erste Neubau. Seit Ende der 80er Jahre folgten die meisten anderen. Am 28. Juli 1890 wurden die medizinische und die Frauenklinik, sowie das pathologische Institut geweiht, die psychiatrische Klinik ist schon erwähnt, am 21. November 1896 folgte das hygienische Institut, das bei seiner Begrün­dung am 1. Oktober 1888 im alten chemischen Laboratorium eine Zuflucht gefunden hatte, 1899 zog das pharmakologische Institut in das ehemalige Schwesternhaus um. Und in we­nigen Tagen wird der Umzug der chirurgischen und Augen­klinik in ihre neuen 1904 im Bau begonnenen Räume statt- sinden. Am 15. Juni 1907 ist auch ein mediko-mechanisches Institut in Betrieb genommen worden.

Am 24. Juni 1885 wurde eine Poliklinik für Ohren­kranke eröffnet, 1891 eine staatliche Ohrenklinik, mit der 1901 eine solche für Hals- und Nasenkrankheiten verbunden wurde. Seit Oktober 1892 befindet sich dieselbe im Neben­gebäude der alten Klinik. Seit dem 1. April 1906 besitzt die Universität auch eine Poliklinik für Haut- und Geschlechts­krankheiten. Dagegen fehlt es noch an einer zahnärztlichen Klinik, obwohl schon 1801 zahnärztliche Prüfungen abge­halten wurden.

Näher darauf einzugehen, wie sich allmählich der Kreis der Vorlesungen und Uebungen erweitert hat, verbietet der Raum. Nur kurz sei angeführt, tu mut einige Themata zuerst auftreten: Ohrenheilkunde 1828, Kuhpockenimpfung 183839 (die allerdings schon 1773 in Gießen eingeführt wurde), Perkussion und Auskultation 183839, Hautkrankheiten 185758, Elektrotherapie 1877. Zu bedauern ist, daß ein 1836 von Nebel gelesenes Kvlleg über die medizinischen Systeme von Hippokrates bis Hahnemann keine Nachahmung gefunden hat.

Im November 1815 mußte der Besuch medizinischer Vorlesungen durch Rasiergesellcn und Apothekergehilfen ver­boten werden, wobei der Rektor sogar mit militärischer Ge­walt drohte. Erwähnt sei endlich noch, daß seit Frühjahr 1879 Kurse für Militärärzte, seit 1901 Ferienkurse für Aerzte abgehalten werden, und daß feit November 1822 die Fakultät für eine Reihe von Jahren zugleich das Medizinalkolleg für Oberhessen war.

Tie an die Fakultät angegliedertc veterinärmedizinische Fakultät verdankt ihren Ursprung eigentlich der ökonomischen Fakultät, die 177785 bestand, in deren Plan die Tierheil­kunde einbegriffen war und wo sie 1778 zum ersten Male gelehrt wurde. Darauf stand das Fach zum Teil nur in loser Verbindung mit der Universität, 1826 wurde das Tierarznei­institut in die alte Gendarmeriekaserne gelegt, und seit 1828 wird das Fach ununterbrochen gelesen. 1829 wird die An­stalt Staatsinstitut. Seit 1832 wird der Titel eines Tr. med. vet. verliehen, ein Recht, das Gießen bis vor wenig Wochen bekanntlich allein im deutschen Reiche besaß. 1871 siedelte die Anstalt an die Frankfurter Straße über, und 1906 find alle die schönen neuen Institute bezogen, die 190305 für das mächtig aufblühende Fach errichtet worben sind.

