Ausgabe 
24.12.1907
 
Einzelbild herunterladen

764

Vie einstige Beherrscherin der Moheli, in der der Ruf der Liebe stärker Wiederklang als der Ehrgeiz und die lieber die glückliche Frau eines französischen Gendarmen wurde, als Sultanin von Moheli. Sie selbst erzählt davon, ein glückliches Lächeln auf den Lippen: Sie erzählt, wie eines Tages der Generalinspektor der Kolonie sie im Kloster aufgesucht habe:Salima, du bist nun alt genug, um zu herrschen und zu heiraten, willst du wieder nach deinem Lande?" Aber Salima wollte nicht; einen Augenblick nur tauchte in ihrem Geist die Erinnerung auf an den langen Königsmantel, den ihre Mutter einst getragen, und an die prachtvollen Kronjuwelen, die daheim ihrer harrten. Ich sah mich als einsame.Frau, des Herrschens unkundig, von Pflichten überbürdet, auf dem Thron. Ich hatte Angst. Und dann dachte ich an den, den ich lieb hatte, und ich wußte, war ich auch zu schwach zur Herrscherin, ihn zu lieben war ich stark genug." Es gab viele Schwierigkeiten zu überwinden, aber schließlich willigte die französische Regierung ein. Die jetzt zum Kolonialamt geht, oas ist nur die glückliche Mutter von zwei frischen, anmutigen Kindern, die von der Re­gierung als Gegenwert für die freiwillig aufgegebenen Rechte nichts anderes will, als die Sicherstellung ihrer Lieblinge vor den Sorgen, die eine fremde Zukunft bringen kann.

* Was Königinnen wiegen, erzählt eine eng­lische Zeitschrift. Die Kaiserin von Rußland ist die leichteste unter den Damen, die europäische Kaiser­oder Königsthrone zieren. Sie wiegt 131 englische Pfund, die bekanntlich ein gut Teil leichter sind als die deutschen. Die Königin von Holland wiegt 14 Pfund mehr als die Gemahlin des Zaren und Schwester unseres Großherzogs. Die Königin von Rumänien wird mit 147 Pfund an­gegeben und die Königin von Schweden mit 149. Die schwerste unter den gekrönten Damen ist die Königin von Griechenland, die 172 Pfund wiegt, genau 8 Pfund mehr als die Königin von Portugal.

* Gegen rissige Hände. In derPharmaz. Ztg." werden verschiedene Mittel gegen rauhe und rissige Hände empfohlen, von denen wir hier nur als leicht anzu­wendende erwähnen:Unguentum Elimi", eine Salbe, die in jeder Apotheke erhältlich ist und früher sehr viel gegen rauhe Hände benutzt wurde. Noch einfacher ist das all- qbendliche Einreiben mit flüssig gemachtem Talg, das ge­holfen haben soll, als «lle anderen Mittel erfolglos waren.

Sprachecke des allgemeinen deutschen Sprachvereins.

Zeichnen.

Im Gablonzer Tagblatt wurde kürzlich folgendes ausge­führt: Der Einzelkaufmann, die Handelsgesellschaften und die eingetragenen Genossenschaften, die eine in das Handels- oder das Genossenschaftsregister eingetragene Firma, d. h. einen beson­deren, oft vom bürgerlichen Namen des gesetzlichen Geschäfts­inhabers abweichenden Handelsnamen führen, schließen ihre Briefschaften mit Fug und Recht:Ich zeichne (Wir zeichnen) hochachtungsvoll" und nun kommt die Angabe der Firma genau in dem Wortlaute und je nachdem ganz oder zumteil in den Schriftzügen, wie sie der Geschäftsinhaber oder sein ge­setzlich zulässiger Vertreter in eine der genannten Listen hat eintrageu lassen, wodurch er allein das ausschließliche Recht zur Führung der Firma und zu ihrer Wiedergabe in den ein­getragenen Schriftzügen erlangt. Das Wortzeichnen" bedeutet daher hier so viel wie: eine Unterschrift in ihrer gesetzlich geschützten Form wiedergeben und der kaufmännische Brief­schlußich zeichne N. N." heißt demnach so viel wie: ich gebe meine Unterschrift in dem Wortlaute und in den Schriftzügen wieder, wie ich sie in das betreffende Register habe cintragen lassen. Der Zweck dieser Worte ist aber der. dem Briefempfänger damit zu versichern, daß das Schreiben echt ist, d. h. wirklich von dem herrührt, dessen Firma unter den Brief gesetzt ist. Was folgt nun aus dem Gesagten? Erstens: Ein Nicht­kaufmann darf sich des kaufmännischen Briefschlusses:ich zeichne hochachtungsvoll N. N." nicht bedienen, denn er hat nichts zu zeichnen, nämlich keine gesetzlich geschützte Unter­schrift. Seine Unterschrift kann wenn nicht die Absicht des Betrugs oder sonstiger böswilliger Irreführung vorliegt straflos jeder Namensvetter von ihm in ganz gleicher Weise geben. Zweitens: Ganz widersinnig ist der Ausdruck:ich zeichne mich hochachtungsvoll N. N." Das würde bedeuten, daß der Brieffchreiber unter den Brief sein höchsteigenes Bild setzt.

