— 304 --
Von einem riesigen Feuermautel überwölbt, tzarv nter ein offenes KvUenfeuer, oder nicht? Ach nein, es ist Gasheizung, auf künst- liche Weise Kohleuheizung vortäuscheud, und statt des Dekoratious- divans findet sich ein sogenannter Zierschrank vor, mit getriebenen Kupferbändern, die aber nichts zu halten haben, sondern an den Türen, die in Scharnieren laufen, angenagelt sind!
Wozu der Feuermantes, wozu das' künstliche Kohlenfeuer, wozu der Zierschrank, wozu die angenagelten Knpferbttnder? — Darauf hört man die stehende Antwort: Weils halt so schön ist — wissen Sie — der Dekoration wegen!
Man sieht, diese dltodernisierung gibt dem Dekorationsdivan nnd deut ganzen alten Gschnas nichts nach.
Stellen sie ein wirkliches Kunstwerk hinein, so sieht es in solcher Umgebung doch nichts gleich!
Der Unfug hat keine Grenzen; er wird in seinem ganzen Umfang offenbar werden, wenn es wirklich einmal gelingen sollte, die Kultur wieder auf sachliche Grundlagen zu stellen. Zu diesem Zweck ist noch alles neu zu machen vom Kleinsten bis zum Grössten: die ganze Welt ist neu zu bauen.
Dann wird ein Staunen sein über die Macht, die das echte Kunstwerk in einer solchen sachlichen Umgebung ausströmt.
VsSgMfMGA»
Der Hauptmann von Köpenick erfreut sich in Holland auf dem platten Lande einer gewissen Popularität, die der einer rundreisenden Schaufpielertruppe, welche ihn verherrlichte, zu verdanken hat. Die unangenehmen Folgen dieser Popularität erlebte vorige Woche Leutnant H. aus Herzogenbufch, der mit einem nordbrabantischen Dorfbürgermeister wegen der Einquartierung während der Herbstmanöver dienstlich unterhandeln sollte. Der Bürgermeister lieh den Leutnant ruhig ausreden und fragte ihn dann mit malitiösem Lächeln, ob er vielleicht auch die Gemeindekaffe mitnehmen wolle. Anfänglich begriff der verdutzte Offizier den Torshäuptling nicht. Als dieser jedoch innner deutlicher wurde und schließlich die ganze Köpenikiade in Versen vor- trug, ging dem Leutnant ein Licht auf und er verließ ärgerlich die Bürgermeisterei, auf Schritt und Tritt gefolgt vom Gemeinde- polizisten, der vom Bürgermeister den Auftrag erhalten, dem „Kopemcker" gut auf die Finger zu sehen. ' Glücklicherweise begegnete der Offizier einem Herzogenbuscher Bürger, der den Leutnant kannte; aber auch dieser sand erst Glauben beim Dorshauptlutg, nachdem er ihm mit Handschlag die Versicherung gegeben, daß der Leutnant „echt" sei. —
~ ", Tine „Hexe" erschlagen. Im Dorie Fedjukina des Smolensker Kreises war eine 80jährige Frau, Protassowa, wegen „Hexerei' erschlagen worden. Es kam zu einem Prozeß, in dem wieder einmal die „Macht der Fiiffternis", die noch immer im „dunkelsten Rußland" herrscht, zu Tage trat. Ueber den Prozeß bericytet die „Nov. Wr." folgendes: Einige bekrunkene Bauern zogen vor das Hans und verlangten von der dort ivohnenden Bäuerm Nikitina, daß sie die „Hexe" Protassoiva ihnen ausliefern solle. Tie alte Frau war nicht zu Hause. Als sie heiinkehrte, drang der Bauer Koljadin in die Hütte, riß sie von der Ofenbank herunter und schleppte sie auf die Straße. Hier prügelte er die Greisin vor den Augen der kaltblütig zuschanenden Bauern. Es wurden sogar dem brutalen Kerl Aufmunterungen aus dem Bauernhau en zugerusen, er solle die „alte Hexe" nur ordentlich schlagen. Schließlich ergriff der Unmensch ein langes Brett rind schlug die alte Frau tot. Die Zeugen vor Gericht, unter ihnen ein Sohn der Verstorbenen, konnten nur aussagen, daß die Erschlagene einen „bösen Rus im Dorfe und darüber hinaus genossen habe, und daß man m der ganzen Gegend schon lange vorher davon gesprochen habe, daß die alte Protassoiva erschlagen werden würde. Auf die Fragen, ob sie denn wirklich an Hexen glaubten, gaben die Zeugen ausweichende Antworten. Der Zeuge Nikitin, in' dessen Hanse die alte Frau gewohnt hatte, konnte nur sagen, daß er und viele andere sich gefreut hätten, daß man die „Hexe" erschlagen habe. Der angeklagte Mörder Koliadin wurde nach drei Minuten langer Beratung der Geschworenen f r e i g e s p r o ch e n (1)
Literarischer.
