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>,Ter — Hessemer?" stammelte der Mann-
„Ist wieder da — ja," nickte der Arzt- „’n bißchen schwach freilich — hat zu viel Wasser geschluckt — das schmeckt dem .Singer Schiffer nicht, hahaha!"
Er lachte über seinen Witz.
„Herr Tot—tor!"
„Ja, ja! Und wird in ein paar Tagen wieder gesund sein wie ein Fisch im Wasser. Und Euch hat er das zu verdanken. Drei Menschen in zwei Minuten aus dem Rhein zu fischen — Donnerwetter, das ist ein tüchtiges Stück Arbeit- Das macht Euch nicht so leicht einer nach- Das kann nur so ein Riesenmensch wie Ihr!"
Er schüttelte ihm kräftig die Hand-
„Aber, Worringer, Ihr seht elend aus- Hat Euch denn jemand was zu trinken gebracht, was zu essen?"
Steuermann Worringer schüttelte mit Abscheu den Kopf- Trinken — essen — ihm ekelte-
Ter Arzt sah ihn aufmerksam an- Dann fühlte er ihm den Puls, was jener nur widerwillig litt-
„Worringer, Ihr habt ja Schüttelfrost- Geht nach Hause, legt Euch ins Bett, trinkt heißen Wein, packt Euch in Federdecken ein- — Ja so, Ihr habt ja niemand zu Hause. — Ich lasse Euch hier ein Extrazimmer geben. Kommt nur."
Aber der Manu wehrte sich aus Leibeskräften- — Ins Bett — in die Stille und Einsamkeit einer Stube, wo alles in ihm so recht Zeit hatte, riesengroß zu wachsen, ihn zu erdrücken, zu ersticken- Nein, nein!
„Mei Fraa — mei Kind," stammelte er- —
„Ja so, Ihr möchtet zu ihr- Na, wartet einen Augenblick, ich sehe nach —"
Es dauerte lange, ehe er zurückkam- Und dann war auch Up verlegen-
„Ihr könnt nicht zu ihr jetzt- Sie will niemand sehen. 7— Wißt Ihr, der Schrecken, die Angst-" —
Steuermann Worringer packte des Doktors Arm-
„Sie is krank, sie stirbt-"
„Nein, nein- Beruhigt Euch. Sie ist nur erregt, krankhaft erregt- Und der Bub schlaft fest! Ein Staatskerl. Und jetzt stecke ich Euch ins Bett, ohne Gnade-"
Er wehrte sich nicht länger- Er fühlte sich so schwach auf einmal, so elend, so zerschlagen- — Und die Stube und der Arzt Begannen -fid) im Kreise zu drehen- — Halb wie im Traum fühlte er, daß ihn jemand am Arm packte, führte, zog — dann nichts mehr-
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Aus einem schweren Schlafe fuhr Steuermann Worringer jäh mit einem schrecklichen Angstgefühl in die Höhe- Er hatte einen bösen Traum gehabt- Seine Frau sah er im Rhein treiben, tot, ertrunken mit dem Kind- Verwirrt sah er um sich. Die Abendsonne schien in das kahle Zimmer, auf das Kruzifix mit dem geweihten Palmzweig über dem Weihwasserbecken. — Wo war tr denn nur? Tas war doch Nicht seine Stube, seine —
Jäh kam die Erinnerung, daß er laut aufstöhnte. Im Nebenzimmer regte sichs- Eine Schwester kam leisen Schrittes hinüber: „Sie haben fest und gut geschlafen," sagte sie freundlich- „Und ich kann Ihnen gleich frohe Nachricht geben. Ihre Frau ist viel Wohler, das Kind wird mit Gottes Hilfe morgen wieder ganz munter fein, und der Schiffer ist auch so weit ganz Wohl, nur noch etwas schwach. — Wie fühlen Sie sich denn?"
Steuermann Worringer wollte nur aufstehen. Nur fort, hinaus ins Freie, ans den vier Wänden heraus- Es war ihm, als müsse er ersticken- Aber er mußte warten, bis man seine Kleider geholt hatte, die noch nicht ganz trocken waren- Jede Minute schien ihm wie eine Ewigkeit- Und dazwischen pries die Nonne ihn, sprach von seiner Tapferkeit, seinem Heldenmut-
Tann stand er idräMen vor der Tür in der Abendsonne, die ihn vergebens erwärmen wollte- — Er fror, fror bis ins Mark hinein. Und dann sing ein Martyrium an, grausam, unerbittlich- Von Haus zu Haus In eit man ihn an, wollte ihm die Hände schütteln, beglückwünschen, ihn preisen und loben- Und natürlich ergingen sich alle in Vermutungen, wie das Unglück überhaupt geschehen konnte- So lange man denken konnte, war ja etwas Aehnliches nicht passiert in Bingen, ja im ganzen Rheingau nicht- In einem Nachen, da saß man ja so sicher wie in Abrahams Schoß- Und-wenn auch der Rhein klein war — gerade da, wo es geschah, waren nur Sandbänke, Lanz unschuldige, auf denen man wohl aufrennen konnte, aber uicht leck schlagen- Und was für ein Nachen konnte das denn gewesen sein. — .Wer Hessemers Nachen war doch noch fast
neu- — Ter eine, alte war ja fort zur Reparatur. — Steuermann Worringer litt Folterqualen.
