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Nicht überflüssig: er zeigt an, daß sein Herr auf der Jagd ist, hei einem grausamen Handwerk!"
Nietzsches MwLLer.
Dr. Richard Oehler entwirft in der „Zukunft" eine Porträtskizze von der Mutter Friedrich Nietzsches, die er persönlich gekannt hat. Sie war nicht, wie er schreibt, in dem Sinne eine „bedentende" Frau, in dem man dieses auszeichnende Beiwort von literarisch oder künstlerisch hervorragenden Persönlichkeiten, wie von der Mutter Schopenhauers, gebraucht. Sie hat nie das Bedürfnis empfunden, ihre Fähigkeiten aktiv zum Ans- druck zu bringen; nur gegen das Ende ihres Lebens begann sie, ihre eigene Lebensgeschichte aufzuzeichnen. Sie sah die glänzende Laufbahn ihres Sohnes, erlebte auch noch seinen wachsenden Ruhm. Doch war sie seinen Fähigkeiten gegenüber eher zur Skepsis, als zu unbedingter Bewunderung geneigt. Einst sprach sie unwillig über eine Eigenart ihres Fritz in Gegenwart ihres Vaters, des alten LaudpfarrerS von Pobles; da erhob sich der Greis und rief in fast feierlicher Entrüstung: „Du weisst nicht, meine Tochter, was du an diesen! Jungen hast!" Die früh beginnende Abwendung ihres Sohnes vom christlichen Glauben hat sie gewiß mit innerer Unruhe beobachtet und, soweit es in ihren Kräften stand, zu verhindern gesucht. Sie hat (man kann es nicht leugnen), fährt Dr. R. Oehler fort, den Schicksalsschlag, der Nietzsche getroffen, als eine Strafe des Himnrels für seine antireligiösen Schriften aufgefaßt; sie hat es daun als die ihr zugewiefene Aufgabe betrachtet, den Rest ihrer Kraft und Lebenszeit der Pflege des Kranken zu widmen. Wenn sie am Arm ihres Sohnes ins Zimmer trat, bot sie ein Bild von ergreifender Wirkung auf die wenigen, die es genießen durften; die kleine, zarte Fran neben dem stattlichen, breiten, hoch aufgerichteten Mann mit langem, zurückgekämmtem Haar, das die mächtige Stirn schön hervortreten ließ, mit seinen buschigen Augenbrauen und seinem starken, gewölbten Schnurrbart; und wenn sie dann mit ungemein sanftem, eindringlichem Ausdruck der Stimme zu ihm sprach, ihm die Persönlichkeit eines Anwesenden ins Gedächtnis zurückzurufen oder durch Erinnerung an einen seiner Lieblingsorte in Italien und der Schweiz ihn ins Gespräch zu ziehen suchte, so pflegte er mit einem unbeschreiblich liebenswürdigen, ich möchte sagen, leutseligen Lächeln ans sie herabzusehen und dann mit schönem Wohllaut der Sprache und erstaunlicher Klarheit der Skizzierung ein Landschaftsbild, eine Stadt oder ähnliches langsam hinzumalen. Noch hatte er die stolze Haltung eines Königs äußerlich bewahrt; seltsam war das Wort in Erfüllung gegangen: „Und wenn mich einst meine Klugheit verläßt, möge mein Stolz bann noch mit meiner Torheit fliegen." Seine Schriften hat die Mutter nicht gelesen. Sie. standen immer in schöner Ordnung auf einem Schränkchen in ihrer „guten Stube". Vielleicht hat die Scheu vor bett Anschauungen, die ihren eigenen so weltenfern waren, sie zurück- gehalten. Aber sie hat mir auch erzählt, daß sie ihren Sohn öfter gefragt habe, welches seiner Bücher sie lesen könne; er habe immer geantwortet: „Keins, meine liebe Mutter; sie sind für eht anderes Publikum geschrieben!"
Veemischie».
