Ausgabe 
27.7.1907
 
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sieht, auch sie hier oben so umfassend und ungehindert über die ganze hohe Himmelshalbkugel hin zu überschauen, wie sonst nirgends. Da standder ewig ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht", der Polarstern und auf beiden Seiten im gleichen Abstand beschrieben die gewaltigen Sternbilder der Kassiopeja und des großen Bären ihre Kreise. Der Aequator des Himmels leuchtete in den drei hellfunkelnden Gürtelsternen des Orion auf. lieber dem schwarzen Waldrande aber stand in eigenartig dunkelrotem Scheine der Nachbar und Wandergefährte unseres irdischen Planeten: der Mars. Böse^ sollte einst sein Schein den abergläubischen Menschen bedeuten. Und schwer wäre es auch uns heute nicht, seine Erscheinung auf böse, blutige Taten zu deuten.

Aber wir sind ja hier heraufgestiegen in die reinen Lüfte der Bergwelt, um einmal frei zu werden von all dem Druck und Nebel, den uns der Alltag drunten so oft auf die Seele legte. Die Sterne wollender Menschheit nichts Böses. Wenn nur die Menschen untereinander sich nicht soviel Böses und Schreckliches meinten antun zu müssen. Und dann fiel mir der Ausspruch Ellen Keys ein:Wer darf unter dem Sternenhimmel sagen, daß es an Licht­punkten in seinem Dasein fehle?" Oder jenes Wort Kants: Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mrr und das moralische Gesetz in mir!" Dr. Strecker-

Ein Dutzend Eßregeln.

1. Die Mahlzeiten (mindestens drei im Tag) sollen nicht überhastet heruntergeschlungen, sondern langsam und mit Muße -eingenommen werden, damit die Speisen genügend gekaut und eingespeichelt in den Magen kommen.

2. Ter Mundspeichel ist der erste Verdauungssaft, der sich zu der in der Mundhöhle in einen Brei verwandelten festen Nahrung hinzngesellt und die Vorverdauung bewirkt. Bei lang­samem Essen ergießt sich Mnndspeichel in größeren Mengen, wo­durch die chemische Umwandlung von Nahrungsbestandteilen be­fördert wird.

3. Manche Speisen wie z. B. Wse und hartgekochtes Ei sind nur dann schwerer verdaulich, wenn sie in zu großen Stücken verschluckt werden.

4. Bei schlechten Zähnen und schwachem Magen, bei Kindern Und Greisen ist die Verwendung der Nahrung in Breifvrm vor­teilhaft für die bessere Verdauung.

5. Suppen ohne Zutzaten Fleischbrühen haben die Wir­rung des Arrreizes sauf die Schleimhaut der Verdauungsvrgane und dadurch einer Vermehrung des Verdauungssaftesl

6. Tas Trinken bei Tisch sollte möglichst beschränkt werden, weil es in größeren Mengen die Berdauungssäfte allzusehr ver­dünnt und schwächt. Wein, oder Bier genieße man zuin Essen am besten gar nicht oder nur in ganz bescheidenem Maße, weil durch den Alkoholgehalt derselben die Verdauung der Speisen ver­langsamt wird.

. s?- Der nach der Mahlzeit etwa sich einstellende Durst wird durch Obst oder Früchte oder durch den Genuß eines Glases guten Trmkwasters etwa eine Stunde nach dem Essen gestillt.

._ 8. Das Schlafen nach Tisch der sogen. Mittagsschlaf m luv.gewöhnlich zu vermeiden, dagegen Ruhe bei ganz leichtem Lesestoff zu empfehlen. .

. Abends soll nicht zu spät gegessen werden, damit nicht der 'Scgfof dadurch leide. Ein gefüllter Magen arbeitet auch rm Scylafe, deshalb stört, er diesen. Die letzte, nicht zu große Mahlzeit sollte etwa drei Stunden vor dem Schlafengehen ein­genommen werden.

, .- b0. Tie Speisen und Getränke seien weder zu kalt noch zu KbsU'stveil dadurch die Schleimhaut des Verdauungsapparates Ueletbtgt iüttb. Temperaturgrenzen von unten nach oben acht und 36 Grad Reaumur.

Bei Auswahl der Speisen ist auf Schmackhaftigkeit und Abwechslung zu sehen, weil sonst leicht Widerwillen und Appctit- storung emtreten.

