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Wenschenteöen, die lügen.
Roman von H. Ehrhardt, VeUasserin von „Mittellose Mädchen"
Nachdruck verböte».
(Fortsetzung.)
Etwas Gequältes lag für einen Moment in dessen dunkel umschatteten Anqen. Ganz deutlich sah er das blühende, leidenschaftliche junge Geschöpf vor sich, wie es verzwerfelnb au seinem Halse gehangen. . .,
Hanna hatte, irgend einen Zusammenhang wetternd, nut einem entsetzten: „Ach, wie schrecklich!" prüfend das Antlitz des Freiherrn gestreift, aber die flüchtige Bewegung tn fernen Zügen war so schnell kühler Ruhe gewichen, daß sie tvieder irre wurde, um so mehr, als er lerchthrn sagte:
„Gewiß, Schmieder, Sie haben Recht, hinter den Ku- lisserr sind die Mdels übrigens meist in Jahren, von denen man zu Jagen pflegt: Sie gefallen mir nrcht."
„Also doch Erfahrungen, Baron?" dre junge Fran blm- zelte ihn neckisch an, „aber, was, Sie wollen schon gehen, Herr von Poseck?" unterbrach sie sich und erhob srcy aus ihrer bequemen Stellung. „ ... . _
Walter lvies ans die kostbare Rokoko-Uhr auf goldener ^°n^3n zehn Minuten sechs. Wir müssen ins Kasino. Kommen Sie mit, Herr Baron?" ,,
Der junge Offizier stand zaudernd, aber Hanna machte diesem Zögern ein Ende. , „ o
„Menn Sie schon selbst gehen, so locken Sie wenrgsteiw Nicht all meine Besucher mit!" schmollte sie, Walter dre Hand zum Kusse reichend, „Baron Tressenberg leistet '.tue sicher gern noch etwas Gesellschaft. Mein Mann hat heute mit der Steuereiuschätzung so viel zu tun und bis er kommt, wäre ich ganz allein." ,
Sie wartete eine Antwort des Frecheren gar nicht ab — wenn sie es wünschte, blieb er eben. ~
Er hatte sich nachlässig wieder tn fernen Sessel gierten lassen: zwar redete er sich ein, daß ihm durchatls nichts an einem Alleinsein mit der schönen Fran läge, aber er blieb, weil er eben erst der drückenden Einsamkert feiner Wohnung entflohen war und nicht in die Kneipe gehen wollte.
„Unterhalten Sie mich doch, Baron!" mahnte dre junge Frau scherzenden Tones, „oder meinen Sre, daß die Rolle des steinernen Gastes Ihnen so besonders gut steht c
Sie neigte sich leicht vor. liebet ihrer weißen Stirn flimmerte das Rothaar, die bestrickenden, grünen dingen lächelten. „
Joachim hatte tvieder, nun deutlich, den dusteren Zug im Gesicht, der ihr vorhin bei • den Worten des schönen Schmieders ausgefallen war.
„Ich bin furchtbar gedankenfaul heute!" erwiderte et müde und versuchte, recht gelangweilt auszusehen, „aber wenn Sie befehlen, gnädigste Frau, will ich Sie natürlich unter
halten. Haben Sie inbezug auf den Gegenstand unserer Unterhaltung besondere Wünsche?"
Sein ironischer Ton stachelte ihre weibliche Rachlust an. Sie lehnte sich bequem in ihren Sessel zurück und ivährend ihr großer, klaret Blick sein Gesicht durchforschte, sagte sie scheinbar unbefangen:
„Gewiß, erzählen Sie mir doch etwas von der kleinen Schauspielerin, die sich so gräßlich ums Leben brachte."
Der junge Offizier tvat zusammengezuckt, sie hatte es deutlich gemerkt. Ein Funken glühte in seinem Auge auf, aber dann verschleierte sich sein Blick zu der alten hoch» mütigen Kälte und seine Stimme klang gleichgültig, während er sagte:
„Sie haben befohlen und ich gehorche. Warum soll ich Ihnen auch vorenthalteit, was sich seinerzeit die Spatzen auf den Dächern hierzugepfiffen haben. Eine alltägliche Geschichte. Sie war ein exzentrisches, heißblütiges Geschöpf ohne Charakter und Erziehung und warf sich einem Manne an den Hals, der nahm, was sich ihm so bequem bot, ohne ihre Gefühle zu erwidern. Als die Sache sich wie hundert andere beim Fortgang bet Truppe lösen sollte, schnitt das dumme Ding sich die Pulsadern auf, weil sie sich einbildete, ohne den Mann nicht weilet leben zu können. Und dieser Mann war — ich."
Er schöpfte tief Atem, dann, als sie regmtgslos verharrte, setzte et in aufquellender Bitterkeit hinzu:
„Können Sie eS begreifen, gnädigste Frau, daß jemand ohne mich nicht leben könnte?"
„Um das begreifen zu können, müßte ich Sie--
lieben." A
Eine Pause folgte, ein beklemmendes Schweigen, das so oft Vorbote einet großen, schicksalsschweren Enttäuschung zu sein pflegt.
Aber cs lag durchaus nicht in Hannas Wünschen, eine solche jetzt schon herbeizuführen.
Und so hatte ihr schönes Gesicht trotz der verfänglichen Worte einen so harmlosen Ausdruck, daß der junge Offizier gar nicht dazu kam, einen leidenschaftlichen Gedanken an diese Worte zu knüpfen. Er empfand eher etwas wie Be»» schämung.
„Verzeihen Sie die törichte Frage, meine gnädigste Frau", sagte er deshalb, leicht auflachend, „ich habe sie ohne (Überlegung ausgesprochen, in der unwillkürlichen Auf- wallimg eines Gefühls, das mir das Tun jenes Mädchens stets unbegreiflich erscheinen ließ. Ich glaube überhaupt nicht an eine so unbeschränkte, glühende Liebe, die nichts anderes begehrt, als nur den Gegenstand ihrer Neigung und nicht (eben mag ohne seinen Besitz. Bei dem Manne nicht, weil


