheh» soll, Ohne Steuer es künftig nicht gehn sott, Nehmt Abstand vom Kistenbekteben, Denn die Banderole zu geben

Den Kisten, erregt nur Verdruß.

Gebt jeder Zigarre die Binde, Und selbst bei Vierradnern empfinde Der Raucher dann höchsten Genuß.

(Gottlieb imTag".)

Literatur

Die Alpen. Von Privatdozent Dr. F. Machacek. Mit zahlreichen Profilen und typischen Landschastsbildern. 8°. ICO Seiten. (Wissenschaft und Bildung, Bd. 29.) In Original­leinenband Mk. 1.25. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. Das Büchlein wendet sich an alle, die sich über die Natur- und Kulturverhältnisse unserer Alpenwelt unterrichten wollen, insbesondere aber an die immer wachsende Schar unserer Alpen- freunde. Nach einer Einleitung über die Grenzen und Gliederung der Alpen, sowie ihre Beziehungen zu den Nachbargebieten, er­klärt der Verfasser den inneren Bau und die geologische Ent­wickelungsgeschichte des Gebirges wie die Entstehung der heutigen Oberflächenformen. Die Darlegung der physikalischen Verhält­nisse des Wassers in den verschiedensten Formen seines Auf­tretens (als Fluß, See, Gletscher) leitet hinüber zu der Be­sprechung der klimatischen Verhältnisse der Hochregion, woran

sich die Schilderung der durch die natürliche» Bedingungen be­einflußten Lebensverhältnisse der Pflanzen- und,Tierwelt an­schließt Das Schlußkapitel geht von der praht,torischen Be­siedelung des Gebirges aus, schildert den Gang der späteren Kolonisation, die gegenwärtige Rationalitätenverteilung, die Siedlungsformen und Erlverbsverhältnisse der Bevölkerung. Mit einem Ausblick auf die durch die modernen Verkehrsmittel be­einflußten Zustände schließt das kleine Werk.

Ueber Gesundheitspflege in Haus und Schule unterrichtet Dr. Lewinski in einem Aufsatze, der in dem Hefte 2 der ZeitschriftZur Guten Stunde" (Deutsches Verlags­haus Bong & Co. in Berlin W. 57 Preis des Vierzehm- tagshcftes 40 Pf.) zur Veröffentlichung gelangt, während ent guter Kenner der Verhältnisse über das, wasHinter den Kulissen des Theaters" in technischer Hinsicht vor sich geht, plaudert, und uns Oberingenieur Siewert überDie Ver­wendung der drahtlosen Telegraphie im Kriege" in einem illu­strierten' Artikel belehrt. Der Humor kommt in den Erzählungen Die Fliegentüte" von Gertrud von Hoxar,Sein Weg zur Bühne" von Alwin Römer, sowie in der Ansichtspostkartennovelle Eine Auto-Rhein-Hochzeitsreise" von Heinrich Vollrat Schu­macher zum vollen Recht.

Der Fesselballon int Kriege unter diesem Titel veröffentlicht Dr. Alfred Gradenwitz in dem 5. Heft von Zur Guten Stunde"' eilten mit reichem Bilderschmuck ausge­statteten Aufsatz, der jetzt in der Aera des lenkbaren Luftschiffs, doppelt an Bedeutung gewinnt.

Goldene Worte.

Aller Kräfte ernstes Wollen, Kein Ermatten, kein Verdrießen l Freudig fchnsfeii aus dem Volten, 91u8 dem Vollen auch genießen 1 I. Wolff.

f

Fürchte dich nicht vor der Verwirrung außer dir, aber vor der Verwirrung i n dir. * Schiller.

Ein erleuchteter Verstand veredelt auch die Gesinnungen.

Schiller.

Ein edles Verlangen muß in uns eulglühen, zu dem reichen Vermächtnis von Wahrheit, Sittlichkeit und Freiheit, das wir von der Vorwelt überkamen und reich vermehrt an die Folgewelt wieder abqeben müssen, auch aus unseren Mitteln einen Beitrag ztt legen und an dieser unvergänglichen Kette, die durch alle Menschen- geichlecl-ter sich windet, unser fliehendes Daseut zu befestigen.

Schiller.

Unser Ueujührs-Ureisrütsel

scheint den meisten Rätselfreunden unlöslich zu sein. Was alles uns bisher an vermeintlichen Lösungen zuging, ist unzutreffend. Ter Verfasser des Rätsels, der in Wiesbaden lebende ausgezeichnete RheinlieLerdichter Prost Aug. Ammann, dachte sich als Lösung Sountngmorgcugiockeu". Es ist ober zuzugeben, daß der Bahn­arbeiter Ludw. Schmidt H. in Steinberg mitFeierabeudglocken" auch daS Rechte traf. Andere rietenGlaube, Liebe, .Hoffnung", wieher andereKirchengesangchöre",Weihnacht, Ostern, Pfingsten", Jesus Menschwerden, Geist, Tilgend, Schöpfer" re. Alan sieht, es war ein Tappen im Dunkeln, lind mußte es sein. Denn ein­mal hatte der Druckfehlerteuiel üblen llnfug getrieben. In der dritten Strophe muß es heißenSchauer" stattSchauen" und am Schluß natürlichkünden" stattknüden". Aber trotzdem müssen wir nachträglich zugeben, daß die ganze Fassung doch nicht fehr glücklich ist. Wir haben uns daher entschtoffen, an Stelle dieses Preisrätsels ein anderes zu setzen, das folgende:

Es war einst ein Jüngling so krank und so matt;

Ihn bannte schon lang' an die Lagerstatt Des Arztes Gebot, dem er willig sich fügt, Er weiß, daß seinErstes" am Herzen ihm liegt. Nun ward es dem Jüngling nach Wochen und Tagen So wie meine ersten zwei Silben besagen.

Und endlich, oh Glück! nach unsäglichen Leiden Erlaubt ihm der Doktor die letzteren Beiden. Famos!" rüst der Arzt,also gar keine Schmerzen? Ta wünsch ich auch ferner das Ganze von Herzen!" Und was unser Doktor wünscht dem Patienten, Ta wünschen wir sämtlichen Abonnenten.

Dieses Rätsel wird wohl den Lösungsuchern geringere Qualen bereiten.

Lösungen werden an dieRedaktion der Gießener Familien- blätter" (das ist die Adresse mit der Hinzufügung auf dem Brief­umschlag: P r e i s r ä t! e l l ö s u n g) bis zum 12. Januar 1903 entgegengenommen. Als Preise sind nach tote vor 12 wertvolle Bücher vorgesehen, sowie ein gerahmtes Gemälde.

Redaktion: V. Witiko. Rotationsdruck und Berlaa der Brübt'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.