— Geschichten aus deutscher Vorzeit. „Hcms- kucherer" Band 14 — Novellenbuch Band 3. 246 Seiten Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hmn- burg-Grvßborstel. 6. bis 10. Tausend. Preis geb. 1 Mk. — Das Buch bietet uns in drei höchst fesselnden Erzählungen treffliche Schilderungen deutschen Lebens früherer Zeiten. Der Band beginnt mit des jüngst verstorbenen Adolf Schmitthenner „Tilly in Nöten", einer formvollendeten Novelle, in welcher der Dichter um die Person des großen Generals aus dem 30jährigen Kriege als Mittelpunkt eine lebens frische Episode gestaltet hat, vor deren Humor und Farbenpracht die Schrecken jener blutigen Zeit fast in den Hintergrund treten. — Die zweite Novelle „Frühschein" aus der Feder des österreichischen Dichters I. I. David, der
gleichfalls erst kürzlich verstorben ist, hat einen Hexenprozeß zum Gegenstände und zeichnet sich durch sprachlich meisterhafte Behandlung sowie durch die stimmungsvolle Schilderung innerer Kämpfe aus, die allen Dichtungen Davidsj besonderen Gehalt verleiht. — Wilhelm Hauffs bekannte Erzählung „Jud Süß" schließt den Band. Eine in Württemberg noch heute volkstümliche historische Episode aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts hat Hauff in voller Anschaulichkeit mit der ihm eigenen frischen Erfindungsgabe und in flotter Sprache wiedererzählt und zugleich ein gut getroffenes Bild der inuerpolitischen Zustände eines deutschen Mittelstaates jener Zeit entivorfen. — Die Ausstattung des beispiellos billigen Bandes ist wie bei allen Büchern der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Dtiftung mustergültig.
— Wilhelm Jensen: lleber d er Heide. Volksbücher Heft 12.) Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-, Stiftung in Hambnrg-Großborstel. 127 Seiten. Mit einem Bilde des Dichters. Preis geh. 25 Pf. — Wenige andere! Erzählungen der deutschen Literatur geben wohl die schreckliche Zeit des 30 jähr. Krieges so erschütternd, in so scharfer und farbenreicher Zeichnung wieder, tote diese Novelle. Denn der Dichter hat hier dem Wüten der Kriegsfurie bewußt den großen Frieden, die einsame Pracht der Lüneburger Heide gegeuübergestellt. Mitten in dieser mit allem Zauber der Stimmung geschilderten Landschaft, in den ergreifenden Bildern des Kriegslebens hat Jensen mit echter Gemütstiesp und üppiger Phantasie ein liebliches Idyll, ein farbenprächtiges Märchen geschaffen: ein sich innig liebendes Paar,^ das trotz aller Prüfungen der schrecklichen Zeit einem neuen Leben erhalten bleibt, und die dämonenhaft unbegreifliche Figur des phantastischen Zigeunermädchens Biri. Das überaus billige, vortrefflich ausgestattete Heft ist zudem mit einem vortrefflichen Bild und dem Namenszug des Dichters geschmückt.
Vermächtnis.
Die Lieder geb' ich dein Winde, Fragt nicht: wer hört ihren Schall- Baid weht der Wind nur gelinde, Bald wogt er wie Glockenhall.
Hier flüstert er leis' im Laube, Kühlt fächelnd der Wangen Glut, Dort wirbelt er toll int Staube, Als Sturmwind peitscht er die Flut.
Heut' läßt er grollend erdröhnen
Den Donner im Wolkenflor, Und morgen lockt feint Versöhnen Den blauen Himmel hervor.
Labt oft mit frischerem Wehen Beim Morgen- und Abendrot, Hebt aus zum Himmel das Flehen, Die Seufzer der tiefen Not.
Und schwingt von fröhlichen Stunden
Den Jubel durch Gottes Welt, Hält Erd' und Himmel verbunden, Küßt Blumen und Sternenzelt.
Dem Winde geb' ich die Lieder, Weiß nicht, wohin sie all' weh'n. Wollt' Gott, ich fände sie wieder In Herzen, die mich versteh'«. Dr. Fr. K,
Rösselsprung.
Auflösung in nächster Nummer.
und
nur
wenn
auf
gen
gelt
bracht
inner
der
sie
stet
nacht
voll
er
auch
gleich
daß
lauf
gen
des
nen
der
un
ist
sei-
tag
es
fahre
ist
lebens
ster
in
Auflösung des Homonyms in voriger-Nummerr
Wenzel.
Redaktion: P. W ittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießern


