Ausgabe 
28.3.1907
 
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Bei Hans Euler Hatte ich es gründlich nut Dr. L. ver­dorben.

Nun war an die Vorbereitungsklasse ein Lehrer gekommen, dessen Schwager war der Bereiter Dr. K. und wegen seiner Lange das Lokomotivrohr genannt wurde. Dr. K. gab seine Reit- ftunbe» in der Universitätsreilbahn mit Brand. Wenn wir um vier Uhr aus der Stuirde kamen, blieben wir an der Reit­bahn stehen und sahen zn. Dabei mag es nicht sehr ruhig her­gegangen sein. Darüber ärgerte sich das Lokomotivrohr. Wahr­scheinlich angestachelt von seinen: Schwager trat er eines Tages unter uns Jungen und forderte uns auf, weiterzu­gehen. Der Mann ging uns nichts an. Es erhob sich ein Ge­murmel, das schließlich in ein Gejöhle überging.

Das Lokomotivrohr war wütend, er konnte aber nichts machen, er kannte die Namen nicht, die Jungen zogen daher vor, sich zu verduften, ehe die anderen Lehrer kamen. Ich ging mit einem kleinen Trupp meiner Kameraden. Hinter uns her kam das Lokomotivrohr. Da soll ich ihm nun die Zunge herausge­streckt haben, merkwürdigerweise, während ich ihm den Rücken drehte. Das Lokomotivrohr hatte auch nichts davon wahrge­nommen, und es war zufällig auch nicht wahr. Als angeb­licher Rädelsführer aber und weil ich nach der Denunziation eines Mitschülers dem Lokomotivrohr die Zunge herausgestreckt haben sollte, und dies auch noch leugnete, wurde ich zu einem Tage Karzer verurteilt. Am Tage, nachdem ich die Strafe ab­gesessen, erklärte ich einen: Mitschüler, der mich mit der Strafe anfzog, diese sei völlig ungerecht gewesen, ich habe nichts .Schlimmeres getan, wie die anderen Jungen auch.

Für diese Aeußerung, wegen der mich der liebe Kamerad alsbald denunzierte, erhielt ich weitere sechs Stunden Karzer.

Das (neben verschiedenen Sünden, die ich auf dem väterlichen Kerbholz hatte) veranlaßte meinen Vater, mich, nachdem ich meine sechs Stunden abgesessen, aus dem Gymnasium zu nehmen.

(Fortsekung folgt.)

Ostereier.

Von Ottilie Thein.

Nachdruck verboten.

Die Sitte bet' bunten Ostereier geht durch ganz Deutschland, sie sind bekannt als Geschenke, die zur Osterzeit besonders an die Kinder verteilt werden. Man hat diese Sitte wohl von der älteren Fastendisziplin abgeleitet, welche den Genuß der Eier untersagte, und konnte darin schon Veranlassung liegen, am ersten Tage, an dem der Genuß wieder gestattet war, sich gegenseitig damit zu beschenken. Die Fastenzeit erschien dem damaligen Volke als eine harte Probe der Enthaltsamkeit und erst eine Bulle des Papstes' Julius VI. im Jahre 1555 erlaubte die Eier als Fastenspeise. Man feierte die Rückkehr der Eierspeisen nach dem Auihören der Fasten zu Ostern. Man kann sich denken, mit welche Freude unsere Vorfahren, die den Tafelfreuden nie abgeneigt gewesen sind, dieses stets beliebte Nahrungsmittel wieder begrüßten. Es wurde sogar eine religiöse Festlichkeit daraus; man begab sich am Karfreitag und Ostertage in die Kirche, um die Eier weihen zu lassen. Daher der Gebrauch, dieselben als Geschenke zu verteilen und sie durch Färben und Bemalen zu verschönern. Die Legende vom Osterhasen, der den Kindern die hübschen, bunten Eier zum Feste legt und schenkt, ist echt deutschen Ursprungs. Sie werden aber nicht allein gefärbt, sondern: häufig mit passender: kleinen Reirnen versehen, auch lvandeln sie sich in Zucker-, Schokoladeir- rmd Marzipan-Eier um, rvorauf sie rwch mit viel größeren!. Jubel ihrem Versteck entnommen werden. Das sogen.Osterratschen" leitet vielfach den Brauch des Ostereier- suckpms ein. Was die Weihnachtsglocke bei der Weihnachtsbe- scherung ist, das ist die Osterratsche, eine Art Knarre, beim Suchen der von den Kindern so sehnlichst begehrten Ostereier.

Wir ratschen, wir ratschen

Den englischen Gruß, Daß jeder Christ beten muß! Fallt nieder, fallt nieder Auf euere Knie, Betet drei Vaterunser Und drei Ave Marie!

