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lichen, wenn auch strapazenreichen Kieler Tage bildete ein Abschiedskommers; darnach fuhren wir zum letzten Nacht­quartier, nach dem uns lieb gewordenen Wiker Kasernement.

Nach den ereignisvollen und lehrreichen Tagen in Kiel begann nun das Vergnügungsprogramm, die Fahrt nach Helgoland. Ein Sonderzug brachte uns in der Frühe nach Brunsbüttelkoog, wo vor der Schleuse des Käiser Wil­helm-Kanals derGlückauf" bereit lag, den der Norddeutsche Lloyd in hochherziger Weise zur Verfügung gestellt hatte. Es wehte eine frische Brise, als wir an Kuxhafen vorbei waren, manche Sturzwelle sprang kühn über das Vorderdeck, und als der Glückauf draußen auf der Nordsee ein kleines Tänzchen auf den Wogen inszenierte, da stürzte eine Anzahl der Landratten an die Brüstung des Schiffes, das Antlitz schreckensbleich, das Auge tränenschwer, so bezeugten sie dem Meergott Neptun ihre tiefste Ergebenheit. Aber deswegen gab es doch keine verdrossenen Gesichter, vielmehr wurde jeder neue Fall von Seekrankheit von denUeberlebenden" mit ausgelassener Fröhlichkeit begrüßt. Nordwestlich kam endlich Helgoland in Sicht, die Wolken zerteilten sich und im Sonnenglanz lag das schöne Eiland vor uns.Grün ist das Land, Rot ist die Kant, Weiß ist der Strand, das sind die Farben von Helgoland," so heißt das Berschen, das wir schon so ost in der Schule unseren Kleinen lehrten, und Liesen charakteristischen Farbenkontrast fanden wir sofort. Trotz hoher See ging das Ausbooten flott und musterhaft von statten. Gleich am Strande kamen uns 20, 30 Kinder und halbwüchsige Bürschchen entgegen, die uns Andenken, Ansichtskarten, Seeigel, Seesterne, Einsiedlerkrebse u. dgl. m. anboten. Sie waren echte Germanenkinder mit hellblondem Haar, die breitschultrigen Männer

Haar, die breitschulterigen Männer zeigten wetterfeste, ge­bräunte-Gesichter, und die schmucken Helgoländerinnen fielen in ihrer malerisckwn Nationaltracht angenehm auf. Waren wir auch über die Größenverhältnisse der Insel enttäuscht, so waren wir doch überrascht von der Schönheit des Felsen­eilands, das wie eine natürliche Festung inmitten der brausenden Nordsee liegt. In einer knappen Stunde be­endeten wir den Rundgang, aufdem wir Gelegenheit hatten, die gewaltige Wirkung der Meereswogen zu beobachten, die an der Westseite die braunrote Felswand fortgesetzt unter­spült und zerklüftet. Zurzeit ist man daran, hier starke Schutzmauern als Wellenbrecher zu erbauen. Mehr als 25 000 Badegäste pflegen hier alljährlich Erholung zu suchen. Bekannt ist, daß auf der Insel kein Pferd lebt, dagegen dienen etwa 10 Kühe und eine große Anzahl Schafziegen als Milchlieferanten. Nachdem wir noch dem Denkmal Hofsmanns von Fallersleben, der auf HelgolandDeutsch­land, Deutschland über alles" dichtete, einen Besuch ab- gestattet hatten, bestiegen wir das Fährboot, um uns hin­über nach derGlückauf" bringen zu lassen.

Kurz nach 5 Uhr schwammen wir wieder auf hoher See. Es erhob sich ein ziemlich heftiger Sturm, der das Schiff von der Seite anpackte. Der leichte Dampfer stampfte und schlingerte mächtig, immer neu rauschten die weißen Rosse des Poseidon heran und klatschend schlugen leichte Seen über Bord. Da schwand auch die Widerstandskraft derer, die am Vormittag über die anderen gespottet hatten. Still und in sich versunken sitzt ein kräftiger Schwabe da, blässer und blässer wird seine Farbe, plötzlich ein Sprung an die. Brüstung des Schiffes und die Revolution des Magens kommt zum Ausbruch.O hätte ich das gewußt, ich wär' daheim geblieben", so rang es sich aus der Brust desSchwergeprüften". Die 2000 Liter Freibier wurden nicht zur Hälfte getrunken, nur mit Mißtrauen wagten sich die Seefahrer an den edlen Stoff heran. Endlich winkte von der Wesermündung der Rotesand-Leuchtturm herüber, das Schiff wurde ruhiger, die wackeren Argonauten be­kamen wieder Mut, mit fröhlichem Gesang begrüßten sie das Festland, und legten um 10i/2 Uhr an demGroßen Kurfürst" au, auf dem wir die letzte Nacht zubringen sollten.

