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Wissen,

Gehöfte, Balkone,

intg in Frankfurt a. M. zeigt nun, daß unsere modernen Archi­tekten allerdings wicht ganz mit der Antike brechen (siehe das neue Kurhaus in Wiesbaden, den Carnegieschen Friedenspalast int Haag, das neue Senckenbergianum in Frankfurt), daß sie aber Antike mit Moderne so geschickt zu verschmelzen wissen, daß etwas Neues vor unserem Auge entsteht, das den Stempel unserer; Zeit trägt. Wir sind im Städtebau nicht mehr blinde Nach- bildner, sondern bauen so, daß auch unsere Nachkommen auf unsere Bauten stolz sein können.

Mehr denn je drängt in unseren Tagen die Baukunst wieder dem Landhause zu. Die Ausstellung in Frankfurt zeigt uns Meister der Architektur, wie sie ihre Kraft in den Dienst des Landhauses stellen. Und wie sieht dieses Einfamilienhaus, das wieder zu neuen Ehren kommt, aus? Ueberladener Prunk ist verhaßt. Behaglich sei dein Heim, traulich und wohlig. Diese Forderung sucht der Moderne Architekt beim Landhause in die Tat umzusetzen. Wo aber die Mittel zu einem solchen eigenen nicht ausweichen, wo die Mietkaserne in Aktion treten muß, auch da hat die moderne Architektur Mittel und Wege ge­funden behaglich zu bauen, freundlich und anheimelnd. Die großen Wohnhäuser der Ausstellung haben Gärten und geräumige "" ' " " und trauliche

de. So kann

auch der Arme sich seines Daches freuen.

Hat man in den oberen Räumen der Ausstellung aus?-, schließlich der Hochbaukunst gedacht, gezeigt, daß der moderne Städtebau, angefangen von der geräumigen Villa des Begüterten bis hinab zum Mietshause des Armen, angefangen vom Monu- mentalbau der Kunst bis hinab zur bescheidensten Halle, zumj Motto sich erkoren: baue lebensfreudig, so sieht Man tn beit unteren Räumen des Ausstellungspalastes die modern« Städtz-i baukunst unter der Erde. Ein Kapitel für sich. Wasserbau/ Kanalbau und Elektrizität spielen hier die Haupt­rolle. Man sieht an riesigen Tabellen, Skizzen und Zeichnungen/ daß 'bet Städtebau unter der Erde ebenso wichtig ist wie der oberhalb. An Prag und Berlin, an Düsseldorf und Elberfeld, an Warschau und Jassy, an Parti- und London, kmH: an allen irgendwie bedeutenden Städten der Welt wird durch tabellarische Zusammenstellung kundgetan, daß mit dem Zeitpunkte, an dem Wasserbau und Kanalisation sich zum Städtebau gesellten, ver-. Heerende Krankheiten, vor allem der Typhus, nach und nach schwanden und Gesundheit unter der Bevölkerung Mehr und mehr Platz griff. Es ist unmöglich, auf diese TiefbausfeMst im einzelnen einzugehen; es genügt zu sagen, daß das von Lind-? leysche System) das etwa drei Säle der Ausstellung umfaßt, sich bisher als das beste und am melften zur Anwendung gelangte bewährt hat. Kanalisation und Wasserbau haben uM 90 Proz. die Gesundheitsverhältnisse der modernen Stadt gehoben; das ist 'das schönste und freudig zu begrüßende Endresultat des modernen Städtebaues unter der Erde.

Auch graphische Kunst und Innendekoration sind bei der Ausstellung vertreten und wissen in dem ihrem Gebiete gesteckten; begrenzten Rahmen den gestellten Anforderungen zu genügen..

Welche Moderne Stadt aber könnte des -schmuckes entbehren, jener Dekoration, die Bildhauerhand geschaffen hat. So mußte denn auch die erste deutsche Städtebaukunst-Auöstellung in Frank­furt dieses künstlerische Gebiet in ihr Bereich ziehen Sw hat

