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AuaKtN unter der Ascke,
Roman von M. P r o ß n i tz (M. Nörenberg).
Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt.
(Fortsetzung.)
„Ter fliegt durch die Luft, Herr Baron!"
„Unsinn," entgenete Uchdorf energisch. Aber ihm schien die Geschichte auch sonderbar. Er hatte das Tier noch mit seinen eignen Augen gesehen, ahnungslos, was für eine unheilbringende Bedeutung dem Erscheinen des Hundes beigelegt wurde. Tas erzählte Franz ihm erst mit einem gewissen graulichen Behagen, als Beltlingen sich nach unten begeben hatte. ~
Erregt schritt der Kammerherr in seinem Schreibzimmer auf und ab. Mehr denn je war er geneigt, den Aeußerungen der Lindstrom 511 glauben. Schien doch seinem ängstlichen Gemüt der graue Hund schon die Katastrophe anzukünden, die, wenn die Behaptungen der Gräfin auf Wahrheit beruhten, unweigerlich hereinbrechen mußte.
Er sah nach der Uhr. Es war die höchste Zeit auf die Galerie zu gehen, wenn er Fredine nicht warten lassen wollte. Er schellte dem Diener.
„Wo sind die Herrschaften?"
„Seine. Hoheit arbeitet in seinem Zimmer, Ihre Hoheit schreibt in der Bibliothek Briefe. Frau Baronin ist auch in der Bibliothek."
„Schön," nickte Beltlingen. Tann sah er den Diener ernst an. „Ich will nicht, daß die — Sache von vorhin bekannt wird! Verstanden?"
„Befehl, Herr Baron!"
Aber eine Stunde später wußte es doch das ganze Schkrß- gesinde. Ter graue Hund war da gewesen! Die Mädchen saßen mit hochroten Köpfen da und kreischten ängstlich bei jedem ungewohnten Geräusch auf, und die Diener gaben sich verzweifelte Mühe, männliche Tapferkeit zu zeigen, aber sie sahen auch scheu an den dunklen Ecken vorbei. Es lag wie Unheil in der Luft. Darüber war sich das Personal einig.
Hastig eilte Beltlingen unterdessen nach der Galerie. Zu seiner Enttäuschung fand er Fredine nicht dort. In kluger Berechnung erschien sie erst etliche Minuten nachdem ihre scharfen Ohren sein Kommen erlauscht hatten. Der Kammerherr, dem die kurze Zeit des Wartens eine Ewigkeit zu sein deuchte, war von einet unglaublichen Erregung. Seine Stimme klang heiser und gepreßt, als er gedämpft sagte:
„Ich fürchte, Ihre Vermutungen gehen nicht fehl in der an- tzedeuteten Richtung."
„Uni; woraus schließen Sie das?" war die gespannte, mit mühsam verhehlteni Triumph gegebene Antwort.
Beltlingen, viel zu sehr von dem eben Erlebten erschüttert, erzählte ihr die Spukgeschichte. Mm liebsten hätte die Gräfin über solche Narretei hell aufgelacht. Aber sie war klug genug, sich das nicht merken zu lassen. Anscheinend gedanken- Verloren blickte sie auf die alten Wappenschilder.
„Woran denken Sie, Gräfin?"
Sie sah ihn ernst, fast traurig an.
„Ob es wirklich möglich ist, daß eine Beltlingen vergessen kann, was sie dem Namen ihres Gatten schuldig ist. Ich sehe ja Ihre begreifliche Empörung, Ihren Zorn, lieber Baron," fuhr sie hastig fort, „und ich kann mir aus einmal gar nicht denken, daß ich ernstlich eine solche Vermutung hegte." Ihre Worte überstürzten sich förmlich, so eifrig suchte sie Dagmar jetzt weiß zu waschen.
Sie hatte damit grade das rechte Mittel gewählt, seinen Zorn immer mehr anzustacheln. Hastig flogen Rede und Gegenrede zwischen ihnen her, während die Gräfin mit scheinbarer Aufmerksamkeit die Wappen betrachtend, die Galerie entlang schritt. An der Querseite blieb sie stehen.
„So fragen Sie doch einfach Ihre Gattin, ob Uchdorf ihr nie geschrieben hat," hetzte sie geschickt weiter. „Fch für meine Person glaube es ni. . . . O Gott, was war das?" unterbrach sie sich plötzlich angstvoll. „Tas hörte sich ja an wie ein Todesröcheln," vollendete sie scheu.
Beltlingen horchte. Ganz deutlich ließ sich jetzt ein leises, kratzendes Geränsch vernehmen.
„Mäuse," versuchte er Fredine zu beruhigen. Aber sie verließen doch, wie auf Verabredung, alle beide hastig die Galerie.
Wenige Augenblicke später trat Dagmar, blaß wie eine Lilie, aus der geheimen Tür. Taumelnd hielt sie sich an dem Rahmen fest. Tas, was sie da eben vernommen hatte, war wirklich mehr, als sie ertragen zu köirnen glaubte. Ihr armer Kopf war _ifyr plötzlich so wirr und schwer, daß sie gar nicht mehr wußte, wo sie sich befand. Es dauerte eine geraume Zeit, bis sie wieder so weit war, sich auf alle Vorgänge besinnen zu können.
Richtig! so war es gewesen. Sie hatte für den Herzog das Pergament holen wollen, in dem die Geschichte von Anna Christina ausgezeichnet stand. Ein Flüstern in der Nähe der Geheimtür hatte sie plötzlich erstaunt aufhorchen lassen. Wußte noch jemand um das Versteck? Leise hatte sie die Tür geöffnet. Drinnen war nichts zu sehen, aber das Flüstern war deutlicher geworden. Und als sie durch das Auge der Anna Christina blickte, sah sie Beltlingen und die Gräfin vor sich stehen. Dagmar schauerte zusammen.
Wie war es nur möglich, daß Magnus solche Verdächtigungen seiner eigenen Gattin litt. Sic kam sich unsagbar erniedrigt und entwürdigt vor. Und an den Mann war sie nun fürs Leben gekettet! O, über den schmählichen Bankerott ihrer Ehe. Ach daß sie einen Weg wüßte, die bittere Pein zu enden! Aber der Gedanke, wie diesem jammervollen Zustand ein Ende zu machen sei, kam ihr — jetzt — noch nicht. Völlig benommen von der niederschmetternden Entdeckung stieg mehr und mehr das Gefühl der Hilflosigkeit in ihr empor.
Sie sah verzweifelt umher. Ach, von den stummen Wänden kam ihr auch keine Antwort, kein Rat.
„Wenn der Vater noch lebte!" dachte sie sehnend. Wer sollte ihr beistehen in dieser Not? Fremde Augen in das Elend sehen zu lassen, schien ihr undenkbar. Sie sann hin und her. Ta war niemand, dem sie sich anvertrauen konnte.
Ter laute Ton des Gong riß sie plötzlich, aus diesem Sinnen,


