Ausgabe 
25.9.1907
 
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unserer Stistendreschmaschine, wenigstens der Häuptidee nach., Der Hauptteil dieser alten Dreschmaschinen bestand nämlich in einer mit einer großen Anzahl von Feuersteinsplittern besetzten Walze oder einem starken Brette, die über das in dünner Schicht auf einer dazu vorbereiteten Bvdenslüche eusgebreitete Getreide ge­zogen wurden und durch ^Reibung die Körner aus der Aehre ent­fernten. Auf dem Dreschschlitten saß der Lenker der Zugtiere, nach Bedarf wurde ersterer noch mit Steinen beschwert. In Schottland hat sich der Dreschschlitten bis weit in die Neuzeit hinein erhalten. Er wurde dort von den Bauern nach einem eigenen Verfahren selbst angefertigt in der Weise, daß man em geeignetes Stück Holz eine gewisse Zeit lang bis es aufgeqnollen tvar, ins Wasser legte, dann die Steinsplittcr in das weiche Holz cintricb und dieses wieder an der Sonne trocknete, bis es, zusammengeschrumpft, die eingeschlagenen Stifte mit unübertreff­licher Zähigkeit festhielt.

Neuere Untersuchungen wollen den Dreschschlitten sogar schon der vorgeschichtlichen Menschheit zuweisen. Buruoulf ist nach g enauer Untersuchung, zu dem Resultat gekommen, daß die griechische Halonistra (Dreschschlitten) schon im vorgeschichtlichen Hellas bekannt gewesen sei; auch die römische Trachea, analog der Halonistra ist jedenfalls nur eine Nachbildung der letzteren, die ihren Ursprung im alten Orient hatte. Die Römer be­nutzten neben der Trachea ein schon mehr vervollkommnetes Instrument, das sie von den Karthagern übernommen hatten, das plostellnm punicum, eine Dreschwalze, die man heute noch in Italien kennt. Mit dieser wird nicht nur das Getreide aus den Achren entfernt, sondern gleichzeitig auch das Stroh zu Häcksel zerkleinert.

In Deutschland hat dieses Gerät Eingang nicht gefunden, wahrscheinlich weil cs den Zwecken unseres Landstrichs nicht entsprach; denn der Germane nützte von jeher das Stroh in anderer Weise als die Bewohner der südlichen Länder, haupt­sächlich als Streu und Lager und besonders auch zur Bedachung der Wohnstätten und Gebäulichkeiten. Hierzu hätte ihm das zermalmte Stroh nicht dienen können.

Versuche, Dreschmaschinen anzufcrtigcn, wurden des öfteren schon im Mittelalter gemacht, doch ohne Erfolg. Erst im 17. Jah-r- hudert war es einem Mühlenbauer gelungen, eine solche zu kon­struieren, die das Dreschen in gleicher Weise besorgte, wie dies mittelst des Flegels geschah. Die Grundidee dieser Maschine war die, daß ein von der Hand, bezw. mit Hilfe einer Hebelvor­richtung verschiebbarer Dreschboden, auf dein das Getreide aus­gebreitet war, unter einer mittelst Wasserkraft betriebenen Walze hin und he.rgeschoben wurde und eine Anzahl an dec Walze ange­brachten Flegel mit ganz kurzem Stiel, die mit der Walze kreisten, das Getreide schlugen, ebenso wie es auch der Flegel in des Dreschers Hand tut. Erfolge wurden aber mit dieser Maschine nicht erzielt, sie kam also sehr bald wieder außer Gebrauch. Auch die int 18. Jahrhundert in England zahlreich gemachten Versuche zur Kon­struktion einer Dreschmaschine blübcu ohite Erfolg, bis 1785 der Schotte A. Meikle in Tyrringham ein brauchbares Modell einer solchen zustande brachte, die schließlich in unserer heutigen Schlag­leistendreschmaschine als verbesserte Form itoch besieht.

Welch ein Unterschied ist aber zwischen unserer heutigen Dampfdreschmaschine und ihrer vorgeschichtlichen Vorläuferin! Welches Zeitraumes bedurfte es aber auch, bis die Menschheit endlich dazu kam, ein Hilsswerkzeug zu erfinden, das, wie der Augenschein in den stets gemachten Versuchen lehrt, scholl vor Jahrtcnchende«. der ganzen Menschheit ein Bedürfnis kvar.

VSL'MZ?chSSS.

* Graf Zeppelin wird im Laufe des nächsten Monats mit dem Bau eines neuen Ballons beginnen, der sein jetziges Luftschiff noch an Größe übertreffen wird. Die einzelnen Teile des neuen Fahrzeuges sind bei Manzell (Württemberg) aufgestapelt. Die Probefahrten mit dem neuen Luftschiff werden voraussichtlich Ende September beginnen. An Neuheiten zeigt es außer Veränderungen des Steuers auch Anwendung eines Scheinwerfers und die Einrichtung einer Telefunken-Station. Wie es heißt, besteht die Absicht, die Probefahrt, an der etwa 10 Per­sonen teilnehmen werden, bei günstiger Witterung von Friedrichshafen bis nach Stuttgart und zurück auszudehnen.