Dieser Vers wird halb gesungen und chalb gesagt, wenn die Eier versteckt sind und das Suchen beginnen soll. Zunr Färben der Eier gibt es ganz verschiedene Arten; so z. B. geben Zwiebelschalen, die vor dem Kochen Nm die Eier ge­bunden werden, gelbe Flecken, Malven färben dunkelbraun, Kaffeezusatz zum Wasser macht sie dunkel- oder hellbraim, Blaro- hvlH gibt rote, Lackmus blaue, Lindenblütentee mattrosa Eier. Sprnatwasser verleiht den Eiern eine schöne grüne Farbe. Werden die Eier nach dem Kochen mit einer Speckschwarte abgerieben, so sehen sie wie poliert ans. Man kann Devisen auf der Schale anbringen oder Schrift mit Scheidewasser austragen. Gerade in alter Zeit Pflegte miau auf den reich geschmückten Ostereiern sinnige Inschriften anzubringen, die sich auf das hohe Fest be­zogen oder einen Glückwunsch oder, eine christliche Wahrheit zum Ausdruck brachten. Nachstehend eine kleine Auslese:

lieber Ostern kein Fest, lieber des Adlers kein Nest.

Lebe rein, arbeite sein. Das klebrige haß Gott besohlen sein!

In Lieb und Leid sei Gott allzeit

Deii: Hüls' und Trost und Seligkeit!

Dein'n Ein- und Ausgang stets bewjahr'!

Der Herr durch seiner Engel Schar.

Wer Gott herzlich vertrauen kann, Der ist ein unverdorbner Mann.

Vor nichts nimm dich bei Tag und Nacht

So sehr als vor dir selbst in acht!

Der Jugend Lob sich mehret. Wenn sie das Alter ehret.

Auch die Kinder sehen auf den bnntgefärbten oder Schokvladen- eiern gerne ein Berschen und dürft«! daher folgende kleine Sprüche willkommen sein:

Wer sich bci Tisch recht brav benimmt, Für den ist dieses Ei bestimmt!

Deii: Heft und Buch soll immer sein Wie's Osterei so weiß und rein!

Der kleine, lustige Osterhas Legte hier ein Ei ins Gras.

Osterhäschen läßt Gretchen und Erich sagen, Sie möchten sich von heut an besser vertragm!

Warum faß der Hase wohl

Heute ganz versteckt im Kohl? Ei, ich weiß, er bracht' herbei Unserin Kind ein Osterei.

Osterhäschen hat zur Nächt Sich ein schönes Nest gemacht, Legte bunte Eierlein

Für mein Fritzchen dann hinein.

O, Luischen, sieh nur an, Was der Osterhase kann. Grüßen läßt er dich aufs beste, Und drei Eier wär'n im Neste.

Osterhase ist so frei, Schenkt dir hier ein buntes Ei.

Dieses Ei, mein liebes Kind, Soll erinnern dich geschwind. Daß der Herr, vom Tode frei, Ostern anferstanden sei.

rc. ic.

Wie das Aussuchen der vom Osterhasen gelegten Eier eine alte Sitte ist, so kennen wir «auch das Eierspiel und dieses namentlich in Süddeutschland und ganz besonders, in Baden.

Das Eierfpiel der Kinder besteht darin, daß dieselben eine größere oder kleinere Zahl hartgesottener Eier mit aus den Spiel­platz bringen; während nun das eine Kind das spitze Ende des Eies Ihrem Widerpart hin hält, schlägt dieser ebensalls mit dem spitzen Ende dagegen. Wird die Spitze lädiert, so wird das Ei gedreht und die Prozedur beginnt von neuem. Der, dessen Ei mindestens auf der einen Seite oder ganz heil bleibt, ist Sieger und bekommt als Preis das zerschlagene Ei. Dazu wird gewöhnlich gesungen:

Das Ei hat gelegt ein Huhn!

Wer es zerbricht, der es nun!"

Das Osterei ist auch ein Symbol der Liebe. In Tirol gibt die Braut den: Bräutigam Ostereier, die am Sonnabend vor Ostern beim geweihten Feuer rot gesotten sind, um den Bund der Herzen zu festigen. Ehedem beschenkte!: sich Liebende auch mit Ostereiern, welche vom Priester geweiht und ebenfalls mit Versen beschrieben waren. Hier ein Beispiel:

Ich, du, das Ei, Wir sind unser drei. Teilen wir das Ei, Bleiben unser zwei. Einen !vir uns zwei, Bleibt's bei einerlei.

Mch weit mehr Gebräuche knüpfen sich an die Sitte des Ostereis; es' würde aber zu weit führen, selbige noch alle einzeln auszuführen. Möge ein jeder darnach trachten, den Zauber der Dftora zu erfassen, dann wird er auch ein fröhliches Fest begehen.

Ostsvbräuche hier und da.

Von Alma Gruber.

Nachdruck verboten.

Zu Beginn der christlichen Zeitrechnung war Ostern der Anfang des neuen Kirchenjahres. Um diese Zeit erwacht b:e Natur aus ihrem Winlerfchlafe; die Vöglein stimmen Jubel­lieder an; die Blumen sprießen in reicher Menge hervor; die vom Eise befreiten Gewässer rauschen munter dahin. Die Natur ersteht in neuer Kraft, wenn wir zu Ostern mit Freude und Dank das Auferstehungsfest des Herrn der Welt begehen. Auch unsere Vorfahren empfanden die Wiederbelebung der Natur frohen Herzens und brachten der Göttin Ostara, die ihnen den Früh­ling verkörperte, in der Gestalt von Freudenfeuern Dank dar.