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druck fort: „Oder fvlt ich dir die Münze nennen, für welche du zu haben bist? Es ist dein wilder, unsinniger Ehrgeiz! Deshalb nahmst du mich — den Liebling der Herzogin — wenn — wenn es nur der Gedanke an die Fürstin allein gewesen ist. Ah, wie ich dich darum verachte!"
Sie klammerte sich plötzlich fest an ihren Stuhl. Ihr war so entsetzlich schwindlich, aber das ging schnell vorüber.
„Ich will ja gar nicht abstreiten, daß du mich daneben nicht anch rwch gern gehabt hast — aber die Hauptsache. . ."
Sie vollendete nicht, sondern trat langsam vor die große Psyche, neben der auf einem schmalen Tischchen die ziselierte Truhe stand. Schweigend nahin sie den kleinen Schlüssel aus ihrem Geldtäschchen und steckte ihn in das Schloß. Mit lautem Knack sprang auf. Sie bog den Deckel zurück, um die Perlenschnüre herauszuuehmen. Da schlug Beltlingens (stimme an ihr Ohr.
„Mso das gestehst du mir wenigstens noch zu, daß ich dich „daneben" auch noch gern gehabt habe?"
Tagrnar wandte den Kopf und sah ihn traurig an. „Ja, gehabt habe." Sie nahm die Perle» heraus und legte sie auf das Tischchen. Ohne daß sie es bemerkte, glitt ein Briefülatt dabei zu Boden. Veltlingen sah es und hob es auf.
„Und du hältst es für völlig ausgeschlossen, daß ich dir auch jetzt noch gut bin?" suchte er wieder einzulenken, in dem peinlichen Gefühl, über das Ziel hinausgegangen zu sein. Ein Gemisch von Zorn und Unsicherheit lag auf seinem Gesicht.
„Ja," klang es ihm hart entgegen. „Denn ich bin der Ansicht, daß Liebe ohne Achtung nicht bestehen kann." Er zuckte zusammen. „Und daß man eine Frau nicht achtet, der man Wiche Tinge zutraut, wie du mir vorhin vorwarfst, ist doch klar."
rj., Als er verlegen vor ihrem ernsten Blick die Augen niederschlug, ftelen sie jaus das Briefblatt, welches er mechanisch zwischen den Fingern drehte. Anfangs sah er darauf nieder, ohne doch eigentlich zu sehen, dann ging ein Zug ungläubigen Erstaunens über sein Gesicht.
„Du hast also wirklich keinen Brief von Uchdorf?" Lauernd fuhr sein Blick zu ihr hin.
„Nein," antwortete sie zerstreut, und kramte unruhig in der Truhe. Er beobachtete sie gespannt. Wie schlecht sie sich verstellen konnte.
..., suchst du eigentlich so ängstlich?" inquirierte er spöttisch. „Vielleicht den Brief dieses — Galans?"
7^^nus!" rief Dagmar empört, „meinen Vater laß aus dem Spiel. Sie strectte gebieterisch die Hjand nach den- Schreiben aus.
„Gemach, gemach, meine Liebe," sprach Veltlingen höhnend, „du erlaubst Wohl, daß ich diesen „väterlichen Erguß" zu deiner und memer Erbauung laut zu Ende lese. — „Hab' also noch n.leine heißgeliebte Dagmar, tausend Dank für das Gluck, welches du Mir gegeben, und glaube ich bin dein, w aIIe Seit bei» Achatz Uchdorf." — „Reizend!" kuschte Veltlingen empört. „Was hast du. mir darauf zu Men? herrschte er Dagmar zu.
Sie sah ihn wie irr an.
„Woher weißt du das? Zeig' mir den Brief," flüsterte sie Heiser. Sie stützte sich schwer auf die Tischplatte. „Das ist Nicht der von Papa."
„Nmn, das ist nicht der von Papa," sprach Veltlingen ihr nach Er wußte gar nicht, daß er das sagte, während er ihr das Schreiben gab.
8 2riff Dagmar danach. Aber kaum hatte sie einen Blick darauf geworfen, so ließ sie die erhobene Hand sinken Bor ihren Augen tanzte und flimmerte plötzlich- alles. Angstvoll faßte sie sich au den Kopf. War sie denn verrückt geworden, oder affte fre ein Traum?
Sre wußte es doch ganz genau, daß sie das Schreiben ver- brannt batte —- damals — in jener Nacht, als sie den unglück- ss/MU Entschluß faßte, Beltlingens Werbung anzunehmen. Um 2™ • kam der Brief hierher? Der einzigste, den sie je von Uchdorfs Hand erhalten hatte.
. EAUg nach Atem ringend, sah sie von neuem auf das Blatt,
« ar8»uS ihr noch immer hinhielt. Aber sie konnte trotz ^Anstrengungen nichts erkennen, denn plötzlich waren sie wieder da diese sonderbaren grüngelben und roten Fiinken, die ms»0’;0 r- snrrige Räder um sie her tanzten. Nicht wahr . . ." flüsterte sie tonlos, dann sank sie schwer hinten über.
^Trte .?er Kammerherr auf die wie leblos Da- 4. JL ' hna k blkte er zur Klingel. Grell tönte ihr Klang rJÄ 9MY-aU8‘ m ä Tranz und Anna ängstlich herbeikamen, befahl Wettlingen, Dagmar aufs Bett zu legen. Vorsichtig hoben
die Leute die Kranke empor, während Veltlingen den Bries in feine Rocktasche gleiten ließ.
Dagmar atmete schwach, aber sie war ohne Bewußtsein. Ratlos sah Anna zu dem Kammerherrn auf.
