1907

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Auriken unter der Asche-

Roman von M. Proßnib (M. Nörcnberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt.

(Fortsetzung.)

11. Kapitel.

Veltlingen hatte, im Gegensatz zu seiner Gattin, eine sehr schlechte Nacht gehabt. Ruhelos hatte er sich stundenlang auf seinem Lager umhergewrrfen, immer von dem entsetzlichen Ver­dacht gefoltert, den die Lindstrom so geschickt in ihm zu wecken gewußt hatte. Und als sich der Schlaf doch endlich eingestellt hatte, war er schwer und unerquicklich gewesen.

Früher als sonst war der Baron wach. Aber kaum hatte er sich ordentlich ermuntert, so kamen auch die schrecklichen Ge­danken uneder, die ihn ob seiner Vertrauensseligkeit verspotteten. Wie sehr er sich jauch dagegen wehrte, der Verdacht blieb. Und allmählich drehte auch der sich nur um den einen Punkt:Hatte Dagmar wirklich von Uchdvrf Briefe erhalten?" Das wäre ja schon der erste Beweis ...

Langsam schritt Bewingen nach dem Ankleiden nt das kleine Speisezimmer, in dem er und Dagmar gewöhnlich gemeinsam das erste Frühstück einnahmeu. . r

Ungeduldig wartete er auf ihr Erscheinen, aber eine Viertel­stunde nach der andern verging und sie kam nicht. Endlich über­brachte ihm Anim die Bitte, ins Schlafzimmer zu kommen. Hastig eilte er dorthin.

Die Baronin war bleich und augenscheinlich sehr erregt, aber sie wußte sich trotzdem zu beherrschen. Ein rührender Liebreiz ging voll ihrem traurigen Gesichtchen aus. Veltlingen sah und empfand den wohl. Aber gleichzeitig stieg auch der blinde Zorn von neuem in ihm empor, daß sie gewagt hatte, ihn so zu betrügen.

Ich habe dich hierher bitten lassen, Magnus," begann Tag­mär mit leiser Stimme,weil ich hoffe, daß wir hier unbelaufcht sind. Ich mochte nicht, daß das, was ich dich jetzt fragen will, noch andere Ohren hören." Sie machte atemschöpfend eine kleine Pause. Tas Herz schlug ihr bis zum Hals. .

Reizende Art der Inquisition," bemerkte SMttirrgett bissig. Wenn ich nun über nicht gesonnen bin, mich wie ein Schuljunge von dir ausfragen zu lassen?"

Tagmar sah ihn ernst an.

Ich glaube nicht, daß du deiner Gattin die Antwort, oder' richtiger, die Erklärung verweigern wirst, weshalb du gestern der Gräfin Lindstrom gestattet hast, mich, deine Frau, so namenlos zu beschimpfen?"

Veltlingen sah sie erstaunt an.

Woher weißt du das?"

Bitte, das tut nichts zur Sac^." Sre hob abwehrend die Hand.Also du gibst zu, es- geduldet zu haben, daß die Gräfin mich schnöde verdächtigte? Magnus, wie konntest du das tun?"

Weshalb hast du mir nie von deiner Korrespondenz mit Uchdvrf erzählt?" srstg er aufs Gradewvbl zurück.

Ich Habe nie mit Uchdvrf korrespondiert!" Herb und verächtlich bogen sich ihre Mundwinkel abwärts'. Er sah es wohl. Tas reizte ihn namenlos.

Tas ist dein Glück! Ich wüßte nicht, was ich sonst getan hätte." - ,

Unruhig ging er ein paar Schritte auf und ab. Seme Stimme klang heiser und brüchig vor Aufregung.

Ich warne dich noch einmal, Tagmar, laß dich nicht mit Uchdvrf ein."

Wie von einem Peitschenhieb getroffen, sprang sie vost ihrem Stuhl enttwr.

Pfui!" Nur dieses eine kleine Wort. Aber.es lag eine grenzenlose Empörung darin. Und dann, nach einer kurzen Pause, die Veltlingen dennoch lang wie die Eivigkeit erschien, begann sie zu reden. Eigentümlich leise iind doch klar ver­ständlich fielen die Worte von ihren bleichen Lippen.

So hältst du das Versprechen, ivelches du mir damals in Lugano gabst, Magnus? So fest glaubst du an meine Treue, daß jedes aufreizende Wort eines niedrig denkenden Menschen in deinen Augen mehr wiegt, als mein Schwur am Altar? Ich meine, der hätte dir genügen sollen. Schlimm genug, daß er das nicht tat. Was hilft es, dich nochmals darauf hinzu­weisen? Tu gljaubst meinem Wort ja doch nicht denn sonst hätte es dir genügt." Sie holte tief Atem, und als Veltlingen noch immer schwieg, fuhr sie bitter fort:Aber was nutzt alles Reden? Tu trauft mir ja doch nicht. Gehe nur wieder zu der Gräfin. Die totrb dir sicher wieder höchst geschickt aller­hand Schlechtigkeiten von nkir zu sagen wissen. Glaube aber nicht, daß ich mir das gefallen lassen werde..."

Ha," unterbrach er sie spottend,das sollte dir wohl passen, jetzt schnell einen bequemen Scheidungsgrund und dann in die Arme des andern! Nein, mein Engel! So haben wir nicht gewettet. Einen Skandal will ich um jeden Preis ver­mieden haben. Tas weite dir ein für allemal. Du hast mir vorhin deine Tugend in einem so hellen Licht gezeigt. . ."

Ich wünschte, du hättest daran geglaubt," flüsterte Tag­mar beinah wnlos. Sie hielt sich nur noch mit Anstrengung aufrecht. In dem krampfhaften Bemühen, ihrer Erregung Herr zu werden, konnte sie es aber doch nicht hindern, daß ihr große, schwere Tränen über die Wangen rollten. Veltlingen sah das wohl, aber es war ihm in diesem Augenblick völlig gleich- 8Ut JM! Was heißt Tugend bei euch Weibern!" stieß er brutal hervor.Da kenne ich mich aus. Da machst du mir nichts weiß, meine Teure. Da hat jede aber auch jede ihren Preis" Und als er ihre großen von Abscheu gefüllten Äugest auf sich gerichtet sah, fuhr er in sinnlosem Zorn fort,oder! soll ich dir das vielleicht noch näher erklären?"

Nein, klang es herb zu ihm hin.DaS ist nicht nötig); Ich beuge mich darin völlig deinen Erfahrungen. Aber wenn du denn doch mit solcher Entschiedenheit sagst, eine jede von uns sei feit, so laß mich das dahin ergänzen so guüwiü die Fronen haben auch die Männer ihren Preis!" Er wollte beleidigt auffahren, doch schon fuhr sie mit eigentümlichem Nach-