Ausgabe 
25.2.1907
 
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Dis Modefarbe» der Zigarren.

Von einem seit lausen Jahren in der Branche stehenden Fachmanne wird folgendes geschrieben: Seit einer langen Reihe von Jahren hat. so unglaublich es klingt, auch die Zigarren-, brauche ihre Mode zum Leide der Fabrikanten und Händler und gewiß nicht zum Vorteile der Rancher. Daß man moderne und neue Fassons auf den Murkt bringt, ist recht Wohl zu begreifen; der eine Raucher liebt die Zigarre groß, der andere klein, der eine will sie schlank, der andere dick nsw. Die Fabrikanten sind eifrig bemüht, stets mit neuen Fassons heranszukommen, um jedem Raucher seine Lieblingsform in Zigarren liefern zu Wunen. Allerdings hat die Sucht, immer wieder neue Zigarren-,

Eine Bauernhochzeit im Elsaß.

Gelegentlich einer tollsaftigen Bauern-Doppelhochzeit, welche neulich in der elsäss. Gemeinde Durbach stattfand, hatte ein Freund von Volkstum und ländlicher Poesie reichlich Gelegenheit, seine Beobachtmrgen zu machten. Man vernehme, wie derDurbachxr Bur" in den Stand der Ehe eintritt.

Am Vorabend des Hochzeitstages wird bei Bräutigam und Braut derDschäppelhirsch" abgehialten,. eine Art Polterabend, eingeleitet mit Böllerschüssen, verherrlicht durch mächtige Platten Schinken und sonstigesSchweinernes", befeuchtet durch den Göwr- trank, heuDurbächcr Wann". An diesem Schmaus nehnien meistens ledige Burschen und ledige Mädel teil, er ist als eine Art Abschied atufzufassen, den Bräutigam und Braut den ledigen Altersgenossen, Schulfreunden und Kameraden spenden.

In der Frühe des festlichen Tages krachts wieder von allen Bergen. Die Dorfmusikanten begeben sich zum Hause der Braut und erhalten dort von den Gespielinnen rotseidene Bändel um die Instrumente getvunden, den Strauß ins Knopfloch und den Ros- Marinzweig in die Hand.

Es ordnet sich der Zug; jung und alt trägt den Rosmarin. Voraus schreitet die Musik; eS folgen die jugendlichen Verwandten und Bekannten, endlich die Braut und's Gfpiel". Unterwegs trifft der Bräutigcm (ohni Mußt"), geleitet von den zweiEhren­vätern" (Trauzeugen) ein und schließt sich an. Der Bolksmund sagt: ^Jetzt läuft er ihr 's letztmal nach."

Die Stärkung in der Frühe wirdMorgensuppe" genannt. Es kommen wieder die Teilnehmer tont Abendschmaus und noch andere und sprechen der in den Hochzcitshäusern gereichten Suppe, dem Rindfleisch mit Meerrettich und demWinn" tüchtig zu.

Nach der bürgerlichen Trauung folgt sofort die kirchliche; nach Beendigung des Hvchzeitsämtes geht das Paar in die Sakristei und bittet den Ortspfarrer freundlichst zur weltlichen Hochzeitsfeier, gleichzeitig wird ihm ein Rosmarinzweig überreicht.

9hm gehtsin Ritter". Slolzen Schrittes marschiert jetzter" geleitet ton den Ehrenvätern, vor der jungen Frau,sie" wird ton den zwei Gespielinnen geleitet. ImRitterhof" erscheint mit Zahlendem Atrgesicht derHerr Gasthof" arnd spendet unter Worten der Beglückwünschung den Ehrentrunk, besten alten Roten.

«Samt ^gibt HchMeHoMeitsgesellschaft sofort in -en Tanzsaal.

