Ausgabe 
24.12.1907
 
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»Kreut euch, ihr Menschen, ruft der Glockenklang, d Nach kurzem Tag geweihte Nacht tst laug; W- Geweihte Nacht ist reich au Tust und Glanz, Gib dich, o Menschenkind, der Freude ganz l

, Wie soll ich freuen mich? wohl mancher spricht; Den würgt der Hunger, Jenen plagt die Gicht; Der eine sorgt und bangt, der andre ringt Die Hand' am Grabe, das nichts wiederbringt.

Und doch, o Mensch, wenn auch das Schicksal dich

Des Teuersten beraubte, fasse dich

lind zünde Kerzen an am Tannenbaum

Und gib dich wieder hin dem Weihnachtstraum;

Träum dich zurück in ferne Jugendzeit, Da klar dein Ange !var, dein Herz noch tveit;

, Träum dich zurück, und ivär's ein Augenblick, Auch solcher Augenblick bringt reiches Glück.

. Erinn'rung lehrt dich, daß vergänglich ist So Lust wie Leid, so Ruh' wie Kämpf und Zwist; Bald zehrt das Licht sich auf am Weihnachtsbaunr, So auch vergeht die Sorge dir wie Schaum.

Und bist du arm und mußt entsagen du,

Den letzten Groschen suche aus der Truh' * - Unb trag ihn fröhlich dem noch Aermern hin;

Solch Spenden schafft dir dauernden Gewinn.

Solch Spenden schafft dir Weihnachtsseligkeit: T. Du fühlst dich leicht, die Brust wird wieder weit, Und lvärst dn schuldbedrückt, du fühlst dich rein;

Erlöst ist, iv er sich darf d er Lieb e w eih'n.

Dagobert von Gerhardt Amyntor.

Weihnacht.

Von Wilhelm Holzamer f.

(Nachdruck verboten.)

G r ü u e Weihnacht, weiße Ostern", sagt die B a u e r n r e g e l. . Tennder Osterschnee tut Flucht und Wein­stock weh". War die Weihnachtswitteriing nicht kalt genug, so setzt die RebeGescheine" an. Die erfrieren in der Osterkälte. Dann ist es um den Herbst geschehen. Und oft auch um die Rebe. Denn die Rebe ist wie die Menschen. Was ihr im Keime ver­kümmert worden, das krankt ihr ins Mark hinein.

Weiße Weihnacht, grüne Ostern", da steckt die Hoffnung all ihre Fahnen aus. Da singt sie von vvllem Faß und Keller und Von der gefüllten Scheune. Da nimmt sie ein gut Teil Besorg­nis weg und spornt die Tatkraft, Aufein gutes Jahr" läßt her Weihnachtsschnee sich deuten.

Und weiße Weihnacht, das ist außerdem das richtige. Der Schnee gehört zum Feste. Für Groß und Klein. Er gehört zur Stimmung. Das Haus muß eingeschneit sein, die Wege müssen zugedeckt sein. Die Wege im Dorf voller Schnee, da ist man gleich himmelweit entfernt voneinander. Haus von Haus, Tür von Tür das ist weit auseinandergerückt. Da hockt die ganze Familie daheim. Vater, Mutter, Kinder und am Ofen der Großvater, und Großmutter fühlt sich so recht behaglich daheimi Alle sind sie beisaniimeN. Das muß so sein zur Weihnacht. Die; Welt muß verengert sein, der Sinn darf nicht schweifen. Auf das Nahe und Nächste, auf das Kleine und Liebe, auf das Trauliche und Heimelige muß er gehen.

Und ihr zündet den Christbaum an. Daß mancher unter euch seinen elten Sinn vergessen, den echten, naturfrohen, naturnahen, den jauchzenden, hoffenden Sinn des Wortes und Gebärens was tut'sk Daß die natürliche Wirklichkeit sich euch in eine philosophischie Abstraktion aufgelöst hat, tooS1 tut's!Ein Kindlein uns ge­boren ward" ... Zu diesem einen kehrt der Sinn zurück. Und von diesem einen und einmaligen löst er sich, löst sich und führt hin zu den allen! lind führt hin zu euch.und euren Ungeborenen, und führt in euch zur Zukunft. Die Verkündigung allen,die guten Willens sind". Guten Willens zu allen Lebensrechten/ zu allen lebendigen Rechten. Zündet Lichter an und hanzt. Feiert! Friede sei mit euch und allen ein Wohlgefallen! Die Sonne wandelte bis zu . ihrer Wende zu neuem, zu wachsendem Tage, zu steigendem Licht, zu wärmender Helle. Zündet Lichter an und tanzt. Still ist die Welt. Leer noch und am Erfüllt soll sie werden und reich. Ihr Boden soll aufbrechen zu Fülle und Fruchte barkcit. _ Im Walde glänzt der Baum eurer Vorfahren; der Baum des Julfestes! Und durch den schwcichenden, kahlen Wald schreitet der Nazarener zur grünen Tanne, der bleiche und arme, dessen Gewißheiten der Welt Ungewißheiten bleiben mußten, weil sein Diesseits mißbraucht worden für sein Jenseits, weil sein Jenseits nicht herabsteig-en wollte und durfte zu fernem entrechteten Dies­seits. Bleich, der Leidende und Duldende, geht er zum Jnlbaume im Walde. Wintersonnenwendfeier unserer sinnigen Ahnen* und Weihnacht des Christentums fließen in eines. Ein neuer Sinn wacht auf, ein neuer Geist fühlt Kräfte. Es wendet das Dunkel zum Tage. Vom Gotte der Heiden zum Gottmenschen der Christen. Und von ihm zum Menschen geht der Weg. Der Mensch ist's und soll es werden, der die Zukunft in sich trägt, und alle ihre Verheißungen, alle ihre Forderungen und all ihre Erfüllungen....

So ist der SinN des Festes gewachsen und hat sich ausge- 6reitet. So erfüllt uns das Fest. So hat es seinen Wirklich­keitssinn. Seinen Traumsinn zu genießen dazu gehört das Kindsein. Und zu Jugendtagcn wandelt die Erinnerung zurück. Träume, Bilder, Stimmungen. Seit der heilige Nikolaus dage- tvesen mit Ruten und grimmiger Schelte seitdem liegt es wie ein heimlicher Sinn im Leben. Es ist alles so still geworden.. Und wenn der Abend kommt, dunkeln die Gassen tiefer. Die Kommode ist fest verschlossen wo nur der Schlüssel liegt? und etwas Verdächtiges hatte auf dein Wandbrett gelegen, es ist verschwunden. Wo es nur liegen mag? Was es nur sein mag?,