* Ein Diogenes in nter den Millionären. In der Reihe der internationalen Millionäre, die so manche exotische Gestalt, so manche eigenartige Persönlichkeit aufweist, nimmt Pedro Alvarado, der reichste Mann von Mexiko, sicherlich eine ganz besondere Stellung ein. Er hat sein Leben als einfacher Minenarbeiter begonnen, und seine Jugend verging in harter Entbehrung und schwerer Plage, da er in dem Bergwerk seines Vaters'beschäftigt war. Da brach das Glück herein; er entdeckte zunächst eine reiche Goldader und fand bann int Jahre 1901 die gewaltigen Gold- und Silberlager von La Palmilla, bte nicht nur die größten von ganz Mexiko sind, sondern zu bett ertragreichsten der ganzen Welt gehören. So hat er denn nun in weniger als 10 Jahren ein ungeheures Vermögen aufgehänftt das man auf 200 bis 600 Millionen Mark emschätzt. Doch inmitten dieses Reichtums blieb er der einfache Manu, der frische Naturbursche, der er als Arbeiter gewesen. Die einfachen Sitten und Gewohnheiten der mexikanischen Minenarbeiter bestimmen noch immer fein Leben, und all der Reichtum, all das Gold erscheint ihm nur als ein lästiger Plunder, den er in mancher Stunde gern los sein ntöchte. Seine Freunde haben tmt dazu Überredet, sich einen prachtvollen Palast bauen zu, lassen, herrlich ansgeschmückt, mit einer Flucht weiter Räume, in deren jedem
ein Klavier steht; aber sein LieblmgsäusentlMt ist ein kahles kalter Keller, in dem er feine Mußezeit verbringt. Ein englischer Korrespondent, der diesen „Diogenes unter den Millionären" interviewte, fand ihn zwar nicht in einer Tonne, aber doch auf einer teeren Champagnerkiste fitzend, wie er mexikanisches Bier trank. Die Hauptstadt von Mexiko hat er noch niemals besucht; er ist überhaupt mit Ausnahme von einigen Reise», nach der nahegelegenen größeren Stadt aus feinem Heimatort Parral noch nicht heransgekommen, aber in diesem kleinen Berg- werksort kennt er jeden Menschen beim Namen und ist über die Verhältnisse aller Bewohner orientiert. Jeden Tag kommt eine große Schar von Bedürftigen und Bettlern nach seinem Hanse, und er spricht mit einem, jeden und gibt ihn ein Almosen. Seine Ratgever und Freunde sind erfahrene arte Leute des Städtchens^ ein besonderer Vertrauter ist der alte Priester, der wöchenilich einmal in feiner Privatkapelle die Messe zelebriert. Alvarado tveiß tvenig von der zivilisierten Welt und kümmert sich nicht um sie. Von der eigentlichen Macht und Bedeutung des Geldes hat er keine Vorstellung; es ist ihm nur ein Spielzeug, und eine einzige Freude ist, daß er damit wo hl tun und menschliche Not lindern kann. Der Palast, ist aus eine ganz seltsame und barbarische Art eingerichtet. Die kostbarsten und die absonderlichsten Dinge stehen herum. Tausende von Kanarienvögeln fliegen umher. Der Salon enthält ein Dutzend großer Spiegel und eine übertriebene Fälle von Verzierungen aller Art, sodaß das Ganze einen chaotisch wirren Eindruck macht. Der Millionär erklärt elbst freimütig, daß ihm all dieser Prunk verhaßt ist und nur von seinen Freunden ihm anfgedrängt wird, die der Ansicht sind, ein so reicher Mann müsse auch feinen Reichtum in besonderen Weise zeigen. Alvarado ist erst 36 Jahre alt; er fühlt sich am wohlsten in seinen Bergwerken, die er nach jeder Richtung hin vervollkmmrnet, mit elekttifchem Licht und anderen nwderueni Einrichtungen ausgestattet hat.
* Das dumme Huhn? Zur Ehrenrettung der Intelligenz unseres Haushuhns sendet der „Königsb. Hart. Ztg." eine Leserin folgende Zuschrift: „An unserem Gntshaus war ein Vorbau, in dem die sogenannte Tranktonne stand, eine große Tonne, in die das Spülicht kam, um bann an die Schweine verfüttert zu werden. Eines Tages war ich in der Küche beschäftigt und hörte im Vorbau ein höchst aufgeregtes Geschrei der Hühnerschar, die sich in demselben mit Vorliebe anfhielt, Als ich hinzuttat, sah ich alle Hühner nm die Tonne stehen und ganz wild schreien und entdeckte in der halbgefüllten Tonne ein Huhn, das nahe am Ertrinken war und sich kaum mehr rühren konnte. Es iuar beim Aufstiegen hineingefallen, und da die anderen ihm nicht anders helfen konnten, riefen sie auf ihre Art Hülfe herbei. — Im Huhn erstatt hatten sich Ratten gefunden und hatten einer Glucke fast alle Kücken sortgefressen Um die übrigen drei zu retten, setzte ich sie jeden Abend in ein hochgelegenes Rest, wohin beim auch die Klinke flog. Eines Abends hatte ich dies vergessen und saß, als schon bte Schlafenszeit der Hühner gekommen war, auf der anderen Seite deS Hauses auf den Stufen der Treppe. Da kamen nut Geschrei die drei Reinen Kücken durch den Garten zu mir hingelaufen, auf meinen Schoß, und ich mußte sie zur Klncke aufs Nest tragen,. >
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Nachdruck verboten.
Auflösung in nächster Nummer-
Auflösimg des Silbenrätsels in voriger Nummer;
Dagobert - JGboli — Rebe — Zobelpcta - After - Rase — Slebenmond;
Der Zahn der Zeit,
MLtittion: Ernst Heß. — Rotalionsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Vuch- und Siembruderel, R- Lange, Wttiun.