Das Paar und die Ehrenväter sowieS Äspiel" tanzen drei Ehren- tänze. Hierauf werden den Gästen ton dem Paare und den Eltern ihre Plätze an der Tafel angewiesen, was ziemlich Zeit in Ait- spruch nimmt, da bei einer großen Hochzeit nicht selten 120 und mehr Gedecke bestellt sind. Am Ehrenplatz sitzt das junge Paar, vor ihm steht als Geschenk der Wirtsleute eine Prachttorte (oft in schelmischer Weise mit Zuckerkindcheu und Inschrift verziert) und ein schönes Glas, über und über mit Blumengewinden bedeckt. Es ist dies das Glas, welches die Braut den zur Beglückwünschung herbeigekommenen Gästenzubringt". Immer und immer wird es gefüllt undschnurrbärtige" wieRosenlippen" nippen unaufhörlich an diesem Brautglase; die Braut selbst benutzt ein besonderes Kelch- -glas. Abends wird die Torte und das Brautglas vom Paare mit heimgenommen, oder man schickt ihm die Sachen in seine Be­hausung.

Die Tischkarte bei einer Durbacher Bauernhochzeit ist kräftig uitd reichlich. Von neunwdischen Schleckereien, von Fischen mit den Kaiben-Gräten" nnb dem Geflügelwo man sich hungrig dran ißt" oder gar von fremdländischerKaibewar" ist der Schwarz­wälder im allgemeinen kein Freund.

Gegessen wird um 1 Uhr eine Suppe, danit Rindfleisch mit Beilagen und Cottfleisch (Sülz) abgeschmelzt. (Pause, Tanz.) Um 4 Uhr gefüllten Schweinebraten und Bratwürstle mit Sauerkraut. (Pause, Tanz.) Um 6 Uhr: Gebeiztes (Beiz'z") d. h. Sauer­braten in brauner Sauce und eingenrachtes Kalbfleisch und breite Nudeln. (Pause, Tanz.) Um 8 Uhr: Kalbsbraten und Kotelette mit Salat.

Hierauf folgt das Dessert (Torten, Gugelhupf, aber kein Obst).

Wer will, kann zur Verdauung sich noch einen Kaffee ge­nehmigen.

Getrnitken wird als Hochzeitswein dazu ein guter, alter Weiß­herbst; aber auch die Klingelberger und Clevner des Ritterwirts bleiben nicht unberührt. Der Durbacher Bauer zieht diese ge­wohnten und bewährten Markert demSchampes", der so sünd­haft teuer ist nmd zu süß für einen ehrlichen Winzermagen, ent­schieden vor.

Bon Tischreden mag man bei ländlichen Hochzeitsfeiern nichts wissen; man ißt uitd trinkt brav, unterhält sich im privaten Ge­spräch, schwingt das Tanzbein tmd macht seine Scherze. Gegen Abend wird das Gedränge oft lebensgefährlich. Es treffen jetzt die Geschäftsleute aus Dorf und Stadt ein, dem Hochzeitspaar zu Ehren und dem Gastwirt zu Liebe. Die Einladung der nächsten Verwandten und Bekannten zur Hochzeit geschieht durch das Paar selbst, während die andern gewöhnlich durch jungeLedige" ge­laden werden, häufig mit dem Spruche:

Ihr sinn au höflig iglade

Zu der Hochzeit von N. N. und N. N. Am nüni isch d'Kirch,

No gähts inRitter" (oder sonst ein Gasthaus , Wo mr Euch ufwart Nach Freud un Beliebe. Kumme aber au!!!

Mr itolle Euch au diene.

Sei 's in Freud oder Leid; Lieber üt Freud als in Leid.

Doch zurück zur Feier. Es ist mittlerweile 8-2 Uhr geworden, der vierte Gatig ist inBearbeitung". Da schleicht flink und heün- lich ein lediger Bursche unter der Tafel zur Braut hin, und, schwupp! hat er ihr einen Schuh abgestreift, mit dem er sich dann, begleitet von Gelächter und Beifallklatschen der Gesellschaft, in die Küche begibt. Dort wichst er den Schuh blitzblank und prä­sentiert ihn dann dem Bräutigam mit den Worten:,Was isch der Schuh wert?"Drei Liter Roten", lautet die Antwort, worauf sich der Schuhräuber schlenuigst in die Einschänke verzieht, um dort den Wein in Empfang zu nehmen. Nun wird das Braut­glas in den Schuh gestellt, und derRote" macht die Runde um die Hochzeitstafel. Das nennt manbett Schuhwein" trinken.

