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die Paschcrrburg zu erbauen, nachdem ihm vom Kurfürsten der Grund und Boden zum Geschenk gemacht worden war. Auch der Sohn der Kurfürstin Auguste, der letzte Kurfürst von Hessen, iveiste als Kurprinz gern ans der malerisch gelegenen Schaumburg und in ihrer Umgebung. Er hatte für dieses schöne hessische Nebenland an der Weser und fite seine Bauern, die noch das Sachseurotz auf den Knöpfen ihrer Linnenwämser trugen und mit den Alt-- hesseu weder Stammesart noch Verfassung gemein hatteit, tvegen ihrer stets lebhaft betätigten dynastischen Gesinnuitg eine besondere Vorliebe. Aus diesem Grunde erhob er auch seine ihm morganatisch angetraute Gemahlin Gertrude Falkeustein am 30. September 1831 zur Freifrau von Schaumburg und dann nm 10. ©ft. desselben Jahres zur Gräfin von Schaumburg.
Noifchlägs sür BanLe» in Ländlichen Ortschaften.
Das Großherzoglich sächsische Staatsministerium zu Weimar hat beit Schul- und Kirchenvorständen des Großherzogtums folgende beherzigenswerte Ratschläge übermittelt, die auch anderwärts von Nutzen sein werden.
Die Erscheinung der in den letzten Jahrzehnten in ländlichen Ortschaften aufgeführten öffentlichen Bauten, iuie Kirchen, Pfarreien und Schulhäufer, läßt zum großen Teil die Aufnahme städtischer Bauweise erkennen und gibt deshalb zu den nach- stehenden Erörterungen Anlaß.
Wenn es sich um den Neubau einer Dorfkirche, einer Pfarrei oder eines Schulhauses handelt, wird gewöhnlich ein Architekt oder.Baugewerksmeister herangchogen, dessen Tätigkeit ihren Schwerpunkt in der Ausführung städtischer Bauten hat. Dieser Techniker wird daher meist die ihm aus einer ländlichen Ortschaft zugehenden Aufträge in derselben Ausführung ivie die städtischen Bauten behandeln und damit Veranlassung geben, daß ein Mißverhältnis zwischen den Bauten .und der Oertlichkeit entsteht, tun sie errichtet werden. Bisweilen wird wohl auch von den ländlichen Kirchen- und Schulvorständen der Wunsch nach der Gestaltung eines Neubaues in städtischen Bauformen ausgesprochen, lveil die Meinung besteht, durch einen solchen Bau der Ortschaft einen besonderen Schmuck zu verleihen. Diese wohlgemeinte Absicht ist aber gewöhnlich nicht nur mit einer Steigerung der Bausumme verbunden, sondern sie verursacht auch höhere Unterhaltungskosten und hat außerdem zur Folge, daß der Neubau zu der Umgebung in einem beklagenswerten Mißverhältnis steht und den bisher einheitlichen Eindruck der Ortschaft vernichtet.
Es erscheint daher angezeigt, daß beim Entwerfen von Dorfkirchen, Pfarreien und Schulhäusern dem beauftragten Techniker ausdrücklich die Beachtung der üblichen Bamveise zur Pflicht gemacht und nameittlich die Anwendung städtischer Bauformen untersagt werde.
Bei Kirchenbauten wird zunächst festzustellen sein, was vonr alten Bau etwa erhalten werden kann, nnd danach wird sich die weitere Entwurfsbehandlung zu richten haben. Die Freilegung der Kirchen durch Beseitigung alter Kirchhofsmauern, nahestehender Gebäude oder großer Räume wird vorher genau zu prüfen sein, weil in vielen Fällen durch diese Freilegung die Erscheinung der Kirche nicht gehoben, sondern eher beeinträchtigt werden kann. Muß iein neuer Bauplatz gewählt werden, so soll er möglichst auf einer Anhöhe und so liegen, daß er in nicht zu ferner Zeit zum Mittelpunkt der Ortschaft werde.
Die Pfarrei soll an die Kirche zwar nicht unmittelbar angebaut, aber mit dieser, wenn tunlich, zu einer Baugruppe vereinigt werden; doch mnß sich das Wohnhaus des Pfarrers mit seinen Nebengebäuden neben der Kirche nicht auffällig bemerkbar machen. Es wird daher, namentlich wenn die Pfarrei zwei Stock- iverke erhalten soll, sorgfältig zu beachten sein, daß die Gebäudehöhe im richtigen Verhältnisse zur Höhe der Kirche stehe.
Die Schulhäufer erfordern nach den Vorschriften Helle und lustige Schulsäle, sowie genügende Wohnräume für den Lehrer. Durch entsprechende Anordnung des geräumigen Spielplatzes wird sich jederzeit ein Entwurf Herstellen lassen, dessen Einfügung in dem Bilde der Ortschaft keine Störung hervorruft. Da meistenteils ein zweistöckiger Bau auszuführcn sein wird, so ist Gelegenheit geboten, im Obergeschosse den althergebrachten Fachwerksbau zur Anwendung zu bringen.
