Wer nicht bie' Trikolore trug, Sich nicht auf den Mensuren schlug, Hieß schlechthin ein „St'ameler".
Politisch war man „gut" gesinnt; Doch war ein jeder Gießer Am Biertisch und bei günst'gem Ein echter Kannegießer.
Ob Fortschritt oder National, Das' war den meisten ganz egal Nur Ruh' und Völkerfrieden!
Einst wurde in dem Leib'schen Saal Tie deutsche Flott' besprochen.
Da ist ein Schneider schmal und kahl Auf die „Tribun" gekrochen:
Was glaubt Ihr, daß die deutsche Flott' Uns kostet? Ja, ich glaub bei . Gott, Wohl dreißigtausend Gulden!
Da habt Ihr Jungen nun ein Bild' Wie's damals ist gewesen.
Ich hoff', Ihr werdet nicht zu wild. Die Stadt ist längst genesen.
Es weht ein frischer, neuer Geist, Der gute Zukünft Euch verheißt, In Euren alten Mauern.
, e> ■, t F. A. Kehrer.
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* T r a g i k o m ö d i e e i n e s S ch u tz m a n n e s. Im „Mühlh. Mnz.", dem amtlichen Organ der Stadt Mühlhausen i. Th., finden wir folgenden Bericht über die Tragikomödie eines Einbruches unter polizeilicher Assistenz: Ein Mitbewohner des von dem Pfarrer Hübner bewohnten Hauses sieht früh gegen zwei Uhr einen Stuhl vor dem unteren Südfenster des Hauses stehen. Erstaunt blickt, er durch das offene Fenster und sieht in der daranstoßenden zweiten Stube einen Menschen den Schreibtisch pbleuchten. Er holt sofort einen Polizeibeamten, und beide be- vbachten, wie der Einbrecher sich an dem unteren Fache des Schreibtisches zu schaffen macht. Anstatt daß der Polizeibeamte sofort durch das offene Fenster steigt und den etwa 6 Meter von ihm entfernt arglos arbeitenden Verbrecher von hinten nieder- chlägt, kommt dem Manne die Furcht an, er weigert sich, einzu- teigcn, indem er vorgibt, „der Kerl könnte ja schießen, er wolle hn beim Herauskommen verhaften", was bei einem Ausweg .nach Garten und Straße ganz ausgeschlossen gewesen wäre. Unter der treuen Wacht des Polizeibeamten durchwühlt der Verbrecher 'eine halbe Stunde lang ungestört alle Fächer und Schubladen, geht in die Kleiderschrankkammer und räumt auch diese aus. Auf eine Frage des' Mitbewohners: „Soll ich denn noch einen Polizisten holen?" hält der tapfere Beamte ihn an der Hand fest und spricht zu ihm: „Das mache ich allein, bleiben Sie nur hier." Als nun der andere den Polizeibeamten nochmals auffordert, vinzusteigen, meint er: „Ja, wenn wir einen tüchtigen Roller hätten." Endlich erblicken sie einen Arbeiter; er wird herbeigeholt, und nun stürmt man hinein; aber durch das Laufen des Arbeiters gestört, sucht der Verbrecher durch die Küche und durch einen Sprung in den Garten das Weite. Anstatt auf demselben Wege den Einbrecher zu verfolgen, läßt der Polizeibeamte sich erst die hintere Tür aufschließen. Durch den weiten Vorsprung des Verbrechers verlief die Verfolgung ergebnislos. — Der biedere Polizeimann verdiente einen Orden.
