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gelt. Als die Königin Isabella das erfuhr, schickte sie ihm um 1862 herum mehrere Kisten Zigarren, die die „flor" der „flor fina", also das Feinste vom Feinsten, waren. Man schätzte diese Zigarren auf 20 Mark per Stuck! Sie kamen leider an, als Pius IX. nicht mehr rauchte. Sein Arzt hatte ihm das Rauchen verboten. In dieser traurigen Lage verschenkte der Papst die kostbaren Zigarren an den Gencralstab seiner Armee, und ich bekam indirekt auch zwei. Ich habe also einmal' zwei Zigarren zu 20 Mark geraucht! Und ich muß vor aller Welt bekennen', — daß sie miserabel waren..."
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* Toilettenluxus im Theater. In unserem neuen schönen Stadttheater geben sich die Theaterbesucher erfreulicherweise Mühe, durch eine festliche Kleidung das Gesamtbild des Theaterraumes noch verschönernd zu gestalten. So hat man sich auch in dieser Hinsicht den guten Gewohnheiten der deutschen Großstädte wie namentlich des Auslandes ein wenig genähert. Daß aber übertriebener Toilettenluxus im Theater Nachteile für das Gedeihen der Theater mit sich führen kann, geht aus einem Aufsatze des englischen Theaterkritikers William Archer hervor. Archer weist darin auf den eigenartigen Einfluß hin, den die englischen Kleidersitten auf die Entwicklung des Theaters haben oder vielmehr er führt den Nachweich daß sie der höheren Entwicklung der englischeu Bühne geradezu int Wege stehen. Dies ist nach zwei Richtungen hin der Fall. Erstens handelt es sich um das Publikum. Gewiß verleiht die Sitte, daß man nur in voller Abendtoilette, die Damen dekolletiert, die Herren in Smoking oder im Frack, ein besseres Theater besttchen kann, dem Hause einen festlichen Anstrich. Aber diese Weihe wird teuer erkauft. Tausende vermögen es nicht, bei den Entfernungen der Großstadt und der knappen Zeit, die meistens zu Gebote steht, sich diesem Toilettenwechsel zu unterziehen. Wollen sie nach ihrer Arbeit ohne den oft sehr zeitraubenden Weg nach ihrer Wohnstätte zurückzulegen, einen künstlerischen Genuß oder eine Zerstreuung haben, so ist ihnen das Theater versagt. Tie Etikette ertötet die Anteilnahme weiter Kreise am Theaterleben. Noch einschneidender aber ist vielleicht der Toilettenluxus auf der Bühne. Archer findet, daß er die dramatische Produktion unterbindet und einseitig macht. Tie dramatischen Autoren .Englands lassen ihre Szenen immer nur in feinen Salons spielen, wo Männer und Frauen tadellose Kleidung zur Schau bringen können. Höchstens ein Gartenfest wird noch 'eingeflochten, weil dies wieder gestattet, dem Geschmacke des Publikums entsprechend, Luxus auf die Bühne zu bringen. Ertötend langweilig findet der genannte Kritiker diese endlosen Vorführungen von „Millionärs milieu", das bestenfalls zwischen dem Westen Londons, Paris oder Monte Carlo wechselt.
* Ein nachahmenswertes Beispiel in der Betätigung des Heimatsinns bietet die Stadt Göttingen. Sie läßt jetzt die alten bezeichnenden Flurnamen, die durch die Verkoppelung verwischt worden und in der lebenden Generation schon saft ausgestorben sind, wieder auflcben, indem sie an den geeignetsten Stellen ihrer weit ausgedehnten Anlagen, in Forst und Feldmark einfache, in die Landschaft passende Steine, die in einsacher Blockschrift den alten Flurnamen tragen, einsetzen läßt. So beginnen jene Wald-, Anlagen- und Flurstücke als „Poppenbarg", „Silberhagen", „Silberkuhle", „Lichtes Meer", „Ziegenberg" u. a. wieder lebendig zu werden. Anklänge hieran finden sich auch in Mecklenburg. So ist z. B. die Stätte der alten „Burg Werle" und die in ihrer Bedeutung immer noch nicht aufgeklärte, vermutlich mittelalterliche Befestigung „Königshorst" bei Güstrow durch einen Stein mit Namen gekennzeichnet, und es mögen derartiger Fälle wohl noch mehr geben. Immerhin sind sie nur vereinzelt. Eine schöne Förderung unserer Bestrebungen würde es sein, wenn diese Beispiele Nachahmung fänden. Ganz besonders aber möchten wir die Forst Verwaltungen darauf aufmerksam machen. Durch die Bezeichnung der Jagen nach Nummern drohen die charakteristischen Forstortsnamen mehr und mehr zu verschwinden, die oft für das ehemalige Landschaftsbild, für Fauna und Flora, für Sagen und geschichtliche Erinnerungen so wichtig sind. „In meiner Jugendzeit suchte man," schreibt der Rektor Tecklenburg in Göttingen a. a. O., „im Solling das Holz noch „int Bärenhohl", „in der Wolfsgrube", „int Hülsebruch", „in der Vogtei" usw., heute wird es im Distrikt 84 oder 256 oder in einem Distrikt mit irgend einer anderen nichtssagenden Zahl angewiesen." Sorgen wir dafür, daß es nicht so weiter gehen werde. Zwar wissen die Forsteinrichtungskarten letzt noch eine reiche Fülle von Forstortsnamen aufzuweisen, aber in der Praxis beginnt ihr Gebrauch zu schwinden; sind sie
Redaktion: P. W i t t k o. —
aber erst aus der Uebung des täglichen Lebens gewichen, so liegt die Gefahr sehr itahe, daß sie auch bald aus den Karten weggelassen werden. Neuere Feldmarkskarten sind uns schon mehrfach zu Gesicht gekommen, auf denen jeder Flurname fehlt.