Der letzte Tag unserer herrlichen Reise sollte uns auch noch manches Sehenswertes bringen. Wir besichtigten den Großen Kurfürsten", sowie den neuesten Ozeandampfer Kronprinzessin Cecilie", über den an dieser Stelle bereits ausführlich die Rede gewesen ist. Es erfolgte ferner die Besichtigung des Kaiserdocks, der neuen Hafenanlagen, Werk­stätten und der Kammerschleuse, die größte Schleuse der Welt. Um 10.50 Uhr erfolgte die Abfahrt nach Bremen, wo in dem dieser Tage abgebrannten Bürgervark das Ab­

schiedsessen eingenommen wurde. General Kvim war zu diesem Schlußakt von Berlin herübergekommen und begrüßte die Lehrer im Namen des Flottenvereins. Seine Rede gipfelte in den Worten des Nationalökonomen List:Wer an der See keinen Anteil hat, der ist des lieben Herrgotts! Stiefkind." Worte des Abschieds und flammender Begeiste­rung für das Vaterland wurden noch in den Reden der Scheidenden zum Ausdrmk gebracht. Das herzlichste Ein­vernehmen untereinander Hesse und Pommer, Ostpreuße und Bayer, Elsässer und Holsteiner war der sicherste Beweis, daß der deutsche Einheitsgedanke alle beseelte, und noch heute klingen mir die Worte des Abschieds als teures Gelöbnis im Herzen nach:Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern!" L. K.

Kreßen anrro 185060.

Als ich dich Gießen erstmals sah Vor einem halb' Jahrhundert, Ta lagst du noch so einsam da. Daß man sich fast verwundert; Du warst ein kleines Musennest, Umgeben von der Festung Rest, Der Schur und ihrem Graben.

Ter Bürger- und der Bauernstand, Die waren nicht geschieden.

Es trieb ein Jeder kurzerhand/ Was ihm von Gott beschieden. Kartoffeln, Rüben und Gemüs', Auch Aepfel, Birnen, Zwetschen süß Zog selbst ein jeder Bürger.

Im Winter trieben durch die Tor' Vier Schäfer ihre Herden, Begleitet von der Kinder Chor Mit lustigen Geberden.

Wer hatt' die schönste Hammelherd', Ter schien der höchsten Ehrung wert. Könnt werden Bürgermeister.

Der Herr Professor und Student, Tie standen hoch in Ehren: Ter Erst're, !veil er Weisheit kennt, Tie dann die andern hören.

Tie Liebig, Bischoff, Weigand, Buff, Tie wurden selbst im höchsten Suff Von allen hochgepriesen.

Nach Ferien hatte der Student

Noch reichliche Moneten;

Doch wenn's Semester weiter rennt. Da gingen alle flöten.

Ta hieß es:Lieb Philister, her, Tein Beutel ist bedenklich schwer, Ten muß ich dünner machen." TerHerr" tvar seinerPhiliströs" Im Herzensgrund gewogen. Und die war auch nicht gar so bös'. Zur Nonne nicht erzogen.

Trum schlang sich ost noch nach der Hand Hin beid' ein schönes Ehebänd Zu allgemeiner Freude.

Wenn nachts ein Martinsgänschen hing An des Philisters Fenster, So war das ein bedenklich Ding, Denn 's gab noch viel' Gespenster; Eh' noch der nächste Morgen graut. War die gebrat'ne Gans verdaut Vom lustigen Studenten.

Wollt man genießen die Natur An schönen Frühlingstagen, So wurde um die schatt'geSchur Das neue Meid getragen.

Ter nahe Philosophen Wald

Von fröhlichen Gesängen hallt Ter Bürger und Studenten.

Korpskneipen gab es diese drei: Busch, Adler, Pulvermühle, Tie andern Kneipen lagen frei Zerstreut im Stadtgewühle.