Berühmte Namen lassen sich aus den ersten beiden Jahrhunderten nur wenige anführen. Wirklich bedeutend war Gregor Horst (160822), der deutsche Aeskv.lap genannt, und Ferdinand Georg Tanz (179093), der leider zu früh starb. Sonst seien genannt Michael Heiland (166393), Michael Bernhard Valentini (16821729), Johann Melchior Verdries (171435), Christoph Ludwig Nebel (176682), Gerhard Andreas Müller (175162), Johann Wilhelm Bau­mer (176588) und Friedrich August Cartheufer 176679, die beiden letzteren mehr als Naturwissenschaftler bedeutend. Nur dem Namen nach gehört auch hierher Ludwig Junger- mann, der bedeutendste Botaniker seiner Zeit (160925). Dagegen hat die Fakultät das Glück, im 19. Jahrh. eine ganze Reihe der bedeutendsten Vertreter des Faches die ihren nennen zu können: Ernst Ludwig Wilhelm Nebel (1794 bis 1854), der treue Pfleger der Universitätsgeschichte, Georg Wilhelm Balser (180446), ohne den unsere Kliniken nicht zu denken sind, Johann Bernhard Milbrand (180846), der mit Goethe in Beziehungen stand, bef. Naturwissen­schaftler, Ferdinand v. Ritgen (181467), Gynäkolog und Chirurg, F. CH. G. Wernekink (182035), tüchtiger Anatom und Mineralog, Adolf Wernher (183578), bedeutender Chi­rurg, Adolf Bardeleben (184349), später bekanntlich in Berlin, Theodor Ludwig Bischofs (184354), dann in Mün­chen, ein Bahnbrecher auf dem Gebiete der Entwicklungs­geschichte, Konrad Eckhard (18491905), Anatom und bcs. Physiolog, Eugen Seitz (185679), innerer Kliniker, Adolf Kehrer (186381), berühmter Gynäkolog, Heinrich Braun

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(187174), Chirurg, Heinrich Bose (18781900), dvsgl., Ar­thur v. Hippel (187990), Augenarzt, Franz Riegel (1879 bis 1904), Spezialist für Herzkrankheiten, Felix Marchand (1881 bis 1884), Patholog, Max Hofmeier (188788), Gynäkolog, Hermann Löhlein (18881901), desgl., Georg Gaffky (1888 bis 1904), berühmter Hygieniker, jetzt Direktor des Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin, Robert Bonnet (1891 bis 1895), Anatom, Friedrich Moritz (190507), innerer Kliniker.

Neber die Krisis der Zigarre

plauderte unlängst der dieser Tage in Paris verstorbene Schrift­steller Ernest Blum in geistvoller Weise imGaulois":Diö Raucher" so schrieb er , beklagen sich Wer die Havanna­zigarre. Ihr Preis ist gestiegen, während ihre Qualität gesunken! ist, und das, seitdem die Amerikaner Cuba seine Unabhängigkeit gegeben und sich des Zigarren Handels bemächtigt haben. Man beklagt sich nicht nur in Frankreich, sondern überall, und im Auslande, sogar noch mehr als in Frankreich, denn bei nns sind die Kenner selten. Am besten kennt man die guten Zigarren in Spanien, in den Vereinigten Staaten, in Mexiko und in Eng­land. Die Deutschen sind zu sehr an die Hamburger Falsifikate gewöhnt, um sich auszukennen (I?) und die Belgier und die Spanier verkaufen auch lieber Hamburger Zigarren, die ihnen einen höheren Gewinn bringen, als die echten und guten Havanna­zigarren. Trotzdem findet man in Belgien und in der Schweiz etwelche bei einigen Lieferanten, die man kennen und von denen man als Kenner gekannt sein muß. Wo ist 'die schöne Zeit, in welcher die Havannazigarren zollfrei nach San Sebastian kamen und erst jenseits der baskischen Provinzen Zoll zahlten! Man bekam damals in Spanien vortrefflichePures", die heute 1 Mark 20 Pfennig kosten, für 40 Pfennig. ' Aber daN ist schon lange her! Ueber die französische Regie kann man sich nicht beklagen, ob? wohl sie mit ihrem Monopol einen Reingewinn von mehr als 300 Millionen erzielt. Sie ist anständig und kalkuliert ihren Gewinn anständig, ohne jemand zu betrügen. Wenn man die hohen französischen Zölle in Betracht zieht, muß man fugen, daß sie sehr gute Zigarren zu mäßigen Preisen liefert. Sie hat sogar noch ein übriges getan: sie hat in Mexiko Terrains got kauft, die denen der berühmtenVnelta Abajo" bei Havanna gleichkomwen. Sie hat dort Tabakpflanzungen angelegt, die sehr gut gedeihen und kann uns ausgezeichnete Zigarren liefern, ohne sie erst von den kubanischen Fabrikanten kaufen zu müssen.

