Ausgabe 
27.11.1907
 
Einzelbild herunterladen

Ar-176

MU

-I

"I

MW

1

W

jlLuuT

I I

WW

ZU

Auf der eigenen Spur.

Kriminalroman von Otto Hoecker- (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.!

Leonie wehrte entrüstet ab.Wo denken! Sie hin, das war ja alles nur Scherz. Andreas würde eine solche Handlungs­weise auch niemals gebilligt oder gar ihr Borschub geleistet haben. Er war nur galanterweise darauf eingegangen, weil er es für einen Scherz gehalten hatte. Wie er nun aber den Menschen entdeckte, erschrak er, weil er sich doch bei ihm wegen der Schlüssel erkundigt hatte. Damals war er noch Mieter bei dem Mann gewesen;, er ist aber kurzerhand ausgezogen, weil ihm sein Treiben immer mißfiel. Nun meinte er, ich sollte dafür sorgen, daß der Mensch niemals wieder Zutritt bekäme; er begreife überhaupt nicht, lute er in einem Hause, wie das unsrige, als Lohndiener habe Beschäftigung finden können. Das versprach ich ihm gern. Wir gingen dann tanzen und dachten nicht mehr an das Vorkommnis. Um so mehr entsetzte ich mich, als Andreas nach Beendigung des Festes wiederkam und mir berichtete, er habe den Menschen r'u halb besinnungslosem Zustande auf der Straße aufgelesen und nach einer Droschke bis zum Potsdamerplatz gebracht. Dort habe er erst erkannt, mit wem er es eigentlich .zu tun habe. Doch schon unterwegs habe der Mensch immer so verfängliche Redens­arten gebraucht, von einem guten Fang gesprochen und sich seiner Schläue gerühmt. Andreas war die Befürchtung nicht losgewvrden, daß da etwas nicht in Ordnung sei. Erinnere ich mich recht, so hat er, als er sich gerade von den Eltern verabschiedete, den Menschen durch eine offene Tür wahrgenommen, wie er gerade vom oberen Stocke, wo er garnichts zu suchen hatte, heruntergetaumelt gekommen war, und bei einzelnen der aufbrechenden Gäste unliebsames Aufsehen erregt gehabt hatte. Da hatte ihm Andreas schon Nacheilen wollen, ihn aber in der Dunkelheit verfehlt.

Nun war er gekommen, uni mir seine Befürchtungen mit­zuteilen und mich zu bitten, Papa zu unterrichten, damit dieser Nachsehen könnte. O hätte ich es doch getan!" schluchzte sie plötzlich wieder haltlos auf.Dann wäre vielleicht alles anders gekommen. So schämte ich inich entsetzlich. Ich konnte mir auch nicht denken, daß ein Mensch so raffiniert sein und in einem überfüllten, hellerleuchteten Hause einen solchen Einbruch wagen könnte. Das sagte ich auch Andreas und er stimmte mir schließlich bei, wir plauderten noch ein wenig und dann ging er. Er sagte noch, er wollte den Menschen mit. nächsten Tage auf­suchen, denn er traute ihm nicht und halte ihn zu allem fähig."

Hansemann hatte sich erhoben. Was er da gehört, erschien ihm wichtig genug, um sofort auch Witte darüber zu vernehmen. >,Gedulden Sie sich kurze Zeit", wandte er sich an Leonie.Ich Iverde in dieser Sache sofort Erhebungen einziehen. Sie warten am besten hier auf meine Rückkunft."

Das Mädchen nickte stumm; sie war zu erregt und ängstlich, um irgend einen selbständigen Gedanken fassen zu können. Der Rat dagegen begab sich eilig nach seinem eigenen Zimmer zurück.

wo er ThomMen in Gesellschaft des Gefangenen antraf. Dee erstere erschien geärgert, und das mit gutem Recht; hatte Witte doch auf keine seiner Fragen sich eingelassen, sondern Schweigen bewahrt. t. i,

Die ihm jetzt von HansemanN gestellten Fragen erfüllten ihn mit Erstaunen, da ihm nicht recht klar war, woher dieser seine Kenntnis nahm; er beantwortete sie jedoch unumwunden und ohne Zögern. Ja, er sei heimlich mit Leonie Selten- bach verlobt; das müßte der Rat übrigens wissen, denn er, der Maler, habe aus seinem Herzen nie eine Mördergrube gemacht. Daß der Geheimrat gegen eine derartige Verbindung gewesen sei, stimmte ebenfalls ; doch er habe sich durchaus nicht auf einen schroff ablehnenden Standpunkt gestellt, sondern in sprung­hafter Launenhaftigkeit das Verhältnis bald nachsichtig übersehen/ bald darüber gewitzelt oder es als gesellschaftliche Unmöglichkeit hingestellt. Allerdings habe Leonie, die verwöhnte, an keinen Widerspruch gewohnte Tochter ihres Vaters, immer scherzend gegen diesen geplänkelt und ihm lachend erklärt, sie werde ihm doch noch die Einwilligung abzwingen. So sei sein, des Malers, Verhältnis im Selkenbachschen Hause ein gar merk­würdiges gewesen; er habe sich füglich als unoffizieller Schwieger­sohnskandidat betrachten können.

Nun passen Sie mal auf", meinte Hansemann, der wiedep vor seinem Schreibtisch Platz genommen hatte.Es wird be­hauptet, daß sie sich mit Ihrem damaligen Zimmerwirt Schuh­macher ins Einvernehmen wegen Anfertigung von Nachschlüsseln, die zum Arbeitszimmer und Kassenschrank des Geheimrats passen sollten, gesetzt haben sollten. Wie ffeht's damit?"

So, das wissen Sie auch bereits?" fragte Witte befremdet zurück.Nun, dann muß Ihnen auch bekannt sein, daß es sich um einen Scherz handelte. Geheimrat Selkenbachs Art ist wie soll ich gleich sagen nun, kurz heraus, sie ist prahlerisch. Er rühmte sich gern seiner Macht über andere Menschen, besonders bei Tische, wenn seine Intimen um ihn gruppiert saßen. Da kam er häufig auf die Geschäftspapiere in seinem Kassenschrank zu sprechen, deren Inhalt ihm die Ge­walt verleihe, mindestens ein Dutzend angesehene Persönlichkeiten ins Zuchthaus zu senden. Leonie drohte ihrem Vater scher­zend, ihm die Papiere auszuspannen und sie ihm erst wieder zurückzugeben, wenn er in unsere Verlobung eingewilligt haben würbe. Einmal kam sie mir mit der Aufforderung, ihr die bewußten Nachschlüssel zu verschaffen, weil sie ihrem Vater gegenüber auftrumpfen wollte."

Wurde Ihnen denn nicht klar, daß Sie einen solchen Aust trag zurückweisen mußten?"

Herr Rat, Sie haben leicht moralisieren", entgegnete Witte treuherzig.Seien Sie aber in Leonie Selkenbach verliebt und lernen Sie deren allerliebste Sprudellationen erst näher kennen, dann werden Sie anders urteilen. Ganz offen, Herr Rat, von mir dürfte sie noch 'was anderes verlangen."

Ich hab Leonie Selkenbach halt lieb", fuhr Andreas Witte fort,und ein heißes, junges Blut bin ich auch. Das halte aus die Dauer der Teufel aus, das Mädel msag mich und ich mag das