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So hat sich denn unten dem schützenden Dach einer kunst- geweihten Stätte all das zusammengefunden, was unserem modernen Städtebau Stempel und Gepräge ausdrückt. Ueberblickt Man die erste deutsche Städtebaukunst-AuAstellung in ihrer Gesamtheit, so muß man zu dem erfreulichen Endresultat kommen, daß Oede und Einförmigkeit bald aus unseren Städtebildern schwinden werden und dafür Lebensfreudigkeit und Farbenfymi- Ähonien willkommene Ruhepunkte im hastenden Werkeltagsgetriebe dein schauenden Auge bieten werden. . . .
VsrmischLss.
* Ein Köpenicker Streich wurde in dem Städtchen Wandsbek ausgeführt. Mit großem Aufwand trat dort seit einiger Zeit ein Mann auf, der sich Hartmann ncmnte, sich für einen 28 fachen Millionär ausgab, bedeutende Landankäufe und andere großartige Projekte in Aussicht stellte. Ganze Straßen» reihen sollten stiedergerissen und das alte Wandsbeker Schloß wieder restauriert lind hervorragend» Gartenanlagen gemacht werden. Bereits in den nächsten Tagen sollten seine Beamten, von denett er eine ganze Anzahl engagiert hatte, mit den Vermessungen beginnen. Dem Ersteht Bürgermeister wollte der Millionär einen großen wertvollen silbernett Tnielatifsah in Verwahrung gegeben haben, damit dieser später im neuen Schloß prangen könne. Beide Bürgermeister sollten in das Kuratorium zur Verwaltung des kolossalen Vermögens berufen werden. Inzwischen lebte der Millionär, da seine Millionen noch nicht flüssig waren auf Kredit, der ihm auch bereitwilligst von eiiter größeren Anzahl Geschäftsleute gewährt tvurde. Ebenso gelang es ihm ztt Hoheit Zinseit größere Gelddarlehen zu erhalten. Nach mehrwöchiger Dauer mar endlich der „Freudentag" gekommen, an dem der Millionär seine Gelder erhalten sollte. Die Gönner und Geldgeber wurden nach dem „Kaiserhos" in Altona geladen, um dort Zeugen der Auskehrung des Vermögens zu sein. Keiner schettte den weiten Weg und alle waren pünktlich zur Stelle. Aber Stunde auf Stunde verrann, aber der „Millionär" Hartmann stellte sich nicht ein. Schließlich sandte man zu dem Rechtsanwalt $., der die großen Summen angeblich auszahlen sollte, aber dieser schüttelte mit dem Kopf, er wüßte vott nichts. Nun ging den zahlreichen Anwesenden eilt Licht auf. Von den Millionen' keine Spur, aber ebensowenig von Hartntann.
* Eine ntysteriöseEntführttngsgeschichte beschäftigt das westliche Berlin. Die neunzehnjährige Frau des 42 Jahre alten Stabsarzt a. D. Tr. Küppers aus Friedrichshagen, die seit einiger Zeit von ihrem Manne getrennt lebt und ihrer Scheidung entgegensieht, wurde am Sonntag gerattbt. Frau K., eine Tochter des verstorbenen Fabrikbesitzers Budde, wohnt jetzt ant Kurfürsten- dämm. Sie war mit einer Freundin von einein Spaziergang zurückgekehrt und stand plaudernd vor ihrem Hanse, als ein in schnellster Fahrt dahersausendes Automobil vor den beiden stoppte. Der Insasse, ein bärtiger Mann, sprang heraus, packte Frau Dr. Küppers, die laut ausschrie, zog sie in den Wagen, schloß den Schlag und jagte davon. Bald war der Wagen'verschwunden. Das Publikum sah der Entführung ratlos zu. Den Entführer glaubt man trotz seines falschen Bartes erkannt zu haben.
"Das Schönste in der Welt. Die schwedische Zeitung „Tagens Nyheter" hatte vor kurzem ein Preisausschreiben erlassett, wobei jeder Teilnehmer mit möglichst kurzen Worten angeben sollte, was er für das „Schönste" halte. Unter den 1025 Ant- rvorten nimmt, laut „Köln. Ztg.", die Sonne einen hervorragenden Platz ein, ihr dicht atü den Fersen kontmt die Natur in verschiedenen Gestalten. Ten 1. Preis erhielt ein junger Mann, der antwortete : „Der Mutter Augen", den 2. die Antwort: Der Traum von dem, was wir nicht erreicheit können". Der 8. Preis wurde einem Spottvogel zuerkannt, der schrieb: „Ein Mann, der mit nackten Beinen einen brausenden Fluß durchwatet, dabei seine Schwiegerntulter auf den Armen tragend". Einer hat es sich nicht nehmetr lassen, folgendem frommen Wunsche Atisdrttck zu geben: „Tas Schönste, das ich mit denken kann, ist die schwedische Flagge auf dem norwegischen Königsschloß." Er kontntt, wie ei» boshafter Norweger meint, dem Gedanken des zweiten Gewinners sehr nahe.