... .^ ereich ziehen. Sie hat

es Mit schönem Ersolge getan. Wir finden den genialen Maler und Radierer Fritz Böhle als Bildhauer, sehen den besten der Meunier-Schüler Julius Obst, können Seiler, Rettenmeyer, Hirz, Maus und Bäumler in ihren jüngsten Werken beurteilen. Böhl« ist, wenn das Wort in diesem- Zusammenhangs erlaubt ist, mit Sensationen vertreten, vor allem mit seinem Kaiser Karl, der einst als Schutzpatron von Frankfurt auf der altm Mainbrücksj prangen soll. Bei diesem Kunstwerke hat sich Böhle in die italienische Renaissancezeit zurückversetzt. .Ich gehe ivohl nicht fehl, wenn ich annehme, daß ihm Verrochlo m Florenz vvrschwebte.. So imposant diese Kaiserstatue in ihrer Gesamtheit wirkt, so. fehlerhaft ist sie im einzelnen. Der KVpf des Pferdes ist, zu groß, der Hinterteil zu schwach, die Haltung des rechten Bemes des Reiters gedrückt. Mit diesen Fehlern, die einem Böhl« nicht hätten unterlaufen dürfen, söhnt höchstens die m«M stätische Ruhe aus, die Äon der Statue als Ganzes ausgeht. Auch der Stierbändiger Böhles vermag nicht zu befriedigen^ Kopf und Vorderbeine des besiegten Tieres sind imponierend, abey die gesamte Auffassung läßt, nicht restlos fwh werdeu. Wie ganz anders wirkt die Arbeit der Stier, Wucht und mrafti kündet dieses Tier, das in seiner.gesamten Mffassung eintättä unverfälschtes Symbol strotzender Kraft ist. Nach Böhle verdient der beste Meunier-Schüler Julius Obst genannt zu werden, er stellt n. a. ein ModellRückkehr von der Arbeit «us Eine sehnige Jünglingsgestalt sitzt aus ungesatteltem Roste, W und Arbeitet kehren von schwerer Feldaroelt heiM. In Obst, mV erst ^Jah?e7ähltz"bat ^eunieL Geist liefe Wurzeln gesclstagen, davon künden sein Säemann und sein Mäher, sein Garbenbinder und sein Kbps einet Arbeiterfrau, die alle bei realistischer Auf- fassui!g "der Bornehinheit ni'cht entbehren. Seiler stellt, Stein?- Sternbilder aus, Rettenmeher eine heilige Katharina, Hirz eine stiliststch streng durchgeführte Base und eine Muscheldekoration, während Maus und Bäumler mit kleineren Arbeiten zu gefallen

Der moderne Städtebau.

/) (Nachdruck verboten.)

Ein Rundgang durch die erste deutsche Baukunstausstellung. Von Josef M. Jurinek, Frankfurt a. M.

Frankfurt bat einen Schritt getan, den vor Frankfurt noch keine Stadt in diesem Umfange und von dieser Bedeutung gewagt hat. Wohl war bisher zweimal (in Dresden bei der deutschen Städte-Ausstellung und in München im Anschluß an eine inter­nationale Kunstausstellung) die Städte-Baukunst in Ausstellungs­hallen zu sehen, aber Dresden wie München boten bei diesem Appendix keinen klaren Ueberblick. Man wurde sich Nicht recht bewußt, welchen neuen Zielen die Städtebaukunst, die Privat- wie Monumental-Architektur zustreben. Frankfurt a. M. und speziell der Frankfurter Architekten- und Ingenieur-Verein, haben nach langen und mühsamen Vorbereitungen es dahin gebracht, daß das Auge eine spezielle Städtebaukunst-Ausstellung sieht. Em eigenartiges Zusammentreffen ist gleich einleitend zu konstatieren. In dem herrlichen Bauwerk des Turn und Taxisschen Palais, das in der Glanzzeit des Barocks entstanden ist, das von froher Kunstepoche kündet und eine Zeit ins Gedächtnis zurückruft, da die Kunst jeglicher Art ihren leuchtendeii Frühling hatte, m diesem Bauwerk haben unsere modernen Architekten und Stadtebau- künstler ihre Kunst und Weisheit in Modellen, Skizzen, Zerch^ nungen und Bildern zusammengetragen. Da paart sich Strenges mit Mildem, Modernes mit Hypermodernem. Und da und dort lugt auch noch manch altes Zöpflein hervor, das sich trotz allen siegreichen Vordringens der Moderne in unsere Zeit heruber- gerettet hat. Der Kernpunkt der ersten deutschen Baukunstausstel- lung in Frankfurt, die am 10. Mai feierlich eröstnet worden ist, und bis Ende Mai dauern soll, liegt unzweifelhaft darm: Es wird dem Beschauer in einer Reihe von Sälen der moderne Städtebau gezeigt, jene Kunst, die uns unser Heim baut, der Jugend ihre Schulen, Muse Thalia ihre Tempel, dem Staate und der Kommune ihre Paläste. Ob wir an den ausgestellten Landhäusern Vorbei­gehen, die Villen-Entwürfe betrachten, die imposanten Schul­häuser, die Paläste sind in des Wortes ursprünglichster Bedeutung, ob wir selbst die Mvnumentalwerke wie den Friedenspalast im Haag anstaunen: Ein Gedanke beseelt uns bei dem Durchschreiten der Ausstellungsräume: Luft und Licht fordert die Moderne den Steinmassen ab. ....... .

