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Das Üjt zu Ehren gegebene Fest fandauf Hügeln und Bergen, aber auch in dichten Hainen statt. Bei der Rückkehr des sehnlich erwarteten Lenzes loderten die Freudenzeichen überall auf. Von jener Zeit her hat sich diese uralte Sitte noch bis zum heutigen Tage erhalten. Lange, ehe diese Feuer zur öfter feier angezündet werden sollen, ziehen die Kinder und Heranwachsenden jungen Leute von Hails zu Haus, um einen Beitrag zur Beschaffung des Holzes und Reisigs zu erbitten. Was sie nur an brennbarem Material beschaffen können, wird zu einem großen Hausen zusamniengetragen; je mehr desto besser, ein um so helleres Feuer kann von ihrer Freude berichten. In Thüringen, am Harz, in den Oldeilburger niid Bremer Landen wäre Ostern ohne Osterfeuer nicht zu denken. An manchen Orten tanzt das junge Volk um den bremienden Holzstoß herum. In Thüriilgen führt es.einen besonderen Tanz, eine Art Fackelreigen, auf: Dazu haben die Knaben lange Stangen mit Werg umwickelt itnb mit Teer getränkt. Diese gewähren im brennenden Zustande einen ganz prächtigen Anblick. Mit der Asche dieser Osterfeuer bestreuten unsere Vorfahren sehr gern die Felder, um sie, wie sie meinten, dadurch besonders ertragreich zu machen.
Wie dem Volke nun ein Osterfest ohne Osterfeuer fein richtiges Freudenfest bedeuten iuürbe (ganz von seiner tiefen und ernsten Bedeutung als Uuferstehungstag des Herrn abgesehen), so darf es an ihm unter keinen Umständen an Eiern fehlen. Bekaniltlich legt der Osterhase sie und zwar nicht allein die gewöhnlichen, schlichten Eier, sondern auch solche aus Zucker, Schokolade unb Marzipan. Wie selig sinb die Kinder, wenn sie die chuntgefärbten, mit Sprüchen verzierten oder auch mit Zuckerguß geschiriückterl Eier aus ihrem Verstecke herarlsholen! In manchen Gegenden werben am Ostersonntage Spiele veranstaltet, in denen die Eier eilte große Rolle spielen. Es ist erstaunlich, wie viele Eier mancher ohne Schaben essen kann. Mancher ist aber auch schon von dem Uebermaß schwer erkrankt. Als ein törichter Aberglaube ist der Brauch zu bezeichnen, in er Frühe des Ostersonntags, ehe noch die Sonne aufgegangen ist, „Osterwasser" zu holen. Auf dem Wege dahin und zurück darf jedoch kein Wort gesprochen werden, sonst geht die vorzügliche Wirkung verloren. Wer sich nämlich mit diesem, in aller Stille und Heimlichkeit geholten Wasser (wenn es auch nur aus dem Dorfteich ist) wäscht, beseitigt dadurch alle Fehler seines Antlitzes und wird mit jedem Tage schöner. — So der Volksglaube, d r auch behauptet, daß das Osterwasser für eine ganz unge- wöhnlich lange Zeit frisch bleibe.
Goldspitzen.
(Sitte Modeplauderei.
Tie Launen der Mode sind wie die eitler schönen Frau c^utbe dann am reizendsten, wenn sie Unerwartetes, Ueber- raschendes bringen. So kommt von Paris die Kunde, daß die Goldspitze als Aufputz für elegante Abend- und Tinertoiletten wieder in Aufnahme gelangt. Weit über hundert Jahre sind verflossen, seit die Mode des 18. Jahrhunderts die Goldspitze als Kleiderbesatz wieder ab geschafft hat und daß sie bet uns als Verzierung, von Kirchenparamenten, kostbaren Möbeln und Thronhimmeln oder Masken- und Theaierkostümen ein im allgemeinen wenig beachtetes Dasein führte. Und doch hatte die Goldspitze als pomphafte Zwillingsschwester der weniger glänzenden, aber weit gediegeneren echten Leinenspitze während der Zeit von etwa 1350 bis 1750 eine große Rolle gespielt. Indessen datierten ihre ersten, freilich sehr einfachen Anfänge von weit früher. Es dürfte kaum allgemein bekannt sein, daß das älteste Stück Goldspitze, das auf die Nachwelt gekommen ist, aus der durch den Vesuv gleichzeitig mit Pompeji verschütteten Stadt Hereulanum stammt. Es ist geschwärzt und halb vermodert, aber der Metallfaden ist noch deutlich zu erkennen. Nicht viel jünger kann ein anderes Stückchen Goldspitze sein, das bei Warcham in England in einem Hünengrabe gefunden wurde. Aus den nächsten Jahrhunderten sind uns keine Spitzenfunde bekannt; wohl aber ist aus allerlei Verträgen und Edikten des 14. Jahrhunderts zu ersehen, daß die Gold- und Silberspitze ein äußerst beliebter Zierrat war. Allerdings geht aus den Benennungen des Besatzes nicht ganz klar hervor, ob darunter wirkliche Spitzen oder festere Gutmpen und Galons verstanden wurden. Doch darf man annehmen, daß die Anfertigung der Spitze in Griechenland frühzeitig bekannt war, denn in einem Inventar des Besitzes der Herzöge von Burgund im Jahre 1393 findet man schon als Besatz Silberspitze aus Cypern angeführt. 