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18. Jahrhunderts von einent Edelmann einmal 11000 Mark angelegt. Die John Hopkiusuniversität in den Vereinigten Staaten rühmt sich, das teuerste Thermometer zu besitzen; es ist das sog. Professor Bowland-Thermometer, dessen Gradzeichen so fein sind, daß man sie nur mit der Lupe erkennen kann. 40 000 Mk. wird als Wert dieses Instrumentes angenommen. Der Nähmaschinenfabrikant Singer hat sich das Vergnügen gemacht, für ein Opernglas 240 000 Mk. anzulegen. Natürlich sind die teuersten Linsen verwendet, aber durch diese allein wäre der hübsche Preis nicht gerechtfertigt; das „Glas" ist aus lauterem Golde und von einer Lyra bekrönt, die völlig ans Saphiren und Diamanten gefügt ist. Damenhüte sind meist an und für sich nicht billig, wenigstens behaupten das viele Ehemänner, aber auf diesem Gebiete hat jüngst eine hübsche junge Frau, sehr wider ihren Willen, den Rekord ausgestellt. Sie bezahlte ihren Hut mit einem Lotterielos, das der Modist an Zahlnngsstatt anzunehmen sich erbot. Das Los kam später mit 300 000 Mk. heraus. Die Dame wollte nun wenigstens etwas von dem Reichtum abbekommen, allein der Hutmacher kannte wenig Erbarmen, fertigte sie mit 5000 Mk. ab und erhielt so für seinen Hut 295 000 Mk.
Vierwaldstättersee.*)
Wo ernste Männer kühn zusaminentraten, An demokratisch hochverdächt'gcin Ziele — In Prosa nicht, nein, kühn int Jambenstile — Erneutes Kämpfen heimlich zu beraten;
Wo Tell sich freute seiner Schützentaten, Da sind jetzt Polobälle Projektile, Da sausen im Rekord Automobile
Und abends trägt den Rauchrock man zum Braten.
Wir wandern weiter — bis auf halber Strecke Sich ein Hotel zeigt, ziveitcn Ranges nur.
Hier wird gezecht, das sieht man "gleich, bis eins!
Man dehnt sich faul in weicher Sofaecke, Leert Literkrüge hellen Schweizerweins, Ihr Mädchen" dort, ein Prost! Hier ist Kultur!
------- Hermann Uhde-Bernays.
*) AuS der neuesten Nummer der Atünchener „Jugend"
Kunst.
— Der Kunstwart. Halbmonatschau für Ausdruckskultur auf allen Lebensgebieten. Herausgeber: Dr. h. c. Ferdinand A v e n a r i u s. Verlag von Georg D. W. Callwey in München. (Vierteljährlich 4 Mk., das einzelne Heft 75 Pfg.). — Inhalt des zweiten Novemberheftes 1907; Denkmäler-Gedanken. Vom Herausgeber. — Eichendorfs. Von Franz Diederich. — Psychologische Musikästhetik. Von Paul Moos. — Lose Blätter: Aus Eichendorffs: Wandern, Dichten und Kämpfen. — Rundschau: „Entwicklung" — auf Draht (A. Bonus), Poesie als Lebenslust, Neue Erzählungen (K. Schultze), Nochmals Theobald Kerner, „Li- liencrons" Jahresbericht (Avenarius), Berliner Theater (F. Düsel), Eichendorfs in der Tonkunst (A. I. Boruttau). Nochmals: Weingartner und die moderne Musik (A. Vogel), Epithalamia (Avenarius), Der „Deutsche Werkbund" (I. A. Lux), Photographien- schutz und staatliche Beihilfe (Avenarius). Die Zerstörung Marburgs. Nachtrag (F. Bock). ZumHardenschenPro- z e s s e (Avenarius), Das Kind und die Zeitung (E. K'alk- schmidt). Von den Mitarbeitern des Kunstwarts. — Bilder- und Notenbeilagen: Gerard Terborch, Das Konzert. Fr. Ed. Eichens, Bildnis Eichendorffs. Max Klinger, Eros und Psyche. Der Dichter Homer. Zwei Abbildungen: Maschinenmöbel. Robert Schumann, Zwielicht. Hans Pfitzner, Zum Abschied meiner Tochter. Erich I. Wolff, Gebet.
Künstlerische Kinderbücher.