Gegen Mitternacht gibts noch einige Ehretttänze, dann verab­schieden sich Freunde und Verwandte, wünschen nochmals: .Glück im Ehstand" und drücken, ehe sie gehen, den jungen Leuten ein Geschenk zur Aussteuer in die Hand.

Die Musik spielt ein ernstes Stück, gewöhnlich ein schwermütiges Volkslied, zum Abschied, und der junge Hofbauer und d'nen Büri suchen ihr Heim ans.

In dieser gemütlichen und gewiß nicht poesielosen Werse voll­ziehen sich alle großen Bauernhochzeiten in unfernWeilt"- und Wald"-Dorfe Durbach.

Frauett durch das Akademische Studium an Seele und Körper Schaden leiden Wnnen, untersteht nicht mehr der generellen Be- urteilung in einer Zeit, wo für alle freies Spiel der Kräfte verlangt und zumeist gewährt wird. Selbstverständlich liegt aber in jedem einzelnen Falle denen, die für den Lebeitsgang eines Mädchens die Verantwortung tragen den Eltern, Vormündern und auch Hausärzten um so mehr die Verpflichtung ob, sorg­fältig zu prüfen, ob ihre Schutzbefohlene geistig und leiblich stark genug ist, den schweren Anforderungen eines langjährigen Gymnasialunterrichts und Universitätsstudiums zu genügen und später im Bertlfsleben sich durchzukämpfen. Sehe jeder, wie er's treibe!"

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Gleichzeitig mit der Veröffentlichung Prof. Schwalbes bringt die Medizin für alle das Ergebnis einer Rundfrage bei hervor­ragenden Persönlichkeiten, die sich über denselben Gegenstand ge­äußert haben. Prof. v. Bergmamr (Berlin) läßt sich, wie folgt, hören:Ich bin ein ausgesprochener Gegner des Studiums der Medizin von Frauen. Weder körperlich noch geistig sind sie ihm gewachsen. Solange die Frauen nicht die Köche und die Schneider aus ihrem Gewerbe zu verdrängen vermögen und wenigstens diese Gewerbe als ihr Monopol in Anspruch nehmen/ werden sie auch neben den Aerzten ein kümmerliches Leben führen. Wäre es möglich, die Geschlechtsunterschiede aufzuheben, so könnten die Frauen vielleicht gute Aerzte werden. Aber das geht eben nicht. Gute wissenschaftliche Arbeiten Wnnen die Frauen gewiß leisten: die Kämpfe aber mit den Erregungen, Verantwortungen und Verzweiflungen eines Arztes will ich ihnen nicht zumuten; beim dazu schätze ich die Frauen viel zu hoch."

Der bekannte Kviminalpsychologe Prof. Cesare Lombroso in Turin schreibt:

Abgesehen davon, daß sie viele Eigenschaften (Intellekt z. B.) in geringerem, andere wieder (Aufopferungsfähigkeit, Pietät, Selbst­verleugnung, Geduld) in höherem Maße entwickelt hat, kann die Frau ein guter praktischer Arzt sein, und zwar ein ebenso- guter wie der Mann; ein besserer als er in der Kinderheilpslege, in der Geburtshilfe, ein weniger guter in der Chirurgie. Ihre wissenschaftlichen Leistungen sind gering und dürftig, ebenso wie ihre literarischen und sogar musikalischen, was ich inLa semme criminiele" undDas Weib" nachgewiesen habe. Die materiellen Erfolge des weiblichen Arztes in Italien sind ungünstig, nicht so in Amerika. Die Mutterschaft wird ihre Karriere unterbrechen, nicht aber verhindern. Bei den Nonnen und Wärterinnen zeigt es sich, daß eine stärkere Emotivität den Dienst nicht beeinträchtigt."

Prof. Gersuny, ein hervorragender Wiener Chirurg, teilt mit, daß die Frau als Gattin und Mutter wichtigere Pflichten als den ärztlichen Beruf hat.Im übrigen halte ich es" so schließt erfür sehr gut, daß ton der Million Frauen, die wir in Deutschland zu viel haben, einige hundert den ärzt­lichen Beruf ergreifen."