11m dieselbe Zeit wurden in England bereits- Edikte gegen den Luxus erlassen, in denen u. a. genau festgestellt war, wer Goldspitze tragen durfte und in welcher Breite sie fein
mußte. Nach Italien soll die Kunst, Goldspitzen herzustellen, tot 15. Jahrhundert durch flüchtige Byzantiner gekommen sein, die, von den vordringenden Türken verjagt, ihre Zuflucht in den übrigen europäischen Ländern surren. Wie es scheint, faßten die Italiener für die ihnen noch ziemlich neue Art von Verzierung schnell eine wahre Leidenschaft, denn 1476 dekretierte der Senat Venedig, daß kein „Punto Aria" weder aus Flachs noch aus Gold- oder Silberfaden als Schmuck an Vorhängen oder Bettzeug benutzt werden dürfte, und um dieselbe Zeit fand der große Savona- vola es notwendig, den Nonnen der Florentiner Klöster, den Vorwurf zu machen, sie verschwendeten ihre Zeit damit, Goldspitzen zum Schmuck der Häuser der Reichen anzu- sertigeu. Bon Italien kam die Mode der Gold spitzen zur Zeit der Bolois mit den Medici nach Frankreich. Dort wurde ein ungeheurer Luxus damit getrieben. So trug Heinrich Hl. 1577 bei der Versammlung der General staaten im Blois 4000 Hards echter Goldspitzen an sich. Heinrich IV. suchte, durch Edikte den übermäßigen Luxus zu bekämpfen, und gab durch seine einfachen Ge- wohnheüen das beste Beispiel, aber schon unter seinem Nachfolger Ludwig XIII. nahm die Verschwendungssucht wieder überhand und man verzierte mit der kostbaren Goldspitze Handschuhe, Schuhe und Stiefel. Selbst der geizige Mazarin hinterließ unter anderem eine Bettdecke ans rosa Moire mit breiten Goldspitzeu besetzt. Erst unter Ludwig XIV, wurde am Anfang des 18. Jahrhunderts die Spitze für gewöhnlich und geschmacklos erklärt, kam mrs der Mode und verfiel in einen beinahe zweihtmdertjährigen Dornröscheu- schlaf, aus dem sie eine Laune des modernen Geschmacks nun erweckt hat, oer sie noch dazu einem praktischen Zweck dienstbar macht. Um nämlich tief ausgeschnittene Kleider zu hohen Kleidern umzuarbetten, wird aus sehr feinfädiger Goldspitze ein Sattel angefertigt, dessen unterer Rand durch eine leicht eingereihte Spitze begrenzt wird. Tie Aermel werden dann aus Volants von Goldspitzen hergestellt. So aufgearbeitete Toiletten büßen von ihrer ursprünglichen Eleganz nichts ein. Zu dunklen Stoffen wird Goldspitze, zu Hellen Silberspitze bevorzugt. E. v. H-
Ter Sohn des Milchpantschers.
Lehrer: »Also, Michl, wenn eure Kühe täglich 80 Liter Milch geben und ihr zu Hause ein Drittel davon braucht, wieviel könnt ihr dann noch in die Stadt lahren?"
Michl: »Herr Lehrer, dös derf i net sag'nk"
(Aus der «Jugend^
Rätsel.
(Nachdruck verboten.)
Wer mich mit N als Spielzeug wählh Ten hab' ich grausam oft gequält.
Und doch, wo eine Wunde klafft, Hab' stets ich guten Rat geschafft.
Jetzt siehst du mich mit T im Haupt.
Ta ist mein Geißelhieb erlaubt;
Er spornt zu bess'ren Tater: an.
Ein Tor, wer's nicht vertragen kann.
Raubst du mir nun des Hauptes Zier, Verbleiben mir der Zeichen vier.
Einst herrscht' ich kühn aul Burg unb Schloß, Sitz' heut' noch gern aus hohem Roß.
Wenn du mein Wort nun rückwärts liesh Ein märchenschöues Weib dich grüßt.
Zu ihr verzehrte sich in Sehnen Der Weltenherrscher der Hellenen.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummert Z 8 K
o c 1
b h a
Zobel pelz
8 c h 1 epper
Klapphorn e p o ler z r n
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verla» der B rühl'schea UuwersUätS-Buch» und Stetndruckerei. R. Lange, Gtetz«,