*TieindischeWitwenverbrennung. Die Sitte der Witwenverbrennung in Indien gilt als ein überwundener Standpunkt, nachdem die regierenden Briten mit energischen Maßregeln gegen diesen Unfug, der sich mit einem religiösen Deckmantel umgab, eingeschritten sind. Ganz verschwunden ist sie aber noch picht, und sie scheint vielmehr noch insoweit in den Anschauungen der indischen Eingeborenen fortzuwuchern, daß es noch immer 'einer Frau hochangerechnet wird, wenn sie nach dem Tode ihres Mannes freiwillig aus dem Leben scheidet. Freilich scheint das Sati, wie dieser alte Brauch in Indien genannt wird, wenigstens ändere Formen angenommen zu haben. Mit der feierlichen Verbrennung eines lebendigen Menschen will es nicht mehr recht gehen in einem Land, wo ein europäischer Külturstaat herrscht, aber es gibt neben diesem „heißen" Sati noch ein „kaltes", das von dem Gebrauch des Feuers absieht und sich heimlicherer Mittel bedient, gegen deren Benutzung denn auch Wohl schwer 'etwas zu machen sein wird. Nach einer Mitteilung des Lancet- Korrespondenten aus Kalkutta ist erst ganz kürzlich wieder ein Fall dieser Art vorgekommen, in dem sich eine Frau nach dem
Tode ihres MänneI vergiftet hat, nächdÄW sie' etfiä schriftliche Mitteilung für ihren Bruder hinterlassen hatte, worin stand: „Traure nicht um mich, lieber Bruder; ich folge ihm, wie cs mir durch die Lehre meiner Eltern geboten worden ist." Allerdings sind die Weiber in Indien viel verirünftiger als bei uns/ denn sie nehmen in solchen Fällen wenigstens Lysol, sondern das sanft einschläfernde Opium'. Es wird versichert, daß namentlich in Bengalen das Sati durch Gift noch immer viel häufiger ist, als die Behörden wissen und annehmen, und daß es auch noch immer als etwas besonders Ehrenhaftes für eine Witwe geschätzt wird.
* Tas Ehe ex amen. Aus New Orleans wird gemeldet: . Den heiratslustigen Amerikanerinnen droht ein fürchterliches Schicksal. Sie sollen künftighin nicht mehr ohne Kontrolle in den Ehestand hineinflirrten; ein hochnotpeinliches Examen sollen sie vorher ablegen und beweisen, daß sie den Pflichten des Mutterberufes auch wirklich gewachsen sind. Und wer von ihnen das zu fordern wagt, das ist kein idealistischer Schwärmer, sondern ein Mann der amerikanischen Wissenschaft, ein offizieller Beamter gar. Dr. C. H. Jrion vom Gesundheitsamt hat in einer seiner Vorlesungen diese Forderung energisch erhoben. 90 von 100 aller Verbrechen in der Welt verschulden die Frauen, sagte Dr. Jrion; und nur dadurch, daß sie so miserabel kochen. Unter hundert Frauen weiß nicht eine ein Kind richtig zu ernähren und 75 Prozent aller Kinder, die unter sünf Jahren sterben, fallen als Opfer von Leiden, die verhindert werden könnten. Und darum sollen sie künftig ins Mutterexamen steigen, die heiratsfähigen Töchter der neuen Welt.
Kunst.
— Das Augustheft der bekannten Münchener Kunstzeitschrift „D i e Kn n st" (Verlagsanstalt F. Bruckmann, München, Preis vierteljährlich Mk. 6) behandelt die beiden großen internationalen Ausstellungen in Mannheim und die der Münchener Se- zesfion und liefert davon eine Reihe sehr bemerkenswerter Reproduktionen. Neben diesen Aufsätzen erwähnen wir aus dem Inhalte Essays von Ludwig Volkmann über die Kunst als Ausdruck der Zeit und von Hermann Katsch über Werkzeug und Epoche. In dem der angewandten Künst gewidmeten Teil finden wir zunächst eine Würdigung der Arbeiten Bruno Pauls auf der Großen Berliner Kunstausstellung, die die glänzende Befähigung des Künstlers, der ja kürzlich vom Kaiser nach Berlin berufen worden ist, beweisen. Einige kürzere Aufsätze „V o m Münchener Waldfriedhof" von Walther Riezler, „Die Mannheimer .Ausstell un gs gürt en" von Victor Zobel bilden chen übrigen Inhalt des Heftes dieser Zeitschrift.
Splitter in Frage».
Wenn das Leben, wie wir es kennen, nun bloß ein Teil eines großen Lebens wär'e, was dann?
. *
Wenn Du in Dein Haus Gottes gehst/ einerlei, ob es die Kirche, oder ein Tempel der 'Kunst, oder ein Tom hoch sich wölbender Bäume ist, gehst du dann dahin mit denk festen Vorsatz, zu beten, oder kommt das Beten, in welcher Weise Du es auch ausüben magst, von selbst?
* I
, . Wenn Tir jemand den Glauben an etwas raubt, das vor-, her Tein Höchstes war, wie stehst Du dann zu ihm? O- R.
Bilderrätsel.
Nachdruck verboten.
Aflösung des Mischrätsels in Nummer 121: Monade, Menado, Modena.
'>ReLaktion:W..Wrttk'o.,-^,DotationsdruÜlmbVrrlaL.berÄ r übllfchenJlniverßtLrs-Buck- und-Eteindruckerei, St. Lange, Gießen.'
Wind
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