Ist es nun durchaus notwendig Zigarren zu rauchen? In Frank­reich ist es ein klein wenig aus der Mode gekommen; die Zigarette hat die Zigarre ebenso verdrängt, wie sie die Pseife verdrängt hat. Sie triumphiert auf der ganzen Linie, obwohl die Regie! sie herzlich schlecht macht und sie sehr teuer verkauft. Die Zigarette verhält sich zur Zigarre wie ein gebratener Krammets- vogel zu einem Fasan, wie Jasminduft zu Rosenduft, wie ein Madrigal zu einem Sonett. Sie ist delikat und fein, besonders die russische und die türkische. Sie ist rasch geraucht, ist eine liebenswürdige Phrase, ein geistreiches Wort, das eine sonnige Heiterkeit zurückläßt. In ihrer kleinen blauen Wolke, die man sanft in die Luft bläst, schwebt ein kurzer Traum, eine Caprice, eine Silhouette, ein flüchtiger Gedanke, und die Lippe kräuselt sich zu einem Lächeln. Der Rauch voltigiert, dreht sich schneckeü- förmig hin und her, dehnt sich aus und verflüchtigt sich. Die Zigarre bringt einen dicken Rauch, in welchem der Dust erhalten bleibt; sie giebt ein gewisses Wohlbefinden in der Verdauung/ ein wohliges Empfinden von Ruhe unb. Zufriedenheit, sw tn das Postskriptum eines Diners, das Postskriptum, das manchmal wichtiger ist, als der Brief. Ihr Parfum wirkt auf uns nnxjt viel anders als Opium oder Morphium. Sie deckt das verborgene Feuer, das sie langsam verzehrt, mit sesthaltender Alche zu, und der Raucher geht mit fast fraiienhafter Zartheit zu Werk/ um diese Asche zu erhalten. Er amüsiert und ergötzt sich daran, und wenn die Unterhaltung stockt, findet er einen eigenen Zauber in diesem Schweigen, das ihm den Wohlgeschmack ferner Regaua voll auskosten läßt. Die Zigarette ist unser Sklave emes Augen­blicks; die Zigarre erfordert einen Kultus. Die Zigareste paßt für geschäftige Leute, für Frauen, die sie zu halten und mit Eleganz zu rauchen verstehen. Die Zigarre ift em Gcichaft für sich allein; sie erfordert Ruhe und eilt vollständiges Erfassen ihres Wertes .... Man hat über die Zigarreitfabrikatwn rnl Havanna viel Legenden erzählt und allerlei zusammengefabelt. Zunächst muß man wissen, daß es in Havanna nie Zigarren derVnelta Abajo" für weniger als 40. Psg. per stuck gegeben hat. Alles, was im Auslande unter diesem Preise oder selbst zu diesem Preise verkauft wurde, war einfach eine Mischung von Kohlblättern mit einem Havanna-Deckblatt. Das Einsammeln der Blätter geschieht mit äußerster Sorgfalt. Wenn ße getrocknet sind, werden sie sortiert; die unteren Blatter der Pflanze sind die arößten und die am wenigsten guten. Was man dietlor nennt, kommt von den mittleren Blättern, und dieflor.sine besteht aus den ganz kleinen, überaus zarten und duftigen Blättern der obern Pflanze. Von diesen werden dann noch die aller­besten für Qualitätsraucher ausgesucht. Pius IX. rauchte Zi­garren. Wer hatte das geahnt! Er rauchte nach xeder Mahl-,