* DieHochzeit derHundertjährigen. Aus' New- York wird berichtet: Endlich hat John Bürden seine Jugend­geliebte Miß Rose Mc Guire als Gattin heimgeführt. Es war wohl auch Zeit, denn John ist heute 101 Jahre alt und seine Braut steht hart vor ihrem Zentenarsgeburtstag. Vor 80 Jahren haben die beiden sich kennen und lieben gelernt und sich verlobt; aber der Widerspruch von Roses Eltern vereitelte ihre Lrebespläne und die Braut wurde von den unerbittlichen Eltern "ach England geschickt, um John zu vergessen. Der schnürte sein Bündel und zog verbittert westwärts; es war zur Zeit der großen kalifornischen Goldfunde, und das Glück, das ihn in

Redaktion: $. Wittko.

der Liebe betrogen hatte, war ihm wenigstens in Bezug auf seinen Geldbeutel günstig, denn als reicher Mann kehrte er nach Tennessee zurück. Vor kurzem gab er ein großes Fest, das auch in den Zeitungen besprochen wurde; die Notiz ging-in englische Blätter über, und so kam es, daß John eines schönen Früh­lingsmorgens einen Brief ans Ettgland bekam:Sind Sie derselbe John Bürden, der vor langer Zeit in Nashville lebte?" Seine treue Rose war es, die ihm schrieb; 99 Jahre zählte sie nun,. und ihrer Liebe treu war sie unvermählt geblieben. Eilends erneuerte John seine Werbung von dazumal, Rose nahm sie an, und in Nashville hat. nun endlich die feierliche Vermählung stattgesunden. Eine große Menge hatte sich versammelt, um dem festlichen Akte beizuwohnen, und auf derselben Stätte, da einst die Liebenden als jugendfrohe Menschenkinder sich heimlich trafen, um zärtliche Worte zu tauschen, war das Zelt aufgeschlagen, in dem der Geistliche nun den Bund segnen konnte, den sie einst nicht schließen durften. Der brave John scheint übrigens sich seiner Leidenschaft zu Miß Rose nicht ganz sicher gewesen zu sein, wie sie ihrer Liebe ztt ihm, denn itt den 80 Jahren der Zwischenzeit ist er zweimal in den heiligen Ehebund getreten, und zweimal wurde er Witwer. John, der 101jährige, zählt übrigens keitteswegs zu jenen Reklamegreisen, mit denen in Amerika allerlei geschäftssüchtige Fabrikanten für ihre paten­tierten Nahrungspräparate Stimmung machen, unb, auch die Abstinenzler können den rüstigen Greis nicht für sich in An­spruch nehmen. Denn mit Stolz beruft er sich darauf, daß er seit seinem 17. Lebensjahre dem Rauchen nicht entsagt habe, und auchein Tröpfchen Bier beim Mittagessen" ist ihm zeitlebens nie zuwider gewesen. So jung fühlen sich diejungen" Gatten, als ob sie Fünfziger wären", und freudig hoffeit sie, noch viele Jahre lang das spät, aber endlich doch gekommene Glück froh und gesund genießen zu können.

Goldene Worte.

Stündlich sehe ich, daß man sich ans diesem Strome _ des Lebens ans Ufer retten, drinnen mit allen Kräften arbeiten/ oder ersaufen muß. Goethe an Frau von Stein.

Man muß so leben, als kömtte jedermann sehen, was in unserer Seele vorgeht. Seneca.

Frage nicht, was and're machen: Acht auf deine eignctt Sachen, Neimck,

Verbitt're dir das junge Leben nicht. Verschmähe, was dir Gott gegeben nicht!

Badenstedt.;

Ureisrätsel.

Heute dielen wir unseren Lesern wiederum ein Preisrätsel dar und setzen dafür folgende drei Preise aus:

1. Ein vorzügliches Porträt Seiner König!. Hoheit des Groß Herzogs in vornehmer Rahmung. Das wild kann tn der Expedition des Gieß. Anz. besichtigt werden.

2. Schillers Werke in vierLexikon-Oktavbänden elegant gebunden, reich illustriert.

3. Dos Buch vom gesunden und kranken H a N ö t i c r. Leichlvcrständlicher Ratgeber , Pstrdc, Rinder, Schafe, Schweine. Hunde und Geflügel zu schützen und zu heilen. Aus der Praxis für die Praxis bearbeitet von Prob Tr. L. Steuert. 4. neu bearb. Auflage mit 357 Abbildungen und einem Anhang über Viehkauf und -Verkant, Pflege der AntzstellungStierc, Vieh- transport und -Versicherung. Berlin, Paul Parey, 1907.

Tas Rätsel lautet:

Tas Erste gibt die Menschenwürde, Wem kühn cS in der Seele wohnt; Doch wers entbehrt, trägt eine Bürde Und kein Erfolg fein Streben lohnt.

Das Zweite ist von edlem Klange, Ein Wort, das jeder lobt und preist; Es klinget in des Volks Gesänge Und stärket Körper Dir und Geist.

Tas Dritte, niemand möcht' cs missen. Es ist der schönste Aufenthalt;

Es ist ein fanites Ruhekissen

Selbst in der ärmlichsten Gestalt.

Das Ganze öffnet seine Pforte

Im Land der Hessen an dem Rhein;

Du hast's, wenn die gegebnen Worte

Tu fügst zu lieblichem Verein.

A. A m m a n n.

Lösungen werden bis ginn 9. Oktober entgegengenommen. Sw sind zu adressierenAn die Redaktion der Gießener F a m i l i e n b l ä t t c r."

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer! Liebe macht blind.

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_a-_ Rotationsdruck und, Verlag h,sr..B r ü h l5!cbe«. Universttäts-Buckst und. Steindruckerei. N, Lange, Großen..