WitiwoH bett 26. Juni
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die schöne--Fischerin! Denn gegen Beltlingens fürstlichen!
Reichtnm ist mein ansehnlicher Besitz gering!" — —
Verstohlen blinzelte Fred ine unterdessen zu ihrem Partner hin. Was für Gedanken mochten ihn beschäftigen? Nach den nnmutig zusanrmengezogenen Brauen zu urteilen, war cs nichts Angenehmes. Schweigend ritt sie ein Weilchen neben ihm yev.
„Gute Nacht," sagte sie endlich neckisch.
Uchdorf fnlw aus. .
„Pardon für meine Unaufmerksamkeit, Gräfm, aber cch dachte eficn an — an meine Finanzen," vollendete er aufs Gradewohl.
„Unr Himmelswillen," machte Fvedine mit komischem Pathos. „Verschonen Sie mich mit so ettvas, bester Herr von Uchdorf! Wer wird jetzt an das langweilige Geld denken. Es ist schon schliimn genug, daß man nicht ohne den schnöden Mammon leben kann, durchgehends davon seine Gedanken beherrschen zu lassen, finde ich — gelinde gesagt — fürchterlich!"
sah sie mit sichtlichem Wohlgefallen an. Gott ser Dank! Die schien nicht ums goldene Kalb zu tanzen! Mit leichten'. Scherz bog er sich zu ihr herüber.
Tie Gräfin lächelte befriedigt, während sie blitzschnell die Lidep senkte, damit er nicht das triumphierende Aufleuchten der Augen t h Ein wenig aufgeregt, begann Uchdorf auf sie einzureden. Still und freundlich, immer mit demselben beschwichtigenden Lächeln hörte sie ihm anscheinend sehr interessiert zu, und doch entgmg ihren scharfen Augen nicht die leise Unruhe, ivelche Dagmars plötzlich zu empfinden schien. Anl liebsten hätte sie darüber hell aufgelacht. Ha, sollte endlich, endlich der Zeitpunkt gekommen sein, wo sie der Verhassten manche Kränkung heiinzahlen konnte? Womöglich teilnahmsvoller als zuvor schien sie Uchdorfs Bemerkungen zu lauschen. Wohltuend empfand der ihre schweigende Achtsamkeit. ~
Unwillkürlich faßte er sie schärfer ins Auge. Sonderbar, daß diese zierliche und graziöse Gräfin iwch immer unvermahlt war. Geist und Schönheit mangelten ihr doch offenbar nicht, auch schien sie ebenso sanft ivie anmutig zu sein.
„Im Trab durch die ganze Bahn changiert! Vorwärts —. marsch!" riß ihn jäh die Helle, etwas nervöse Kommando-! stimme von Tuckwitz aus seinen Gedanken. Unwillkürlich richtete er sich straffer empor. Schnaubend hob sein Rappe den ^^„Welch ein wundervolles Tier!" meinte Fredine mit einem! bewundernden Blick.
Er klopfte lächelnd deir Hals des Gelobten.
„Werde nur nicht zu stolz, Roland, wenn du sogar vor so schönen Augen Gnade findest!" und dann mit einem plötzlichen Seitenblick: „Hat denn der Marstall gar kenr anderes Pferd für Sie, Gräfin?"
Sie zuckte unmutig die vollen schultern. .
„Wenigstens kein sicheres. Und ehrlich gestanden, brn ich auch ein wenig ängstlich beim Reiten."
Unwillkürlich sah Uchdorf vergleiche,id zu Dagmar h,n. Wre ruhig und geschickt sie den übermütigen Fuchs zu zügeln verstand. Mit welcher vollendeten Sicherheit sic ihn scheinbar spielend
Amcken unter der AfHe° Roman von M. Proßnitz (M. Nörcnberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt.
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Tic Nächsten waren Uchdorf und die Gräfin Lindstvöm, deren dunkelblaues Reitkleid vortrefflich zu den zarten Farben ihres pikanten Gesichtchens paßte.
„Sapristi, der soll sich in Acht nehmen. Das ist ne Wetterhexe," flüsterte der Graf, und laut setzte er hinzu: „sie reitet iibrigens ne greuliche, alte Ziege!"
„Marstallpferd," erläuterte Beltlingen und dabei schweifte sein stolzer Blick zu dem wundervollen Goldfuchs, dessen unruhige Bewegungen Dagmar mit vollendeter Anmut zu zügeln wußte.
Mit strahlendem Lächeln nickte sie ihrem Verlobten hin:
„Wie ich mich über den Goldboy freue!" und dann zu Sprenger gewandt: „Ma^nns überraschte mich vorhin mit diesem herrlichen Geschenk, als ich in die Bahn kam. War das nicht reizend von ihm?" ,,
„Reizend," gab der Gefragte laut zurück, und bei sich dachte er: „Seine verflixte Pflicht und Schuldigkeit, dem bezaubernden Geschöpf auf jede Weise das Leben zu verschönen. Wozu hat der Kerl fs.rsti das klobige G..t>? Sv'n alter Knickstiebel wie der, und krmgr so ne bildschöne Frau!"
Anscheinend in lebhafter Unterhaltung folgten Uchdorf und seine Partnerin mit dem vorgeschriebenen Abstand. Und doch waren des Rittmeisters Gedanken durchaus nicht bei dem, !vas die schöne Freda mit dem herrlichsten, ihr zu Gebot stehenden Augen- aufschlag sagte: ..
„Bei der Freude am Quadrillerecten."
So fest und sicher wie er sein Pferd zu zügeln verstand, so wenig vermochte er seine Gedanken zu regieren, die in wildem Tanz immer wieder um den einen Punkt kreisten:
„Wie war cs möglich, daß Taginar, dieses vornehme, heitere Geschöpf sich mit dem Mann verlobte?"
Hatte sie wirklich im Laufe der Jahre so meisterlich gelernt, ihr Temperanrent zu beherrschen, daß ans dein warmherzigen Mädchen eine vollendete Weltdame wurde, die da seelenruhig ihre Hand demjenigen reichte, der den höchsten Preis dafür zahlte?
Oder war unter der anscheinenden Ruhe noch die gleiche leidenschaftliche Glut verborgen, die ihm stets als ein besonderer Reiz an ihr erschienen war? Und sollte Beltlingen es wirklich verstehen, die zu einem Hellen Feuer zu entfachen? Wie sehr mußte sich dann Dagmars Geschmack verändert haben!
Er hob mit einem plötzlichen Entschluß den Kopf. Das durch vorsichtiges Beobachten zu ergründen, schien ihm wohl der Mühe wert zu sein. Und wenn er dann bestätigt sah, daß sie sich tatsächlich bis in den Kern ihres Wesens geändert hatte, dann endlich würde er auch sein Herz zum Schweigen bringen können. Dieses heiße, ungeduldige Herz, das ihm Tag und Nacht vorhielt: >,Eiit Tor wer nicht zugreift, ehe es zu spät ist. Damals, am Hofball, war es vielleicht noch nicht zu spät — und — wer wagt, gewinnt. . ." „Dummes Zeug," verwies er vergeblich hie Stimme zur Ruhe. „Sie hätte mich doch nicht genommen,