* Ein Fra u en st aat. Die Newyorker Volkszeitung erzählt von Norway, einem kleinen Orte im Staate Maine: Tort liegt Handel und Gewerbe fast ausschließlich in den Händen der Frauen. Wer in Norway Kleider braucht, der geht in das große Detailgeschüft der Schwestern Prince„ die ihr Geschäft allein gegründet haben und nur Frauen als Angestellte beschäftigen. Seine Schuhe kauft man in' einem Schuhgeschäft, das ebenfalls einer Frau gehört, und der Hut, den man trägt, kommt aus der Hutfabrik von Frau Allen und Fräulein Cooley. Das Fleisch für den täglichen Nahrungsbedarf kauft man bei der Metzgermeisterin Frau Gilbert, die selbst hinter dem Hacktisch steht und das Fleisch schneidet. Sollte aber ihre Ware nicht gut oder zu teuer sein, so versucht man es bei ihrer Konkurrentin, Frau Brookes. Tie Tageszeitung der Ortschaft „The Norway Advertiser" wird von einer Frau herausgegeben, die Bank des Städtchens beschäftigt einen weiblichen Kassierer und eine Frau ist Inhaberin und Leiterin des einzigen photographischen Ateliers. Wenn man krank ist, so schickt man nach der Aerztin Tr. Annette Bennet, die obendrein Gesundheitskommissärin des Städtchens ist. Wenn man fromm ist, so kann man Sonntags in der Kirche einer Gemeinde, die sich „Universalist Church" nennt, einen weiblichen Pfarrer predigen hören. Wenn man sich trauen lassen will, so geht man zur Friedensrichterin Fräuleiw Margaret Baker; und wenn man endlich sich begraben lassen will, so wird auch dieser letzte Dienst von einem weiblichen Leichenbesorger versehen. Es ist anzunehmen, dast die Frauen indirekt auch ihren Einfluß auf die Verwaltung des Gemeinwesens geltend zu machen verstehen, aber sie müssen sich dazu der Männer als Mittel bedienen. Offiziell haben sie nichts zu sagen, obgleich sie die Stützen des Gemeinwesens sind und auch die große Majorität bilden. Der Staat Maine erkennt wie andere Staaten die politische Gleichberechtigung der Frauen nicht an.
* Sie hatten sich durch die Zeitung kennen gelernt, auf der kurzen Hochzeitsreise aber gleich lieb gewonnen. Ihm war übrigens alles recht — nur nicht das Essen in den Gasthöfen. Als sie in ihrem Heim landeten, war sein erster Wunsch, ein von den Händen seiner Frau bereitetes Mittagsmahl zu genießen. Und das Mahl kam — aber es war kein Genuß! Er konnte das auch nicht überwinden und machte mit nm- wölkter Stirn die Bemerkung: „Ja, liebes Weibchen, in der Annonce, die uns zusammengeführt, las ich "doch, du hättest die Kochschule absolviert!" Zitternd und bangend erwidert die junge Frau: „Tas war ein Druckfehler. Ich habe die Hochschule absolviert!"
* Böse Kur! Tie „Straßb. Post" erzählt folgendes Gc- schichtchen: Zu einem Imker kommt eine Bauersfrau und erzählt, sie habe vernommen, daß er durch seine Bienen die Gicht aus dem Körper vertreiben könne. Der Imker, kein Freund vom vielen Reden und Fragen, geht zu seinem Bienenstände, fängt einige Bienen ein und setzt sie der Frau ohne weiteres in den Nacken, indem er dafür sorgt, daß sie kräftig stechen. Ta wendet sich die Frau wütend herum und versetzt dem hilfreichen Manne zwei schallende Ohrfeigen. „Du dummer Schmder- hannes," schreit sie giftig, „ich hob jo gar ken Gicht, die Helt jo min Mann!" Damit verließ sie schimpfend und stöhnend vor Schmerzen den verblüfft dastehenden Heilkünstler.
Bilderrätsel.
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Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung deZ Scherzrätsels in voriger Nummer: Jsaura (*/, Ei — i; 74 „saure Gurke",= sau; ein Stück „Radieschen" = ra).
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Rotationsdruck und B erlag der B rü h l 'schen Universitäts-Buch- rmL Stemdruckerei. R. Lange, Gr'eßen^