* Der Gesang des Skalden. Ein Nachkomme des berühmten nordischen Königs Harald Haarsagre, ein achtzigjähriger, ehrwürdiger Greis mit schneeweißen Locken, erschien im Königspalast zu Christiania, um nach alter Skaldensitte bett König und seine Gäste durch Sang und Saitenspiel zu erfreuen. Es war anläßlich des Besuches des Königs von Dänemark in Norwegen, daß man den alten Skalden an den Königshof entboten hatte. Nie vorher hatte der Greis sein Heimatsdorf in Telemarken verlassen; getreu den Sitten seiner Vorfahren lebt er dort in einer großen Höhle. Nun erschien er mit seiner alten Wickingerlaute, der „Lang- leik", am Hofc und wurde von den Gästen mit großem »rationalen Enthusiasmus gefeiert. Sein Instrument ist Über 300 Jahre alt, es ist aus Holz kunstvoll gefertigt. Irr seiner Form gleicht es fast einer Backkiste; ein halbes
Dutzend rauher Saiten spannen sich über die Oeffnung und ihr Klang resoniert dunkel und voll in dem Gehäuse. Der alte Skalde sang mehrere alte Bolksgesänge, und die Zuhörer wurden von den seltsamen Klängen tief ergriffen. Der König von Dänemark war so entzückt, daß er den alten Barden aufforderte, als sein Gast den dänischen Königshof in Kopenhagen zu besuchen, und mit ruhiger Würd^e nahm der Alte die ehrenvolle Einladung an.
* Der älteste deutsche Geistliche im Amt ist un- streitig der Pfarrer Machowskizu Lissewo bei Kulmsee. Dieser feierte am Himmelfahrtstage seinen hundertsten Geburtstag. Seit 75 Jahren int Amt, ist der Greis noch ungewöhnlich rüstig und schreitet ohne jegliche fremde Hilfe allein hinauf zur Kanzel.
Bäder, Touristik, Reisen.
Empor zur Alp!
's gibbt gee scheener Löwen Wie das Lci'm nu öwen Das der Mensch als Bergbesteiger fiehrt! Rieke, gomm un klobbe Mir de Lodenjobbe, Weil in mir der Wandertrieb sich riehrt! Gibb tuet aus der Truhe Meine Nägelschuhe, Lang den Rucksack aus 'en Klcedcrschrank, Hol den Albenhut mir. Der de steht so gut mir, Un de Eissporn blitz' mer spiegelblank! —
Diese aus „Enzian, ein neues Alpenliederbuch" entnommenen Zeilen des bekamtten sächsischen Humoristen werden jetzt manchem Alptouristen in den Sinn kommen, er wird zum mindesten schon nach einem Reisebuche greisen, um sich darin seine Reisctour zurecht zu suchen. Wohin, ja wohin in diesem Jahre lautet oft die Frage. Eine passende, vielen sicher sehr willkommene Antwort gibt darauf: Roths illnstr. Führer Nr. 9. Das Villnöstal und seine Umgebung. Unter besonderer Berücksichtigung von St. Peter, Gufidaun, Bad Froh, Brixen und Klausen, Schlüter-, Plose- und Regensburger Hütte. Herausgegeben unter Mitwirkung der Sektionen d. D. u. Oe. Ä.-V. Dresden, Regensburg und Brixen. Mit über 50 Original-Illustrationen, und 2 Karten. — Ausg. ohne große Spezialkarte 1 Mk. (1.20 Kr.) mit großer Speziat- karte 1.50 Mk. Verlag von Emil Roth in Gießen. Der Führer hat den Zweck, dem Bergwanderer die Gegend näher bekannt zu machen, als es durch ein kurz gefaßtes Reisehandbuch möglich ist, die intimen Reize derselben zu schildern und auf diese Weise zum Besuche des Tales und der Berge seiner Umgebung anzuregen ! Sowohl der Sommerfrischler, als auch ber Talsumser, die Hüttenwanze, der Jochfink und der schneidige Spitzenfresset werden bei dem Besuche des Villnöstales auf ihre Rechnung kommen. Jeder Mensch überhaupt, der im Buche der Natur zu lesm versteht/ wird bei seinen Spaziergängen und Bergfahrten in diesem Geriete viel Anregung und Genuß finden und unvergeßliche Em- d'rücke mit nach Hanse nehmen. Blättert er dann int Buche feiner Erinnerungen, oder in seinem Tagebnche, wird er vergnügt schinun- zeltt, die Sehnsucht wird ihn packen, diese Berges-und Waldcs- pracht nochmals zu schauen und zu genießen. Mir ist es auch so gegangen! Dolomitenzauber. Der prächtige Führer stammt aus der bewährten Feder eines tüchtigen, bekannten Alpinisten, der in den Dolomiten seit vielen Jahren zu Hause tst und all die Reize des herrlichen Tals mit feiner großartigen Umgebung auf das intimste zu schildern verstand. Wer ftdj btefem Führer anvertraut, wird an der Hand desselben etne wahrhaft genußreiche Alpenfahrt machen.
— Thüringen — wer hätte nicht von btefem an Waldern und Naturschönheiten so reichen Lande im Herzen Deutschlands, das von Nord und Süd, Ost und West so leicht mit der Bahn zu erreichen ist, gehört, wer dasselbe noch nicht besucht? , Die zahlreichen Sommerfrischen auf dem Thüringer Walde ziehen alljährlich viele Tausende nach hier, die Erholung und Nervenstärkung suchen! iunb finden. Der „Ratgeber für Thüringen" gibt über die einzelnen Orte und Sommerfrischen, genaue Auskunft, sodaß er für den, welcher Thüringen besuchen will, unentbehrlich ist. Bei Einsendung von 60 Pfg. wird er sofort zugesandt von der Auskunftsstelle des Thüringerwald- Verein (O. Köhler, Eisenach) oder von der Hofbuchdruckerei Eisenach. _____________
Homonym.
Ein deutscher Kaiser ans früheren Zeiten, Heut ist er entblößt von dem Herrscherornat, Ein simpler Gesell, aber Freude bereiten, Wird dir seine Gunst und sein Beistand im — Stal.
Auflösung in nächster Nummer. . j
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummert Axe, Axt, Axen (Berg am Vierwaldstätter See).
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,


