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die Mediziner ein großes Fest, zu dein durch besondere, lateinische Programme vorher LingLladen wurde, deren pomphaftem Latein man noch die ganze Freude ansieht. Eine Reihe davon von 1669—1709 besitzt die Universitätsbibliothek noch. 1615 nahm Horst die erste, 1617 die zweite Sektion einer Leiche vor. Sonst präparierte man auch Tiere, damit bei vorkommenden Fällen die Studenten besser vorbereitet an die menschliche Leiche träten, aber in der Regel ohne selbst dabei Hand anlegen zu dürfen.
Im Unterrichtsbetrieb können wir ziemlich scharf zwei Perioden scheiden, einmal das 17. und 18. Jahrhundert, wo man noch ganz in alter Tradition befangen war, im wesentlichen Bücherweisheit vortrug und die Studenten fast ganz von eigenem wissenschaftlichen Forschen ausschloß. Ganz anders seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, wo das Ex- veriment und klinischer Unterricht am Krankenbett zu ihrem Rechte gelangen. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts bereitet sich dieser Umschwung schon vor, aber dein herrschenden Geiste nach gehört es doch noch zur alten Beit.
In dieser nahm die Lehre von den Heilmitteln einen breiten Raum ein, legte man doch zum Teil den Haupt- wert aus die Quantität der eingeriebeuen oder eingenom- menen Mixturen. Eine große Rolle spielten dabei die Abführmittel. Wie aber zum Teil die Behandlung oes Stoffes gewesen sein muß, läßt eine Anzeige Valentinis vom Jahre 1702 ahnen, in der er versprach, er werde den Stoss so vortragen, daß man keine Anweisungen als Arzt aucy najchher gebrauchen könne. In den ältesten Zeiten war auch dm Theriakbereitung, die seitens des Universitatsapothekers Unter Aufsicht der Fakultät vvrgenommeu wurde, ein feierlicher Akt, bei dem große Reden gehalten wurden.
' Neben dem pharmakologischen Unterricht wurde relativ regelmäßig Anatomie gelesen, wenn auch mit Leichenmangel die Fakultät bis ins 19. Jahrhundert trotz allerlei Maßnahmen dagegen zu kämpfen hatte. Einen großen Fortschritt bedeutete es, daß 1700 der Bau eines eigenen Anatomiegebäudes, das aber außerdem noch Fruchtboden und Tanzsaal unter seinem Dache barg (jetzt das Reitinstitut) begonnen wurde, das 1720 vollendet war. Dazu hatte Prof. Michael Heiland (t 1693) 50 Gulden gestiftet, wodurch ein energischer Anstoß zu dem Bau gegeben war. Am 30 Oktober 1742 wurde der erste Prosektor (Friedr. Wilhelm Hensing) angestellt, der sehr bald eine hübsche Präparaten- sammlung angelegt hatte. Allmählich entwickelten sich aus der Anatomie Anfänge eines physiologischen Unterrichts, aber aus Grund welcher Anschauungen!
Ganz fehlte eigentlich der klinische Uiiterricht. Valentini verspricht zwar 1696, er werde Kranke Vorführer,, 1702 will Möller die Kandidaten am Krankenbett unterrichten, aber nie ist es über die allerbescheidensten Versuche hinausgekommen. , , „ r
1742 erklärt sich Hert bereit, Chirurgie zlu lesen, wenn es verlangt wird. Geburtshilfe behandelt Alefeld feit 175o (Frauenkrankheiten sind schon in einem der ältesten Vorlesungsverzeichnisse als Thema genannt). Besonders aber Christoph Ludwig Nebel (1766-82) drängte auf Einführung von 5iebammenunterricht und Gründung einer Entbindungsanstalt. 1790 überwies denn auch Landgraf Ludwig X. aus dem ihm von den Landständen beim Regierungsantritt ver- willigten Geschenk 10 000 Gulden zur Erbauung einer Entbindungsanstalt. Ganz vereinzelt steht 1699 die Anzeige Valentinis da: Pathologie init Demonstrationen an Leichen. Erwähnt sei noch, daß 1702—03 Tillenius Physiologie und Pathologie des Auges, 1707—08 über Natur und Wirkung der Lebensmittel, insbesondere des Brotes und der Hülsen- srüchte, anzeigte, Valentini 1718—19 Geschichte und Wirkung der Heilquellen, besonders der in Hessen, behandelte, und 1774 Baumer zum ersten Male über venerische Krankheiten
18. Februar 1719 wird die Behandlung erkrankter Studenten durch Studierende der Medizin als Eingriff in die Rechte der Profession der Chirurgen untersagt. 1730 versagt im Einverständnis mit dein Landgrafen die Fakultät trotz bestandener Prüfung und Druck der Dissertation einem Scharfrichterssohn die Promotion zum Doktor der Medizin. Im Sommer 1787 kündigte Baumer ein Kolleg über lateinischen Stil an, weil er bei den Examina und Kollegien eigentümliche Erfahrungen hatte machen müssen. Als 1727 die Jagdgerechtigkeit der Studenten beschränkt werden sollte, erschien tmi 28. März eine medizinische Dissertation über den Wert der Jagd Ar die Gesundheit der Studenten.
Mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts nimmt die Fakultät einen überraschenden Aufschwung. Zunächst erfolgte der Bau der Entbindungsanstalt hinter dem botanischen Garten (das jetzige physiologische Institut) in den Jahren 1809—13. Doch noch ehe der Bau seiner Bestimmung übergeben werden konnte, mußte er nach der Schlacht bei Leipzig als Lazarett für russische und preußische Soldaten dienen. Erst am 15. November 1814 wurde die Anstalt wirklich eröffnet. Da sie zugleich Landeshebammenschule war — int Herbst 1816 sand der erste Unterrichtskursus statt — so stand dem Direktor in der Verwaltung auch ein Deputierter der Regierung zur Seite, ein Verhältnis, das erst 1890 gelöst wurde.
Ebenfalls in das Jahr 1809 fällt der Beginn wirklichen klinischen Unterrichts. Tie Studenten haben seit diesem Jahre unter Nebel nämlich Gelegenheit, sich im Militär- hospitali n der medizinischen und chirurgischen Praxis zu üben. Und im Zucht- und Stockhause werden zuzeiten Uebungen in der Geburtshilfe hyrgenommen. In dasselbe Jahr fällt die Erösfnung der Balserschen Klinik, wo täglich von 1 bijs 3 Uhr Sprechstunden unter Beisein deb Studenten abgehalten werden. 1816 wird diese Klinik, dje bis dahin reine Privatanstalt gewesen war, akademische Anstalt mit Gewährung eines Staatszuschusses. Ferner eröffnete Rügen 1824 im Bürgerspitale eine medizinisch-chirurgische Klinik. Diese zwar erfreulichen, aber doch noch sehr bescheidenen Anfänge erfuhren 1826 eins recht willkommene Wendung zum Besseren. In diesem Jahre wurde die kürzlich neugebaute Kaserne, da das Militär infolge seiner uufteundlichen Haltung den Studenten gegenüber am 14. Mai 1821 nach Worms verlegt worden war, der Universität überwiesen und für die Kliniken und Sammlungen umgebaut. Am 21. Mai 1832 wurde die neue Anstalt (die jetzige alte Klinik) eröffnet und zwar als medizinische, chirurgische und Augenklinik. 1834 wurde eine Poliklinik anaegliedbrt und 1836 gegen entsprechende Leistungen der Stadt das Bürgerhospital mit der Universitätsklinik vereinigt.
(Schluß folgt.)
Wie die deutschen und wie die amerikanischen Frauen ihre Männer behandeln.
Eine Französin, die in fast allen größeren Ländern Europas und Amerikas gelebt, und die LandessitteN „mit klugen Augen" beobachtet hat, schildert im „Matin", wie bei den verschiedenen Nationen die Frauen ihre Männer behandeln. „Schlafrock und Kuchenbäckerei oder der deutsche Ehemann" ist Has erste Kapitel überschrieben; es lautet also: „In Berlin hatte ich in der Familie des Professors Bilse Pension genommen. Seine Nachkommenschaft war zahlreich, Kinder jeder Altersklasse und von jeder Staturstaffelförmig aufgestellt; man hatte sie immer zwischen den Beinen, wie das übrigens in allen deutschen Familien der Fall ist. Professor Bilse und seine Frau bildeten ein ideales Ehepaar- und ich muß sagen, daß alle Haushaltungen, die ich in Deutschland kennen gelernt habe, denselben Eindruck der Zufriedenheit und häuslichen Glückes machten. In Deutschland bewune beit nicht der Mann, sondern die Frau. Madame Bilse blickte zu Herrn Bilse wie zu einem Gott auf. Sie sagte zu mir: „Ach- Wenn Sie ihn an seinem Hochzeitstage gesehen hätten, meinen Emmerich, das Myrtensträußchen im Knopfloch, mit der weißen Halsbinde und den frisierten Haaren!" Sie nahte ihm heimlich einen Schlafrock zu Weihnachten nnd bereitete ihm Grog mit Kognak. Sie besserte seine Hemden aus. lind wenn er etwas angeheitert aus der Kneipe heimkehrte, machte sie ihm keine Borwürfe, sondern eine Tasse Kaffee, was nützlicher war. Frau Bilse hatte ferne Zeit zu lesen oder an geistige Dinge zu denken. Sie wurde von den überall herumwimmelnden Kindern und von den Haus- srauensorgen, die in ihren Augen die Bedeutung feierlicher Handlungen hatten, vollauf in Anspruch genommen.. Sn- M- schastigte sich mit der Bereitung von Eierkognak, Pflaumcn- kompott und Spargelkonserven. Ihr Leben floß in der Küche dahin. Bei Professor Bilse aß man vormiüags nachmittags aß man wieder und abends aß man erst recht. Wenn die Leu sionäre von einem Ausflug nach einem schön gelegenen Orte sprachen, sagte die Frau Professor: ,^va, dahin konnte man einmal geh n . . . Tort gibt es gutes Bier!" Sie fragte Mich manchmal nach den französischen Ehen undwar vernünftig aenua die Pariserinnen nicht zu beneiden. Kopfschüttelnd fragte sie ob es wahr sei, daß bei uns die Matratzen mit Pflanzenfasern gestopft seien, und daß man Federbetten Nicht kenne, das war es, was sie an unserem Eheleben hauptsächlich inte- rcsiierte' Und sie bedauerte die Franzöfinuen bei dem Gedanken daß in Frankreich die „Versprechungen , die Verlobungen und die Jahrestage der Hochzeiten nicht besonders gefeiert werden; es gibt dort also — was sie gar nicht fassen konnte — so wenig Gelegenheiten, in Rührung zu machen und . .^. Kuchen