„No, da Nache wird sich ja sinne," meinte einer- „Weit is er net meh getriewe, da is schnell gefnnfe- Bor da Landebrücke muß ä liege -— wem ä geheert, dü werdn schun suche-"
Ein Hin- und Herreden entstand, ein heftiges Für und Gegen- Er mußte alles anhören, konnte nichts dazu sagen. Es fiel den anderen schon auf. — Und so schlecht sah er aus, so elend, mit tiefliegenden, brennenden Augen- Sie schoben es freilich auf das Ereignis, auf die Angst um Frau und Kind-
„Awwer, fe sind jo schun ganz munter- — Nor da Hessemer, dä is noch schlecht uff Schick! Dä Doktor määnt, mer wißt noch net, ob ä ’s dorchmache dhät!"
Und nun sollte er erzählen- — Ganz genau erzählen, wie es gewesen war- Tie anderen hatten alles schon ausführlich erzählt- Aber der Worringer wußte es doch noch besser. —
„Des muß dec ä scheene Schreck gewese sein, wie de gesehe huscht, daß des ’s Greta war! Und des Bubche! Jesses, Marie, Josepp! Net für dausend Gulden mech mer eso eppes erlewe- Und daß du grab huscht komme misse mit’m Zag! — Se wäre elendig zugrunde gange alle drei, wann du net gewese wärscht-"
Er konnte es nicht mehr mit an hören- Unsanft machte er sich los- — Aber es war, als ob alles sich gegen ihn verschworen habe. — Auf dem kurzen Weg nach Haus Begegnete er dem Bürgermeister- Und da half kein Widerstreben. Er mußte wieder erzählen, ausführlich, ganz genau-
„Na, das gibt aber die Rettungsmedaille mit allen Schikanen, Worringer, und öffentliche Belobigung," schmunzelte der Bürgermeister, ihm auf die Schulter klopfend- „Herr Berge- meschter — nä, nur so was net!" Worringer war kreideweiß geworden und fühlte, wie ihm die Knie zitterten- „Nor so was net-"
„Na, Mann, was sicht Euch denn an?" fragte der Bürgermeister befremdet-
„Na, nä, Herr Bergemeschter! Tes wär ferchterlich! Nä, ich — ich bin net for so was! Tes is nix for unseräänen! Nor so was net-"
„Na nu, Worringer! Die Rettungsmedaille ist doch wahrhaftig ein Ehrenzeichen, das man mit Stolz annehmen kann-, — Und es kommt ja auch an einen Ehrenmann!"
(Fortsetzung folgt.)
Wie ich starö.*)
Von Max D e s s o i r.
Kann jemand über seinen eigenen Tod etwas mitteilen? Es gibt Menschen, die davon überzeugt sind, daß sie früher schon einmal auf der Erde gelebt haben; in abnormen Bewußtseinszuständen kommt ihnen anscheinend die Erinnerung wieder, und dann berichten sie manchmal auch von der.Art ihres Todes. Doch steht über jedem Zweifel fest, daß wir es hierbei mit phantastischen Borstellungs- gruppen zu tun haben, die in ganz anderer Weise sich bilden, als durch Zurückblicken aus eine frühere Existenz.
Es kommt ferner vor, daß jemand int letzten Augenblick dem Tode entrissen und zum Leben zurückgeführt wird: er vermag nun wohl von dem Grenzland zu erzählen, das sich schmal zwischen Sein und Nichtsein dahinzieht.
Obwohl ich nie in einer dieser Lagen gewesen bin, so meine ich doch, ich sei mehrfach gestorben und könne darüber etwas sagen. Enttäusche ich den Leser, wenn ich hinzufüge, daß ich an den geträumten Tod denke? Auf den Traum vom Sterben folgt allerdings das Erwachen, und insofern mag der geträumte Tod sich vom wirklichen unterscheiden. Aber was nachträglich geschieht, ändert nichts an Beschaffenheit und Stärke des Erlebnisses selbst. Die Traumerfahrung, an sich betrachtet, deckt sich vielleicht bis ins kleinste mit jener furchtbar wirklichen Erfahrung, die uns allen ein einzigesmal bevorsteht. Wenn wir die Träume mit bett vorher erwähnten Berichten Geretteter vergleichen, so finden wir eine weitgehende Uebereinstim- mutig. Zugleich aber erhalten ivir die tröstliche Gewißheit, daß der Gott des Tod in der Regel seines Amtes;
*) Aus der von Wenter Sontbart, Richard Strauß, Richard Mnther, Georg Brandes, Hugo v. Hoffmannsthal herausgegebenen Wochenschrift „Morgen", Verlag Marqnard & Co., Berlin W 50.