Die äußere Erscheinung aller Bauten wird nicht zum geringen Teil durch die Bildung des Daches. hervorgerufen. In Städten, wo Reihenhäuser aufgeführt werden und wo besondere Vorschriften über die Höhe der Bauten und die Lichtzuführung geboten find, ist die Anwendung flacher Dächer in Holzzement, Zinkblech oder Dachpappe meistenteils begründet. In ländlichen Ortschaften haben die flachen Dächer keine Berechtigung und ein einziges flaches Dach ist imstande, das Bild einer Ortschaft dauernd zu beeinträchtigen. Es iverden daher für die ländlichen Ortschaften die altbewährten Satteldächer in erster Stelle in Frage kommen. Als Dachdeckung dienen namentlich gebrannte Dachziegel in Form von Hohlziegeln oder Plattziegeln. Auch das Falzziegeldach kann zur Anwendung kommen, sofern es nicht flacher als ein sogenanntes Wiukeldach gelegt wird. Bei der Eindeckung mit Schiefer em- pfiehlt sich die sogenannte deutsche. Deckung. Durch Abwalmung
der Satteldächerchnd durch Erkerbanten lassen sich die Dachformen sehr wechselnd gestalten.
Anstatt der Hofmauern, die in Verbindung mit hohen Torbauten den Eindruck sicherer Abgeschlossenheit Hervorrufen, wird in ländlichen Ortschaften vielfach das bei städtischen Bauten vorgeschriebene Eisengitter znr Anwendung gebracht. Auch hierdurch wird eine Störung der ländlichen Bauweise verursacht, die leicht vermieden werden kann. Erscheint die Hofmauer zu teuer, so wähle man einen Lattenzaum zwischen Mauerpfeilern. Auch ein gewöhnlicher Zinselzaun fügt sich besser in das Bild einer ländlichen Ortschaft ein, als das eiserne Gitter, dessen Herstellung nicht etwa billiger ist als eine Hofmauer, die vom einheimischen Maurer aus Natursteinen hergestellt werden kann.
Werden erst mehrfach Bauten in der früher üblichen Bauweise unter Verwertung der neuen durch die fortgeschrittene Technik gebotenen Hilfsmittel errichtet sein, so wird sich ergeben, daß diese Bauten nicht unwesentlich billiger herzustellen gewesen sind, als. die bisherigen Eindringlinge int städtischen Gewände, und es steht dann zu hoffen, daß die Bewohner der ländlichen Ortschaften selbst den Wunsch haben iverden, die Bauweise ihrer Vorfahren weiter gepflegt und gefördert zu sehen.
VevMrsch>ts§.
— Die Frau als Königin. Die nwderne Frauenbewegung, die so machtvoll vorwärts schreitet und um die Gleichberechtigung mit dem Mann auf allen Gebieten ringt, ist ja heute noch bekümmert, daß sie nicht alles schon erreicht hat. Einen kleinen Trost findet sie dabei in der Vergangenheit und Geschichte, ivv in vielen Fällen die Frau die Königin ivar und das weibliche Element herrschte, während der Mann nur etwas Nebensächliches darstellte. Die französische Schriftstellerin Jane Dieulafoh hat unlängst bei einein Bortrage in Paris das geschichtliche Material zu diesem Thema in interessanter Weise zusammengestellt. Bei den alten Aegyptern wird die Snveriorität der Frau bewiesen durch die religiöse Sage von Isis und Osiris, Bon diesen beiden Gottheiten ivivd die weibliche Isis, als unsterblich, ausgestattet mit ewigen Kräften geschildert, während Osiris sterblich ist. Im Tal des Nil hat man weitere Beispiele von der weiblichen Suprematie gefunden. In der neunzehnten Dynastie zum Beispiel ragte eine Frau, die berühmte Hatason, hervor, die gleichzeitig Hvherpriester, Verwalter der Provinzen und Oberinspektor der königlichen Güter war. Auch die Bibel erwähnt mehrere Fär'F von der „männlichen" Frau. So wird Debora als ein ,erer Feldherr geschildert, ebenso Mirjam, die Schwester von Moses, die Königin von Saba und vor allem Mhalie. Endlich muß man bei dieser Gelegenheit auch an bie streitbaren Amazonen denken. Allein auch bei anderen Völ- keru haben die Frauen ftüher eine dominierende Stellung eingenommen. Man denke nur au die japanische Königin Okinaga- Tasari-Himö, die nach dem Tode ihres Mannes mit dem Süßten Mute Kriege führte und Siege erfocht. Ans unseren eiten endlich haben Weltreisende von wilden Völkern berichtet, bei denen die Frau nnumschräNkt herrscht und der Mann nur eine Nebenrolle spielt. Mm prägnantesten tritt das in einigen baskischen Dörfern hervor. Hier hat der Mann nur etwas zu sagen während der Niederkunst der Frau. Sobald diese aber wieder das Bett verlassen kann, muß der Manu das Kind warten und pflegen. Die Vortragende schloß, worüber mau sich eines Lächelns nicht erwehren kann, mit einem feurigen Appell an die Frauen, nach Kräften dahin zu wirken, daß die heutigen barbarischen Zeiten für die Frauen aufhören und das ^weibliche Element wieder das wird, was ihm gebührt, Königin und Herrscherin, wie in den heroischen Zeiten.
Bexn-Charade.
(Nachdruck verboten.)
Das Erste wird überall jetzt genannt, Doch ist es wahrscheinlich.noch uirbekannt. Das Zweite nennt dir einen Flächenraum, Der Dritten Schar ist zu zählen kaum. Nur Einen inmitten des Reigentanzes Erkennst du als unbewegliches Ganzes. Und hast du hieraus einen Adler entfernt, So bleibt, was der Tapezierer gelernt.
Auflösung irr nächster Nummer.
W.
Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummerr
Frage nicht, ivas das Geschick
Morgen will beschließen;
Unser ist der Augenblick;
Laßt uns den genießen I Rückert.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