Der Kammerherr war leichenblaß. Klirrend setzten seine zitternden Hände das Riechsalz auf die Marmorplatte nieder, welches er von Zeit zu Zeit Dagmar hingehalten hatte.
„Franz! Der Diener kam aus dem Nebenzimmer. „Sofort nach Greifswald an Professor Mattissen telephonieren."
„Befehl, Herr Baron."
(Fortsetzung folgt.)
Aus der Studentenzeit.
Er nnerungen eines alten Giesjeners.
or „ _ (Fortsetzung.)
Aus meinem ersten e>eme)ter erinnere ich mich namentlich an einen Ausflug nach der großartigen Ruine der Burg Greifen- stein, die heute, wo mimt bis an deren Fuß fahren kann, wohl tedem Studenten bekannt ist. Damals gab es weder eine Gießen- Colner, noch eine Lahnbahn, und ein Wage» würde sehr teuer geworden fern. Mau mußte daher die Tour „auf Schusters Rappen machen, wie es hieß. Wir waren nachmittags über Wetzmr bis Katzenfurt gegangen. Außer mir die beiden Re- dakteure des Gambrimis, neben Frau und B. Ernst Tues, ein Künstler von Gottes Gnaden, der erst Theologie, dann Forst- wis.senscyaft studierte und dann nach Stuttgart zog, um sei» Zeichnen- und Kvmpositionstalent in den Dienst der Holzschneidekunst zu stellen.
In Katzenfurt, wo wir übernachteten, kamen wir zu einer großen israelitischen Hochzeit, die in dem Wirlshttus gefeiert und bet welcher getanzt wurde. Unter denl weiblichen Teil befanden sich einige sehr schötre Mädchen und wir nahmen daher die Einladung, mitzumachen, gern an. Wir tanzten flott bis gegen chiitternacht und gingen dann mit unseren Tänzerinnen zur Ab- kiihlung auf die Straße. Tort trafen wir den Nachtwächter, wie er bte_ zwölfte Stunde abrief. Freund B. nahm ihm Horn und spieß ab und versah tadellos sein Amt. An jeder Straßenecke ließ er das Horn ertönen und den Vers: „Hört ihr Herrn und laßt Euch sagen, die Glocke hat zwölf geschlagen. Bewahrt das ^euer und das Licht, daß Niemanden ein Leid ge- geschupt. ^edesmal gaben wir drei dann zweistimmig ein frisches studentenlied zu. Unsere Schönen amüsierten sich königlich und auch die Katzenfurter machten gute Miene zum bösen Spiele. Andern morgens zogen wir, leider allein, hinauf auf Burg und Feste Grelsenstem. Von ihr wird erzählt, daß Marschall Türenne sie vergeblich belagert Habe. Einem Parlamentär wurde an ledern Tor^ein Dbschredsttunk kredenzt. Es waren deren so viele, daß der Sendling betrunken ins Lager zurückkehrte. Als er von der stärke der Festung und weiter erzählte, wie es ihm ergangen, soll Türenne die Belagerung aufgehoben haben
Ter Greifmsteiner ließ dann an deut letzten Tor, durch welches Lstv Pjarlamentär die Feste verließ, den Spruch an- brtngeii: „Greifenstein, du edles Haus; nüchtern hinein und voll heraus." Der hohe Doppelliiriii und die »tüchtigen Trümmer geben heute noch ein Zeugnis von der Stärke der Burg. Der Franzose muß aber doch nicht viel haben vertragen können. Einem Gießener Studio toäre das jedenfalls nicht passiert. Auf der Ruine hat man eine prächtige Aussicht ins Dilltal, nach dem, Tünsberg und Hohensolms sowie nach dem Vetzberg itnd Gleiberg bei, Gießen. Die Stadt selbst kann man nicht sehen, wohl aber die Hohe des Seltersberg. Ich fragte einen Bauersmann, wie weit man es auf direktem Wege nach Gießen rechne. Er meinte siebe» Stunden. Als ich ihm sagte, daß ich vor einigen Jahre» mit meinem Vater nur sechs Stunden gebraucht habe, erwiederte er: „Das glab aich, als Sie noch ein Jüngling waren." Ich war damals wenig über 18 Jahre alt: Es scheint aber, als ob die Landleute überhaupt keinen Maßstab für Schätzung des Alters eines" Menschen hatten. Wenigstens ist es mir wenige Jahre danach passiert, daß ich, in Gesellschaft einer Dame, die mehr als noch einmal so alt war wie ich, von einem Hinterländer Bürgermeister gefragt wurde: „Das is wohl die Fvaa".
Wir gingen (an jenem Tage noch nach dem weniger bekannten, aber sehr fehenswürdigen Beilfleiner Felsenmeer und Burg Beilstein, von da über die Dianaburg nach Hause. Das war ein Weg von etwa über neun Stunden.
Wieviele Gießener Studenten machen heute noch solche Touren? Wenige wissen auch, daß man von deut Gleiberger Burgturm aus fünfzehn alte Burgen und Schlösser überschauest und daß man alle diese nebst weiteren zwanzig, die nicht sichtbar sind, in wenigen Tagestouren von Gießen aus besuchen kann. Eine lohnende und jedem Studierenden sehr zu empfehlende T p g e s t o u,r ist die durchs Biebertal über Königsberg und Hohensolms nach Greifenstein. Von da über das, stelsenmeer, Beilstein, Mehrenberg nach Weilburg, oder von Benstein über die Dianaburg nach Ehringshausen; Nachmit-^ tagstouren: Braunfels, Tiergarten, Philippstein, Freienfels, Weilburg, oder Staufenberg, Nordeck, Frauen-