7- Der bewährte Kinderbücherverlag von Jos. Scholz in Mai uz ist auch in diesem Jahre seiner Devise treu geblieben: „Für die Jugend das Beste". Hier aher hat man weder Mühe noch Kosten gescherit, hervorragende Meister für das Kind in künstlerische Tätigkeit zu setzen. Da kann die Jugend beispw. ein Album voll Künstlerpostkarten (Mk. 1.25 und Mk. 0.50) nach Vorlagen von Meister Hans Thoma ausmalen. Sehr zu begrüßen ist es, daß auch dem Kindersang in einigen reizvoll ausgestatteten Heften eine freundliche Stätte bereitet wurde, so in, dem von Ernst Liebermanns Kunst geschmückten „Kindersang- Heimatklang", von denen jetzt zwei neue Hefte (Band III und IV, je Mk. 1.—) vorliegen. •— Nun zu den eigentlichen Bilderbüchern für die Kleinsten. Dort ist das liebe Großoktavbuch „Das macht Spaß", ein Bilderbuch mit drolligen Versgeschichtchen don Franz Mahler und reizenden, bunten Bildern von Otto Gebhardt (Mk. 2.—). Dem Buche schließt sich eilN anderes würdig vn: „Schlimme Streich' von Hans und Grete, Liese, Fritz und Ernst und Käthe". Reime und Bilder von Arpad Schmidhammcr
(Mk. 2.—). Wir kennen diesen Küilstler schon aus seinen schönen Märchenbildern, die er früher für den Verlag zeichnete. Hier folgt er mit Glück, ohne Nachahmer zu sein, den Spuren des Struwelpeter-Dichters und gibt in Bild und Reim sehr nützliche und ulkige Erzählungen von Hans, dem Frechdachs, vom Rutsche- fritz, von. der neugierigen Käthe, der fahrigen Grete, Ernst/ dem Leckermaul und der eitlen Liese. Der alte schlesische Berggeist aus dem Riesengebirge wird auch einmal wieder lebendig in dem Buche: „R ü b e z a h l", ausgewählte Sagen und Schwänke/ erzählt von Siegfried Beck, der viel hübsches von dem Schreck des Riesengebirges weiß, mit Bildern — es sind eine Reihe ganzseitiger, bunter darunter — von Robert Engels-München (Mk. 3).: Liebe für unsere tierischen Mitgeschöpfe in die Kindesseele zu verpflanzen, ist eine der wichtigsten Aufgaben zur Erziehung des Gemüts. Dem kommt das Buch „Gute Bekannte aus dem Tierreiche", textlich zusammengestellt von Wilhelm Kotzde und mit ganzseitigen Tierbildern von Karl Kappstein versehen, entgegen.! Es liegen bereits zwei Bände dieses Bilderbuches (je Mk. 1.—) vyr^
Weihnachts-Literatur.
— Deutsche Literaturgeschichte von Dr. Karl Storck. Vierte und fünfte vermehrte Auflage. Mit einem. Titelbild. Stuttgart. Muth'sche Verlagshandlung. Preis getiv Mk. 6.—. Durch geschickte Einteilung des Riesenstosfes ist es dem Verfasser gelungen, im Rahmen eines Bandes die Entwicklung unserer nationalen Poesie von ihren Anfängen bis zur allerjüngsteu Gegenwart zu schildern. Das Buch ist ein int ganzen! ziemlich zuverlässiger, wenn auch ein wenig oberflächlicher, nicht in die Tiefe dringender Führer ditrch unser deutsches Schrifttum! und besonders durch die moderne Literatur.
— Ein elegantes, kleines Geschenk für Damen ist der auch in diesem Jahre wieder erschienene tzaude & Speuersche Dame it - A l m a tt a ch (42. Jahrg. für 1908. Verlag von Haube & Speuer, Berlin). Das mit Goldschnitt, Elfettbeiupapier, Titelbild, Bleistift und Visitenkartentasche ausgestattete Büchlein vereinigt in sich Taschenkalender, Notiz- und Tagebuch in zierlicher. Form. Der Almaitach enthält ein Kalendarium mit einem Verzeichnisse aller Feiertage, ein Tagebuch mit Wochensprüchen, dcu> Raum für Eintragungen bietet, eine Familien-Gedeuktasel, einen Geburtstag- und Namenstag-Kalender, Kässen-Uebersichten für 12 Monate und eine Genealogie aller europäischen Regentenhäuser.! Eine Erzähluug erhöht den Reiz des Büchleins. (Preis 2 Mk.).
Aphorismen.
Von Helene Berg.
Der Schlüssel zur Liebe ist das Vertrauen. — Die Kette, mit der du Liebe fesselst — die Achtung.
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Arbeit ist die beste Medizin für wunde Seeleit--oder das
gesündeste Betäubungsmittel.
Kindertränen: schimmernde Tautropfen, die eilte Sonne wegküßt ---
Tränen der Großen: Perlen, die in ein Meer der Schmerzen fallen.
Wer nicht den Segen des Leides ergründet und dabei stille wird — der kann auch nie den Begriff wahren Glückes verstehen.
Ter Inhalt eines Frauenlebens heißt: Geben!
Laut rühmt die Welt des Mannes Kraft: Zu wagen — lind schweigt vom Heldenmut der Frau; er heißt: Entsagen.
Durch die dimkelsten Tore des Lebens geht der Mensch allein!
Charade.
Wenn dir einmal das Erste widerfährt, Rust jebermnmt: „O wie bedauernswert!" Doch ich, der Zweite, wage keck uitd munter Dies Erste ost vom höchsten Fels herunter.
Und Allen, die mich so als Ganzes sehen, Erscheint der Anblick unvergleichlich schön. Ich bin zugleich ein Jüngling und ein Greis Mein Puls ist rasch, mein langes Haar schneeweiß, n, Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer:
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Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