Weihnachtsliteratur.

Stätten der Kultur, Eine Sammlung künstlerisch ausgestatteter Städtemonographien. Herausgegebcn von Tr. Gg. Biermann. Jeder Band reich ausgestattct Mk. 3.. (Verlag von Klinkhardt u. Biermann, Leipzig.) Bd. 2. F r a n k f u r t a. M. Von Paul Ferd. Schmidt. Mit Buchschmuck von L. Pollitzer, Diese neue Sammlung wird mühelos die Sympathien weiter Kreise erringen. Sie entspricht dem historischen Geiste unserer Zeit. Für den großen Kreis unserer Gebildeten bestimmt, wendet sie sich zunächst an die Freunde alter Geschichte und Kunst und vor allem an die Besucher jener Städte, denen sie ein lücken­loses Bild von dem kulturgeschichtlichen Werdegang vermittelst Es ist keine trockene Gelehrsamkeit, die hier vorgetragen wird, sondern lebendige Weisheit, die aus der Vergangenheit für die Gegenwart Schlüsse zu ziehen weiß, und alte und neue Kultur ihrem wirklichen Werte nach zu ergründen strebt. Von diesem Gesichtspunkte aus erscheint das Unternehmen zeitgemäß: denn nach solchen Büchern, die von aller Einseitigkeit losgelöst, em organisches Gesamtbild geschichtlichen Werdens vermitteln, hat der Gebildete häufig genug verlangt. Dieser Frankfurter Band sollte besonders auch unserer hessischen Jugend in die Hand gegeben werden. Sie lernt hier die größte und schönste und wohlhabendste, dazu altertümlichste und an Architektur und Kunstschatzen überaus reiche Stadt ihrer Gegend kennen und mit künstlerischem Genuß ihre Denkmäler betrachten.

Goldene Worte.

Jesus, der uns in seinen Gleichnissen nicht nur erneu un­erschöpflichen Schatz ewig lebendiger, immer neues Leben weckender Worte hinterlassen, sondern zugleich uns allen zum Vorbilde gelebt hat, der das tiefsinnige, einzigartig große Wort sprach: ,,-r,er Menschensohn ist nicht gekoiumen, sich dienen zu lassen, sondern zu biene u", und dadurch das ganze Christentum mit der ueber- zeügmtg durchdrungen hat, daß nichts den Menschen me()r oben, als der Dienst an den Mitmenschen. Jesus wirkt fort als der persönlichste aller Persönlichkeiten", er lebt und bleibt uns mit seinem Geiste nahe. * Prof. Dr. Frdr. Delitzsch.

Man spricht selten von der Tugend, die man hat; aber desto öfter von der, die uns fehlt. * SJeilmg.

Träges Anstaunen fremder Größe kann nie ein höheres Ver­dienst sein. Dem edleren Alenschen fehlt es weder an Stoff zur Wirksamkeit, noch an Krästen, um selbst in seiner Sphäre Schocher zu fei». Und dieser Berus ist auch ber heutige. Hast du ihn emmat erkannt, so wirb es bir nie wieder einsaklen, über bie Schranke» zu klagen, die deine Wißbegierde nicht überschreiten kann.

Wicdcr ein Preisrätsel!

Ein Weihnachts- und Neujahrs-Preisrätsel

bieten wir hettte untern- Lesern. Es lautet:

Ich lehr' euch heut ein Trio kennen In eng verbundner Worte Laut, Von betten jedes schön zu nennen, Durch je zwei Silben ouigebnitt.

Voll Weihe ist seit alten Zeiten Tas erste und von hehrem Klang, Und Ernst und Freude es begleiten Zu adeln unsers Lebens Gang.

Das zweite ist ein Lebensspender

Und strahlt in herrlicher Gestalt; ES ist ein Mut- und Kräftesender Für jeden, der auf Erden wallt. Das dritte sind der Töne Meister, Das Schauen unsre Seele schwellt; Sie reden aus dem Reich der Geister Und knüden eilte andre Welt.

Doch wenn geheimnisvoll das Ganze Euch mächtig in bie Herzen drang, Schaut alles ihr in nettem Glanze Unb preiset Golt mit Jubelsang. A. Ammann.

Lösungen werden an dieRedaktion der Gießener Familienblätter" (das ist Adresse mit der Hinzufügung auf dem Briefumschlag: Pr ei s tse l l ösu ng) bis zunr 8. Januar 1908 eickgegengenommen. Als Preise sind 12 wertvolle Bücher vorgesehen, sowie ein gerahmtes Gemälde.

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer.

Christbaum,

Redaktion: P. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.