Ausgabe 
28.10.1907
 
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Woniag derr 28. Oktober

1967 Mr. 160

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Auf der cigsnsu Spur.

Kriminalroman von Otto Ho ecker- (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der Maler hörte nicht wieder auf ihn. Er deutete auf einen in den Zeitungsspalten wiedergegebenen Männerkopf.Ist cs die Möglichkeit . . . entspricht das Bild hier der Person des Getöteten?"

Der Rat nahm die Zeitung zur Hand; ein Blick belehrte ihn, das; es sich unt eine Aufnahme des Ermordeten- handelte. Allerdings", versetzte er, fest den Blick auf den erregten, mächtig arbeitenden Zügen seines Besuchers gerichtet,dieser Mann hiess zu Lebzeiten John Baker und war ein gefürchteter internationaler Einbrecher."

So steht's in der Zeitung!" unterbrach ihn Witte un­geduldig, sich mit dem Taschentuch den Hellen Schweiß von der Stirn wischend.Ich weiß es indessen besser. Das in der Zeitung wicdcrgcgebene Bild entspricht einem Bekannten von mir, einem früheren Zimmervermieter . . . sein Name lautet August Schuh­macher er nannte sich Schauspieler, mit welcher Berechtigung kann ich nicht sagen. Seine Wohnung befand- sich in der Thoma- fiusstraße 45 b."

Jetzt erst schien er die Gegenwart Waldens wahrzunehmen. In seiner Erregung hatte er offenbar auf die zwischen ihnen herrschenden gespannten Beziehungen vergessen, denn er trat rasch auf ihn zu.Sie kennen Schuhmacher ebenfalls und sicherlich Noch besser als ich. Nun denken Sie nur. In meiner ersten Erregung fuhr ich nach der Thomajiusstraße. Ich fand die Wohnung verschlossen. Als mein wiederholtes Klingeln endlich von einer Nachbarin gehört wurde, verständigte sie mich davon, das; die Familie, vermutlich nach auswärts, weggezogen sei . . . nun begreife ich auch, warum- ich heute früh meinen Koffer, der noch in meiner alten Wbhnung stand, durch die Paketfahrt zugestellt erhalten habe."

Schuhmacher ist mit seiner Familie ausgewandert", er­widerte Walden in seiner gewohnten Ruhe.Ich selbst habe ihn vorgestern nachmittag zum Lehrter Bahnhof gebracht."

Aber das ist doch unmöglich!" rief Witte in steigender Erregung.Da sehen Sie sich doch nur das Bild an ... Zug um- Zug ist's Gustav- Schuhmacher. Es kann kein anderer fein. Der Mann ist mit dem Ermordeten identisch!"

Sic irren sich, Herr Witte!" meinte der Detektiv, der in­zwischen sich die Zeitung von seinem Vorgesetzten hatte geben lassen und nun den Männerkopf darin flüchtig betrachtete.Eine oberflächliche Aehnlichkeit führt Sie zu dieser Annahme. Schuh­macher schwimmt heute schon auf dem Ozean. Er denkt gar nicht daran, ermordet worden zu sein."

Da ist gar keine Täuschung möglich!" ereiferte sich der durch den Widerspruch Erregte.Es müßte um mich als Maler schlecht bestellt sein, hätte ich nicht ein besseres Gedächtnis für menschliche Physiognomien . . . zudem sehen Sie doch hier die Narbe."

, Zufall, nichts weiter!" meinte Walden gelassen, indem er sich achselzuckend abwendete.

Der Rat war an Witte herangetveten.Was stellen Sie denn da für merkwürdige Behauptungen auf? Sie wollen diesen Mann wirklich gekannt haben?" Ein Gedanke schoß ihm durch den Kopf.Wie hieß er gleich? Gustav Schuhmacher?" fragte er, den Vornamen besonders betonend.

Gustav Schuhmacher", wiederholte der Maler.Ich muß, wie ich zu meinem Bedauern festzustellen gezwungen bin, den Verlebten als ziemlich arbeitsscheues Subjekt bezeichnen, der seiner armen Frau zur Last lag."

Ich erinnere mich, Sie sprachen gestern abend in meiner Wohnung davon", äußerte der Rat. Mit einem forschenden Blicke wendete er sich an Walden.Irre ich mich nicht, so sprach der vorhin vernommene Kutscher von einem Gustav": er ließ sich das Protokoll reichen und sah es durchrichtig, da steht s . . . Gustav und August nannten sich der Trunkene und dessen Begleiter . . . das ist ja eine ganz merkwürdige Ueber- cinstimmung mit Vornamen." Wieder sah er den Detektiv for« schend an, ohne daß dieser anscheinend davon Notiz nahm.

Der Rat ging plötzlich nach der Tür und schaute in den Wartcraum.Ah, da sind Sie ja, Nokohl", rief er hinaus. Kommen Sie nur herein, ich habe einen Auftrag für Sie." Die stramm aufgerichtete Gestalt des Schutzmannes pflanzte sich gleich darauf neben der Tür auf.

Inzwischen hatte sich der Rat wieder nach Witte zurück- gewcndet.Erzählten Sie nicht gestern meiner Tochter von einem neuen Frackanzug, den Sie sich bei Bonjour in Paris bauen ließen und welchen Sie plötzlich vermissen, wodurch Sie in große Verlegenheit gerieten?"

Allerding, Herr Rat, cs war mein ganzer Stolz. Halb und halb hatte ich Schuhmacher im Verdacht, doch da er sich Noch nie unehrlich gezeigt hatte, so"

stellten Sie ihn nicht zur Rede", ergänzte Hansemann, dessen raschem Seitenblick cs nicht entgangen war, wie Rokohl beim Ertönen des klangvollen Wittcschen Organs wie ein Witte­rung bekommender Jagdhund anfjchnupperte, vortreten und reden wollte.

Entschuldigen der Herr Rat, aber"

Schon gut, Rokohl", unterbrach ihn sein Vorgesetzter rasch. Lassen Sie sich das Kleidcrbüntcl im Bakerschen Falle geben und bringen Sie es unverzüglich hierher."

Er wartete, bis sich die Tür hinter dem- Schutzmann g« schlossen; dann schien er seinen Auftrag ergänzen zu wollen. Warten Sie, Rokohl, noch eins". Damit huschte er auch selbst schon durch die Tür, schloß sie hinter sich und winkte den noch im Vorraum befindlichen Schutzmann zurück. Er zog ihn mit sich nach einer Fensternische.

Kam Ihnen der Herr, der eben drinnen gesprochen, be« kannt vor", erkundigte er sich leise.

Er ist-der Begleiter ... ich habe ihn sofort an der Stimme wiedererkannt."

Dachte ich m-ir's doch . . . und gestern meinten Sie, De«