, Am Winter sei die Nahrung reicher an Wärmequellen lmehr Fette und Mehlspeisen), während im Sommer Gemüse und cis L regelmaßrger und dem stärkeren Wäsferbedürfnis des Körpers entsprechend, auch in erheblicheren Mengen genossen zu werden verdienen.

vermischLer.

u m * aus Weizen. Eine Erfindung von weit- Bedeutung will der englische Techniker William Carr gemacht haoen,. der die technische Welt dadurch überrascht hat,

daß er Kautschuk und Gummi aus Weizenkörnern herstellt. Ein reiner Zufall führte Carr zu dieser Erfindung. Als kleiner Junge hatte er, wie so viele, die Beobachtung gemacht, daß, wenn er Weizenkörner kaute, sich in seinem Munde eine spezifisch gummi­artige Masse bildete. Von dieser ersten Erfahrung ging er aus und fand, daß, wenn man auf Weizen Ptyalin, eine chemische Substanz, die sich irrt Speichel findet, einwirken läßt, eine Art Gummi entsteht. Ptyalin ist ein Gährungserreger und bildet mit Stärke eine unter dem Namen Dextrose allgemein bekannte Sub­stanz, die ihrerseits wieder in Gummi überführt werden kann. Tie Lösung des Problems lag aber in zwei Fragen: In welchem Verhältnis müssen die beiden Substanzen zu einander stehen und wie kann Ptyalin in genügender Menge beschafft werden? Versuche ergaben, daß Schweine Ptyalin in großen Mengen erzeugen und damit war die praktische Frage gelöst. Die verschiedenen existieren­den Gummiarten sind fehr zahlreich und umfassen eine lange Kette von dem dünnflüssigen Material, aus dem regendichte Röcke hergestellt werden, bis zu dem harten widerstandsfähigen Material des Golfballes. Carr hat auch diese Frage gelöst, daß er jeden Härtegrad feststellcn kann und zwar durch die einfache Methode des rechtzeitigen Unterbrechens des Prozefses. Sechs Artm von Gummi war das Resultat, und sie werden zu folgenden Zwecken verwandt: für Regenröcke, für Schläuche und ähnliche Gegen­stände, für Automobilreifen, als Substitut für Linoleum, für Parkettersatz und schließlich für Golfbälle. Wenn man allerdings in Betracht zieht, daß so vi.ele Versuche, einen Gummi- oder Kaut­schukersatz zu finden, erfolglos waren, müßte man sich auch Carrs Erfindung gegenüber skeptisch Verhalten. Doch bietet der bei dem Getreidegummi mit Erfolg durchgeführte Vulkanisationsprozeß Ge­währ, daß in der Tat dieser Gummi vollkommen den natürlichen zu ersetzen imstande ist, da man-bis jetzt nur drei Substanzen kennt, nämlich den natürlichen Gummi, Guttapercha und den in Frage kommenden Weizengummi.

An die jungen Mädchen beim Austritt aus der Schule richtet sich ein Flugblatt desVereins für Ver- besserung der Frauenkleidnng" irr Stuttgart mit folgender ein­dringlichen Mahnung:Bald zählst du nun zu den Erwachsenen und bekommst lange Kleider. Pflichten treten an dich heran, denen die kindlichen Spiele weichen mitffett. Aber fürchte nicht, daß nun Frohmut und heiterer Sinn auch ein Ende haben. Beides kannst du dir in jeder Lebenslage bewahren und in jedenr Alter. . Eine Hauptsache ist aber dabei ein gesunder Körper, und zu feiltet: Kräftigung mußt du in erster Linie eine vernünftige Kleidung wählen. Trage also niemals ein Korsett, denn daS bringt Bleichsucht, Magenleiden und alle möglichen Krankheiten, die dir das Leben verbittern und dich untauglich zu deinem Be­rufe machen. Ehre auch darin den Willen deines Schöpsers, daß du die Biegsamkeit und Kraft, die er deinem Körper ver­liehen Hat, nicht mit harten Kvrsettstäben, mit festem Rockbund und engem Gürtel unterbindest. Lungen, Magen und die Organe des Unterleibes darfst 'du damit nicht gewaltsam zusammenpressen. Auch das lose angelegte Korsett ist schädlich. Jeder gesunde Körper ist stark genug, sich ohne Korsett aufrecht zu halten. Nur durch das Kvrsettragen verliert er dazu die nötige Muskel­kraft. Zu alldem ist bie Korsettfigur häßlich, weil sie natur­widrig ist. Aerzte, .'Künstler und erfahrene Mütter haben das klar bewiesen und raten dir zu einer Kleidung, die zugleich ge­sund und schön ist und bie nicht teurer ist als eine andere."

Silbenrätsel.

a, a, a, con, dolf, gra, he, ing, köpf, li, moh, na, nit, ra, rac, reu, su, sul, var, wer.

Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen acht Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt ivcrden, daß die Anfaugs- buchstaben, von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, die Namen eines italienischen Komponisten und den Titel einer Oper derselben bezeichnen. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:

1. Ein Konditorei-Erzeugnis.

2. Männlichen Vornamen.

3. Afrikanischen Volksstamm.

4. Hohen Staatsbeamten im alten Rom.

5. Geistiges Getränk.

6. Eine Gefteinsart.

7. Ehemaliges Königreich.

8. Ein Gewürz.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer: Wenn die Rosen aufgebläht, Geht der Lenz zu Ende;

Wenn die Sonn' am höchsten glüht,

Naht die Sonnenwende. Rückert.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universttäts-Buch» und Steindruckerei, R. Langem Gießen.