Wie von selbst fällt uns die gute alte Zeit eilt, da in niederem Stübchen Vater, Mutter, Urahne, Großmutter, Mutter und Kind sich zusammenfanden, da aus winkligen, krummen Gassen sich ein Städtebild zusammensetzte, da man von einem Fenster zum 'anderen über die Gasse sich die Hand reichen konnte. Damals . .,. Und heute? Mag auch die gerade Linienführung der Straßen m unseren modernsten und jüngsten Städten (vergleiche Charlotten- burg, Dresden-Neustadt, das neuerstehende Alt-Frankfuri, Neu- Breslau uff.) dem Städtebilde an und für sich etwas monotones, schablonenhaftes geben, so ist doch auf der anderen Seite die Hauptforderung beobachtet: Lust und Licht haben freien Zmritt. Um der Monotonie abzuhelfen, die durch die Gradlinige Straßen- slucht hervorgerufen wird, hat die moderne Städtebaukunst wieder zur Farbe gegrissen, hat dem Hause neue, gefällige Formen ge­geben, hat die Erker mit Türmen versehen, hat vor dem Hause Rasenplätze gelassen, Blumenbeete, damit das Auge von dem kalten Gemäuer hinschweife auf das frische Grün, aus die bunt­farbige Blütenpracht. Das zeigt die erste deutsche Stadtebaukunst vor allem: Leben nnd freudiges Genießen sprechen aus den modernen Bauten. Die Architekten, die da versammelt stnd, Pro­fessor Manchot, Professor v. Thiersch, Löhren, Senf unb Musch, Baurat v. Hoven, Paravicini, Professor Luthmer, Regierungsbau­meister Morin und wie sie alle heißen, wollen in ihren ausge­stellten Modellen und Zeichnungen und Skizzen, uns sagen, daß der moderne Städtebau Beben kündet, daß et mit vollen Segeln der Lebensfreudigkeit zusteuert. Nehmen wir z. B. die riesigen ausgestellten Schulbauten, so sehen wit, daß man unsere Jugend schon durch den Bati als- solchen, Freude an der Schule ein? impfen will. Paläste sind diese nwdernen Schulen. Da gibt feine engen düsteren Kvrridore, fein« dumpfigen Zimmer, feine Monotonie, da sprühen vielmehr Farben, gleißt es- von Sonnenlicht, ist eine Ueberfülle Won frischer, gesunder Lust. Bis hinauf unters Dach ist die Forderung berücksichtigt: Die Schule soll dem Kinde keine Plage an statt, sie soll ihm vielmehr ein zweites' Elternhaus sein. Unbi bte Bauten ber Kommune, die in bet Ausstellung zu sehen sind, zeugeil davon, das! auch hier die Schablone endgültig beseitigt ist. Die Kommunen fassen Mehb Md m-ehr große gigantische Pläne inL Auge. Um nut einige Beispiele anznsühren: Wiesbaden haute sich eit. FÄns-Millionen-Kur Haus, Frankfurt ä. M. ist 'gegenwärtig an einem! Hafenproiekt, das rund 62 Mill. Mark kostet, München stellte sich ans den Marienplatz ein Rat­haus, das wohl das imposanteste seiner Art in deutschen Gauen ist. Die MonuMental-Baukunft 'sucht sich lostzumachen von den alten Ueberlieferungen, geht neue Wege, erstrebt kühne Ziele. Und das ist gut so, denn die Monumental-Baufenst watin den letzten Jahren mehr ein Spielen der Werschiedensten Stife Men geworden, Won romanischer Baukunst beginnend bis hinan zum Zopf der friderizianischen Zeit fennte Man M manchem Bauwerke alle Stilebewundernd Die Städtebaukunst-Ausstell-