Nr. 144

Samstag den 28. Skplemöer

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Auf bet cigenen Spur.

Kriminalroman von Otto H o c ck e r- (Nachdruck verboten.)

j ' (Fortsetzung.)

Könnte man ihnen nicht ein Betäubungsmittel beigebracht haben?" warf Hansemann ein.

Der Fuhrherr platzte lachend heraus:Lieber Herr Rat, Sie mögen ein sehr scharfsinniger Kriminalist sein, aber Hunde­verstand haben Sie keinen. Ich sagte Ihnen schon, die Biester bekommen ihr Futter nur von mir: sie rühren nichts anderes an, das habe ich hundertfach erprobt und daß ich dem Futter nichts beimische . . . Meine Frau kocht's nach besonderem Re­zept, cs ist eigens so beschaffen, die Hunde wach zu halten." . . . Er lachte wieder dröhnend.Ne, den Zahn lassen Sie sich ziehen!"

Hansemann saß kopfschüttelnd, ein verlorenes Lächeln um die eben verkniffenen Lippen.Das ist in der Tat die kurioseste Geschichte, die mir je vorgekommen ist", bemerkte er mit einem mißglückenden Versuch, den vorigen scherzhaften Ton bcizube- halten.Da aber bei uns in Berlin alles mit natürlichen Dingen zugeht, jo muß jeniand Wagen und Pferd auf gewohntem Wege aus dem Hofe entfernt haben. . . und zwar kann cs sich nur nur jemanden Handeln, den' die Hunde nicht nur kennen, sondern als Herrn respektieren und da Sie es nickt waren. Herr Eilenburg, so--"

muß es wohl cüt anderer gewesen feilt!" ergänzte der Fuhrherr gereizt.

Nur nichts Übelnehmen!" ersuchte Hanfemann mit ab­wehrend erhobener Hand.Bedenken Sie, wir haben es mit einem Kapitalverbrechen zn tun, dessen Urheber schleunigst nuf- gespürt werden muß, soll er uns nicht durch die Lappen gehen. Wie Sie selbst sagten, parrieren die Hunde nur Ihnen und allen­falls auch Ihrem Sohne"

Bitte, von dem Jungen hat nur Meinecke gesprochen," verwahrte sich der Fuhrherr.Ich glaube nicht, daß ihn die Hunde genügend kennen, um ihn nachtsüber in den Hof zu lassen."

Bedenken Sie doch nur, was Sie sagen!" brauste der ärgerlich werdende Rat auf.Nach Ihrer eigenen Auffassung können nur Sie in Betracht kommen, zumal Ihr Sohn nun ja, hm". Räuspernd brach er unter einem Blicke auf die reglos sitzende junge Frau ab.

Marie schüttelte entschieden mit dem Kopse.Nicht doch, Herr Rat, ich fühle mich garnicht angegriffen," meinte sie, ohne seinem Blicke zu begegnen.Was meinen Mann betrifft, in­teressiert mich ungemein,-das können Sie sich doch denken."

Mein Frauchen fühlt sich schon die ganze Zeit her nicht pecht wohl", erklärte Eilenburg, der an sie herangetreten war und sich nun zärtlich über sie beugte, ohne daß sie anscheinend von seiner Annäherung Notiz'nahm.

Der Rat wendete sich wieder Rokohl zu. Also der Kiitschcr wart blond, bartlos, ganz jung?" erkundigte er sich.

Aehnlich sieht mein Sohn auch aus!" schaltete der Fuhri Herr trocken ein.

Seine Frau zuckte zusammen; sie warf ihm einen bösen Blick zu.Aber Richard, nie kannst du so etwas nur aussprechen!'^ rief sie mit zuckender Lippe.

Eilenburg schaute sie verblüfft au.Aber was dem?, Schatz?" fragte er; er begriff ihre Erregung offenbar garnicht. Der Bursche ist doch blond und bartlos."

Seine Frau antwortete nicht; sie sah nur bleich vor sich nieder.

Hansemann blickte nnmcrklich mit dem Kopf dazu schüttelnd auf das Ehepaar.Gestatten Sie mir 'mal eine Feststellung"', äußerte er dann unter der Einwirkung eines schnellen Ent­schlusses. , :i'

Er wendete sich zum Fernsprecher und rief die Nummer des Zentralgefänguisses Blötzensee auf. Gleich darauf meldete auch schon ein Klingelzeich n, daß die Verbindung bewirkt worden war.

Hier Rat Hansemann von d.ir Kriminalzentrale. Ich wünsche zu wissen, in welcher Abteilung der Strafgefangene Max Eilen­burg untergebracht ist." Er gab die nötigen näheren Er­läuterungen und wartete dann geduldig, bis der Apparat wieder meldete.Guten Morgen, Herr Oberinspektor. Ja, ich bins selbst. Stimm;. Der Mann sitzt seit 27. Februar. Er wird unter Nummer C64C geführt? Wird in der Buchbinderei beschäftigt? Er befindet sich doch gegenwärtig in der Anstalt? So, Sie ließen sich ihn erst vor einer Stunde vorführen, weil er sich über das gestrige Essen beschwerte? Was gab's dann? Rumfutsch? Guten Appetit! Nein, danke, ich will nicht mithalten! Der Mann ist blond? Ganz richtig, auch bartlos, freilich, das sind ja alle in der Anstalt. Ob gegen ihn etwas Besonderes vorliegt? Nicht, daß ich wußte. Es handelt sich nur um Feststellung seines gegenwärtigen Aufenthaltes. Er zählt zu den folgsamen Ge­fangenen und führt sich sonst gut? Freut mich zu hören. Nein, sonst wüßte ich nichts. Danke für die Auskunft! Schluß!"

Er klingelte ab und wandte sich an den Fuhrherrn.Ganz wie ich voraussetzte. Ihr Sohn dachte nicht daran, heute nacht eine Droschke aus dem- väterlichen Hof zu holen." Er lachte trocken auf.Da wird uns nichts übrig bleiben, als Ihr ganzes Personal Mann für Mann vorzunehmen. Das könnten Sie besorgen, Nix", beauftragte er den Detektiv.Viel wird da­bei wohl nicht herauskommen."

Es wird auch umständlich sein, denn die wenigsten meiner Leute sind gegenwärtig anwesend. Ist überhaupt eine unan­genehme, peinliche Geschichte" seufzte der Fuhrherr.

So was geht vorüber. Es ist mir leid genug. Ihnen Unruhe ins Haus bringen zu müssen", tröstete der Rat.Die Leute werden ihr Alibi nachweisen müssen. Man wird ihnen auch persönlich auf den Zahn fühlen. Ihr Vertrauen zu ihrem Personal in Ehren, Herr Eilenburg, doch einer von ihnen muß von der Geschichte etwas wissen muß, sage ich . . . und nun wären tvir bis auf Nix, dessen Gegenwart Sie sich noch einige Zeit gefallen lassen müssen, hier tiberflüssig geworden."

- ,Auf Wiedersehen, Frau Marie", wendete er sich an die junge Frau.Lassen Sie sich bald einmal sehen, nicht wahr ;